Bachelorarbeit, 2009
58 Seiten, Note: 1,5
Einleitung
1. Der Alltag und die Verortung des Gegenstandes
2. Ein fliehendes Pferd
2.1. Gattung und Entstehungszeit
2.2. Täuschung und Flucht als maßgebliche Strategien des Protagonisten
2.3. Leistungsdruck und Konkurrenz
2.3.1. Freizeit, Gesundheit, Ernährung
2.3.2. Arbeit
2.3.3. Erinnerung
2.3.4. Sex- und Sexkonsumgesellschaft
2.4. Das fliehende Pferd, die unerhörte Begebenheit, der Schluss
2.5. Der plötzliche Augenblick als Gegenbewegung zum Alltäglichen
3. Warum läuft Herr R. Amok?
3.1. Verortung des Films in seiner Zeit
3.2. Problematisierung der Entstehung des Films: Ist Warum läuft Herr R. Amok? ein Fassbinder Film?
3.3. Der Alltag in Warum läuft Herr R. Amok?
3.3.1. Sprache und Sprachlosigkeit
3.3.2. Stand und Stellung als Primat des Ausdrucks
3.3.3. Unterdrückung von Kreativität und Freude
3.3.4. Krankheit als Ort gesellschaftlicher Konflikte
3.3.5. Erinnerung als Flucht aus dem Alltäglichen
3.3.6. Der Amoklauf als letzte Konsequenz
4. Literatur und Film
Die Arbeit untersucht, wie Martin Walsers Novelle "Ein fliehendes Pferd" und Michael Fenglers sowie Rainer Werner Fassbinders Film "Warum läuft Herr R. Amok?" den deutschen Alltag in den 1960er und 1970er Jahren als eine von Banalität und unausgesprochenen Zwängen geprägte Erfahrung darstellen, die in ihrer Intensität für die Figuren oft unerträglich wird.
2.3.1. Freizeit, Gesundheit, Ernährung
Helmut Halm ist alles andere als glücklich darüber, dass sich Klaus Buch und seine Frau zu ihnen an den Tisch setzen. „Die beiden redeten. Redend setzten sie sich. Sitzend redeten sie weiter. Helmut dachte an die Tagebücher Kierkegaards. Sabine gab alle Auskünfte, die durch Hel´s und Klaus´ Reden nötig wurden“ (21f.). Diese Epanalepse, einer bei Walser häufig gebräuchlichen Sprachfigur, lässt das ununterbrochene Reden Klaus Buchs fast schon grotesk erscheinen. Seine Freude über das Wiedersehen mit Helmut ist überschwänglich und versetzt ihn förmlich in einen permanenten Zustand des Redens, der eine Lebenshaltung offenbart, die Helmut konträr entgegenläuft.
Diese Beobachtung lässt sich vor allem an denjenigen Zeichen fest machen, die die Handlungen und das Äußerliche der Figuren beschreiben. Die Buchs trinken „nur Mineralwasser. […] Helmut und Sabine tranken den schwersten, teuersten Spätburgunder“ (31). Die Buchs essen nur Salat und Steak und Klaus lehnt Helmuts Angebot einer Zigarette mit der Bemerkung ab, „er dürfe nicht rückfällig werden“ (35). Als Helmut dann bemerkt, „daß die sein Rauchen mit einer erschütternden Teilnahme beobachteten, hatte ihm das Rauchen nicht mehr so geschmeckt wie sonst“ (35).
Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie das scheinbar Unwichtige und Alltägliche in Literatur und Film an Bedeutung gewinnen kann, und stellt die beiden ausgewählten Werke vor.
1. Der Alltag und die Verortung des Gegenstandes: Dieses Kapitel verortet das Thema Alltag wissenschaftlich und diskutiert das Problem der theoretischen Erfassung eines Phänomens, das sich einer klaren Definition entzieht.
2. Ein fliehendes Pferd: Die Analyse der Novelle beleuchtet die Fluchtstrategien der Figuren sowie den Leistungsdruck und den Konkurrenzkampf, die den Urlaub am Bodensee bestimmen.
3. Warum läuft Herr R. Amok?: Der Fokus liegt auf der Verortung des Films im Neuen Deutschen Film sowie der Analyse der dokumentarischen Ästhetik, die die alltägliche Enge und Sprachlosigkeit der Figur Herrn R. thematisiert.
4. Literatur und Film: Abschließend wird verglichen, wie beide Medien durch ihre spezifischen Zeichensysteme – das Wort in der Literatur und das Bild im Film – unterschiedliche Zugänge zur Darstellung des Alltags finden.
Alltag, Martin Walser, Ein fliehendes Pferd, Rainer Werner Fassbinder, Warum läuft Herr R. Amok?, Neue Innerlichkeit, Leistungsgesellschaft, Entfremdung, Sprachlosigkeit, Medienvergleich, Literatur, Film, Fluchtstrategien, Identität, Amoklauf
Die Arbeit analysiert die literarische und filmische Darstellung des Alltags als eine Kategorie, die trotz ihrer scheinbaren Banalität eine existenzielle Belastung für Individuen darstellen kann.
Zu den Kernbereichen gehören Leistungsdruck, Konkurrenz, gesellschaftliche Normierung, sowie die Kommunikationsprobleme und Identitätskrisen der Protagonisten.
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie Literatur und Film durch spezifische stilistische Strategien Belanglosigkeiten des Alltags in Bedeutung aufladen und welche mediale Rolle dabei die Inszenierung spielt.
Die Arbeit nutzt eine komparative Literatur- und Medienanalyse, indem sie die beiden Werke in ihrem jeweiligen historischen und gesellschaftlichen Kontext interpretiert.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der Novelle "Ein fliehendes Pferd" und des Films "Warum läuft Herr R. Amok?", wobei Unterkapitel Aspekte wie Arbeit, Erinnerung und Körperlichkeit behandeln.
Wichtige Begriffe sind Alltag, Entfremdung, Leistungsgesellschaft, Authentizität, Scheinproduktion und das Konzept des "plötzlichen Augenblicks".
Die Literatur nutzt eher die Beschreibung und paradigmatische Ebene, um Innenwelten zu entfalten, während der Film durch seine unmittelbare Bildsprache und visuelle Einengung ("Guckkasten") den Zustand des Ausgeliefert-Seins direkt physisch erfahrbar macht.
Die Arbeit interpretiert den Amoklauf als eine logische Konsequenz der völligen psychischen und sozialen Isolation, da Herr R. im Gegensatz zu anderen Figuren sein Scheitern und die Einengung seines Daseins zutiefst bewusst wahrnimmt.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

