Diplomarbeit, 2002
167 Seiten, Note: Sehr gut
1. Einleitung
2. Die neoformalistische Filmanalyse
2.1 Über die Natur des Kunstwerkes
2.2 Das Medium Film und die filmischen Verfahren
2.3 Die aktive Rolle des Zuschauers
2.4 Hypothesenbildung durch Denkmuster
2.5 Wichtige Begriffe für die Analyse narrativer Filme
2.6 Zusammenfassung
3. Leben und Werk Carlos Sauras
3.1 Die ersten Jahre
3.1.1 Kindheit
3.1.2 Jugend und Studium
3.1.3 Privatleben
3.2 Filmübersicht
3.2.1 Kurzfilme
3.3 Weitere Arbeitsfelder
4. Analyse des Saura‘schen Gesamtwerkes
4.1 Die Generalthemen
4.1.1 Darstellung aktueller Phänomene der spanischen Gesellschaft
4.1.2 Darstellung historischer spanischer Persönlichkeiten
4.1.3 Darstellung spanischer Kunst und Kultur
4.1.4 Darstellung spanischer Geschichte
4.1.5 Sonstige Themengebiete
4.2 Häufig wiederkehrende Motive
4.2.1 Das Motiv der Extremsituation der Hauptfigur
4.2.2 Das Motiv des Todes
4.2.3 Das Motiv der Liebe
4.2.4 Das Motiv der Erinnerung
4.2.5 Das Motiv des spanischen Bürgerkrieges
4.2.6 Das Motiv der doppelbödigen Inszenierung
4.2.7 Das Motiv der selbstbezüglichen Narration
4.3 Stilmittel
4.3.1 Die Vermischung und Überlagerung der Bewusstseinsebenen
4.3.2 Die realistische Filmästhetik
4.3.3 Die verschlüsselte Filmsprache
4.3.4 Der geschlossene Erzählraum
4.3.5 Der Einsatz von Licht, Farben und Spiegeln
4.3.6 Das Sichtbarmachen des Unsichtbaren
4.3.7 Sonstige Stilmittel
4.4 Besonderheiten
5. Sauras Arbeit im Spiegel der Öffentlichkeit
5.1 Behinderung und späte Anerkennung in Spanien
5.1.1 Schwierigkeiten mit der spanischen Zensur
5.1.2 Wenig Erfolg bei Kritik und Publikum
5.1.3 Späte spanische Preise
5.2 Bekanntheit und Ansehen in Deutschland
5.2.1 Carlos Saura? Ach, der mit der Carmen...
5.2.2 Anerkennung durch Berlinale und Kritiker
5.2.3 Carlos Saura – ein "überaus umgänglicher und freundlicher Mensch"
5.3 Zwei Linien und mehr
5.4 Saura über Saura
6. Schlussbemerkung
Die vorliegende Arbeit analysiert das filmische Gesamtwerk des spanischen Regisseurs Carlos Saura. Ziel ist es, übergreifende Merkmale und einen charakteristischen Regiestil zu identifizieren, unter Einbeziehung biografischer Aspekte sowie der filmtechnischen Entwicklung über mehrere Jahrzehnte.
Die neoformalistische Filmanalyse
Jede Analyse setzt eine Methode voraus und die Filmanalyse macht hier keine Ausnahme. Natürlich gibt es in diesem Bereich (Wo wäre das heutzutage anders?) zahlreiche und unterschiedliche Methodenansätze. Die Namen großer Analytiker sind bekannt: Eisenstein, Kracauer, Bazin und Grierson hatten bereits vor Jahrzehnten filmtheoretische Überlegungen angestellt. Ungezählt sind die Ansätze der "Unbekannten", welche ihrerseits neue Sichtweisen zum Thema ins Feld führten.
Welche Analysemethode ist für die vorliegende Arbeit jedoch die richtige? Die biografische, welche sich auf Person und Biografie des Regisseurs stützt und dort Interpretationsmöglichkeiten vermutet? (Das Leben Carlos Sauras bietet wahrlich eine Reihe von Anknüpfungspunkten...) Die soziologische, die auf ein Verständnis des Films im Licht seines gesellschaftlichen Umfeldes abzielt? (Noch besser. Man denke nur an Sauras verschlüsselte Filmsprache während der Franco-Diktatur...) Oder die literaturhistorische, welche - explizit oder implizit - auf eine literarische Vorlage verweist? (Einverstanden, eine angemessene Beachtung der Saura‘schen Literaturverfilmungen darf selbstverständlich nicht fehlen...) Gewiss wäre auch die psychologische (setzt sich mit der Psyche des Zuschauers auseinander) oder die genrespezifische (ordnet den Film einem bestimmten Genre zu, z.B. Sciencefiction) Methode nicht allzu verkehrt – zur Unterstützung ihrer Thesen würden sich schon einige Saura-Filme finden lassen.
Der Nachteil aller genannten Methoden ist offensichtlich: Zwecks Selbstbestätigung werden lediglich die Filme analysiert, die der Methode angemessen sind. In Kategorien eingeteilt, verlieren die Filme ihre spezifischen Besonderheiten. Auf diese Weise reduzieren vorgefasste Methoden die Komplexität von Filmen. Eine sinnvolle Filmanalyse lässt sich dagegen nicht in ein Korsett drängen. In ihrem Mittelpunkt steht der Film – und nicht irgendeine Methode, die es zu beweisen gilt. Aufgabe und Ziel der Analyse ist es, durch eingehende Betrachtung sämtlicher Einstellungen die signifikanten Phänomene eines filmischen Werkes herauszuarbeiten. Die Ergebnisse können danach durchaus unter Heranziehung eines oder gar mehrerer Ansätze interpretiert werden.
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Ziel der Arbeit ein, das Gesamtwerk von Carlos Saura inhaltlich und filmtechnisch zu analysieren, und erläutert den methodischen Ansatz.
2. Die neoformalistische Filmanalyse: Hier werden die theoretischen Grundlagen des Neoformalismus dargelegt, insbesondere der Fokus auf den Film selbst sowie die Rolle des Zuschauers.
3. Leben und Werk Carlos Sauras: Dieser Abschnitt bietet eine biografische Einführung und einen chronologischen Überblick über das Schaffen des Regisseurs, von seinen frühen Fotografien bis zu seinen Filmen.
4. Analyse des Saura‘schen Gesamtwerkes: Dieser Hauptteil systematisiert Sauras Arbeit anhand von zentralen Generalthemen, wiederkehrenden Motiven und spezifischen Stilmitteln.
5. Sauras Arbeit im Spiegel der Öffentlichkeit: Hier wird die Rezeption durch die Zensurbehörden, die öffentliche Kritik und das Publikum in Spanien und Deutschland kritisch beleuchtet.
6. Schlussbemerkung: Dieses Kapitel resümiert die wesentlichen Erkenntnisse der Arbeit und ordnet Sauras künstlerische Position im heutigen Kino ein.
Carlos Saura, Filmanalyse, Neoformalismus, Spanischer Film, Regiearbeit, Filmsprache, Bürgerkrieg, Erinnerung, Identität, Inszenierung, Tanzfilm, Goya, Buñuel, Geraldine Chaplin, Symbolik
Die Arbeit bietet eine umfassende Analyse des filmischen Gesamtwerkes von Carlos Saura, wobei der Fokus auf inhaltlichen Themen, Motiven und filmtechnischen Stilmitteln liegt.
Saura thematisiert primär aktuelle Probleme der spanischen Gesellschaft, historische Persönlichkeiten, Aspekte der spanischen Kunst und Kultur sowie die Auswirkungen des spanischen Bürgerkrieges.
Das Ziel ist es, trotz der großen Vielfalt im Schaffen Sauras übergreifende, charakteristische Merkmale zu kristallisieren und die Frage zu beantworten, ob es einen typischen "Saura-Stil" gibt.
Die Arbeit stützt sich auf den Ansatz der neoformalistischen Filmanalyse, der eine unvoreingenommene Betrachtung des Films selbst in den Mittelpunkt stellt, anstatt den Film in ein theoretisches Korsett zu zwängen.
Zu den wichtigsten Motiven zählen die Extremsituation der Hauptfiguren, das Motiv des Todes, die Liebe, die Erinnerung, der spanische Bürgerkrieg sowie eine doppelbödige Inszenierung und selbstbezügliche Narration.
Besonders prägend sind die Vermischung von Bewusstseinsebenen, eine oft realistische Filmästhetik, eine verschlüsselte Filmsprache, der Einsatz von Licht und Spiegeln sowie das Sichtbarmachen des "Unsichtbaren" bei Tanz- und Theaterinszenierungen.
Unter der strengen Zensur entwickelte Saura eine indirekte, symbolisch verschlüsselte Filmsprache, die es ihm ermöglichte, Kritik am System zu üben, ohne direkt verboten zu werden.
Saura verbindet häufig die Haupthandlung mit Theater- oder Tanzstücken, wodurch die Grenzen zwischen filmischer Wirklichkeit und Fiktion verschwimmen und der Zuschauer zur aktiven Reflexion aufgefordert wird.
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