Examensarbeit, 2002
172 Seiten, Note: 1,0
Einführung
I. Vorwort
II. Das Magische Dreieck – Eine veranschaulichende Problemerfassung zur Kommerzialisierung des Hochleistungssports
III. Aufbau und Vorgehensweise
1. Doping – Eine Annäherung
1.1 Die uralten Praktiken
1.2 Das Dopingphänomen der Moderne
1.2.1 Versuch einer definitorischen Eingrenzung
1.2.1.1 Die Wesensdefinitionen von Doping
1.2.1.2 Die enumerativen Definitionen: Die „Dopinglisten“
1.2.2 Dopingkontrollen und Rechtliche Grundlagen
1.2.3 Zur Kontrolleffektivität
1.3 Der gesellschaftliche Umgang mit Doping
1.3.1 Doping als Thema der Massenmedien
1.3.2 Wirkungen und Konsequenzen beim Publikum
2. Der moderne Hochleistungssport – Entwicklung und Strukturen
2.1 Relevante Aspekte der englischen sports
2.1.1 Rationalisierung, Quantifizierung, Normierung
2.1.2 Höchstleistung, Konkurrenz und Rekord
2.1.3 Chancengleichheit und Fair play
2.1.4 Amateurismus versus Professionalismus
2.1.5 Exkurs: Der Olympismus
2.2 Zur Spezifizierung des Systems Hochleistungssport
2.2.1 Der Leistungsimperativ des Sportcodes
2.2.1.1 Der Sportcode als Kommunikationszusammenhang
2.2.1.2 Das evaluative Programm
2.2.1.3 Das normative Programm
2.2.2 Leistungsmaximierung, Körperlimit und Wissenschaftliche Kompensation
2.3 Zusammenfassung und Überleitung
3. Die Kommerzialisierung des Hochleistungssports
3.1 Gesellschaftspolitische Voraussetzungen
3.1.1 Die Spitzensportförderung des Staates
3.1.2 Historische Voraussetzungen
3.1.3 Politische Instrumentalisierung sportlichen Erfolgs
3.1.4 Der gesellschaftliche Wandel
3.2 Das Sportpublikum – Bedingungen des Zuschauerinteresses
3.2.1 Spannung, Unterhaltung, Geselligkeit
3.2.2 Rezeption, Identifikation, Projektion
3.2.3 Voyeurismus, Nervenkitzel, sportunspezifische Sozialität
3.3 Das Magische Dreieck – Zur Ausdifferenzierung von Kommerz und Fernsehen
3.3.1 Kommerzialisierung, Output und Kommunikationsprozess
3.3.2 Zum Stellenwert des Mediums Fernsehen
3.3.2.1 Voraussetzungen
3.3.2.2 Entwicklung
3.3.3 Der Markt für Werberechte – Das Sportsponsoring
3.3.3.1 Zum Begriff des Sponsoring
3.3.3.2 Ziele des Sportsponsoring: Zur Kommunikationspolitik
3.3.3.3 Entwicklung
3.3.3.4 Der Markt für Lizenzrechte: Merchandising
3.3.3.4.1 Begriff
3.3.3.4.2 Lizenzverwertung von Namen und Marken
3.3.3.4.3 Lizenzverwertung von Veranstaltungen
3.3.3.5 Internationale Sport-Vermarktungs- Agenturen
3.3.3.6 Sportler-Agenturen
3.3.3.7 Auswahlkriterium Reichweite
3.3.4 Der Markt für Fernsehrechte
3.3.4.1 Strukturen der Fernsehvermarktung
3.3.4.2 Die Werbezeiten als Refinanzierung der TV-Rechte
3.4 Interpretierende Zusammenfassung
4. Sportlerkarriere und Doping – Abschließende Diskussion
4.1 Die Hochleistungssport-Karriere als biographische Falle
4.1.1 Spezifische Risiken
4.1.1.1 Erfolglosigkeit
4.1.1.2 Zukunftsunsicherheit
4.1.2 „Ich bereue nichts, ...“ – Zur Erfolgsorientierung
4.2 Das Dopingphänomen im Hochleistungssport - Eine Relativierung
4.2.1 Das Wesen von Doping und die Mär vom Ethos des Spitzenports
4.2.1.1 Chancen-Ungleichheit
4.2.1.2 Unfairness
4.2.1.3 „(Hochleistungs-)Sport ist Mord!“ – Unnatürlichkeit und oberflächliche Gesundheit
4.2.2 Zur Problematik der Dopinglisten
4.2.3 Grenzbereiche: Legal-Illegal-Substitution
4.3 Was ist Doping?
4.4. Doping und Hochleistungssport: Pädagogisch sehr wertvoll?
Die Arbeit untersucht das Phänomen Doping als strukturelles Problem des modernen Hochleistungssports, das in engem Zusammenhang mit ökonomischen und medialen Verwertungsprozessen steht. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich mit der systembedingten Entstehung von Doping durch den Leistungsimperativ und die Kommerzialisierung, wobei der Sportler als Akteur in einem komplexen Geflecht aus politischen, wirtschaftlichen und sozialen Erwartungen betrachtet wird.
2.2.1 Der Leistungsimperativ des Sportcodes
In den Leitlinien für den Spitzensport, den der DSB am 8.6.1985 in Hannover beschließt, geht es um die weitere Förderung des hochleistungssportlichen Systems, im Hinblick auf die anstehenden Sportgroßveranstaltungen der folgenden Jahre, allen voran die Olympischen Spiele 1988.
Obwohl festgestellt wird, dass die bundesrepublikanischen Leistungssportler bereits bei den „Olympischen Spielen 1984 als [einzige] in allen Sportarten Finalplätze“ erreichten (In: HAAG u.a., 1991, S. 109), wird ein international ansteigendes Leistungsniveau konstatiert, welches die Etablierung der deutschen Olympiamannschaft in der Weltspitze für 1988 gefährde (vgl. a.a.O.). Aus diesem Grunde wird als oberstes Ziel dieser Leitlinien vorgegeben, dass – basierend auf einer notwendigen Bereitschaft der Spitzensportler, hohe Belastungen auf sich zu nehmen – die erfolgreiche Teilnahme an den Olympischen Spielen und bei nichtolympischen Sportarten an Welt- und Europameisterschaften anzustreben sei; deshalb brauche der Spitzensport auf allen Ebenen mehr und höher qualifizierte Trainer, um erfolgreicher als die ausländische Konkurrenz zu sein (vgl. a.a.O., S. 108ff.).
Aus diesen Zielen wird sehr deutlich ablesbar, dass die Verbände dem Spitzensportler Erfolge auf internationaler Ebene abverlangen, womit sie dem oben bereits erwähnten citius, altius, fortius, als ein Steigerungsimperativ, als Pflichtgebot deutbar, höchste Aufmerksamkeit zollen. Als einen für die Dopingproblematik fundamentalen Antreiber, äußert sich dieses Gebot im Spitzensport, in systemtheoretischer Hinsicht, am Code Sieg/Niederlage. Da der Sport in diesem Sinne als das erwähnte soziale Konstrukt angesehen werden muss, dass seine spezifischen Teilkriterien erst durch die ihn vollziehenden Personen und deren Motive, Werte und Normen erhält, bestimmen jene in dieses Konstrukt einbezogenen Akteure, ob es sich beispielsweise um erholsamen oder leistungsorientierten Sport handelt. „Erst durch solche »Konstruktionsmuster« entsteht ein Bedeutungsfeld, in dem eine Aktivität als Sport interpretiert wird“ (HEINEMANN, 1998a, S. 34); an diesem Code orientieren die beteiligten Akteure ihre Handlungsweisen.
1. Doping – Eine Annäherung: Dieses Kapitel führt in das Phänomen Doping ein, betrachtet es historisch und diskutiert die soziologische sowie rechtliche Problematik der Begriffsdefinition und Kontrolle.
2. Der moderne Hochleistungssport – Entwicklung und Strukturen: Hier wird der Hochleistungssport als eigenes gesellschaftliches Subsystem analysiert, wobei besonders auf die Genese des englischen Sports und den leistungsorientierten „Sportcode“ eingegangen wird.
3. Die Kommerzialisierung des Hochleistungssports: Dieses Kapitel beleuchtet das Zusammenspiel von Sport, Medien und Wirtschaft, insbesondere die Rolle des Fernsehens und des Sportsponsoring bei der Steigerung des Erfolgs- und Leistungsdrucks.
4. Sportlerkarriere und Doping – Abschließende Diskussion: Der abschließende Teil untersucht die Karriere des Sportlers als biographische Falle und diskutiert pädagogische Ansätze im Umgang mit dem Dopingproblem, wobei die Ambivalenz zwischen Anspruch und Realität thematisiert wird.
Doping, Hochleistungssport, Kommerzialisierung, Sportcode, Leistungsmaximierung, Sportjournalismus, Sponsoring, Fernsehrechte, soziale Konstruktion, Ethos des Sports, Sportlerkarriere, Leistungsindividualismus, pädagogische Verantwortung, Systemtheorie.
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der Kommerzialisierung des modernen Hochleistungssports und der Tendenz zur Leistungsmaximierung, die letztlich in Doping als systemischem Phänomen mündet.
Die Arbeit fokussiert auf die Interdependenzen zwischen Sport, Medien, Politik und Wirtschaft, die institutionelle Förderung des Spitzensports und die soziologischen Hintergründe der Dopingproblematik.
Das Ziel ist es, Doping nicht als bloßes individuelles Fehlverhalten („Einzeltäterhypothese“) zu begreifen, sondern als strukturelles Produkt eines sozialen Systems, das durch Erfolgsorientierung und ökonomische Verwertung geprägt ist.
Die Arbeit stützt sich primär auf eine soziologische Systemtheorie sowie auf modelltheoretische und idealtypische Überlegungen, um die komplexen gesellschaftlichen Geflechte des Hochleistungssports zu analysieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der sporthistorischen Entwicklung, die Bedeutung des Sportcodes (Sieg/Niederlage), die ökonomische Logik des Sportsponsorings und die Auswirkungen auf die Sportlerbiographien.
Die wichtigsten Begriffe umfassen Doping, Hochleistungssport, Kommerzialisierung, Sponsoring, Leistungsmaximierung und die Rolle der Medien als „vierte Gewalt“ im Sport.
Das „Magische Dreieck“ beschreibt die interdependenten Beziehungen zwischen Sport, Fernsehen und Kommerz, die sich gegenseitig stützen und einen dauerhaften Erpressungs- und Leistungsdruck auf den einzelnen Athleten ausüben.
Der Autor kritisiert den Sportjournalismus scharf dafür, dass er oft als Teil des Dopingproblems agiert, indem er durch Boulevardisierung und die „Einzeltäterhypothese“ ein realitätsfremdes Bild vom Spitzensport aufrechterhält, anstatt komplexe Strukturen aufzuklären.
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