Magisterarbeit, 2010
103 Seiten, Note: 1,0
1 EINLEITUNG
1.1 DIE REPRÄSENTATION IM FILM: BLUES ALS KULTURELLE WILDCARD
2 BLUES UND HIP-HOP: AUTHENTISCHE PHANTOME
3 AUTHENTIZITÄT UND INSZENIERUNG: GENRE-INHÄRENTE SYMPTOME
4 HONEYDRIPPER (2007)
4.1 PROLOG
4.2 BERTHA MAE
4.3 POSSUM
4.3.1 Stack-o-Lee
4.3.2 „Crossroads“ – eine forcierte Semantik
4.4 TYRONE PURVIS
4.4.1 Going Down Slow
4.4.2 Die elektrische Gitarre in Honeydripper
4.5 SONNY
4.5.1 Good Rockin‘ Tonight
5 ZWISCHENFAZIT
6 EXKURS: ASCAP UND BMI – SONGSMITHS VS. PERFORMERS
7 CADILLAC RECORDS (2008)
7.1 EINLEITUNG
7.2 TAKTISCHE DISKUSSION
7.2.1 Muddy Waters und Alan Lomax
7.3 DIE MUSIKALISCHE REPRÄSENTATION
7.3.1 Smokestack Lightning
7.3.2 Evolution of a Man – Kontrastive Untersuchungen zweier Genres im Dialog
7.3.3 Authentische und diskursfähige Adaptionen
8 „STRUGGLE“: EINE AFROAMERIKANISCHE MUSIKÄSTHETIK?
9 BLACK SNAKE MOAN
10 FAZIT
11 ANNEX – DESPERATE MAN BLUES (2003)
12 ANHANG
12.1 RESOLUTION „YEAR OF THE BLUES“
12.2 ABBILDUNGEN
12.3 LYRICS
13 LITERATURVERZEICHNIS
13.1 NACHSCHLAGEWERKE
13.2 INTERNETQUELLEN MIT ANGABE DES VERFASSERS
13.3 INTERNETQUELLEN OHNE ANGABE DES VERFASSERS
14 FILMOGRAPHIE
14.1 VIDEOMATERIAL IM INTERNET
15 DISKOGRAPHIE
Die Arbeit untersucht die kulturelle Repräsentation und Authentizitätskonstruktion des Blues im Medium Film sowie dessen intermediale Verknüpfung mit dem Hip-Hop. Die zentrale Forschungsfrage hinterfragt, inwiefern der Mythos des Blues als „echte“ oder „authentische“ Musikform medienhistorisch inszeniert und im aktuellen populärkulturellen Diskurs – etwa durch Filme oder digitale Verbreitung – permanent neu verhandelt wird.
4.3.1 Stack-o-Lee
Ist Possums erstes Auftreten im Film noch recht diffus, werden die transportierten Signale bei seinem nächsten Auftritt konkreter, da er nicht nur willkürliche Licks, sondern Tyrone das Traditional „Stacker Lee“ vorspielt (00:38:33-00:40:28). Wieder erscheint Possum unvermittelt, angekündigt aus dem Off in der Tonspur. Dieses Stück, auch als „Stack O‘ Lee“, „Stagger Lee“, „Stag-o-Lee“ und in anderen Schreibweisen bekannt, beschreibt den Hergang eines Mordes 1895 im „Bill Curtis Saloon“ in St. Louis/Missouri. Der afroamerikanische Kutscher und Zuhälter Lee Sheldon/Shelton soll den Deichbauarbeiter William Lyons/Billy Lyon im Rahmen eines Streits um einen Hut mit einem Bauchschuss tödlich verwundet haben. Im Rahmen der Field Recordings für die Library of Congress wurden zwischen beiden Weltkriegen insgesamt 16 Versionen katalogisiert. Unter den bekanntesten Aufnahmen sind die von Ma Rainey (1925), Furry Lewis (1927) und John Hurt (1928), die auch als die definitive Version gilt, auf die sich die vielen Coverversionen und Referenzen aus dem Pop, unter anderem von Bob Dylan, dem Countrygitarristen Merle Travis, Nick Cave mit einer außergewöhnlich vulgären Version und The Clash berufen. Konkret zu erwähnen sei vielleicht noch Duke Ellingtons Aufnahme von 1927, die das Material effektiv aus dem Folklore-Feld in die populäre Musik hievte. Bis heute wurde das Motiv im Ragtime, einem Broadway Showtune, Blues, Jazz, Honky Tonk, Country, 50s Rock ‘n‘ Roll, Ska, Folk, Surf, Punk, Heavy Metal und Rap verarbeitet. Die schiere Masse der Künstler, die sich der Thematik annahmen, machten den Mordfall zu einem klassischen Motiv in der nordamerikanischen Folklore, das sich in seinen Variationen längst verselbständigt hat.
1 EINLEITUNG: Die Einleitung skizziert die mediale Präsenz des Blues im Internetzeitalter und stellt die Frage, wie ein Genre, das sich der Kanonbildung zu entziehen scheint, heute als authentisch definiert wird.
2 BLUES UND HIP-HOP: AUTHENTISCHE PHANTOME: Dieses Kapitel vergleicht die Evolutionsmodelle von Blues und Hip-Hop und untersucht, wie beide Genres jeweils ihre Pioniere als authentische Idole institutionalisieren.
3 AUTHENTIZITÄT UND INSZENIERUNG: GENRE-INHÄRENTE SYMPTOME: Es wird die akademische Auseinandersetzung mit dem „Folk-Blues“ hinterfragt und aufgezeigt, wie Sammler und Forscher durch ihre Feldaufnahmen das Genre erst konstruierten.
4 HONEYDRIPPER (2007): Anhand von John Sayles‘ Film wird die Verknüpfung von Popmythologie mit der sozio-politischen Realität im Alabama der 1950er Jahre analysiert.
6 EXKURS: ASCAP UND BMI – SONGSMITHS VS. PERFORMERS: Dieser Exkurs beleuchtet den historischen Konflikt der Verwertungsgesellschaften und deren Einfluss auf die Dominanz bestimmter Musikstile im Radio.
7 CADILLAC RECORDS (2008): Die Analyse des Films konzentriert sich auf die Labelgeschichte von Chess Records und die Rolle der Musiker bei der medialen Transformation afroamerikanischer Musik.
8 „STRUGGLE“: EINE AFROAMERIKANISCHE MUSIKÄSTHETIK?: Hier wird untersucht, ob ein „Blues-Genom“ existiert oder ob der Begriff lediglich als diskursive Projektion dient, die durch Hip-Hop adaptiert wurde.
10 FAZIT: Das Fazit fasst zusammen, dass die historische Aufarbeitung des Blues stets ein Akt der Inszenierung ist und eine neutrale oder gar endgültige Erzählform illusionär bleibt.
Blues, Hip-Hop, Authentizität, Americana, Chess Records, Folk-Revival, Popmythologie, Race Records, Field Recordings, Race Music, Rhythm & Blues, Musikästhetik, Diskursivität, Kanonbildung, Intertextualität.
Die Arbeit untersucht die Konstruktion von Authentizität im Blues. Sie analysiert, wie Filme und mediale Prozesse ein genre-spezifisches Bild erzeugen und wie dieses Bild mit späteren Musikrichtungen wie dem Hip-Hop verknüpft wird.
Themenfelder sind die mediale Repräsentation von Musikgeschichte, die Rolle von Labels und Verwertungsgesellschaften (ASCAP/BMI) sowie die soziokulturelle Bedeutung des „Struggle“ als ästhetischer Marker.
Ziel ist es, die dem Mythos des Blues zugrunde liegenden Klischees zu hinterfragen und zu zeigen, dass die vermeintliche Ursprünglichkeit der Musik häufig eine mediale oder akademische Konstruktion ist.
Die Arbeit nutzt eine diskursanalytische Herangehensweise, die musikhistorische Quellen sowie Spielfilme als primäre historische Zeugnisse zur Untersuchung von Zeitgeist und Kulturgeschichte verwendet.
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der filmischen Auseinandersetzung mit Musikerbiografien, insbesondere am Beispiel der Filme „Honeydripper“ und „Cadillac Records“, sowie auf dem systemkritischen Vergleich von Blues-Motiven und Rap-Strukturen.
Hauptbegriffe sind Authentizitätsdebatte, mediale Rekontextualisierung, Folk-Revival, Labelhistorie, intermediale Interreferenzen und die Rolle des Blues innerhalb des amerikanischen Kulturentwicklungsapparats.
Filme werden nicht als historische Dokumente, sondern als strategische Inszenierungen betrachtet, die den „Greatest-Hits“-Ansatz wählen, um komplexe Labelhistorien massentauglich zu rahmen.
Der Autor schlussfolgert, dass die Suche nach der „einen“ Originalversion oder dem „reinen“ Blues im Grunde subjektiv ist, da das Genre vor allem von kollektiven Variationen und kommerziellen Anpassungen lebt.
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