Masterarbeit, 2022
100 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1. Forschungsfragen
1.2. Aufbau der Arbeit
2. Das allgemeine Kompetenzkonzept
2.1. Das Kompetenzkonzept in den Entwicklungs- und Sozialisationstheorien
2.1.1. Chomskys nativistisch geprägter Kompetenzbegriff
2.1.2. Die Ansätze sozialer Lerntheorien
2.2. Zwischenfazit – Was soll in dieser Arbeit unter Kompetenz verstanden werden?
3. Lesesozialisation
3.1. Ein Einordnungsversuch des theoretischen Konstrukts der Lesesozialisation
3.2. Das prototypische Verlaufsschema einer gelingenden Lesesozialisation
3.2.1. Die primäre literarische Initiation
3.2.2. Der Schriftspracherwerb
3.2.3. Die lustvolle Kinderlektüre
3.2.4. Die Buch- bzw. literarische Lesekrise
3.2.5. Die Überwindung der Lesekrise
3.2.6. Die sieben Lesemodi des Erwachsenenalter
3.3. Kritik und Reaktionen hinsichtlich des prototypischen Verlaufsschemas einer gelingenden Lesesozialisation
3.3.1. Das Mehrebenenmodell der Ko-Konstruktion
3.3.2. Das Erwartungs-X-Wert-Modell
3.4. Zwischenfazit zur Bedeutung der Lesesozialisation
4. Lesekompetenz
4.1. Der kulturwissenschaftlich-orientierte Ansatz der Lesesozialisationsforschung
4.1.1. Die kognitiven Elemente des Leseprozesses
4.1.1.1. Hierarchieniedrige Leseprozessebene
4.1.1.1.1. Aufbau der propositionalen Textrepräsentation
4.1.1.1.2. Lokale Kohärenzbildung
4.1.1.2. Hierarchiehohe Leseprozessebene
4.1.1.2.1. Globale Kohärenzbildung
4.1.2. Herausbildung der Superstrukturen
4.1.3. Identifizierung von Darstellungsstrategien
4.1.4. Motivational-emotionale Aspekte des Leseprozesses
4.1.5. Reflexionen und Anschlusskommunikation
4.1.6. Das Mehrebenenmodell des Lesens
4.1.6.1. Prozessebene
4.1.6.2. Subjektebene
4.1.6.3. Soziale Ebene
4.2. Das kognitionspsychologisch-orientierte Lesekompetenzmodell der PISA-Studien
4.3. Das modifizierte Lesekompetenzmodell der PISA-Studie
4.3.1. Leseflüssigkeit – Basale Leseprozesse
4.3.2. Leseprozess – Komplexe Textverarbeitung
4.3.2.1. Lokalisieren von Informationen
4.3.2.2. Textverstehen
4.3.2.3. Bewerten und Reflektieren
4.3.3. Aufgabenmanagement
4.3.4. Situative und texttypologische Aspekte der Lesekompetenzdiagnostik der PISA-Studie 2018
4.3.5. Die Lesekompetenzstufen der PISA-Studie 2018
4.4. Zwischenfazit zur Bedeutung der Lesekompetenz
5. Ursachen und Mechanismen für allgemeine schichtspezifische Kompetenzdisparitäten
5.1. Die Bedeutung der Merkmale des sozialen Hintergrundes
5.1.1. Die Kapitaltheorie
5.1.1.1. Das ökonomische Kapital
5.1.1.2. Das kulturelle Kapital
5.1.1.3. Das soziale Kapital
5.1.2. Primäre und sekundäre Herkunftseffekte
5.2. Zwischenfazit
6. Empirische Ergebnisse zur Bedeutung des sozialen Hintergrundes für die Lesekompetenz
6.1. Forschungshistorie zur Bedeutung der sozialen Herkunft auf den Bildungserfolg
6.2. Methodische Orientierungen zur Erfassung des sozialen Hintergrundes
6.2.1. Berufe der Elternteile bzw. der Erziehungsberechtigten
6.2.1.1. Bewertungsmaßstäbe im internationalen Vergleich
6.2.1.2. Bewertungsmaßstäbe im nationalen Vergleich
6.2.2. Sozioökonomischer und soziokultureller Status
6.2.3. Klassifizierung des Migrationshintergrundes
6.3. Ergebnisse und Befunde
6.3.1. Zusammenhang zwischen dem sozialen Hintergrund und der Lesekompetenz im internationalen Vergleich
6.3.1.1. Beziehung zwischen dem höchsten sozioökonomischen beruflichen Status der Eltern (HISEI) und der Lesekompetenz
6.3.1.2. Beziehung zwischen Index of Economics, Social, and Cultural Status (ESCS) und der Lesekompetenz
6.3.1.3. Vergleich zu vorherigen Ergebnissen
6.3.2. Zusammenhang zwischen dem sozialen Hintergrund und der Lesekompetenz in Deutschland
6.3.2.1. Die Merkmale des sozialen Hintergrundes
6.3.2.2. Merkmale des sozialen Hintergrundes bei lesestarken und leseschwachen Untersuchungspersonen
6.3.2.3. Quantifizierung der Lesekompetenz nach EGP-Klassen im nationalen Vergleich seit PISA 2000
6.3.3. Zusammenhang zwischen einem Migrationshintergrund und der Lesekompetenz in Deutschland
6.3.3.1. Zuwanderungsbedingte Disparitäten hinsichtlich der Merkmale der sozialen Herkunft sowie der zuhause gesprochenen Sprache in Deutschland
6.3.3.2. Verteilung auf die Stufen der Lesekompetenz nach Zuwanderungsstatus
6.4. Zwischenfazit
7. Erklärungen für schichtspezifische Lesekompetenzdisparitäten in der Sekundarstufe I in Deutschland
7.1. Befundlage in der Ungleichheits- und der Lesesozialisationsforschung
7.2. Bedeutung des Migrationshintergrundes für Lesekompetenzdisparitäten von Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I in Deutschland
8. Zusammenfassung und Beantwortung der Forschungsfragen
Die Arbeit untersucht im Rahmen der PISA-Studien den Zusammenhang zwischen dem sozialen Hintergrund und der Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern der Sekundarstufe I in Deutschland. Ziel ist es, das Ausmaß schichtspezifischer Lesekompetenzdisparitäten sowie deren Veränderung über Zeiträume hinweg zu analysieren und die Rolle des Migrationshintergrundes sowie zugrunde liegende soziale Mechanismen zu identifizieren.
3.2.4. Die Buch- bzw. literarische Lesekrise
Das einschneidendste Ereignis im Rahmen der Lesesozialisation ist die Buch- bzw. literarische Lesekrise (vgl. Philipp 2011: 21). Auch mit Blick auf die Forschungsfragen dieser Arbeit besitzt sie hohe Relevanz, da sie in der Regel mit dem Eintritt in die Pubertät und dem Übergang von der Primarstufe in die Sekundarstufe I einsetzt. Groeben et al. (1999: 7) sprechen an dieser Stelle von einem „Auseinanderfallen von Schul- und Privatlektüre“. Die nach wie vor „distanziert-analytische“ Unterrichtsmethodik bei der Behandlung der jeweiligen Texte wird den Leseinteressen der Schülerinnen und Schülern meist nicht gerecht – die Kluft zwischen den Lesestoffen im schulischen in Relation zum privaten Kontext ist an dieser Stelle besonders groß (ebd.).
Lesekrise ist hier als ein weit gefasster Begriff zu verstehen, der jedwede Transformation enthält, die sich unvorteilhaft auf das Leseverhalten und so auch negativ auf die Lesekompetenz des jeweiligen Individuums auswirkt. Es kann in dieser Entwicklungsphase also zu einem „totalen Abbruch des Lesens bis zum zeitweiligen Einstellen des Lesens, von Neuorientierung beim Lesen hin zu neuen Zugängen zu bislang wenig Gelesenem“ kommen (Philipp 2016: 93).
Das Lesen von Kinderliteratur spricht die Pubertierenden inhaltlich nicht mehr an (vgl. Rosebrock 2012: 3). Rosebrock (2012: 3) resümiert hierzu: „Der kindliche Modus des Lesens als imaginäre Wunscherfüllung funktioniert für sie nicht mehr so einfach wie zuvor.“
Hier bedarf es einer Neujustierung des Lesemodus (vgl. Philipp 2016: 93f.). Der eintretende Mangel an Lesemotivation muss vor allem durch die Hilfe des Elternhauses sowie der institutionalisierten Bildungseinrichtungen überwunden werden (ebd.). Der Lesehabitus der Pubertierenden sollte hier gewissermaßen modifiziert werden – insbesondere die Fähigkeiten, „auch distanziert mit Genuss zu lesen, oder die Kompetenz, Interessen in Textwelten […] zu verfolgen“ stehen hierbei im Vordergrund (Rosebrock 2012: 3).
1. Einleitung: Stellt die Relevanz des Lesens als Grundkompetenz dar und definiert die zentralen Forschungsfragen hinsichtlich schichtspezifischer Lesekompetenzdisparitäten in der Sekundarstufe I.
2. Das allgemeine Kompetenzkonzept: Vergleicht den nativistischen Kompetenzbegriff Chomskys mit sozialisationstheoretischen Ansätzen und fundiert den in der Arbeit verwendeten Kompetenzbegriff nach Weinert.
3. Lesesozialisation: Erläutert den Prozess der Lesesozialisation durch Modelle wie das prototypische Verlaufsschema und die Ko-Konstruktion, wobei die Familie als zentrale Instanz herausgestellt wird.
4. Lesekompetenz: Analysiert kognitive Prozesse und Komponenten des Lesens aus kulturwissenschaftlicher und kognitionspsychologischer Sicht, einschließlich der PISA-Modellierung.
5. Ursachen und Mechanismen für allgemeine schichtspezifische Kompetenzdisparitäten: Erklärt Bildungsungleichheit anhand der Kapitaltheorie Bourdieus und der Unterscheidung primärer und sekundärer Herkunftseffekte.
6. Empirische Ergebnisse zur Bedeutung des sozialen Hintergrundes für die Lesekompetenz: Präsentiert aktuelle Daten der PISA-Studien zur Korrelation zwischen sozialem Hintergrund, Migrationsstatus und Lesekompetenz in Deutschland.
7. Erklärungen für schichtspezifische Lesekompetenzdisparitäten in der Sekundarstufe I in Deutschland: Reflektiert die Befundlage im Hinblick auf schulische Faktoren und die Bedeutung der Lesekrise für die weitere Bildungslaufbahn.
8. Zusammenfassung und Beantwortung der Forschungsfragen: Führt die theoretischen und empirischen Erkenntnisse zusammen und resümiert die Fortdauer der schichtspezifischen Kompetenzungleichheiten.
Lesekompetenz, Lesesozialisation, sozialer Hintergrund, PISA-Studien, Bildungsungleichheit, Sekundarstufe I, Kapitaltheorie, Migrationshintergrund, Lesemotivation, Lesekrise, Schichtspezifische Disparitäten, Bildungsgerechtigkeit, Kognitive Prozesse, Lesehabitus, Interaktionsprozesse.
Die Arbeit untersucht die schichtspezifischen Unterschiede in der Lesekompetenz bei Schülern der Sekundarstufe I in Deutschland unter Berücksichtigung des sozialen Hintergrunds und des Migrationsstatus.
Die Arbeit verknüpft Aspekte der Lesesozialisation mit soziologischen Theorien über soziale Klassen (Kapitaltheorie) und analysiert dazu empirische Daten aus den PISA-Studien.
Es soll geklärt werden, in welchem Ausmaß soziale Herkunft und Migrationshintergrund aktuell die Lesekompetenz beeinflussen und welche Mechanismen zu diesen Disparitäten beitragen.
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Sozialisationsmodellen sowie auf eine Sekundäranalyse und Interpretation aktueller empirischer PISA-Datensätze zur Bildungsungleichheit.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Kompetenzerwerb und Lesesozialisation sowie eine umfangreiche datengestützte Analyse der Bildungschancen in Deutschland im Vergleich zur OECD.
Besonders prägend sind Begriffe wie Lesesozialisation, Kapitaltheorie, soziale Reproduktion und schichtspezifische Kompetenzdisparitäten.
Sie beschreibt eine kritische Phase beim Übergang in die Pubertät oder Sekundarstufe, in der das kindliche Leseverhalten nicht mehr trägt und das Interesse am Lesen ohne Neujustierung des Lesehabitus stark abnehmen kann.
Die Familie gilt als wirksamste Sozialisationsinstanz, da sie maßgeblich für die Bereitstellung eines lernanregenden Umfelds, die Ausbildung von Sprachbewusstsein und die Förderung einer positiven Einstellung zum Lesen verantwortlich ist.
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