Examensarbeit, 2005
75 Seiten, Note: 1,0
I „Welttheater“
1 Vorwort
2 Forschungsstand und aktuelle Literatur
3 Werke der bildenden Kunst in den historischen Gewandhausbauten
3.1 Vorbemerkungen
3.2 Der erste Gewandhaussaal (1781–1895)
3.3 Neues Concerthaus (1882–1944)
4 Das Neue Gewandhaus zu Leipzig
4.1 Vorbemerkungen
4.2 Bildende Kunst im Neuen Gewandhaus
4.3 Die „Bildkünstlerische Direktive“
5 Der Fall Peuker
5.1 Vorbemerkungen
5.2 Chronologische Rekonstruktion der Ereignisse
5.3 Fazit, Richtigstellungen und offene Fragen
5.4 Die Frage nach Verantwortung und Ursache
5.4.1 Vorbemerkungen
5.4.2 Der politisch-ideologische Aspekt
5.4.3 Der Aspekt der (fehlenden) künstlerischen Leitung
5.4.4 Der Aspekt der räumlichen und stilistischen Wirkung
5.4.5 Der inhaltliche Aspekt
5.5 Das „Welttheater“ als Auftragswerk
5.5.1 Kontext Auftragswesen
5.5.2 Die Zerstörung eines Auftragswerkes in der medialen Wahrnehmung
5.6 Fazit
5.6.1 Abschließende Betrachtungen
5.6.2 Ausblick – die Zukunft eines zerstörten Bildes
6 Literatur- und Quellenverzeichnis
6.1 Literaturverzeichnis
6.2 Quellenverzeichnis
II Anlagen
1 Die Interviews
1.1 Vorbemerkungen
1.2 Interview mit Prof. Dr. Rudolf Skoda, Chefarchitekt des Neuen Gewandhauses zu Leipzig
1.3 Interview mit Prof. Sighard Gille, Maler des Bildes „Gesang vom Leben“ im Neuen Gewandhaus
1.4 Interview mit Gudrun Brüne zur Rolle Bernhard Heisigs bei der bildkünstlerischen Ausgestaltung des Neuen Gewandhauses
2 Abbildungen
Nachwort zur Druckfassung
Die Arbeit rekonstruiert detailliert die Entstehungsgeschichte, den Konflikt und die letztliche Zerstörung des Wandbildes „Welttheater“ von Wolfgang Peuker im Foyer des Neuen Gewandhauses zu Leipzig. Dabei wird untersucht, wie kulturpolitische Rahmenbedingungen, staatliche Auftragsprozesse und die architektonische Gestaltung zu einer Entscheidung führten, die das Bild schließlich durch Überstreichen und Verkleidung tilgte.
5.4.5 Der inhaltliche Aspekt
Betrachtet man Peukers Entwurf für den Wandfries und den Arbeitszustand des eigentlichen Bildes vor der Zerstörung, so ist zu erkennen, dass sich die Arbeit wie keine andere im Gewandhaus von der thematischen Vorgabe losgelöst hat. Auch nach der Begrenzung auf die Sockelfläche war der Malgrund noch immer groß genug, um inhaltlich sehr viel weiter auszuholen, als es selbst der vorhandene Spielraum der Themenvorgabe vorsah. Peukers Entwurf für die zentrale Wand des Foyers war nichts weniger als eine Auseinandersetzung mit der existenziellen Frage des menschlichen Seins – die Frage nach Leben und Tod. Dementsprechend fallen auch Titel und Deutungen des Bildes aus. Die wenigen, heute greifbaren Bildanalysen sprechen in Bezug auf das „Welttheater“ von einem „Lebens- und Totentanz“ (Michael 2001/02b, 26), basierend vor allem auf der Beschäftigung mit den „schwarzen Gemälden“ Francisco de Goyas. Wie in diesen spart auch Peuker für das Gewandhausbild jeden Optimismus aus; die Grundstimmung der Arbeit ist bedrückend und abgründig.
Der linke Bildflügel zeigt eine dunkle Figurengruppe in karnevalsähnlicher Kostümierung und Maskierung. Trotz dieser Attribute sieht man keine Spur von Ausgelassenheit oder Frohsinn. Gerade im Arbeitszustand vor der Vernichtung dominieren dunkle Farben und reduzierte Gesten.
Im Mittelteil findet man wie auf einer Bühne szenenartig angeordnete Figurengruppen vor einem vage gehaltenen Hintergrund. Ganz links steht ein nacktes Paar mit Blick auf das weitere Geschehen im Bildverlauf. Darauf folgen im Original zwei Flötenspieler; dem Entwurf nach war hier zunächst eine Beweinungsszene angedacht. Die Figurengruppe im Mittelteil des Bildes besteht aus einem schwarz gekleideten Mann, daneben eine sich gerade verhüllende Nackte. Rechts darauf, etwas in den Hintergrund versetzt, zwei Nackte, einer mit Krone, der andere in Narrenmaskierung. Daran folgt ein weiteres, sich umfassendes, nacktes Paar. Zwischen dem rechten Bildrand und der zentralen Figurengruppe steht eine isolierte, nackte, männliche Figur, die durch hinweisende Arm- und Handhaltung eine Verbindung zwischen mittlerer und rechter Gruppe herstellt. Abgeschlossen wird der weitläufige Mittelteil des Originals durch eine Dreiergruppe nackter Frauen; die Erste dem Betrachter abgewandt, die Letzte in Front zu ihm.
1 Vorwort: Einleitung in die Thematik der Kunst im Gewandhaus und Einführung in den speziellen Fall des zerstörten Peuker-Wandbildes.
2 Forschungsstand und aktuelle Literatur: Kritische Bestandsaufnahme der bisherigen Publikationen zum Thema, die den Mangel an detaillierten Analysen aufzeigt.
3 Werke der bildenden Kunst in den historischen Gewandhausbauten: Historischer Abriss über die Integration von Kunst in die Vorgängerbauten des Gewandhauses.
4 Das Neue Gewandhaus zu Leipzig: Überblick über die Baugeschichte und das programmatische Konzept der bildkünstlerischen Ausgestaltung des 1981 eröffneten Hauses.
5 Der Fall Peuker: Der Hauptteil der Arbeit, der die Ereignisse um Peukers „Welttheater“ chronologisch rekonstruiert, Ursachen analysiert und den gesellschaftspolitischen Kontext beleuchtet.
6 Literatur- und Quellenverzeichnis: Umfassendes Verzeichnis der verwendeten wissenschaftlichen Literatur, Archivquellen und Dokumente.
Wolfgang Peuker, Gewandhaus Leipzig, bildende Kunst, staatliche Auftragskunst, DDR, Wandbild, Zerstörung, Bernhard Heisig, Sighard Gille, Bildkünstlerische Direktive, Kunst im Sozialismus, Kunstrezeption, Foyer-Gestaltung, Kulturpolitik, Kunstzensur
Die Publikation befasst sich mit der künstlerischen Ausgestaltung des Neuen Gewandhauses in Leipzig und widmet sich im speziellen dem Schicksal des Wandbildes „Welttheater“ von Wolfgang Peuker, das kurz nach seiner Entstehung zerstört wurde.
Zentrale Aspekte sind das staatliche Auftragswesen in der DDR, das komplexe Zusammenspiel von Architekten, Künstlern und Kulturfunktionären sowie die Frage nach dem Umgang mit „unbequemer“ Kunst im staatlichen Repräsentationsraum.
Das Ziel ist die detaillierte Rekonstruktion der Geschehnisse um die Zerstörung des Werkes von Peuker, um eine objektive Basis für die Beurteilung der getroffenen Entscheidungen zu schaffen.
Der Autor stützt sich auf eine akribische Auswertung von Archivmaterial (ehemals unter Verschluss), ergänzt durch ausführliche Zeitzeugeninterviews, um Lücken in der bisherigen Forschung zu schließen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine chronologische Ereignisrekonstruktion sowie eine differenzierte Analyse von Verantwortlichkeiten, den räumlichen Wirkungen der Kunst und der inhaltlichen Brisanz der Peuker-Malerei.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „staatliche Auftragskunst“, „Zerstörung eines Wandbildes“, „Kulturpolitik der DDR“ und „Bildkünstlerische Direktive“ definiert.
Die Entscheidung resultierte aus einer Summe von Faktoren: räumliche Wirkungsprobleme an der Stirnwand, inhaltliche Vorbehalte gegen die gewählte Symbolik (Leben und Tod) und die Unentschlossenheit des Auftraggebers, die schließlich in der Zerstörung als „einfachstem“ Weg gipfelte.
Bernhard Heisig fungierte als Leiter der künstlerischen Arbeitsgruppe, war jedoch laut Interviews primär in einer Vermittlerrolle, der trotz seiner Autorität die kritische Entwicklung um Peukers Bild nicht verhindern konnte.
Zeitzeugen wie Sighard Gille betrachten den Versuch einer direkten Rekonstruktion des zerstörten Werkes kritisch, da das Bild substanziell vernichtet wurde, und plädieren eher für den Umgang mit dem Entwurf oder die Dokumentation des Geschehens.
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