Examensarbeit, 2009
71 Seiten, Note: 1,3
I. Einleitung
1. Vorwort
2. Die Quellen
3. Ziel dieser Arbeit
II. Werden + Inf. – Tempus oder Modus?
III. Theorien zur Entstehung von werden + Inf.
1. Ältere Theorien zur Entstehung von werden + Inf.
a. Abschleifungstheorie
b. Synkretismushypothese
2. Elisabeth Leiss: Sprachkontakt mit dem Tschechischen
a. Röslers Theorie
b. Umkehrung von Röslers Theorie
c. Kritik
3. Hans Ulrich Schmid: Entstehung durch Kontamination
a. Schmids Theorie
b. Kritik
4. Gabriele Diewald/Mechthild Habermann: Analogiethese
a. Theorie Diewalds und Habermanns
b. Kritik
IV. Die Durchsetzung des werden-Futurs
1. Volker Harm
a. Harms Theorie
a.a. werden + Inf. vs. werden + Part. Präs.
a.b. werden + Inf. vs. Modalverbkonstruktionen
b. Kritik
2. Gabriele Diewald/Mechthild Habermann: Die Rolle des Lateinischen
a. Theorie
b. Kritik
V. Die Grammatikalisierung von werden + Inf.
VI. Die Entstehung von werden + Inf. im Zwischenfazit
VII. Die Geschichte der frühen deutschen Grammatikschreibung
1. Der mittelhochdeutsche Lateinunterricht
2. Die deutschen Grammatiken
VIII. Die Darstellung der periphrastischen Futurformen in den einzelnen Grammatiken
1. Lateinische Grammatiken
a. Aus dem Quadrinium Grammatices Joannis Coclaei Norici Artium (1511)
b. Joannis Aventinus: Grammatica omnium vtilissima et breuissima (1512)
2. Deutsche Grammatiken
a. Valentin Ickelsamer: Ein Teutsche Grammatica (1534)
b. Johann Elias Meichszner: Handtbuechlein grundtlichs berichts Recht vnd wolschrybens der Orthographie vnd Grammatic (1538)
c. Laurentius Albertus: Teutsch Grammatick oder Sprach-Kunst (1573)
d. Albert Ölinger: Vnderricht der Hoch Teutschen Spraach (1574)
e. Johannes Clajus: Grammatica Germanicae Linguae (1578)
f. Johannes Kromayer: Deutsche Grammatica. Zum newen Methodo der Jugend zum besten zugerichtet (1618)
g. Wolfgang Ratke: Allgemeine Sprachlehr: Nach der Lehrart Ratichii (1619)
h. Christoph Achatius Hager: Teu(e über u)tsche Orthographia
i. Christian Gueintz: Deutscher Sprachlehre Entwurf (1641)
j. Justus Georg Schottelius: Ausführliche Arbeit von der Teutschen HaubtSprache (1663)
k. Christian Pudor: Der Teutschen Sprache Grundrichtigkeit und Zierlichkeit (1672)
l. Johann Bödiker: Grundsäze der Teutschen Sprache (1690)
m. Kaspar Stieler: Der Teutschen Sprache Stammbaum und Fortwachs oder Teutscher Sprachschatz (1691)
n. Carl Friedrich Aichinger: Versuch einer teutschen Sprachlehre (1753)
o. Verschiedene Autoren
o.a. Hans Fabritius: Das Büchlein gleichstimmender Wörter, aber ungleichs Verstandes (1532)
o.b. Peter Jordan: Leyenschul (1533)
o.c. Jacob Grüssbeutel: Ein besonder fast nützlich Stymmen büchlein (1534)
IX. Untersuchungsergebnisse
X. Die Bedeutung der Ergebnisse für die Frage nach der Entstehung von werden + Inf.
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entstehung und Entwicklung der periphrastischen Futurkonstruktion mit „werden“ + Infinitiv im Deutschen. Ziel ist es, den Forschungsstand zu den Entstehungstheorien kritisch zu beleuchten, die Durchsetzung der Konstruktion gegenüber modalen Futurperiphrasen zu erklären und deren Darstellung in älteren deutschen Grammatiken des 16. bis 18. Jahrhunderts systematisch zu analysieren.
3. Hans Ulrich Schmid: Entstehung durch Kontamination
Im Gegensatz zu Elisabeth Leiss vermutet Hans Ulrich Schmid in seinem Aufsatz Die Ausbildung des werden - Futurs – Überlegungen auf der Grundlage mittelalterlicher Endzeitprophezeiungen die Entstehung der analytischen Konstruktion werden + Inf. ausschließlich im schriftsprachlichen Bereich.
Als Grundlage seiner Untersuchungen dient ihm das 15- Zeichen- Korpus, eine Sammlung vorhergesagter Endzeitereignisse, welche ihm „die Möglichkeit eines pragmatischen und onomasiologischen Zugangs“ bietet. Durch die Annahme, dass der Bedeutungsinhalt der jeweiligen Vorhersagen bei Verwendung verschiedener Ausdrucksmittel zur Futurbeschreibung gleichbleibend ist, schließt Schmid darauf, dass eben diese verschiedenen Ausdrucksmittel in ihrer Funktion gleich sein müssen.
Mit den „verschiedenen Ausdrucksmitteln“ wird auf die Existenz der unterschiedlichen Konstruktionen zur Futurbezeichnung verwiesen, also auf die Formen müssen + Inf., sollen + Inf. und werden + Inf.. Schmid unterstreicht ganz deutlich, dass er von einer „primär temporalen Funktion“ von werden +Inf. ausgeht und begründet dies mit dem Glauben der Autoren, „die die Prophezeiung von den 15 Zeichen des Jüngsten Gerichts in Verse fassten [...]“ Sie seien, so Schmid, davon ausgegangen, dass die beschriebenen Endzeitereignisse in Zukunft wirklich eintreten würden und somit als künftige Realitäten und nicht als Eventualitäten einzuschätzen sind.
I. Einleitung: Hinführung zum Thema des periphrastischen Futurs, Vorstellung der Forschungsfragen und der methodischen Herangehensweise.
II. Werden + Inf. – Tempus oder Modus?: Diskussion der wissenschaftlichen Kontroverse um den Status von „werden“ + Infinitiv als Tempus oder modale Konstruktion.
III. Theorien zur Entstehung von werden + Inf.: Kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Hypothesen zur Herkunft der Futurkonstruktion, darunter Abschleifung, Sprachkontakt und Kontamination.
IV. Die Durchsetzung des werden-Futurs: Untersuchung der systeminternen Gründe, warum sich „werden“ + Infinitiv langfristig gegenüber modalen Alternativen durchsetzen konnte.
V. Die Grammatikalisierung von werden + Inf.: Analyse des Grammatikalisierungsprozesses von „werden“ vom Vollverb zum Futurauxiliar.
VI. Die Entstehung von werden + Inf. im Zwischenfazit: Zusammenfassende Bewertung der Theorien und Einordnung der Ergebnisse unter dem Aspekt der Multikausalität.
VII. Die Geschichte der frühen deutschen Grammatikschreibung: Überblick über die Entwicklung von Lehrwerken vom lateinischen Lateinunterricht hin zu frühen deutschen Grammatiken.
VIII. Die Darstellung der periphrastischen Futurformen in den einzelnen Grammatiken: Chronologische Analyse ausgewählter Grammatiken des 16. bis 18. Jahrhunderts hinsichtlich ihrer Futurbehandlung.
IX. Untersuchungsergebnisse: Synthese der Beobachtungen aus den analysierten Grammatiken und Vergleich der unterschiedlichen Darstellungsweisen.
X. Die Bedeutung der Ergebnisse für die Frage nach der Entstehung von werden + Inf.: Abgleich der grammatikgeschichtlichen Befunde mit den linguistischen Theorien zur Entstehung des Futurs.
Werden-Futur, Sprachwandel, Grammatikalisierung, deutsche Sprachgeschichte, ältere Grammatiken, Kontaminationstheorie, Modalität, Temporalität, Futurperiphrase, Frühneuhochdeutsch, Sprachkontakt, Lateinischer Einfluss, Indikativ, Imperativ, Konjunktiv.
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung des periphrastischen deutschen „werden“-Futurs und der Art und Weise, wie diese Konstruktion in historischen Grammatiken des 16. bis 18. Jahrhunderts beschrieben wurde.
Im Zentrum stehen die diachrone Sprachwandelanalyse der Futurkonstruktion, der Grammatikalisierungsprozess von „werden“ sowie die historisch-philologische Auswertung von Quellentexten der frühen deutschen Grammatikschreibung.
Es wird untersucht, wie die Konstruktion „werden“ + Infinitiv entstanden ist und warum sie sich gegenüber Modalverbkonstruktionen wie „sollen“ oder „wollen“ als Standardform für das Futur durchsetzen konnte.
Die Arbeit nutzt einen korpusbasierten Ansatz sowie eine kritische Literaturanalyse, um bestehende linguistische Theorien anhand historischer Quellen und grammatikgeschichtlicher Dokumente zu prüfen und zu bewerten.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung der Entstehungshypothesen, eine Untersuchung der Durchsetzungsfaktoren sowie eine detaillierte chronologische Analyse zahlreicher Einzelgrammatiken vom 16. bis zum 18. Jahrhundert.
Wesentliche Begriffe sind das Futur-Grammem, der Sprachkontakt (insbesondere zum Tschechischen und Lateinischen), Kontamination, Analogie und das Tempussystem.
Die Grammatiker nutzten lateinische Vorbilder für ihre Strukturierung des Deutschen. Dies führte teilweise zur Konstruktion künstlicher Formen, um das deutsche Sprachsystem an das lateinische Paradigma anzupassen.
Hans Ulrich Schmid postuliert, dass die Konstruktion durch eine „Kontamination“ entstand, bei der sich durch die funktionale Konkurrenz zwischen „werden“ als Vollverb und anderen Futurmarkern eine Vermischung der Strukturen ergab.
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