Forschungsarbeit, 2009
29 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Forschungsfrage, Zeitraum der Untersuchung und Definitionen
2.1 Forschungsfrage und Zeitraum der Untersuchung
2.2 Eingrenzungen der Untersuchung
2.3 Definition
3. Theoretische und methodische Grundlage der Untersuchung
3.1 Theoretischer Ansatz: Postkoloniale Theorie
3.2 Methodischer Ansatz: Qualitative Inhaltsanalyse
4. Vorexperimentelle Forschungsphase
4.1 Postkoloniale Theorie und der Balkan: Die Okkupation des Balkans
4.2 Der Balkan, Balkanisierung und Balkanismus
5. Experimentelle Forschungsphase
5.1 Erste Phase: Vorbereitung der Analyse
5.1.1 Festlegung und Beschreibung des Untersuchungsmaterials
5.1.2 Analyse der Entstehungssituation
5.1.3 Richtung der Analyse und Kommunikationsmodell
5.2 Zweite Phase: Durchführung der Analyse
5.2.1 Festlegung der Einschätzungsdimensionen
5.2.2 Bestimmung der Ausprägungen und Einrichtung der Analyseeinheiten
5.2.3 Differenzierung der Fragestellung und Zusammenstellung des Kategoriensystems
6. Postexperimentelle Forschungsphase
6.1 Zusammenfassung der Ergebnisse
6.2 Fazit der Untersuchung
Die Arbeit untersucht, ob während des Implementierungsprozesses des Daytoner Friedensabkommens in den offiziellen Berichten des Hohen Repräsentanten gegenüber den politischen Führungen in Bosnien und Herzegowina paternalistische Denkmuster vorzufinden sind, die auf postkoloniale Kontinuitäten hindeuten.
3.1 Theoretischer Ansatz: Postkoloniale Theorie
Schon der Begriff Postkolonial ist trotz vieler Klärungsversuche bis heute unscharf geblieben (vgl. Castro Valera und Dhawan 2005: 23). So wird zum einen mit dem Präfix post implizit davon ausgegangen, dass es keine prä-koloniale Geschichte in den Ländern gegeben hat und zum anderen, dass es sich mit kolonial immer um Kolonien gehandelt haben muss (vgl. ebd.). Dadurch ergibt sich die besonders fatale Ausgrenzung des Imperialismus, welcher aber besonders nach dem Rückzug des Kolonialismus heute vorherrschend ist (vgl. ebd.: 12ff. und 23). Somit ist es entweder erforderlich, verschiedene Formen der Kolonisation herauszuarbeiten, oder die „[…] miteinander verquickten Phänomene in einer allseits zufrieden stellenden Darstellung zusammenzubringen“ (vgl. ebd.: 14). Darauf aufbauend betonen die Autorinnen den Postkolonialismus nicht einfach als etwas, was nach dem Kolonialismus kommend verstanden werden muss, sondern vielmehr als etwas, das über den Bruch des technischen Machttransfers von Kolonisatoren zu Kolonisierten hinausgeht (vgl. ebd.: 24).
„[…] der Prozess der Dekolonisierung [ist] ein andauernder, der sich eben nicht als linear und fortschreitend darstellen lässt. Neokolonialismus und Rekolonisierungstendenzen zeigen vielmehr an, dass der Kolonialismus immer neue Wege erfindet […]“ (vgl. ebd.). Die Postkoloniale Theorie hat zwei Arbeitsfelder, bei denen sie historisch an den Kolonialismus und Imperialismus anknüpft (vgl. ebd.: 25). Zum einen die Problematisierung der kolonialen Hinterlassenschaften in gesellschaftlicher, ökonomischer und politischer Hinsicht und zum anderen „[…] die Revolutionierung westlicher intellektueller Traditionen, […]“ welche den gängigen Diskurse in der Wissenschaft immer noch prägen (vgl. ebd.).
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Situation Bosnien und Herzegowinas nach dem Bürgerkrieg ein und erläutert die Forschungsabsicht, paternalistische Spuren in der Kommunikation internationaler Administrationen zu untersuchen.
2. Forschungsfrage, Zeitraum der Untersuchung und Definitionen: In diesem Kapitel werden die Forschungsfrage, die zeitliche Eingrenzung (1995-1997) sowie zentrale Begriffe wie politische Führungen definiert.
3. Theoretische und methodische Grundlage der Untersuchung: Dieses Kapitel verankert die Untersuchung in der postkolonialen Theorie und erläutert die Methodik der qualitativen Inhaltsanalyse.
4. Vorexperimentelle Forschungsphase: Hier erfolgt eine kritische theoretische Einordnung des Balkans und des Balkanismus als Voraussetzung für die empirische Anwendung.
5. Experimentelle Forschungsphase: Die experimentelle Phase beschreibt die Vorbereitung der Analyse, die Materialauswahl sowie die Entwicklung der Kategorien anhand des Kommunikationsmodells von Schulz von Thun.
6. Postexperimentelle Forschungsphase: Abschließend werden die Ergebnisse aus sieben Berichten ausgewertet und die Fragestellung beantwortet, ob paternalistische Muster in der Kommunikation des OHR nachweisbar sind.
Postkoloniale Theorie, Bosnien und Herzegowina, Hoher Repräsentant, Daytoner Friedensabkommen, Paternalismus, Balkanismus, qualitative Inhaltsanalyse, internationale Administration, politische Kommunikation, Machtstrukturen, Koordination, Implementierungsprozess, Identitätsbildung.
Die Arbeit untersucht das Vorhandensein paternalistischer Denkmuster in der Kommunikation internationaler Administrationen (konkret des OHR) gegenüber den politischen Führungseliten in Bosnien und Herzegowina.
Die Arbeit verknüpft politikwissenschaftliche Theorien, insbesondere die postkoloniale Theorie, mit der Analyse internationaler Protektorate und der Kommunikationspsychologie.
Die Forschungsfrage lautet, ob während des Implementierungsprozesses des Daytoner Friedensabkommens in der Ansprache des Hohen Repräsentanten gegenüber den politischen Führungen paternalistische Muster feststellbar sind.
Der Autor verwendet die qualitative Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring, ergänzt durch das Kommunikationsmodell von Friedmann Schulz von Thun.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begründung, die Analyse der Entstehungssituation der Dokumente und die systematische Kategorisierung der paternalistischen Kommunikation in den Berichten des OHR.
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Paternalismus, Postkolonialismus, Balkanismus und internationale Administrationen geprägt.
Dieser Zeitraum wurde gewählt, da in dieser Phase der zivilen Implementierung des Daytoner Friedensabkommens noch keine formelle, durch Sanktionsbefugnisse legitimierte Machtausübung des Hohen Repräsentanten vorlag.
Der Autor unterteilt Paternalismus in eine harte Variante (Anordnungen mit Sanktionsdrohungen), eine softe Variante (Forderungen ohne Sanktionsdrohungen) und eine neutrale Kategorie (kein Paternalismus).
Obwohl paternalistische Muster in der Kommunikation gefunden wurden, konnten keine eindeutigen Belege für eine systematische Verwendung spezifischer kolonialer Begriffe oder Sprachmuster gefunden werden.
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