Diplomarbeit, 2006
124 Seiten, Note: 1
1 VORWORT
2 RAUMKONZEPTE UND RAUMVORSTELLUNGEN
2.1 SOZIALWISSENSCHAFTLICHE RAUMVORSTELLUNGEN
2.2 RAUMKONZEPTE IN PHILOSOPHIE UND PHYSIK
2.2.1 Raumvorstellungen in der Antike: Platon und Aristoteles
2.2.2 Der unendliche Raum und die Philosophie der Renaissance
2.2.3 Newton und der absolute Raum
2.2.4 Leibniz und der relationale Raum
2.2.5 Raumvorstellungen bei Kant
2.2.6 Einstein und der relative Raum
2.3 ABSOLUTISTISCHE UND RELATIVISTISCHE RAUMVORSTELLUNGEN
2.4 WEGE ZU EINEM SOZIOLOGISCHEN RAUMVERSTÄNDNIS
2.5 SPACING UND SYNTHESELEISTUNG
2.6 WIEDERERKENNUNGSWERT VON RÄUMEN IM ALLTAG
2.7 RÄUMLICHE STRUKTUREN
2.8 DIE LOKALISIERUNG DER RÄUME AN ORTEN
2.9 RÄUME ALS (AN)ORDNUNGEN VON SOZIALEN GÜTERN UND MENSCHEN AN ORTEN
3 CHARAKTERISTIKA ÖFFENTLICHER RÄUME
4 FUNKTIONSVERLUST ÖFFENTLICHER RÄUME?
5 FUNKTIONSWANDEL ÖFFENTLICHER RÄUME
5.1 MILIEU UND RAUM
5.2 ÖFFENTLICH NUTZBARE RÄUME IN PRIVATER HAND
5.3 EXKURS: TRENDS DER UMGANGSFORMEN IN DER ÖFFENTLICHKEIT
6 ÖBB-ORGANISATIONSSTRUKTUR
7 DER INNSBRUCKER HAUPTBAHNHOF
7.1 GESCHICHTE DER EISENBAHN IN TIROL
7.2 DAS BAHNHOFSOFFENSIVE-PROJEKT
7.3 KULTUR AM BAHNHOF INNSBRUCK
8 DER BAHNHOF INNSBRUCK ALS ÖFFENTLICHER RAUM
8.1 NUTZENFUNKTIONEN EINES BAHHHOFS
8.1.1 Dienstleistungsbetriebe allgemein
8.1.2 Dienstleistungsfunktionen am Innsbrucker Hauptbahnhof
8.2 BAHNHOF UND SOZIALE RANDGRUPPEN
9 KONTROLLE ÖFFENTLICHER RÄUME
9.1 VIDEOÜBERWACHUNG ÖFFENTLICHER RÄUME
9.2 VIDEOÜBERWACHUNG AM INNSBRUCKER HAUPTBAHNHOF
10 SCHLUSSBETRACHTUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel und die Bedeutung öffentlicher Räume am Beispiel des Innsbrucker Hauptbahnhofs. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, inwieweit der Bahnhof als moderner, öffentlich zugänglicher Ort fungiert und welche Konflikte sich aus der zunehmenden Privatisierung und Kontrolle solcher Räume in der heutigen Gesellschaft ergeben.
Spacing und Syntheseleistung
Bei der Entstehung von Räumen können grundsätzlich zwei verschiedene Prozesse der Raumkonstitution unterschieden werden.
Erstens konstituiert sich Raum durch das Plazieren/das Anordnen von sozialen Gütern und Menschen. Weiters entstehen Räume durch das Positionieren von symbolischen Markierungen (z.B. Ortseingangs- und -ausgangsschilder).
Dieser Vorgang wird als Spacing bezeichnet.
Spacing bezeichnet also das Errichten, Bauen oder Positionieren. Als Beispiele können hier das Aufstellen von Waren im Supermarkt, das Sich Positionieren von Menschen gegenüber anderen Menschen, das Bauen von Häusern, das Vermessen von Landesgrenzen genannt werden.
Auch hier gilt es zu beachten, dass es ein Positionieren in Relation zu anderen Plazierungen ist. Spacing bezeichnet bei beweglichen Gütern oder bei Menschen sowohl den Moment der Plazierung als auch die Bewegung zur nächsten Plazierung.
Zweitens ist bei der Erzeugung von Räumen aber auch eine Syntheseleistung notwendig, d.h. über Wahrnehmungs-, Vorstellungs- oder Erinnerungsprozesse werden Güter und Menschen zu Räumen zusammengefasst (vgl. Löw 2001, S. 158 f).
„Im alltäglichen Handeln der Konstitution von Raum existiert eine Gleichzeitigkeit der Syntheseleistung und des Spacing, da Handeln immer prozesshaft ist.
Die These ist daher, dass Raum eine relationale (An)Ordnung von Lebewesen und sozialen Gütern ist. Raum wird konstituiert durch zwei analytisch zu unterscheidende Prozesse, das Spacing und die Syntheseleistung. Letztere ermöglicht es, Ensembles von Gütern und Menschen zu einem Element zusammenzufassen.
Das Bauen, Errichten oder Plazieren, also das Spacing ist ohne Syntheseleistung, d.h. ohne die gleichzeitige Verknüpfung der umgebenden sozialen Güter und Menschen zu Räumen, nicht möglich.“ (Löw 2001, S. 159)
1 VORWORT: Einleitung zur Entstehung des neuen Innsbrucker Hauptbahnhofs und Überblick über die thematische Struktur der Arbeit.
2 RAUMKONZEPTE UND RAUMVORSTELLUNGEN: Theoretische Auseinandersetzung mit der Entwicklung von Raumtheorien von der Antike bis zur modernen Soziologie und Physik.
3 CHARAKTERISTIKA ÖFFENTLICHER RÄUME: Definition und Merkmale klassischer öffentlicher Räume sowie deren Bedeutung für das städtische Leben.
4 FUNKTIONSVERLUST ÖFFENTLICHER RÄUME?: Analyse der kulturkritischen Debatte um den vermeintlichen Verlust öffentlicher Räume durch neue Technologien und veränderte Mobilitätsmuster.
5 FUNKTIONSWANDEL ÖFFENTLICHER RÄUME: Diskussion über die Differenzierung, Privatisierung und die neue Rolle von Räumen wie Bahnhöfen und Shopping Malls.
6 ÖBB-ORGANISATIONSSTRUKTUR: Beschreibung der betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Struktur der Österreichischen Bundesbahnen.
7 DER INNSBRUCKER HAUPTBAHNHOF: Geschichtlicher Rückblick auf die Eisenbahn in Tirol und detaillierte Darstellung des Bahnhofsoffensive-Projekts.
8 DER BAHNHOF INNSBRUCK ALS ÖFFENTLICHER RAUM: Praktische Untersuchung des Bahnhofs als Verkehrs- und Vermarktungsstation sowie der Problematik sozialer Randgruppen.
9 KONTROLLE ÖFFENTLICHER RÄUME: Analyse der zunehmenden Videoüberwachung und der Sicherheitsaspekte im Bahnhofsbereich.
10 SCHLUSSBETRACHTUNG: Zusammenfassendes Fazit über die Zukunft des öffentlichen Raums und die Notwendigkeit einer bewussten Gestaltung urbaner Orte.
Öffentlicher Raum, Raumsoziologie, Innsbrucker Hauptbahnhof, ÖBB, Funktionswandel, Privatisierung, Videoüberwachung, Städtebau, soziale Randgruppen, Raumkonstitution, Spacing, Syntheseleistung, Infrastruktur, Dienstleistungsmanagement, Urbanität.
Die Diplomarbeit untersucht die Rolle des Innsbrucker Hauptbahnhofs als öffentlicher Raum und analysiert den Funktionswandel, den solche Orte durch städtebauliche Maßnahmen und Privatisierungsprozesse erfahren haben.
Die zentralen Themen umfassen raumsoziologische Theoriebildung, den Funktionswandel öffentlicher Räume, die Geschichte der Eisenbahn in Tirol, das Management des Innsbrucker Hauptbahnhofs und Fragen der sozialen Kontrolle.
Ziel ist es, ein differenzierteres Verständnis für die Problematiken öffentlich nutzbarer Räume zu entwickeln und die Ansätze der ÖBB zur Weiterentwicklung des Innsbrucker Hauptbahnhofs kritisch zu beleuchten.
Es werden soziologische Raumkonzepte (insbesondere nach Martina Löw) und Literaturanalysen mit der praktischen Dokumentation der baulichen und organisatorischen Veränderungen am Innsbrucker Hauptbahnhof verknüpft.
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, eine historische Aufarbeitung der Bahnhofsentwicklung, eine detaillierte Analyse der Nutzenfunktionen des Bahnhofs und eine Auseinandersetzung mit Sicherheitskonzepten und Videoüberwachung.
Schlüsselbegriffe sind vor allem Öffentlicher Raum, Funktionswandel, Privatisierung, Videoüberwachung, Soziale Randgruppen und das soziologische Konzept des Spacing.
Die Arbeit beleuchtet die Schwierigkeiten beim Umgang mit Personengruppen, die keine konsumorientierten Kunden sind, und erläutert die Maßnahmen der ÖBB-Security sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen der Hausordnung.
Das Kanomodell wird genutzt, um die verschiedenen Arten von Dienstleistungsanforderungen der Passagiere zu kategorisieren, von grundlegenden Sicherheitsstandards bis hin zu begeisternden Zusatzangeboten.
Sie wird als Instrument zur Kontrolle des Raums und zur Vermittlung eines Sicherheitsgefühls interpretiert, birgt jedoch zugleich Spannungsfelder zwischen Überwachungseffekten und dem Erhalt der Privatsphäre der Besucher.
Er fungiert bewusst nicht nur als reine Verkehrsstation, sondern auch als Vermarktungsstation, was zu einer Überlagerung von kommerziellen Interessen und öffentlicher Nutzbarkeit führt.
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