Magisterarbeit, 2009
83 Seiten, Note: 1.7 or B+
1. Einleitung
2. Die sentimentale Liebe
2.1 Darstellung der Liebe
2.1.1 Liebe und Natur
2.1.2 Liebe und Licht
2.1.3 Liebe als Religion
2.2 Vereinigung von Liebe und Kunst
2.2.1 Die Geliebte als Inspiration
2.2.2 Die Einheit von Kunst und Liebe
2.3 Dualität der Liebe
2.3.1 Liebe und Leid
2.3.2 Kreislauf der Liebe
2.4 Mir zur Feier als Übergang von sentimentaler zu spiritueller Liebe
2.4.1 Merkmale der ersten Schaffensphase
2.4.2 Thematik der zweiten Schaffensphase
2.5 Zusammenfassung
3. Die spirituelle Liebe
3.1 Umkehrung der Liebesmotivik und –zuschreibung
3.1.1 Schwere als Reifeprozess
3.1.2 Dunkelheit als Göttlichkeit
3.1.3 Einsamkeit als Göttlichkeit
3.2 Priorität der Kunst
3.2.1 Kunst als Ablösung der Geliebten
3.2.2 Gott als Ursprung und Vorbild für die Kunst
3.3 Kennzeichen der spirituellen Liebe
3.3.1 Grenzaufhebung
3.3.2 Demut und Hingabe
3.4 Darstellung der zwischenmenschlichen Liebe
3.4.1 Die unbewußte Nähe zu Gott
3.4.2 Sinnlichkeitsunterdrückung oder -überwindung?
3.5 Zusammenfassung
4. Die intransitive Liebe
4.1 Konzeption der intransitiven Liebe
4.1.1 Abelone als Wegweiserin
4.1.2 Die "großen" oder "gewaltig Liebenden"
4.1.3 Die Negativität des Geliebtwerdens
4.2 Lieben als Kunst
4.2.1 Weiblichkeit als Vorbild
4.2.2 Selbstwerdung durch Selbstlosigkeit
4.3 Widersprüchlichkeit der intransitiven Liebestheorie
4.3.1 Idealisierung der Umstände anstatt der Methode
4.3.2 Untrennbarkeit von Lieben und Geliebtwerden
4.4 Narzißmus oder Selbstlosigkeit?
4.5 Zusammenfassung
5. Die universale Liebe
5.1 Konzeption der universalen Liebe
5.1.1 Das begrenzende Bewußtsein
5.1.2 Der angestrebte Bewußtseinswandel
5.1.3 Der leere oder offene Raum
5.2 Kunst als Ausdruck von Liebe
5.2.1 Variationen der Geliebten
5.2.2 Rühmen als Aufgabe
5.3 Darstellung der zwischenmenschlichen Liebe
5.3.1 Das begrenzende Lieben
5.3.2 Der angestrebte Liebeswandel
5.3.3 Die menschliche Liebe im offenen Raum
6. Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit untersucht das persönliche Verständnis von Liebe bei Rainer Maria Rilke und interpretiert deren Weiterentwicklung in seinem Gesamtwerk. Ziel ist es, die verschiedenen Schaffensphasen – von der sentimentalen über die spirituelle und intransitive bis hin zur universalen Liebe – im Hinblick auf eine in sich schlüssige Gesamtentwicklung zu analysieren.
3.1.1 Schwere als Reifeprozess
Im Stunden-Buch kommt es zu einer Umkehrung der Liebesmotivik und -zuschreibung des Frühwerks. Positiv besetzt sind von nun an die schwierigen und schmerzhaften Gefühle, denen eine göttliche Qualität zugeschrieben wird: "Ich liebe dich, du sanftestes Gesetz,/ an dem wir reiften, da wir mit ihm rangen;/ du großes Heimweh, das wir nicht bezwangen," (S. 214, Z. 4-6). Genauso ermutigt Rilke Franz Xaver Kappus in seinen Briefen, an schweren Situationen oder Gefühlen zu lernen und zu wachsen: "[...]es ist aber klar, daß wir uns an das Schwere halten müssen;[...]" und "[...]daß etwas schwer ist, muß uns ein Grund mehr sein, es zu tun." (Brief vom 14. Mai 1904). Die herausfordernden Umstände des Lebens anzunehmen, darin sieht Rilke einen entscheidenden Schritt im menschlichen Reifeprozess. Dies wird auch an den Titeln einiger Gedichte in Das Buch der Bilder deutlich: Der Einsame, Der Letzte, Bangnis, Klage, Einsamkeit und Ernste Stunde.
Erneut wird "[..]das Gesetz der Schwere" (S. 266, Z. 10) angesprochen, wenn es heißt:
Da muß er lernen von den Dingen, anfangen wieder wie ein Kind, [....] Eins muß er wieder können: fallen, geduldig in der Schwere ruhn, der sich vermaß, den Vögeln allen im Fliegen es zuvorzutun. (S. 267, Z. 3-10)
1. Einleitung: Die Arbeit setzt sich zum Ziel, Rilkes Liebesverständnis über alle Schaffensphasen hinweg zu interpretieren und die Weiterentwicklung in Lyrik und Prosa nachzuzeichnen.
2. Die sentimentale Liebe: Diese Phase ist durch die enge Verknüpfung von Natur, Licht und der Geliebten geprägt, wobei die Liebe als Teil eines natürlichen Kreislaufs und als Mittel zur künstlerischen Inspiration begriffen wird.
3. Die spirituelle Liebe: Hier findet eine Umkehrung statt, bei der Einsamkeit, Dunkelheit und die Hingabe an Gott anstelle des romantischen Liebesglücks in den Mittelpunkt rücken und Kunst zur Brücke ins Göttliche wird.
4. Die intransitive Liebe: Diese Phase fokussiert auf das Konzept der "besitzlosen Liebe", bei der die physische Abwesenheit des Partners eine emotionale Reifung ermöglichen soll, was kritisch auf narzisstische Züge hin untersucht wird.
5. Die universale Liebe: Das Spätwerk überwindet dualistische Trennungen zugunsten eines allumfassenden "Weltinnenraums", in dem alles Dasein als göttliche Einheit betrachtet und durch das "Rühmen" affirmiert wird.
6. Zusammenfassung: Die Arbeit resümiert, dass Rilkes Liebesbegriff eine konsequente, schrittweise Entwicklung vollzieht, die von der persönlichen Geliebten bis zur universalen Liebe zu allen Dingen führt.
Rainer Maria Rilke, Liebesbegriff, Spiritualität, Intransitive Liebe, Universale Liebe, Weltinnenraum, Das Stunden-Buch, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, Rühmen, Selbstwerdung, Selbstlosigkeit, Gott, Kunst, Transformation, Wandlung
Die Magisterarbeit untersucht das Liebesverständnis von Rainer Maria Rilke und wie sich dieses Konzept über die verschiedenen Schaffensperioden seines Lebens hinweg entwickelt hat.
Zentral sind die Wandlung der Liebe von der sentimentalen, auf eine Geliebte bezogenen Form, hin zu einer spirituellen und schließlich universalen Liebe, die alles Sein einschließt.
Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Rilkes Liebesbegriff kein starres Konzept ist, sondern eine bewusste, dialektische Entwicklung durchläuft, die in einer allumfassenden Weltbejahung mündet.
Es wird eine literaturwissenschaftliche Textanalyse durchgeführt, die Lyrik und Prosatexte (insbesondere den Roman "Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge") sowie Briefwechsel in den Kontext der jeweiligen Schaffensphase setzt.
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch in die Phasen der sentimentalen, spirituellen, intransitiven und universalen Liebe, wobei jeweils die Konzeption, die Rolle der Kunst und die Sichtweise auf den Liebespartner analysiert werden.
Schlüsselwörter sind u.a. Rilke, Liebesbegriff, Spiritualität, Intransitive Liebe, Universale Liebe, Weltinnenraum, Rühmen, Selbstlosigkeit und Transformation.
Rilke betrachtet das Geliebtwerden als eine Form der Selbstbezogenheit, die den Einzelnen in seinen egoistischen Erwartungen verhaftet, während das eigene Lieben als notwendiger Schritt zur Transzendenz und Freiheit verstanden wird.
Die Autorin widerspricht der Ansicht, dass Rilkes Fokus auf die eigene Reifung narzisstisch sei. Sie argumentiert, dass Rilke ein stärkeres Selbst anstrebt, um erst dadurch fähig zu werden, den anderen wirklich selbstlos und "allumfassend" zu lieben.
In der frühen Phase ist die Kunst mit der Geliebten verbunden, in der mittleren Phase löst sie diese ab als einzige Brücke zum Göttlichen, und im Spätwerk wird die Kunst zur Form des "Rühmens", die die Einheit der Welt bestätigt.
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