Magisterarbeit, 2009
123 Seiten, Note: 2,3
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Die Entwicklung des Fernsehers zum Massenmedium
2.2 Mediensoziologie – eine Begriffsbestimmung
2.2.1 Soziale Wirklichkeit im Medium Film
2.2.2 Die Realität der Massenmedien im Allgemeinen und speziell im Film
2.2.3 Theorien der Mediennutzung
2.3 Der Forschungsstand zum Krimi im Allgemeinen und zum TATORT im Speziellen
2.3.1 Die Untersuchungen von Stein-Hilbers und Uthemann zur Kriminalitätsdarstellung im Fernsehen
2.4 Die Anziehungskraft von Serien
2.5 Die Anziehungskraft von Krimis
2.5.1 Der Ursprung eines Erfolgsgenres
2.5.2 Zur Geschichte des Fernsehkrimis
2.5.3 Der Charakter des Fernsehkrimis
2.5.3.1 Die Funktion und zentrale Botschaft des Fernsehkrimis
2.6 Die Krimireihe TATORT
2.6.1 Von der Idee bis zur ersten Umsetzung
2.6.2 Das Konzept
2.6.3 Wichtige Entwicklungsschritte in der Geschichte des TATORTS
2.6.4 Gewalt – ein viel diskutiertes Mittel der Unterhaltung
2.6.5 Der Erfolgsgarant TATORT
2.7 Zur allgemeinen Darstellung von Realität in Krimis
2.8 Zur speziellen Darstellung von Realität in der Reihe TATORT – eine Vorabfeststellung
2.8.1 Kritische Betrachtung des „Tat-Orts“
2.8.2 Vorab-Betrachtung debattierter Folgen und Themen
2.9 Zur Aufgabe des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks
3 Zielsetzung
4 Die Untersuchungen
4.1 Themenanalyse der TATORTE von 1970 bis 2008
4.1.1 Methodik und Datengrundlage
4.1.2 Übersicht der Analyseergebnisse
4.1.2.1 BENANNTE STRAFTATEN
4.1.2.2 PRIVATE MOTIVE FÜR TATBEGEHUNG
4.1.2.3 GESELLSCHAFTSPOLITISCH VERHANDELTE THEMEN
4.1.3 Objektivität, Reliabilität und Validität
4.1.4 Interpretation der Analyseergebnisse
4.2 Die Untersuchung der Darstellung von Umweltkriminalität anhand von vier TATORT-Folgen
4.2.1 Methodik und Datengrundlage
4.2.2 Übersichten zu den einzelnen Filmen
4.2.2.1 TATORT Gift (21.7.1974, NDR)
4.2.2.2 TATORT Kielwasser (25.3.1984, WDR)
4.2.2.3 TATORT Buntes Wasser (13.10.1996, RBB)
4.2.2.4 TATORT Der Kormorankrieg (6.1.2008, SWR)
4.2.3 Interpretation der Darstellungen
4.2.4 Objektivität, Reliabilität und Validität
5 Zusammenfassung – die Realität des TATORTS
6 Schlussbetrachtung
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Kriminalität in der ARD-Reihe "Tatort" aus soziologischer Sicht. Das Hauptziel ist die Überprüfung der These, ob die Serie eine wirklichkeitsfremde Konstruktion von Kriminalität darstellt oder ob sie den gesellschaftlichen Zustand des jeweiligen Jahrzehnts widerspiegelt. Hierzu werden eine quantitative Themenanalyse über vier Jahrzehnte sowie eine qualitative Untersuchung zum spezifischen Thema Umweltkriminalität durchgeführt.
Auszug aus dem Dialog zwischen Hauptkommissar Roiter und Kommissar Zorowski in deren Büro:
Zorowski: [...] Schon zu DDR-Zeiten hat die NVA ihren Müll aus den umliegenden Standorten da rein gekippt. Doch´n paar Westberliner Betriebe haben da mitgemischt und ihren Sondermüll mit Stillschweigen unter Deckung staatlicher Stellen verschwinden lassen. Es war militärisches Sperrgebiet, also nicht unter öffentlicher Kontrolle. Und wer fehlt noch bei so einer Sauerei? Die Stasi natürlich. Und die hat richtig zugeschlagen. Die Stasi-Firma INTRAG hat tonnenweise Giftmüll aus Westberlin für die Berliner Stadtreinigung dort entsorgt. Und die BSR hat laut Holz´ Recherchen 42 Mark und 32 Pfennige dafür pro Tonne bezahlt. [...]
Roiter: Die haben uns praktisch den eigenen Müll vor die Tür gekippt.
Zorowski: Das war denen doch egal. Man hatte ja für alles eine Genehmigung und das ist doch das Wichtigste in Deutschland, oder? Außerdem war diese hervorragende deutsch-deutsche Zusammenarbeit doch ein Paradebeispiel, eins der wenigen wirklich funktionierenden Handelsabkommen.
Roiter: Und die Berliner Stadtreinigung hat´s nicht interessiert, wo der Dreck tatsächlich abgeladen wurde.
Zorowski: Die waren´s billig los und tschüss.
Roiter: Billig? Das war´n Milliarden. Nach Holz´ Zahlen waren es genau 3,4 Milliarden.
Zorowski: Mensch, Ernst, für eine Entsorgung nach westlichem Standard hätte die BSR mindestens 300-1200 Mark pro Tonne zahlen müssen. Rechne das doch mal aus! Und als die Mauer dann weg war, ist es erst richtig losgegangen.
Roiter: Dann kam die Müllmafia.
Zorowski: [...] alles seriöse Geschäftsleute. Guck dir die Briefköpfe an, Stempel, Unterschriften, alles wasserdicht. [...]
Roiter: Nur das Ziel der Transporte war immer ein anderes als in den Frachtpapieren ausgewiesen. Nämlich der Torfstich bei Neuzittau.
Zorowski: Und wenn die Zahlen von Holz stimmen, dann hat unser sauberer Genosse Oberstleutnant Thom, später Herr Oberstleutnant Thom, mindestens fünf bis sechshunderttausend Mark bar auf die Hand dafür kassiert, dass er sein Revier für, wie heißt es hier so schön, Durchfahrten von Sondertransporten zwecks Verhinderung verstärkter Schadstoffemissionen und Einsparung von Transportaufwendungen, geöffnet hat.
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Kriminalitätsdarstellung im Tatort und Formulierung der Forschungsfrage hinsichtlich der Wirklichkeitstreue.
2 Theoretische Grundlagen: Erläuterung mediensoziologischer Ansätze zur Konstruktion von Wirklichkeit im Film und Übersicht über den bisherigen Forschungsstand zum Krimigenre.
3 Zielsetzung: Präzise Definition der Untersuchungsziele sowie der aufgestellten Thesen für die empirische Analyse.
4 Die Untersuchungen: Detaillierte Themenanalyse über 40 Jahre sowie Fallbeispiel-Analysen zur Umweltkriminalität mit anschließender Interpretation der Ergebnisse.
5 Zusammenfassung – die Realität des TATORTS: Synthese der Ergebnisse und Überprüfung der eingangs aufgestellten Thesen zum sozialen Wandel innerhalb der Reihe.
6 Schlussbetrachtung: Reflexion über die Rolle des Tatorts als Archiv der Zeitgeschichte und kritische Würdigung der soziologischen Aufklärungsfunktion der Reihe.
Tatort, Kriminalfilm, Mediensoziologie, Realitätskonstruktion, Umweltkriminalität, DDR-Geschichte, Sozialisation, ARD, Fernsehkrimi, Themenanalyse, Gesellschaftskritik, Gewaltkriminalität, Wissenssoziologie, Massenmedium, Unterhaltung.
Die Arbeit untersucht die ARD-Krimireihe "Tatort" aus einer mediensoziologischen Perspektive, um zu analysieren, wie Kriminalität dargestellt wird und ob diese Darstellung gesellschaftliche Realitäten der Bundesrepublik Deutschland widerspiegelt.
Zentrale Felder sind die Konstruktion von Wirklichkeit im Medium Film, die Geschichte des Fernsehkrimis, der Wandel der Kriminalitätsthemen über vier Jahrzehnte sowie spezifisch die Darstellung von Umweltkriminalität.
Das primäre Ziel ist es zu überprüfen, ob sich der Wandel der gesellschaftlichen Themen in den Tatort-Folgen niederschlägt und inwieweit die Serie den Anspruch erfüllt, ein "Archiv der Sozialgeschichte" zu sein.
Die Arbeit nutzt die Inhaltsanalyse als empirische Methode, wobei Inhaltsangaben und zusätzliche Medieninformationen von 530 Folgen ausgewertet wurden, ergänzt durch die nicht-teilnehmende Beobachtung der Autorin.
Der Hauptteil gliedert sich in eine quantitative Themenanalyse von 1970 bis 2008 sowie eine qualitative Fallstudie zur Darstellung von Umweltkriminalität anhand von vier spezifischen Episoden.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Realitätskonstruktion, Sozialkonstruktivismus, Tatort, Mediensoziologie und Umweltschutz charakterisiert.
Der Tatort zeichnet sich durch seine föderale Struktur und die daraus resultierende regionale Vielfalt sowie durch eine langfristige Entwicklung der Ermittlercharaktere aus, was ihn zu einer "Premium-Marke" der ARD macht.
Die Autorin stellt fest, dass Umweltkriminalität im Tatort nicht überpräsentiert ist, sondern als ein komplexes und gesellschaftlich relevantes Thema behandelt wird, das zunehmend mit realen politischen und ökologischen Diskursen verknüpft wird.
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