Diplomarbeit, 2009
91 Seiten, Note: 1,0
1 Einleitung
1.1 Untersuchungsanlass
1.2 Abgrenzung der Problemstellung und Gang der Untersuchung
2 Die Rolle des Fair Value in der Finanzmarktkrise
2.1 Von der Subprime-Krise zur Finanzmarktkrise
2.1.1 Entstehung der Subprime-Krise
2.1.2 Verbriefung von Hypothekarkreditforderungen
2.2 Prozyklität der Fair-Value-Bewertung von Finanzinstrumenten
2.2.1 Fair-Value-Bewertung bei steigenden Marktpreisen
2.2.2 Fair-Value-Bewertung bei sinkenden Marktpreisen
3 Fair Value als Wertkonglomerat in der internationalen Rechnungslegung
3.1 Fair-Value-Definition
3.2 Fair-Value-Hierarchie
3.2.1 Level 1, 2, 3 Inputs
3.2.2 Bewertungsmethoden
4 Fair-Value-Bewertung von Finanzinstrumenten auf aktiven Märkten nach IFRS
4.1 Bewertung von Finanzinstrumenten im Überblick
4.1.1 Zuordnung zu Bewertungskategorien
4.1.2 Impairment von „at amortized cost“ und „available for sale“
4.1.3 Fair-Value-Bewertung von Finanzinstrumenten
4.2 Abgrenzung aktiver Märkte
4.2.1 Indikatoren inaktiver Märkte gemäß IDW und ED/2009/5
4.2.2 Kritische Würdigung der Abgrenzungskriterien
4.3 Forced Transactions
4.3.1 Indikatoren zur Identifikation von „forced transactions“
4.3.2 Kritische Würdigung der Abgrenzungskriterien
5 Fair-Value-Bewertungsverfahren auf inaktiven Märkten
5.1 Marktbasierte Vergleichswerte
5.1.1 Zeitnahe Transaktionspreise identischer Finanzinstrumente
5.1.2 Transaktionspreise ähnlicher Finanzinstrumente
5.1.3 Kurse von Brokern und Preis-Service-Agenturen
5.2 Mapping mit einem Index
5.3 Discounted-Cashflow-Bewertungsverfahren
5.3.1 Bestimmung des Diskontierungszinssatzes
5.3.1.1 Bestimmung der Credit Spread
5.3.1.2 Bestimmung der Liquidity Spread
5.3.2 Kritische Würdigung
6 Umwidmung von Finanzinstrumenten
6.1 Inhaltliche Darstellung der Umwidmungsvorschriften
6.2 Bilanz- und Ergebniseffekte einer Umwidmung
6.3 Kritische Würdigung der Neuregelungen zur Umwidmung
7 Zeitwertbewertung von Finanzinstrumenten des Handelsbestandes gemäß BilMoG
7.1 Implementierung der Fair-Value-Konzeption für Finanzinstrumente
7.1.1 Eckpunkte und inhaltliche Darstellung der Reformvorschrift
7.1.2 Kritikpunkte der „Saarbrücker Initiative gegen den Fair Value“
7.2 Vereinbarkeit mit dem Rechnungslegungszweck
7.2.1 Informationsfunktion
7.2.1.1 Kriterium der Relevanz
7.2.1.2 Kriterium der Verlässlichkeit
7.2.2 Kapitalerhaltung
7.2.2.1 Realisationsprinzip
7.2.2.2 Gläubigerschutzprinzip
8 Zusammenfassung
Die vorliegende Arbeit analysiert kritisch die Fair-Value-Bewertung von Finanzinstrumenten vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise. Dabei liegt der Fokus auf der Identifikation der Probleme bei der Bewertung in illiquiden Märkten sowie der Untersuchung der Auswirkungen von Bewertungsregeln auf die Stabilität des Finanzsystems.
2.2.1 Fair-Value-Bewertung bei steigenden Marktpreisen
Die mit einer Fair-Value-Bewertung einhergehende stärkere Ergebnis- und Eigenkapitalvolatilität kann zu Fehlallokationen führen. Bei einer steigenden Marktpreisentwicklung führt sie zu einer „Bewertungsblase“ unrealisierter Gewinne, die dadurch, dass sich aus dem IFRS-Konzernabschluss regulatorische Konsequenzen ableiten, letztlich auf die Höhe der aufsichtsrechtlichen Eigenmittel durchschlägt. Um die Risikopuffer- und Verlustausgleichsfunktion der regulatorischen Eigenmittel zu gewährleisten, werden der bankaufsichtlichen Konzeption entgegenwirkende, eigenmittelbeeinflussende Effekte nach IAS/IFRS zwar über sog. „prudential filters“ neutralisiert, jedoch absorbieren die aufsichtsrechtlichen Anpassungen nicht alle Eigenkapitaleffekte der Fair-Value-Bewertung. Wertschwankungen von erfolgswirksam zum beizulegenden Zeitwert bewerteten Finanzinstrumenten wirken sich unmittelbar auf die Höhe der Eigenmittel aus. In der Neubewertungsrücklage erfasste erfolgsneutrale Zeitwertgewinne werden zu 45 Prozent anerkannt.
Die erhöhten bankenaufsichtsrechtlich anerkannten Eigenmittel weiten das vergabefähige Kreditvolumen bzw. den potenziellen Umfang hinterlegungspflichtiger Risikoaktiva aus und verstärken den Trend – nicht zuletzt begünstigt dadurch, dass das IAS/IFRS-Ergebnis i. Allg. Grundlage für variable Managementvergütungsbestandteile ist –, weitere risikobehaftete Geschäfte einzugehen. Insbesondere unter den Grundsätzen von Basel I, wonach Risikoaktiva unabhängig von ihrem Risikogehalt einheitlich zu acht Prozent mit Eigenkapital zu hinterlegen waren, stieg die Bereitschaft zu zunehmend risiko- und renditeträchtigeren Engagements. In Niedrigzinsphasen kann zugleich bei einer steigenden Fremdfinanzierung – zur Refinanzierung des Aktivgeschäfts – über den Leverage-Effekt optimal die Eigenkapitalrentabilität „gehebelt“ werden.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Fair-Value-Bewertung während der Finanzmarktkrise ein und erläutert den Untersuchungsaufbau.
2 Die Rolle des Fair Value in der Finanzmarktkrise: Das Kapitel beleuchtet den Zusammenhang zwischen der Fair-Value-Bilanzierung und den krisenverstärkenden Effekten auf den Finanzmärkten, insbesondere durch die prozyklische Bewertung.
3 Fair Value als Wertkonglomerat in der internationalen Rechnungslegung: Es erfolgt eine theoretische Einordnung des Fair-Value-Begriffs und die Erläuterung der zugrunde liegenden Bewertungshierarchien.
4 Fair-Value-Bewertung von Finanzinstrumenten auf aktiven Märkten nach IFRS: Dieses Kapitel behandelt die Bewertungslogik unter normalen Marktbedingungen und setzt sich mit der Abgrenzung von aktiven Märkten sowie Notverkäufen auseinander.
5 Fair-Value-Bewertungsverfahren auf inaktiven Märkten: Es werden alternative Methoden wie marktbasierte Vergleiche, Index-Mapping und Discounted-Cashflow-Verfahren für Märkte mit geringer Liquidität analysiert.
6 Umwidmung von Finanzinstrumenten: Dieses Kapitel untersucht die Möglichkeiten und Konsequenzen der Umklassifizierung von Finanzinstrumenten, um Ergebniswirkungen der Fair-Value-Bewertung zu steuern.
7 Zeitwertbewertung von Finanzinstrumenten des Handelsbestandes gemäß BilMoG: Hier erfolgt eine kritische Würdigung der nationalen Umsetzung der Zeitwertkonzepte im Rahmen des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes.
8 Zusammenfassung: Abschließend werden die zentralen Erkenntnisse der Arbeit zusammengefasst und die Problematik des Fair Value in Krisenzeiten reflektiert.
Fair Value, Finanzmarktkrise, Subprime-Krise, IFRS, IAS 39, BilMoG, Marktbewertung, Finanzinstrumente, illiquide Märkte, Bewertungsverfahren, Discounted-Cashflow, Bankenaufsicht, Eigenkapital, Rechnungslegung, Risikomanagement.
Die Arbeit befasst sich mit der kritischen Analyse der Fair-Value-Bewertung von Finanzinstrumenten vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise und ihrer prozyklischen Auswirkungen auf das Finanzsystem.
Zu den zentralen Themen gehören die Fair-Value-Hierarchie, die Abgrenzung aktiver von inaktiven Märkten, die Identifikation von Notverkäufen ("forced transactions") sowie Bewertungsmethoden in illiquiden Märkten und die Umwidmung von Finanzinstrumenten.
Das Ziel ist es, die Angemessenheit und krisenverstärkende Wirkung der Fair-Value-Bewertung zu bewerten und zu hinterfragen, ob diese Rechnungslegungsmethode für die Krisenbewältigung geeignet ist.
Die Arbeit stützt sich primär auf eine kritische Literatur- und Praxisanalyse der internationalen Rechnungslegungsstandards (IAS/IFRS), ergänzt durch die Auswertung relevanter Verlautbarungen des IDW und das aktuelle Umfeld des BilMoG.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Rolle des Fair Value in der Krise, die Bewertung auf aktiven Märkten, die Methoden zur Bewertung auf inaktiven Märkten sowie die Analyse von Bilanzierungseffekten durch Umwidmungen und die Implementierung im deutschen BilMoG.
Zentrale Begriffe sind Fair Value, Finanzmarktkrise, Subprime-Krise, IFRS, Marktbewertung, illiquide Märkte und BilMoG.
Preise aus "forced transactions" (erzwungenen Notverkäufen) sollten gemäß der Analyse grundsätzlich nicht in das Fair Value Measurement einfließen, da sie nicht den Preis einer "orderly transaction" widerspiegeln.
Die Umwidmung wird kritisch gesehen, da sie als bilanzpolitisches Gestaltungsmittel genutzt werden kann, um Eigenkapitalbelastungen durch Marktwertverluste zu vermeiden und den Ergebnisausweis krisenabhängig zu manipulieren.
Das IDW liefert fachliche Verlautbarungen, die als Ergänzung zur IASB-Auffassung dienen und die Berufsauffassung der deutschen Wirtschaftsprüfer reflektieren, insbesondere im Kontext der schwierigen Bewertungsfragen während der Subprime-Krise.
Der Paradigmenwechsel bezieht sich auf die Erweiterung des Realisationsprinzips im Handelsrecht, das nun auch für Kreditinstitute die Erfassung von Bewertungsgewinnen bei Handelsbeständen ermöglicht.
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