Bachelorarbeit, 2009
46 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Eckdaten der europäischen Hexenverfolgung
3. Verbreitung und Popularisierung der Hexenidee
4. Die Entstehung des elaborierten Hexereibegriffs
5. Imagination des menschlichen Fluges
5.1 Flugvorstellungen bis in das 15. Jahrhundert
5.2 Der Hexenflug in den dämonologischen Traktaten
5.2.1 Heinrich Kramer: Malleus Maleficarum
5.2.2 Jean Bodin: De la Démonomanie des Sorciers
5.2.3 Peter Binsfeld: Tractatus de confessionibus maleficorum et sagarum
5.2.4 Nicolas Rémy: Daemonolatria
5.2.5 Martín Antoine Delrío: Disquisitionum magicarum libri sex
6. Fazit
Die vorliegende Bakkalaureats-Arbeit analysiert die Darstellung und theologisch-wissenschaftliche Begründung des Hexenfluges in zentralen dämonologischen Traktaten der Frühen Neuzeit, um aufzuzeigen, wie dieses spezifische Element als Teil eines elaborierten Hexereikonzepts konstruiert und legitimiert wurde.
5.2.1 Heinrich Kramer: Malleus Maleficarum
Heinrich Kramers Hexenhammer wird in der Hexenforschung von allen dämonologischen Abhandlungen die größte Bedeutung zugewiesen, kein anderes Werk der Hexereiliteratur ist bisher so intensiv erforscht worden. Es gilt als das „zentrale Buch in der Geschichte der europäischen Hexenverfolgung“, auf das sich die meisten Verfolgungsbefürworter beriefen und bei dem auch die Gegner nicht umhin kamen, darauf einzugehen. „Dabei war sein Malleus Maleficarum nicht sonderlich originell, aber er spitzte die Meinungen auf eine Weise zu, welche zur Begründung und Durchführung von Verfolgungen wichtig werden sollten“.
Die Vorstellung der Hexerei war in theologischen Kreisen schon weit gereift, wenn auch noch nicht von einer breiten Öffentlichkeit rezipiert und akzeptiert. Kramer war mit seinem umfangreichen Werk der erste, der diese Vorstellung der neuen Hexensekte systematisch zusammenfasste und deren Ursprung und Gefährlichkeit theologisch-wissenschaftlich begründete. Zur Untermauerung seiner dogmatischen Theorien bezieht er sich neben der Bibel auf zahlreiche Autoritäten wie Augustinus, Thomas von Aquin und Aristoteles. Eines der meist zitierten Werke ist Niders Formicarius. Zudem hat er seine persönlichen Erfahrungen in Hexenprozessen mit einfließen lassen. Kramer war seit 1478 als Inquisitor für Oberdeutschland tätig, das heißt, er war zuständig für die Bekämpfung von Ketzern in den Gebieten des Elsass, der deutschsprachigen Schweiz und Vorderösterreich bis nach Bayern und Böhmen.
Er führte selbst eine große Zahl von Hexenprozessen durch, vor allem in den Jahren 1481 und 1486 in den Diözesen Basel, Straßburg und Konstanz, am Oberrhein und im Bodenseeraum. Allerdings stieß er durch sein Vorgehen gegen angebliche Hexen auf starke Opposition, die ihm in seiner inquisitorischen Tätigkeit bisweilen im Wege stand. Durch die Hexenbulle Summis desiderantes affectibus des Papstes Innozenz VIII von 1484 wurden Kramer und dem ebenfalls dominikanischen Inquisitor Jakob Sprenger eine Vollmacht für ihre inquisitorischen Tätigkeiten erteilt.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der Hexenprozesse ein und begründet die Relevanz der Untersuchung dämonologischer Traktate als kulturgeschichtliche Quellen.
2. Eckdaten der europäischen Hexenverfolgung: Dieses Kapitel skizziert den zeitlichen und räumlichen Rahmen der europäischen Hexenverfolgung und diskutiert kritisch die Quellenlage sowie die Problematik der Prozesszahlen.
3. Verbreitung und Popularisierung der Hexenidee: Hier wird untersucht, wie die Hexenidee durch Medien, wie Traktate und Predigten, sowie durch Institutionen wie Universitäten und Konzile unter der gelehrten Elite und in der Bevölkerung popularisiert wurde.
4. Die Entstehung des elaborierten Hexereibegriffs: Das Kapitel analysiert die Genese des komplexen Hexereikonzepts aus bereits existierenden Vorstellungen von Magie, Schadenszauber und Ketzertum sowie dessen dogmatische Fundierung in der Dämonologie.
5. Imagination des menschlichen Fluges: Dieser Hauptteil untersucht die Wurzeln der Flugvorstellung im Volksglauben und analysiert detailliert die Argumentationsweisen in fünf zentralen Traktaten hinsichtlich der Realität des Hexenfluges.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie der Hexenflug als zentrales Element der Hexenvorstellung systematisch legitimiert wurde und welche funktionale Rolle er für die Aufrechterhaltung des Sabbat-Mythos und die Indizierung von Komplizen spielte.
Hexenverfolgung, Hexenflug, Dämonologie, Malleus Maleficarum, Hexensabbat, Teufelspakt, Magie, Frühe Neuzeit, Inquisition, Hexereikonzept, Flugvorstellungen, Kulturgeschichte, Prozessakten, Dämonen, Traktate.
Die Arbeit beschäftigt sich mit der kulturgeschichtlichen Untersuchung des Hexenflug-Motivs und dessen Begründung in maßgeblichen theoretischen Schriften der frühen Neuzeit.
Im Zentrum stehen die Entstehung des Hexereibegriffs, die Rolle der Dämonologie, die Popularisierung durch Medien sowie die juristische und theologische Argumentation der Zeitgenossen.
Ziel ist es, die Entwicklung der Argumentation für die Realität des Hexenfluges in Schlüsseltexten der Hexenlehre exemplarisch zu analysieren und deren Bedeutung für das Hexereikonzept zu dekonstruieren.
Die Arbeit nutzt den dekonstruktivistischen Ansatz der Kulturgeschichte, um die Konstruktion spezifischer Hexereikonzepte und deren Rahmenbedingungen zu hinterfragen.
Der Hauptteil widmet sich der Geschichte der Flugvorstellungen sowie der spezifischen Analyse der Argumentationen von Autoren wie Heinrich Kramer, Jean Bodin, Peter Binsfeld, Nicolas Rémy und Martín Antoine Delrío.
Die Arbeit lässt sich primär über Begriffe wie Hexenflug, Dämonologie, Hexereikonzept und den Malleus Maleficarum definieren.
Der Canon Episcopi diente als mittelalterliche Referenz, die Hexenflüge lediglich als Illusion abtat. Die Dämonologen mussten sich argumentativ mit diesem Text auseinandersetzen, um ihre Theorie der physischen Realität des Hexenfluges zu legitimieren.
Der Hexenflug diente als essenzielle Erklärung, wie eine große Anzahl von Personen trotz geografischer Distanz gemeinsam an den als "Sabbat" bezeichneten geheimen Versammlungen teilnehmen konnte, was wiederum die Ermittlung von Komplizen ermöglichte.
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