Magisterarbeit, 2009
95 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Die Themen
2.1. Tiere
2.2. Fabelwesen und Teufel
2.3. Sonderform: Gargoyle
2.4. Spielleute und Artisten
2.5. Natürliche und künstliche Narren
2.6. Exhibitionisten
2.7. Emotionen wie Schmerz, Angst und Verzweiflung
2.8. Die körperlich Liebenden
2.9. Selbstporträts der Steinmetzen
3. Als Teil des Heilsplans
3.1. Die Spiegeltheorie
3.2. Ex negativo
3.3. Das Zwei-Staaten-Modell des Augustinus
3.4. Die Fastnacht als Gegenfest
4. Exkurs über Komik und das Lachen
5. Hässlichkeit als Ausdrucksmittel
6. Die Autorenfrage
7. Zusammenfassung und Schluss
Die Arbeit untersucht die Ikonographie und Bedeutung der sogenannten „Marginal Sculptures“ an mittelalterlichen Kirchenfassaden in Frankreich. Ziel ist es, die Funktion dieser grotesken und oft obszönen Außenskulpturen im Kontext des christlichen Weltbildes und der mittelalterlichen Heilsgeschichte zu entschlüsseln, anstatt sie lediglich als dekoratives Beiwerk zu betrachten.
1. EINLEITUNG
Gewöhnlich spielen skulptierte Konsolsteine unter Kirchendächern eine Nebenrolle innerhalb der Forschungsliteratur, wenn sie sich mit der Ikonographie von mittelalterlichen Fassadenprogrammen auseinandersetzt. Die von fantasievollen Steinmetzen gestalteten Kragsteine treten zwar lediglich in einer kunsthistorisch gesehenen kurzen Zeitspanne auf, sind allerdings zahlreich in mehreren Ländern zu finden. Anhand ihrer Komposition und Themen, ihrer Ausdrucksmittel und Affinität zum volkstümlich-zeitgenössischen Gedankengut ermöglichen es die aus der Mauer hervortretenden, bebilderten Tragsteine auf die vorherrschenden, mittelalterlichen Glaubensvorstellungen zu schließen und ihre eigene Bedeutung zu beleuchten.
Nurith Kenaan-Kedar definiert „Marginal Sculptures“ als Stützen für höher gelegene Architekturelemente oder als Wasserspeier. Diese Außenskulpturen treten dem Betrachter an Dachvorsprüngen in einem unzertrennlichen Band gegenüber (s. Abb. 1 und 2). Die einzelnen Skulpturen sind in einem festen Abstand zueinander mit der Rückseite an der Mauer angebracht. Die Zwischenräume, die sich zwischen den Figuren bilden, besetzen teilweise mit Ornamenten verzierte Metopen oder bleiben freie, nicht bearbeitete Steinflächen (s. Abb. 3). Die kleinsten Serien setzen sich aus zehn bis fünfzehn Werken zusammen, die größeren erreichen eine Anzahl von über 60. Die umfangreichsten Konsolfolgen bestehen aus der Fülle von bis zu 300 Steinen, zum Beispiel St. Sernin in Toulouse. Die Konsolfiguren sind 40 bis 60 cm hoch und 20 bis 40 cm breit. Sie zeigen lebendig erscheinende Köpfe oder Büsten, weniger häufig Miniaturen. Figuren in der Gesamtansicht ihres Körpers gibt es hauptsächlich unter den Wasserspeiern. Ihr Themenrepertoire reicht von Tier- und Teufelsdarstellungen über groteske Monster und Mischwesen bis hin zu verrenkten und entblößten, menschlichen Geschöpfen, die bunt gemischt nebeneinander existieren (s. Abb. 4).
Einleitung: Einführung in die Thematik der „Marginal Sculptures“ als vernachlässigtes kunsthistorisches Phänomen und Erläuterung der Zielsetzung der Arbeit.
Die Themen: Detaillierte Katalogisierung und Analyse verschiedener Motivgruppen, die sich unter den Kirchenrändern finden lassen.
Als Teil des Heilsplans: Einordnung der grotesken Motive in den größeren theologischen Rahmen der christlichen Heilsgeschichte und des Kirchengebäudes.
Exkurs über Komik und das Lachen: Untersuchung, ob und wie diese Skulpturen den mittelalterlichen Betrachter amüsiert haben könnten und welche Funktion das Lachen in diesem Kontext hatte.
Hässlichkeit als Ausdrucksmittel: Analyse der ästhetischen und theologischen Bedeutung der Hässlichkeit als Kontrast zum Göttlichen.
Die Autorenfrage: Diskussion über die Urheberschaft und die Rolle von Auftraggebern und ausführenden Steinmetzen bei der Gestaltung dieser Figuren.
Zusammenfassung und Schluss: Synthese der Untersuchungsergebnisse und abschließende Bewertung der Bedeutung der Marginalskulpturen.
Marginal Sculptures, mittelalterliche Kunst, Ikonographie, Konsolfiguren, christliches Weltbild, Heilsgeschichte, Groteske, Steinmetzkunst, Didaktik, Fastnacht, Symbolik, Teufelsdarstellungen, Kirchenbau, Mittelalter, Architekturplastik.
Die Magisterarbeit befasst sich mit der ikonographischen Bedeutung der "Marginal Sculptures", also der skulptierten Konsolsteine und Wasserspeier, die sich an der Außenfassade mittelalterlicher Kirchen in Frankreich befinden.
Zu den thematischen Schwerpunkten gehören Tierdarstellungen, Teufels- und Fabelwesen, Darstellungen von Spielleuten und Narren, exhibitionistische Motive, Ausdrucksformen von Emotionen und die Rolle der Steinmetzen selbst.
Ziel ist es, den Ursprung und die Funktion dieser grotesken Figuren innerhalb des kirchlichen Fassadenprogramms zu klären und zu belegen, dass sie eine bewusste, moralisch-didaktische Funktion im christlichen Heilsplan erfüllten.
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse der einschlägigen kunsthistorischen Forschungsliteratur, vergleicht ikonographische Bildprogramme und setzt diese in Beziehung zu theologischen Konzepten und mittelalterlichen Lebenswelten.
Im Hauptteil werden die verschiedenen Motivgruppen detailliert vorgestellt und hinsichtlich ihrer symbolischen Bedeutung als Spiegelbilder der sündigen, fleischlichen Welt interpretiert.
Wichtige Begriffe sind insbesondere Marginal Sculptures, Ikonographie, Heilsgeschichte, didaktische Funktion und moralische Gegenbilder.
Die Arbeit argumentiert, dass die Fastnacht als "verkehrte Welt" das Gegenstück zur christlichen Fastenzeit bildet und die Marginalskulpturen diese dämonische Gegenwelt dauerhaft am Kirchenbau repräsentieren.
Exhibitionistische Darstellungen werden als Symbole der fleischlichen Versuchung, der Sündhaftigkeit und als Abschreckungsmittel gegen den "bösen Blick" oder teuflische Einflüsse gedeutet.
Die Spiegeltheorie besagt, dass die Kirche die Teufelsfiguren bewusst abbildet, um den Teufel mit seinem eigenen Abbild zu konfrontieren und so seine Macht zu bannen oder abzuschrecken.
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