Bachelorarbeit, 2017
50 Seiten
1. Einleitung
2. Einführung in den Minnesang
2.1 Phasen des Minnesangs
2.1.1 Donauländischer Minnesang
2.1.2 Rheinischer Minnesang
2.1.3 Klassischer Minnesang
2.1.4 Später Minnesang
3. Gender Studies
4. Sozialhistorie des Mittelalters
4.1 Sexus und Gender
4.2 Die Bibel als Grundlage
4.3 Humoralpathologie
4.4 Weibliche und männliche Schönheit
4.5 Das Blickregime
5. Positionierung der Geschlechter im mhd. Minnesang
5.1 Hohe Minne
5.1.1 Der Mann als Minnediener
5.1.2 Die Idealisierung der Frau
5.1.3 Reinmar
5.1.4 Ich wirbe umb allez daz ein man (Reinmar von Hagenau)
5.2 Niedere Minne
5.2.1 Die Gleichberechtigung von Mann und Frau
5.2.2 Neidhart – Lyrik
5.2.3 Walther von der Vogelweide
5.2.4 Unter den Linden (Walther von der Vogelweide)
6. Fazit
Die vorliegende Bachelorarbeit analysiert die Geschlechterkonstruktionen im mittelhochdeutschen Minnesang vor dem Hintergrund der Sozialhistorie des Mittelalters und zeitgenössischer Gender-Theorien, um das asymmetrische Verhältnis zwischen Mann und Frau sowie die Konzepte von Hoher und Niederer Minne kritisch zu untersuchen.
4.2 Die Bibel als Grundlage
Die Geschlechtertheorie im Mittelalter basiert auf den biblischen Erzählungen als Ausgangspunkt; man spricht von einer gottgewollten Geschlechterordnung. Die mittelalterliche Kirche und der menschliche Körper, und somit Krankheit und Sünde, standen in einem engen Verhältnis zueinander. Diese enge Verbundenheit der mittelalterlichen Gesellschaft mit dem christlichen Glauben wird über die Literatur vermittelt.
Wie erwähnt ist das Menschenbild des Mittelalters stark geformt durch die Bibel und deren Auslegung durch die Kirchenväter bzw. Theologen. In diesen Schriften ist die Frau gegenüber dem Mann zumeist als Mängelwesen, minder befähigt an Kraft des Körpers und des Geistes, oft auch als sündig, unrein oder wollüstig dargestellt, woraus bezogen auf die Geschlechterrelation eine Subordination abgeleitet und gefordert wurde.
Somit ist also das weibliche Geschlecht bereits von Gott als zweitrangig gekennzeichnet. Die Frau wurde geschaffen um dem Mann im Paradies zu dienen:
„Dann sprach Gott, der Herr: Es ist nicht gut, dass der Mensch allein bleibt. Ich will ihm eine Hilfe machen, die um ihn sei.“
Eva gilt als Ursünderin und Verführerin, was wiederum die moralische wie auch die geistige Schwachheit der Frau unterstreicht. Die Nachrangigkeit des weiblichen Wesens gegenüber dem männlichen Wesen spiegelt sich in deren körperlicher, moralischer und geistiger Minderwertigkeit. Die Frau wird als wollüstig, sündig und unrein beschrieben. Sieht man allerdings beide, Adam und Eva, als Abbilder Gottes, so wären beide Geschlechter von Beginn an gleichberechtigt: „Gott schuf also den Menschen als sein Abbild; als Abbild Gottes schuf er ihn. Als Mann und Frau schuf er sie.“
Im kirchlichen Eherecht ist der Mann jedoch seiner Ehefrau übergeordnet.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Sozialhistorie und Literatur des Mittelalters ein und erläutert die methodische Herangehensweise zur Untersuchung der Geschlechterdifferenz.
2. Einführung in den Minnesang: Dieses Kapitel definiert den Minnesang als literarisches Konstrukt und beschreibt dessen historische Phasen vom Donauländischen bis zum Späten Minnesang.
3. Gender Studies: Dieser Abschnitt erörtert die wissenschaftlichen Grundlagen der Gender Studies und deren Anwendbarkeit auf mittelalterliche Texte zur Erforschung historischer Geschlechterbeziehungen.
4. Sozialhistorie des Mittelalters: Kapitel vier beleuchtet die harten Lebensbedingungen, die Rolle der Religion und die medizinischen Vorstellungen, die die soziale Hierarchie und Geschlechterordnung prägten.
5. Positionierung der Geschlechter im mhd. Minnesang: Dieser Hauptteil analysiert die Konzepte der Hohen und Niederen Minne als Gegensätze, in denen die Geschlechterrollen je nach Ideologie unterschiedlich definiert und inszeniert werden.
6. Fazit: Das Fazit fasst die Analyse zusammen und stellt fest, dass der Minnesang ein Gegenmodell zur realen patriarchalischen Gesellschaft darstellte, in dem sich Männer und Frauen unter neuen Vorzeichen begegneten.
Minnesang, Geschlechterkonstruktionen, Gender Studies, Hohe Minne, Niedere Minne, Mittelalter, Sozialhistorie, Männlichkeit, Weiblichkeit, Judith Butler, Rollenlyrik, Körperbilder, Literaturwissenschaft, Minnediener, Idealisierung
Die Bachelorarbeit untersucht, wie im mittelhochdeutschen Minnesang Geschlechterrollen konstruiert werden und in welchem Verhältnis diese literarischen Rollenmodelle zur tatsächlichen sozialen Realität des Mittelalters stehen.
Zentrale Themen sind die Sozialhistorie des Mittelalters, die theoretischen Ansätze der Gender Studies sowie eine detaillierte textanalytische Auseinandersetzung mit der Hohen und Niederen Minne.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das asymmetrische Geschlechterverhältnis im Mittelalter durch den Minnesang aufgegriffen, reflektiert und teilweise in konträren Liebeskonzepten umgekehrt wurde.
Die Arbeit nutzt die literaturwissenschaftliche Analyse von Primärtexten im Rahmen der Mediävistik und verbindet diese mit kulturwissenschaftlichen Gender-Theorien.
Der Hauptteil konzentriert sich auf die detaillierte Positionierung der Geschlechter, wobei insbesondere die Rollen des Minnedieners in der Hohen Minne und der Wandel hin zur Niederen Minne bei Dichtern wie Walther von der Vogelweide analysiert werden.
Wichtige Begriffe sind Minnesang, Gender Studies, Sozialhistorie, Hohe Minne, Niedere Minne sowie die spezifischen Rollenbilder von Mann und Frau.
In der Hohen Minne wird die Frau als unerreichbares, idealisiertes und unnahbares Wesen stilisiert, während in der Niederen Minne, etwa bei Walther von der Vogelweide, eine auf Gegenseitigkeit angelegte, menschlichere Beziehung im Vordergrund steht.
Die Humoralpathologie lieferte eine pseudowissenschaftliche „Begründung“ für die angebliche natürliche Minderwertigkeit der Frau, indem sie ihr einen feucht-kalten Konstitutionstypus zuschrieb, während der Mann als trocken-warm und damit als vollkommener galt.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

