Masterarbeit, 2019
65 Seiten, Note: 1,3
2. DIE ROLLE DER FRAU UM 1800
3. DIE FRAU IN EINER PATRIARCHALISCHEN GESELLSCHAFT
3.1 DIE DARSTELLUNG DER VATERROLLE IN „EMILIA GALOTTI“
3.2 DIE DARSTELLUNG DER VATERROLLE IN „DIE MARQUISE VON O...“
3.2 DIE DARSTELLUNG DER VATERROLLE IN „EFFI BRIEST“
4.1 DIE VERKÖRPERUNG DER UNSCHULD IN „EMILIA GALOTTI“
4.2 DIE NAIVE KINDLICHKEIT IN „EFFI BRIEST“
4.3 AMBIVALENTE SEXUALITÄT IN „DIE MARQUISE VON O...“
5. SEXUALITÄT UND GEWALT
5.1 „DIE MARQUISE VON O...“ – EINE VERGEWALTIGUNG?
5.2 DER TOD VON EMILIA GALOTTI UND EFFI BRIEST
6. SEXUALITÄT ALS WAFFE FEMINISTISCHER EMANZIPATION
7. FAZIT
Die Arbeit untersucht die Repräsentation weiblicher Sexualität in den Werken "Emilia Galotti", "Effi Briest" und "Die Marquise von O..." vor dem Hintergrund der patriarchalisch geprägten Gesellschaftsstrukturen des 18. und 19. Jahrhunderts. Ziel ist es, die Diskurse um körperliche Selbstbestimmung, die Machtausübung durch Väter beziehungsweise Ehemänner und die emanzipatorischen Prozesse der Protagonistinnen zu analysieren.
1. Einleitung
Dem weiblichen Geschlecht als literarische Figur wurden in der Literatur seit mehr als 200 Jahren merkwürdige Eigenschaften zugeschrieben. Dies ist nicht zuletzt der Tatsache verschuldet, dass die Autoren, die sich mit den weiblichen Figuren auseinandersetzten, meist Männer waren. So verleiht zum Beispiel Johann Wolfgang von Goethe seiner Frauenfigur in „Die Leiden des jungen Werthers“ (1774) keine sexuellen Empfindungen. Während Werther selbst an seinen Liebesgelüsten für Lotte zergeht, scheint sie jedoch von jeglichen sexuellen Trieben frei zu sein. Auch Friedrich Schiller widmet sich der weiblichen Figur in „Die Jungfrau von Orleans“ (1801), indem er seine Protagonistin, Johanna, mit der Jungfrau Marias gleichstellt. Schillers ausdrückliche Berufung auf die Jungfräulichkeit seiner Protagonistin lässt deren weibliche Sexualität nicht zu. Es lassen sich somit bestimmte Strukturen erkennen: Die Frauen handeln nicht selbständig und sind der Unterwerfung durch den Mann ausgesetzt. Einen Sonderfall stellt hierbei jedoch die Witwe dar, welche ohne männliches Oberhaupt einen eigenständigen Platz in der Gesellschaft einnimmt. Den Umgang mit weiblicher Sexualität in früheren literarischen Werken zu analysieren scheint sich somit nur unter Berücksichtigung von Paternalität zu bewähren.
2. DIE ROLLE DER FRAU UM 1800: Dieses Kapitel erläutert die bürgerliche Konzeption der Frau, deren Verhalten stark von Stand und gesellschaftlicher Erwartungen geprägt war, wobei männliche Institutionen über deren Körper und Sexualität verfügten.
3. DIE FRAU IN EINER PATRIARCHALISCHEN GESELLSCHAFT: Hier wird der Begriff der Paternalität als Herrschaftsform untersucht, die Lebenswege von Töchtern maßgeblich unter väterlicher beziehungsweise ehelichen Kontrolle hält.
3.1 DIE DARSTELLUNG DER VATERROLLE IN „EMILIA GALOTTI“: Das Kapitel analysiert die Sonderstellung von Odoardo Galotti, der zwischen zärtlicher Vaterliebe und der gewaltsamen Regulierung seiner Tochter durch moralische Instanzen agiert.
3.2 DIE DARSTELLUNG DER VATERROLLE IN „DIE MARQUISE VON O...“: Hier steht die Ambivalenz väterlicher Liebe im Zentrum, die bei Kleist ins Groteske und Inzestuöse kippt und die soziale Ordnung der Familie problematisiert.
3.2 DIE DARSTELLUNG DER VATERROLLE IN „EFFI BRIEST“: Im Fokus steht hier die Verschiebung väterlicher Macht auf den sozialen Kontext und die Muttergestalt, die Effi in ein starres gesellschaftliches Korsett zwingt.
4.1 DIE VERKÖRPERUNG DER UNSCHULD IN „EMILIA GALOTTI“: Es wird untersucht, wie Emilia durch ihre aufkommende Sinnlichkeit mit dem Ideal der Unschuld kollidiert, was letztlich in ihren von ihr selbst gewählten Tod führt.
4.2 DIE NAIVE KINDLICHKEIT IN „EFFI BRIEST“: Dieses Kapitel arbeitet heraus, wie Fontane durch die kindliche Naivität Effis deren spätere gesellschaftliche Isolation und Scheitern an den Moralvorstellungen der Zeit einleitet.
4.3 AMBIVALENTE SEXUALITÄT IN „DIE MARQUISE VON O...“: Hier wird die prekäre Situation der Marquise analysiert, die trotz Vergewaltigung ihre Unschuld zu wahren versucht, indem sie ihr privates Schicksal öffentlich macht.
5. SEXUALITÄT UND GEWALT: Dieses Kapitel setzt sich mit der Verbindung von Macht, Körperverletzung und den rigiden gesellschaftlichen Gesetzen auseinander, die Sexualität oft als gewaltsamen Akt definieren.
5.1 „DIE MARQUISE VON O...“ – EINE VERGEWALTIGUNG?: Eine kritische Untersuchung des Gewaltaktes bei Kleist, der die Grenzen zwischen Verführung, Einvernehmen und Gewalt verwischt.
5.2 DER TOD VON EMILIA GALOTTI UND EFFI BRIEST: Hier wird der gewaltsame Tod der Figuren als letzter emanzipatorischer Akt oder als Konsequenz einer ausweglosen moralischen Enge gedeutet.
6. SEXUALITÄT ALS WAFFE FEMINISTISCHER EMANZIPATION: Abschließend wird diskutiert, wie die literarischen Figuren durch den Bruch mit Konventionen – sei es durch den Tod oder durch Skandale – feministische Ansätze und individuelle Autonomie verhandeln.
7. FAZIT: Das Kapitel fasst zusammen, dass weibliche Sexualität in den Werken stets an gesellschaftliche Konsequenzen gebunden ist und sich von der Aufklärung bis zum 21. Jahrhundert massiv im literarischen Diskurs transformiert hat.
Weibliche Sexualität, Paternalität, Patriarchat, Literaturwissenschaft, Gender Studies, Emilia Galotti, Effi Briest, Die Marquise von O..., Patriarchale Ordnung, Unschuld, Machtstrukturen, Emanzipationsprozesse, Körperlichkeit, Literarische Analyse, Sozialgeschichte.
Die Arbeit untersucht die Darstellung von weiblicher Sexualität in zentralen Werken der Neueren deutschen Literatur unter Berücksichtigung der herrschenden patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen des 18. und 19. Jahrhunderts.
Die Analyse fokussiert sich primär auf die Rollenbilder von Frauen, das Konzept der "Paternalität", die Bedeutung von Tugend und Unschuld sowie die Verschränkung von Sexualität mit Gewalt und sozialen Konventionen.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Protagonistinnen in den behandelten Texten zwischen individuellen Bedürfnissen und den gesellschaftlichen Zwängen des Patriarchats agieren und inwiefern ihr Handeln als emanzipatorisch oder unterworfen gedeutet werden kann.
Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Analyseformen unter Einbeziehung theoretischer Ansätze der Gender Studies, insbesondere Bezüge zu Michel Foucault und Judith Butler zur Diskurs- und Identitätsanalyse.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Vater-Tochter-Verhältnisses, die Thematisierung von Körperlichkeit und Unschuld sowie die Analyse von Gewaltstrukturen in den ausgewählten Novellen und Dramen.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Paternalität, Gender Studies, weibliches Geschlechtskonstrukt, Patriarchat, Literaturgeschichte und emanzipatorische Prozesse definieren.
Bei Lessing ist die väterliche Macht allgegenwärtig und funktional auf die bürgerliche Moral ausgerichtet, während Kleist die Vaterfigur psychologisch bis ins Groteske und Inzestuöse verzerrt, was die soziale Ordnung instabil macht.
Der Tod wird als gewaltsame Antwort auf die weibliche Sexualität verstanden; er dient bei Emilia als letzter emanzipatorischer Akt zur Identitätsrettung, während das Sterben bei Effi eher aus Passivität und gesellschaftlicher Isolation resultiert.
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