Diplomarbeit, 2009
123 Seiten, Note: 1.7
Medien / Kommunikation - Medien und Politik, Pol. Kommunikation
0. Einleitung
0.1 Gegenstand der Arbeit, Methodik und Stand der Forschung
0.2 Aufbau der Arbeit
0.3 Begriffszusammenfassung
1. Ursprünge und Ideologie der Kommunikationsguerilla
1.1 Die kritische Medientheorie - Zum Verständnis des Konzeptes Kommunikationsguerilla
1.1.1 Brechts „Radiotheorie“: Macht und Struktur der Medien
1.1.2 Jürgen Habermas: Das diskursive Öffentlichkeitsmodell und sein Strukturwandel
1.1.3 Adorno und Horkheimer: Kulturindustrie und Medien als Agenturen des Konsens
1.1.4 Hans Magnus Enzensberger: „Bewusstseinsindustrie“ und die Medienfeindschaft der Linken
1.1.5 Jean Baudrillard – Wort ohne Antwort
1.1.6 Guy Debord – Der Spektakelbegriff
1.1.7 Antonio Gramsci - Der Begriff der „kulturellen Hegemonie“
1.1.8 Oskar Negt und Alexander Kluge/ Ein Aeng/ Dieter Prokop
1.1.9 Umberto Eco - Auf das Rezeptionsverhalten kommt es an
1.1.10 Fazit
1.2 Warum Kommunikationsguerilla? Zu den politischen Verhältnissen
1.3 Taktikbeispiel: Der „Fake“ bei den „Yes Men“
1.3.1 Vorstellung der „Yes Men“
1.3.2 Beschreibung der Aktion „Towards the Globalization of Textile Trade“
1.3.3 Analyse der Aktion
1.3.3.1 Wahl der Strategie „Überidentifizierung“
1.3.3.2 Umsetzung von „Fake“ und „subversiver Affirmation“ innerhalb des Vortrages
1.3.3.3 Elemente des „Unsichtbaren Theaters“ und der „Lecture Performance“
1.3.3.4 Blick auf die Öffentlichkeit
1.4 Leben als Kriegsschauplatz – Kommunikation als Waffe
1.5 Das Experimentelle
1.6 Das Karnevaleske
1.7 Aneignung der öffentlichen Räume
1.8 Zur Funktion des „Fake“ und seiner Verwendung in der Kunst
2. Die Aktivisten der Kommunikationsguerilla
2.1 Kollektive Autorschaft und multiple Namen
2.2 Vernetzung und Lesen der Oberfläche- das soziale Leben der Aktivisten
2.3 Guerilla und Arbeit- der Aktivist als Schläfer im System
2.4 Kommunikationsguerilla als Bewegung - eine neue Avantgarde?
2.4.1 Die Futuristen
2.4.2 Die Dadaisten
2.4.3 Die Surrealisten
2.4.4 Die Situationisten
2.4.5 Postmoderne Avantgardegruppierungen
2.4.5.1 Fluxus
2.4.5.2 Kommune 1 und Hippietum
2.4.5.3 Die italienische Jugendbewegung und die „Indiani Metropolitani“
2.4.5.4 Der Neoismus
2.4.6 Die Gewaltfrage
2.4.7 Spirituelle Bewusstseinserweiterung
2.4.8 Fazit - Kommunikationsguerilla als anonyme technisierte Fortführung der Avantgardebewegung
3. Kommunikationsguerilla und das Verhältnis zur „Kunst“
3.1 Abwendung vom gegenwärtigen Kunstbegriff und dessen Vermarktung
3.2 Der Künstler gegen die „Kunst“ und mit der Kunst
3.3 Warum Kunst? Welche Funktion erfüllt die Kunst für die Gesellschaft und den Künstler?
4. Subversion der Subversion
5. Resümee
Die Diplomarbeit analysiert die „Kommunikationsguerilla“ als subversive Protestform und avantgardistische Bewegung, die medienkritische Konzepte in die Praxis überträgt. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, wie durch Strategien wie den „Fake“ die Deutungshoheit über gesellschaftliche Wirklichkeiten zurückerobert werden kann und welche Rolle die Kunst dabei spielt.
1.3.2 Beschreibung der Aktion „Towards the Globalization of Textile Trade“
Die folgende Aktion aus dem Jahre 2001 ist die zweite Aktion, bei der sich die „Yes Men“ als Mitglieder der World Trade Organisation ausgegeben haben. Sie resultierte aus der Einladung, einen Vortrag auf der Textilhandelskonferenz „Textiles of the Future- Towards the Globalization of Textile Trade“ in Tampere in Finnland zu halten. Die wichtigsten Bestandteile des Vortrages werden im Folgenden auf Deutsch zu dessen Verständnis zusammengefasst. Ich beziehe mich dabei immer auf eigene Schilderungen der „Yes Men“ und die Chronologie des Vortrages, in der eventuelle thematische Inkonsequenzen und Logik-Sprünge bewusst gesetzt sind. Die nachfolgende Analyse wird auf diese eingehen.
Da die „Yes Men“ bei ihrer ersten derartigen Aktion in Salzburg (2000) und bei einem gefälschten Fernsehinterview auf CNBC (2001) unerwarteter Weise mit keinerlei negativen Reaktionen beim Publikum oder den Veranstaltern konfrontiert worden waren, entschlossen sie sich für die hier beschriebene Aktion zu provokanteren Aussagen und Bildern. Andy Bichlbaum gibt sich als Hank Hardy Unruh aus, der in Texas als Sohn eines Viehbauern geboren wurde, seinen Master in Business Administration gemacht haben soll und seit 1998 bei der Welthandelsorganisation in Paris arbeitet.
Der Vortrag mit dem Titel „Towards the Globalization of Textile Trade“, beginnt trotz Verspätung Bichlbaums mit einem Blick ins renommierte Publikum, um die anwesende Prominenz zu unterstreichen und die Wichtigkeit des Anlasses zu bestätigen. Es folgt ein Statement um die Seiten klarzustellen und sich die Zustimmung beim Publikum zu sichern: „[...] we [gemeint ist die WTO] want you to help you achieve dollar results [...]“
0. Einleitung: Definiert den Gegenstand der Arbeit als subversiven Widerstand, umreißt die Methodik der Diskursanalyse und verortet die Kommunikationsguerilla theoretisch.
1. Ursprünge und Ideologie der Kommunikationsguerilla: Analysiert kritische Medientheorien von Brecht über Habermas bis zu Baudrillard und Eco als Fundament für subversive Protestformen.
2. Die Aktivisten der Kommunikationsguerilla: Beleuchtet das soziale Leben, die Identität und die Vernetzung der Akteure sowie deren historische Verwandtschaft mit Avantgardebewegungen.
3. Kommunikationsguerilla und das Verhältnis zur „Kunst“: Diskutiert die Abkehr vom institutionalisierten Kunstbegriff und das Spannungsfeld zwischen künstlerischer Ästhetik und politischem Aktivismus.
4. Subversion der Subversion: Untersucht die Gefahr der kommerziellen Vereinnahmung subversiver Strategien durch die Kulturindustrie und den Kapitalismus.
5. Resümee: Zieht Bilanz über die Wirksamkeit der Kommunikationsguerilla als „anonyme Avantgarde“ und ihren langfristigen Stellenwert für den politischen Widerstand.
Kommunikationsguerilla, The Yes Men, Medienkritik, Subversion, Fake, Avantgarde, Cultural Hacking, Culture Jamming, Gesellschaftskritik, Politische Ästhetik, Weltbilder, Diskursanalyse, Gegenöffentlichkeit.
Die Arbeit untersucht die Kommunikationsguerilla als ein semiotisches und künstlerisches Konzept, das mit subversiven Taktiken gegen mediale Manipulation und politische Verhältnisse kämpft.
Die Schwerpunkte liegen auf Medientheorie, der Rolle des „Fakes“ als taktisches Instrument, der Geschichte avantgardistischer Bewegungen und dem kritischen Verhältnis zum Kunstbetrieb.
Das Ziel ist es, das Selbstverständnis und die Wirksamkeit der Kommunikationsguerilla-Aktivisten zu analysieren und aufzuzeigen, wie sie versuchen, die Deutungshoheit über gesellschaftliche Prozesse zurückzugewinnen.
Die Autorin verwendet eine qualitative Diskursanalyse sowie die Auswertung von medientheoretischen Quellen, Sachliteratur und Selbstdokumentationen der Aktivistengruppen.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung über Medientheoretiker, eine praxisnahe Analyse der „Yes Men“-Aktionen sowie die historische Einordnung in avantgardistische Traditionen.
Zentrale Begriffe sind Kommunikationsguerilla, Fake, Subversion, Avantgarde und Medienkritik.
Sie nutzen den „Fake“ als „Königsdisziplin“, indem sie Identitäten von Institutionen wie der Welthandelsorganisation (WTO) übernehmen, um deren ideologische Abgründe durch Überidentifizierung offenzulegen.
Die Autorin argumentiert, dass herkömmliche Protestformen in der heutigen Medialisierung an Wirkung verlieren. Eine eigene Ästhetik hilft dabei, Aufmerksamkeit zu erzeugen und eine „kulturelle Grammatik“ zu durchbrechen, die das System stabilisiert.
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