Bachelorarbeit, 2023
71 Seiten, Note: 1,0
Diese Bachelorarbeit untersucht anhand einer qualitativen Inhaltsanalyse, inwiefern Elektromobilität Potenziale für eine klimafreundliche Gesellschaft bietet. Dabei werden die Ökobilanzierung von Elektrostraßenfahrzeugen sowie die soziologischen Individualisierungstheorie nach Beck und die Wertewandeltheorie nach Inglehart am Beispiel deutscher Straßenmobilität spezifisch betrachtet, um die zentrale Forschungsfrage zu beantworten.
3. Forschungsstand
Am besten ist es, wenn Innovationen nicht bloß akzeptiert, sondern auch von den Menschen adoptiert werden. Dazu sagte Kollmann, dass bei eingeschränkter Akzeptanz gegenüber der Innovation zuerst Merkmale eines Produktes an das bestehende Wertesystem angepasst werden müssen (vgl. Kollmann 1998, S. 62 f.). Diese Form der Akzeptanz wird „Adoptionsakzeptanz“ genannt (Kollmann 1998, S. 62 f.). Im Falle von Elektrofahrzeugen in Deutschland, trifft diese Adoptionsakzeptanz nicht zu, da ein tiefverwurzeltes Wertesystem bezüglich der Verbrennungsmotoren besteht, welches seit der Erfindung des Ottomotors 1877 nicht reformiert wurde.
Nun diffundiert das Elektrofahrzeug schrittweise in Deutschland und der Markt für BEV-Modelle wird stetig attraktiver gestaltet und die Bandbreite an verfügbaren Modellen vergrößert sich. Schon im Jahr 2008 wurde im Masterplan für Umwelttechnologien auf politischer Ebene festgelegt Elektromobilität in Deutschland zu fördern und Fahrzeuge mit geringer CO2- und Schadstoffbasis steuerlich zu entlasten (vgl. BMU 2008, S. 62). Dieser Beschluss zeigt sich heutzutage in dem hohen Angebot von E-Mobilen auf dem Markt: Im Oktober 2022 gab es insgesamt 268 BEV-Modelle in Deutschland, welche im Schnitt 63.400€ kosteten und eine Reichweite von 329km besaßen (vgl. Rau 2022, o. S.). Die kalendarische Lebensdauer einer Lithium-Ionen-Batterie lag 2018 bei 8 bis 12 Jahren und einer insgesamten Fahrleistung von 300.000 km. Dabei sind Reichweite, Fahrweise und Effizienz der Batterie ausschlaggebend (vgl. Kampker et al. 2018, S. 343).
Zusätzlich zu dieser Auswahl an Fahrzeugen kommt vergünstigend und als Kaufanreiz hinzu, dass die aktuelle Bundesregierung in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt hat die Innovationsprämie (auch Umweltbonus genannt) bis Ende des Jahres 2022 unverändert fortzuführen und ab dem 01.01.2023 schrittweise abnehmend nach strengeren Vorgaben unter dem Aspekt „positiver Klimaschutzeffekt“ bei Neukäufen und Gebrauchtwagen, die nach 2019 zugelassen wurden, beizusteuern (vgl. SPD, BÜNDNIS 90 - DIE GRÜNEN, FDP 2021, S. 162 f.). Das bedeutet konkret einen Zuschuss von bis zu 6000€, die bei einem Kauf bzw. Leasing eines Elektroautos, die vom Bund übernommen werden (vgl. Die Bundesregierung 2021, o. S.).
Die aktuellen Zahlen deuten darauf hin, dass die Nutzer*innen der Innovation E-Auto steigen. Das Vorhandensein an bestehenden, sowie neuzugelassenen Elektrofahrzeugen ist höher als je zuvor (s. Anhang a). Der insgesamte Bestand von Elektroautos lag in Deutschland am 01.01.2022 bei 618.000, was einen Anteil von 1,3% der Gesamtmenge an Fahrzeugen darstellt (vgl. Kraftfahrt-Bundesamt - Flensburg 2022b, o. S.). Laut dem Neuzulassungsbarometer des Kraftfahrt-Bundesamtes liegt die Zahl der BEV-Neuzulassungen im Jahr 2022 bisher bei rund 272.500 Autos (Stand: Oktober 2022) (vgl. Kraftfahrt-Bundesamt - Flensburg 2022a, o. S.). Im Vergleich zu den Neuzulassungen von Januar bis September im Jahr 2021 bedeutet dies ein Wachstum von 15% und einen Anstieg von fast 32%, wenn nur die Monate September miteinander verglichen werden (vgl. Kraftfahrt-Bundesamt - Flensburg 2022a, o. S.). Als Referenz die Zahlen von vor 10 Jahren: 2012 betrug die deutschlandweite Anzahl an Elektromobilen insgesamt 2956 Stück (vgl. Kraftfahrt-Bundesamt - Flensburg 2012, S. 10). Es muss geklärt werden, ob zunächst ein Bewusstsein für klimafreundliches Handeln entstehen muss, um bewerten zu können, ob diese Auswahl an Fahrzeugen und die Möglichkeit auf diese zuzugreifen, notwendig ist. Was bedeutet dies nun für uns als Gesellschaft? Zeichnet sich durch die ansteigende Diffusion alternativer Fahrzeugantriebe eine Tendenz zur Klimafreundlichkeit und somit einem alltäglichen bewussteren Leben ab?
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Elektromobilität als Potenzial für eine klimafreundliche Gesellschaft ein und formuliert die zentrale Forschungsfrage der Arbeit.
2. Definitionen der Kernbegriffe: Hier werden die grundlegenden Begriffe "Klimafreundlichkeit", "klimafreundliche Gesellschaft" und "Elektromobilität" präzise definiert, um einen einheitlichen Verständnisrahmen zu schaffen.
3. Forschungsstand: Das Kapitel beleuchtet den aktuellen Stand der Forschung und Praxis der Elektromobilität in Deutschland, inklusive relevanter Zahlen, Daten, Fakten und der Auseinandersetzung mit der Akzeptanz innovativer Antriebe.
4. Theorien: Es werden die Individualisierungstheorie nach Ulrich Beck und die Wertewandeltheorie nach Ronald Inglehart vorgestellt, erläutert und in Bezug auf ihre Relevanz für die Analyse der Elektromobilität gesetzt.
5. Methode: Dieses Kapitel beschreibt das methodische Vorgehen der Arbeit, eine inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz, und erklärt die Auswahl der Datengrundlage.
6. Analyse: Die Analyse untersucht die Potenziale und Risiken der Elektromobilität für eine klimafreundliche Gesellschaft auf politischer, ökonomischer, gesellschaftlicher und ökologischer Ebene, wobei ein besonderer Fokus auf der Ökobilanz liegt.
7. Diskussion: Das Kapitel bietet eine kritische Auseinandersetzung mit dem gesamten Forschungsprozess, der Auswahl und Codierung der Studien sowie den gewonnenen Erkenntnissen und der Verwendung der Ökobilanz.
8. Fazit: Hier werden die Ergebnisse der Arbeit zusammengefasst, die Forschungsfrage beantwortet und ein Ausblick auf weiterführende Forschungsfragen gegeben, insbesondere hinsichtlich einer nachhaltigen Mobilität.
Elektromobilität, Klimafreundlichkeit, Risikogesellschaft, Wertewandel, Individualisierung, Ökobilanz, qualitative Inhaltsanalyse, nachhaltige Mobilität, Akzeptanz, Umweltbewusstsein, politische Rahmenbedingungen, postmaterialistische Werte, CO2-Emissionen, Batterie-Technologie, gesellschaftlicher Wandel
Diese Arbeit befasst sich grundsätzlich mit der Frage, inwiefern Elektromobilität zur Schaffung einer klimafreundlichen Gesellschaft beitragen kann, und analysiert dabei sowohl ökologische als auch soziologische Aspekte.
Die zentralen Themenfelder umfassen die Potenziale und Risiken der Elektromobilität, die Ökobilanz von Elektrofahrzeugen, die Individualisierungstheorie nach Ulrich Beck, die Wertewandeltheorie nach Ronald Inglehart sowie die gesellschaftliche Akzeptanz und das Umweltbewusstsein im Kontext der Mobilitätswende.
Das primäre Ziel ist es, die Forschungsfrage „Inwiefern bietet Elektromobilität Potenziale für eine klimafreundliche Gesellschaft?“ umfassend zu beantworten, indem verschiedene wissenschaftliche Perspektiven beleuchtet werden.
Die Arbeit verwendet eine inhaltlich strukturierende qualitative Inhaltsanalyse nach Kuckartz, um diverse wissenschaftliche Studien zu untersuchen und auszuwerten.
Der Hauptteil behandelt die detaillierte Analyse der Potenziale und Risiken der Elektromobilität auf politischer, ökonomischer, gesellschaftlicher und ökologischer Ebene, basierend auf den definierten Subkategorien und dem Forschungsstand.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Elektromobilität, Klimafreundlichkeit, Risikogesellschaft, Wertewandel, Individualisierung, Ökobilanz, qualitative Inhaltsanalyse, nachhaltige Mobilität, Akzeptanz, Umweltbewusstsein, politische Rahmenbedingungen, postmaterialistische Werte, CO2-Emissionen, Batterie-Technologie und gesellschaftlicher Wandel.
Die Theorien von Beck (Individualisierung) und Inglehart (Wertewandel) dienen als soziologische Rahmenbedingungen, um den gesellschaftlichen Wandel im Kontext von Mobilität und Umweltbewusstsein zu erklären und die individuellen sowie kollektiven Handlungsmotive zu verstehen.
Die Ökobilanz ist zentral, da sie die gesamten Umweltauswirkungen von Elektrofahrzeugen über ihren gesamten Lebenszyklus (Herstellung, Nutzung, Verwertung) bewertet und somit entscheidend für die Beurteilung ihrer tatsächlichen Klimafreundlichkeit ist.
Herausforderungen bei der Akzeptanz umfassen Wissenslücken bezüglich der Technologie, Bedenken hinsichtlich Ladeinfrastruktur und Reichweite, hohe Anschaffungskosten und ein tief verwurzeltes Wertesystem zugunsten von Verbrennungsmotoren.
Der Wertewandel, insbesondere hin zu postmaterialistischen Werten und einem stärkeren Umweltbewusstsein in jüngeren Generationen, kann die Potenziale der Elektromobilität fördern, indem er die gesellschaftliche Nachfrage und die politische Unterstützung für klimafreundliche Technologien stärkt.
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