Magisterarbeit, 2009
97 Seiten, Note: 1,15
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
I Einleitung
I.1 Motivation und Fragestellung
I.2 Methodik
I.3 Forschungsstand
I.4 Aufbau der Arbeit
II Erinnern nach der Diktatur in Argentinien
II.1 Erinnerung und Gedächtnis
II.1.1 Geschichte der Gedächtnistheorien
II.1.1.a) Friedrich Nietzsche und das Vergessen
II.1.1.b) Sigmund Freud und das Verdrängen
II.1.1.c) Maurice Halbwachs und das kollektive Gedächtnis
II.1.1.d) Aby Warburg und Richard Semon
II.1.1.e) Pierre Nora und die französischen Gedächtnisorte
II.1.1.f) Die vier Gedächtnisformationen nach Aleida Assmann
II.1.1.g) Zusammenfassung
II.1.2 Erinnerung
II.1.3 Vergessen
II.1.4 Gedächtnis und Identität
II.1.5 Geschichte und Gedächtnis
II.2 Diktatur und Diktaturbewältigung
II.2.1 Charakteristika einer Diktatur
II.2.2 Die argentinische Diktatur
II.2.3 Diktaturüberwindung und Vergangenheitsbewältigung
II.2.4 Die Vergangenheitspolitik Argentiniens
II.3 Erinnerungsorte in Argentinien
II.3.1 Erinnerungsorte
II.3.1.a) Von französischen und deutschen Erinnerungsorten
II.3.1.b) Erinnerungsorte und Gedächtnismedien
II.3.1.c) Erinnerung in Argentinien
II.3.2 Konkrete Erinnerungsorte
II.3.2.a) Der Parque de la Memoria
II.3.2.b) Die Centros Clandestinos de Detención und der Club Atlético
II.3.3 Argentinische Menschenrechtsorganisationen und deren Erinnerungspraktiken
II.3.3.a) Die Proteste der Madres de Plaza de Mayo
II.3.3.b) Die Escraches der H.I.J.O.S.
II.3.4 Film: Junta (Garage Olimpo)
II.3.4.a) Technische Daten
II.3.4.b) Kurze Inhaltsangabe
II.3.4.c) Hauptdarsteller
II.3.4.d) Zeit und Erzählstruktur
II.3.4.e) Kamera
II.3.4.f) Musik und Ton
II.3.4.g) Darstellung des historischen Kontextes
II.3.4.h) Garage Olimpo – ein Erinnerungsmedium?
II.3.5 Das Internet – ein kulturelles Gedächtnismedium der letzten argentinischen Militärdiktatur?
II.3.5.a) Das World Wide Web
II.3.5.b) Das Internet – ein kulturelles Gedächtnismedium?
II.3.5.c) Die Internetpräsenz der argentinischen Erinnerungskultur
III Fazit
III.1 Zusammenfassung
III.2 Erkenntnisse und Ausblick
Die Arbeit untersucht, wie die letzte argentinische Militärdiktatur (1976–1983) heute im gesellschaftlichen Bewusstsein verankert ist und welche Rolle dabei unterschiedliche Erinnerungsorte und -medien spielen, um das kulturelle Gedächtnis des Landes zu formen.
II.3.1.a) Von französischen und deutschen Erinnerungsorten
PIERRE NORA, der den Begriff der lieux de mémoire geprägt hat, fasst in seinem siebenbändigen Werk 130 Erinnerungsorte, die als Bruchstücke des französischen nationalen Gedächtnisses zu sehen sind, zusammen. Zu seinen Erinnerungsorten zählen neben wirklichen Orten wie Denkmälern, Gedenkstätten, Gräbern und Statuen auch Symbole und Embleme wie die Trikolore oder die Marseillaise, auch Texte wie der Code Napoléon oder die Erklärung der Menschenrechte, ebenso Daten wie der 14. Juli oder Gebäude wie das Schloss von Versailles. All diese „Orte“ besitzen einen Überschuss an symbolischer Bedeutung, der sich allerdings ändern und auch verlieren kann. Für NORA fungieren Erinnerungsorte als eine Art künstliche Platzhalter für das nicht mehr vorhandene, natürliche kollektive Gedächtnis, so ERLL. Für ihn gibt es drei Dimensionen der Erinnerungsorte: die materielle, die funktionale und die symbolische. Materielle Dimension meint, dass es sich um kulturelle Vergegenständlichungen handelt. Funktionale Dimension heißt, dass diese Objektivationen in der Gesellschaft eine Funktion erfüllen und unter symbolischer Dimension ist die symbolische Bedeutung beziehungsweise Aura der Orte gemeint. Für ERLL können alle kulturellen Phänomene, die von der Gesellschaft in Zusammenhang mit nationaler Identität oder Vergangenheit gebracht werden, zum Erinnerungsort werden.
I Einleitung: Stellt das Forschungsinteresse an der Verankerung der argentinischen Militärdiktatur im gesellschaftlichen Bewusstsein vor und erläutert die methodische Herangehensweise sowie den Forschungsstand.
II Erinnern nach der Diktatur in Argentinien: Analysiert theoretische Gedächtniskonzepte, die spezifische Diktaturbewältigung in Argentinien und untersucht konkrete Erinnerungsorte und -medien von physischen Gedenkorten bis hin zum Film und Internet.
III Fazit: Führt die theoretischen Erkenntnisse mit den Fallbeispielen zusammen und bewertet die Eignung der untersuchten Orte und Medien als Instrumente gegen das Vergessen.
Gedächtnis, Erinnerung, Militärdiktatur, Argentinien, Erinnerungsorte, Erinnerungsmedien, Vergangenheitspolitik, kollektives Gedächtnis, Vergangenheitsbewältigung, Menschenrechte, Identität, Escraches, Madres de Plaza de Mayo, Internet, Film.
Die Arbeit analysiert, wie die argentinische Gesellschaft mit dem Erbe der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 umgeht und welche Formen des Erinnerns dabei eine Rolle spielen.
Neben theoretischen Grundlagen des Gedächtnisdiskurses stehen die staatliche Vergangenheitspolitik, zivilgesellschaftliche Erinnerungspraktiken und moderne mediale Formen der Gedenkkultur im Fokus.
Das Ziel ist es, den Zustand der Erinnerungskultur in Argentinien zu erfassen und zu untersuchen, ob und in welcher Weise Diktaturverbrechen heute im Gedächtnis präsent sind.
Es handelt sich um eine interdisziplinäre Untersuchung, die theoretische Ansätze der Gedächtnisforschung auf konkrete argentinische Fallbeispiele (Orte, Organisationen, Medien) anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, eine historische Einordnung der Diktatur in Argentinien sowie eine detaillierte Analyse spezifischer Erinnerungsmedien wie Gedenkstätten, Demonstrationen, Filme und Internetportale.
Zentrale Begriffe sind Erinnerungsort, kollektives Gedächtnis, Vergangenheitspolitik, Verschwundene (Desaparecidos) und Identitätsbildung.
Die Arbeit differenziert zwischen authentischen Orten, an denen sich die Geschichte tatsächlich vollzog (z.B. ehemalige Folterzentren), und nachträglich geschaffenen Medien wie Filmen oder digitalen Archiven, die als Vermittlungsinstanzen fungieren.
Sie dienen als Beispiel für eine performative Erinnerungspraxis, die durch beharrliche Proteste den öffentlichen Raum als Gedenkraum etabliert und das Verschwindenlassen von Personen in das kollektive Bewusstsein rückt.
Das Internet fungiert als hybrides Vermittlungsmedium, das Informationen über Gedenkorte bündelt, Datenbanken über Verschwundene zugänglich macht und somit das kulturelle Gedächtnis über nationale Grenzen hinweg stabilisiert.
Der Film wird als bedeutendes kulturelles Gedächtnismedium eingestuft, das durch seine affektive und emotionale Perspektive die Grausamkeit der Diktatur für ein breiteres Publikum erfahrbar macht und gegen das Leugnen oder Vergessen agiert.
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