Bachelorarbeit, 2021
44 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Es war einmal Indianerland – Urbanität als soziales Gefängnis
2.1 Die allgemeine Darstellung des urbanen Raums
2.2 Die Auswirkungen des Stadtrands und seines Milieus
2.2.1 Der Krieger im sozialen Abseits
2.2.2 Die Auswirkungen auf den Reifungsprozess
3. Pampa Blues – Das Land als Raum der Verödung
3.1 Die allgemeine Darstellung des ländlichen Raums
3.2 Die Auswirkungen des ländlichen Raums
3.2.1 Die Konstruktion des gelangweilten Träumers
3.2.2 Die Raumauswirkungen auf die Reifung
4. Tschick – Die Reise als Möglichkeitsraum zur Identitätsfindung
4.1 Die allgemeine Darstellung der Reise
4.2 Konzeption und Auswirkungen der Reise
4.2.1 Die Funktionen des Ursprungsraums und der Walachei
4.2.2 Die Auswirkungen auf die Persönlichkeitsentwicklung
5. Vergleich der Forschungsergebnisse
6. Fazit
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Raumgestaltung in modernen Adoleszenzromanen und deren Einfluss auf die Reifungs- und Identitätsprozesse der Protagonisten. Dabei wird analysiert, wie unterschiedliche räumliche Konzepte – urbaner Raum, ländlicher Raum und die Reise – die Entwicklung der Hauptfiguren konstruieren.
2. Es war einmal Indianerland – Urbanität als soziales Gefängnis
Der erzählte Raum des Adoleszenzromans Es war einmal Indianerland kann in einer deutschen Großstadt verortet werden, die nicht genauer benannt wird. Bereits im Paratext auf den ersten Seiten des Romans weist der Autor Nils Mohl jedoch darauf hin, dass der Roman teilweise an einem Ort spielt, der Jenfeld, einem eher sozialschwachen Stadtteil Hamburgs ähnelt. Auch verschiedene Vorkommnisse im Roman erinnern an Begebenheiten aus diesem Viertel der Stadt Hamburg.
Der 17-jährige Protagonist Mauser wächst in dieser sozialschwachen Siedlung auf, die im Roman selbst nur als ‚Stadtrand‘ bezeichnet wird. Die ganze Umgebung wird hier sehr trist, ungemütlich und verwahrlost präsentiert. So auch der Blick aus Mausers Wohnungsfenster:
Plattenbauten, drei Stockwerke hoch, vier Stockwerke, fünf, sechs, hier und da sogar noch weiter emporgeschachtelt bis zur zwölften oder sechszehnten Etage. Graue Klötze alle (scheinbar auf das Gebiet am Stadtrand gehagelt wie ein Meteoritenschwarm), aufgepeppt durch farbenfrohe Balkone, verziert mit zahnstein- oder nylonstrumpffarbenen Satellitenschüsseln. (EweI, S. 21 – 22)
Es ist die Rede von Einkaufswägen, die in den Hecken liegen, dem Geruch von Abgasen und Abfall und von ausgetrockneten Rasenflächen, was zeigt, dass sich niemand um ein optisch ansprechendes Erscheinungsbild der Siedlung kümmert. Die Schule ist umgeben von einem hohen Maschendrahtzaun (vgl. EweI, S. 50), die Boxhalle ist eine Baracke (vgl. EweI, S. 47) und außer einem Supermarkt und einer Videothek bietet das Viertel nichts Bemerkenswertes. Mauser wohnt in einem Eckblock mit 1200 Bewohnern und 18 Eingängen, was die typischen Menschenmassen verdeutlicht, die in sozialschwächeren Gegenden auf möglichst wenig Raum leben. Der Jugendliche hat zwar eine eigene Wohnung, diese wird jedoch ähnlich schäbig beschrieben wie der Rest der Umgebung:
Da ist das Bett (eher eine Pritsche). Der Schrank (ein rechteckiger Klotz). Der Schreibtisch (eine schlichte Holzplatte auf zwei Böcken, darauf der Laptop zum DVD-Gucken). Die Hantelbank. Secondhand, der ganze Kram. Selbst die Matratze, auf der ich liege. (EweI, S. 146)
1. Einleitung: Einführung in die Adoleszenz als psychologische Entwicklungsphase und Darstellung der Relevanz moderner Adoleszenzromane in der literaturwissenschaftlichen Forschung.
2. Es war einmal Indianerland – Urbanität als soziales Gefängnis: Analyse des urbanen Raums und der klaustrophobischen Wirkung des Stadtrands auf den Protagonisten Mauser, inklusive der Krieger-Identität als Schutzmechanismus.
3. Pampa Blues – Das Land als Raum der Verödung: Untersuchung des dörflichen Raums in Wingroden, der durch Stagnation und soziale Isolation den Reifungsprozess und die Perspektiven von Ben einschränkt.
4. Tschick – Die Reise als Möglichkeitsraum zur Identitätsfindung: Betrachtung der Reise durch die brandenburgische Provinz als transitiver Raum, der Maik neue Erfahrungen und eine Ablösung von seinem Ausgangsraum ermöglicht.
5. Vergleich der Forschungsergebnisse: Synthese der Ergebnisse aus den drei Romanen zur vergleichenden Darstellung der Raum-Wirkungs-Zusammenhänge in Bezug auf adoleszente Reifungsprozesse.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der unterschiedlichen Raumkonzepte und deren individueller Bedeutung für die Emanzipation der Adoleszenten innerhalb ihrer jeweiligen narrativen Welten.
Adoleszenz, Adoleszenzroman, Raumdarstellung, Urbanität, Ländlicher Raum, Identitätsfindung, Reifungsprozess, Grenzüberschreitung, Soziales Milieu, Adoleszente Identität, Literarischer Raum, Identitätssuche, Moderne Jugendliteratur, Soziale Prägung.
Die Arbeit analysiert, wie moderne Adoleszenzromane Räume gestalten und wie diese Räume die psychologische Reifung und Identitätsbildung der jugendlichen Protagonisten beeinflussen.
Die zentralen Themen sind Adoleszenz, die literarische Konstruktion von Stadtrand und ländlicher Provinz sowie das Motiv der Reise als Mittel zur Selbstfindung.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie räumliche Gegebenheiten – vom urbanen "sozialen Gefängnis" bis hin zur "leeren Provinz" – den Reifungsprozess der Hauptfiguren hemmen oder fördern.
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Untersuchung, die fortlaufend ähnliche Kriterien zur Analyse der Raumdarstellung und deren Auswirkungen auf die Protagonisten in drei ausgewählten Romanen anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Analyse der einzelnen Romane (Es war einmal Indianerland, Pampa Blues und Tschick), in der jeweils die Raumdarstellung, deren Funktion und die spezifischen Auswirkungen auf die jeweilige Hauptfigur untersucht werden.
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Adoleszenz, Raumdarstellung, Identitätsfindung, Reifungsprozess, soziale Abschottung und Grenzübertritt geprägt.
Die Arbeit zeigt, dass die Verwahrlosung und das soziale Milieu am Stadtrand das Gefühl von Irrelevanz bei Mauser verstärken, was ihn dazu zwingt, sich hinter einer "Krieger"-Persona zu verstecken.
Während die Protagonisten in den anderen beiden Romanen durch ihren Ursprungsraum in ihrer Entwicklung stagnieren, ermöglicht die Reise in "Tschick" eine aktive Auseinandersetzung mit neuen Räumen, was zu einer selbstständigeren Identität führt.
Die Arbeit verdeutlicht, dass eine rein geographische Flucht nicht ausreicht, wenn eine mentale Bindung oder das Fehlen von Alternativen – wie bei Mauser und Ben – besteht, wodurch die Rückkehr als notwendige Entscheidung für ihre persönliche Reife interpretiert wird.
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