Bachelorarbeit, 2009
31 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
2. Forschungsinteresse
3. Rechtlicher Schutz
3.1. Artikel 2 Grundgesetz
3.2. Bundesprüfstelle jugendgefährdender Medien
3.3. Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle
3.4. § 131 Strafgesetzbuch
4. Klassische Medienwirkungstheorien
4.1. Kritik an den klassischen Medienwirkungstheorien
4.2. Das General Aggression Model
4.3. Forschungslage
4.4. Die Realität der Gewalt in den Nachrichtenmedien
5. Payne-Fund-Studies
6. Yale-Studien
7. Differenziale der Mediengewalt
7.1. Filmexperimente
7.1.1. Kampfsportfilm-Experiment
7.1.2. Savage Street-Experiment
7.1.3. Die Klasse von 1984-Experiment
7.2. Dreigliedriges Modell der Opferrezeption
8. Fazit
Die Arbeit untersucht die tatsächliche Wirkung von Gewaltdarstellungen in Medien auf RezipientInnen, wobei ein besonderer Fokus auf der Opferperspektive und den Differenzialen der Wahrnehmung liegt. Ziel ist es, durch die Analyse spezifischer Filmexperimente und theoretischer Modelle ein differenzierteres Verständnis der Medienwirkung zu gewinnen, das über simple Ursache-Wirkungs-Annahmen hinausgeht.
7.1. Filmexperimente
Im Folgenden werden drei der Experimente näher betrachtet:
7.1.1. Kampfsportfilm-Experiment
Den ProbandInnen wurde sowohl ‚Saubere’ Gewalt aus dem Film „Karate Tiger“ (USA 1986) als auch ‚Schmutzige’ Gewalt aus dem Film „Bloodsport“ (USA, 1987) gezeigt. Die ‚Saubere’ Gewalt zeichnete sich durch das sportliche Reglement eines fairen Zweikampfes aus, der weitgehend blutlos geschieht und bei dem Gewalt als selbstdisziplinierte und saubere Tätigkeit ohne gravierende Folgen für die Opfer geschieht. ‚Schmutzige’ Gewalt hingegen wurde verwirklicht durch hässliche, blutige, rohe Szenen, in denen die Wirkungen der Gewalthandlungen an den Opfern drastisch gezeigt wurden, wie z.B. die Tötung eines längst besiegten Gegners.
Die ProbandInnen, im Alter zwischen 11 und 65 Jahren mit einem Mittelwert von 22 Jahren, wurden in vier Gruppen eingeteilt, wobei der Gruppe eins die Abfolge ‚Saubere’ -> ‚Schmutzige’ Gewalt gezeigt wurde, der Gruppe zwei die Abfolge ‚Schmutzige’ -> ‚Saubere’ Gewalt, der Gruppe drei nur ‚Saubere’ und der Gruppe vier nur ‚Schmutzige’ Gewalt.
Bestätigt wurde in allen Gruppen der allgemeine Effekt von Kampfsportfilmen: Angstzunahme. Diese war bei Frauen höher als bei Männern und generell bei Erwachsenen höher als bei 12- bis 15-jährigen Jugendlichen. Die Jugendlichen erwiesen sich als fast vollständig angstresistent, was der unter Jugendschützern verbreiteten Ansicht widerspricht, dass unter 16-jährige besonders ängstlich auf Gewaltszenen reagieren und insofern ein hohes Traumatisierungsrisiko aufweisen.
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert vor dem Hintergrund aktueller Amokläufe die öffentliche Debatte um Mediengewalt und hinterfragt die Rolle der Medien als alleinige Ursache für Gewalt.
2. Forschungsinteresse: Es wird das Ziel formuliert, die Wirkung von Gewaltdarstellungen in Medien auf RezipientInnen unter Einbeziehung der Opferperspektive und unter Verzicht auf vereinfachende Hypothesen zu erforschen.
3. Rechtlicher Schutz: Dieses Kapitel erläutert die gesetzlichen Rahmenbedingungen des Jugendschutzes in Deutschland, einschließlich des Grundgesetzes, der Aufgaben der BPjM, der USK und des § 131 StGB.
4. Klassische Medienwirkungstheorien: Es erfolgt ein Überblick über diverse Wirkungshypothesen sowie eine kritische Auseinandersetzung mit diesen, inklusive des General Aggression Models und der Rolle der Nachrichtenfaktoren.
5. Payne-Fund-Studies: Das Kapitel behandelt die erste große empirische Forschungsreihe der Medienwirkungsforschung und deren Widerlegung des einfachen Stimulus-Response-Modells.
6. Yale-Studien: Die Untersuchungen von Carl I. Hovland zur Persuasionsforschung und die Faktoren, die Einstellungsänderungen beeinflussen, werden hier beleuchtet.
7. Differenziale der Mediengewalt: Dies ist das Kernkapitel, in dem drei spezielle Filmexperimente von Jürgen Grimm analysiert werden, um die Wirkung dramaturigischer Gestaltung auf die Rezeption zu belegen.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Mediengewalt nur ein Teilfaktor komplexer Gewaltursachen ist und die Forschung stärker die Opferperspektive und soziale Differenziale berücksichtigen sollte.
Mediengewalt, Medienwirkungsforschung, Opferperspektive, RezipientInnen, Filmexperimente, Psychologie, Jugendmedienschutz, Gewaltprävention, Katharsisthese, Robespierre-Affekt, Aggressionsforschung, Sozialisation, Dramaturgie, General Aggression Model, Medienrezeption
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Untersuchung der Wirkung von Gewaltdarstellungen in Medien auf Menschen und analysiert, inwiefern diese tatsächlich Gewaltbereitschaft fördern oder hemmen.
Zentrale Themen sind die rechtlichen Grundlagen des Jugendschutzes, klassische und moderne Medienwirkungstheorien sowie die Analyse von filmdramaturgischen Effekten auf das Rezeptionsverhalten.
Das Ziel ist es, die Wirkungszusammenhänge von Mediengewalt differenzierter zu betrachten, indem nicht nur der Täter-, sondern vor allem der Opferaspekt wissenschaftlich einbezogen wird.
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung empirischer Filmexperimente von Jürgen Grimm, die kognitiv-physiologische Ansätze verfolgen.
Der Hauptteil gliedert sich in rechtliche Rahmenbedingungen, theoretische Modelle, historische Studien (Payne-Fund, Yale) und die detaillierte Analyse dreier spezieller Filmexperimente.
Mediengewalt, Medienwirkungsforschung, Opferperspektive, Rezeption, Dramaturgie und Differenziale sind die zentralen Begriffe der Arbeit.
Der Robespierre-Affekt beschreibt eine nicht-imitative Form der medieninduzierten Aggression, bei der Angstmomente durch einen unbefriedigenden Handlungsausgang in Rachegefühle und moralische Empörung übersetzt werden.
Die Autorin argumentiert, dass die Opferperspektive den Ausgangspunkt für alle Wirkungsprozesse darstellt und zur Modifikation bisheriger, zu täterzentrierter Theorien zwingt.
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