Bachelorarbeit, 2022
58 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Rassismus
2.1 Der Begriff Rassismus in der Bundesrepublik Deutschland – ein Tabu der Nachkriegszeit
2.2 Kolonialismus
2.3 Schwarze und weiße Menschen
2.4 Rassismustheoretische Ansätze
2.5 Alltagsrassismus
2.6 Antimuslimischer Rassismus
2.7 Struktureller/Institutioneller Rassismus
3. Der Begriff der Flüchtlinge/der Geflüchteten
4. Benachteiligungen geflüchteter Menschen
4.1 Benachteiligung durch die soziale Existenzsicherung – das Asylbewerberleistungsgesetz
4.2 Benachteiligungen in der Gesundheitsversorgung
4.3 Benachteiligungen durch eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt
4.4 Benachteiligung durch die Unterbringung in Sammellagern
4.4.1 Gewalt in Gemeinschaftsunterkünften
4.4.2 Covid-19 in Gemeinschaftsunterkünften
5. Auftrag der Sozialen Arbeit
5.1 Flüchtlingspolitik und deren Auswirkungen auf die Soziale Arbeit
5.1.1 Vom Doppel- zum Tripelmandat
5.2 Rahmenbedingungen Sozialer Arbeit in Gemeinschaftsunterkünften
6. Handlungsmöglichkeiten Sozialer Arbeit
6.1 Anforderungen an die Träger von Gemeinschaftsunterkünften
6.2 Anforderungen an die Professionellen der Sozialen Arbeit
6.3 Kritisches „Weißsein“
6.4 Social Justice und diskriminierungskritisches Diversity
6.5 Vom Objekt zum Subjekt
6.5.1 Zum Subjekt durch Empowerment
6.6 Sozialraumorientierte Arbeit in Gemeinschaftsunterkünften
6.7 Unzureichende rassismuskritische Perspektiven in der Sozialen Arbeit
6.7.1 Rassismuskritik statt Antirassismus
6.7.2 Rassismussensibilität im Kontext Beratung
7. Fazit
Die vorliegende Bachelor-Thesis untersucht, inwieweit Rassismus in der Sozialen Arbeit mit geflüchteten Menschen innerhalb von Gemeinschaftsunterkünften reproduziert wird und welche Handlungsoptionen der professionellen Sozialen Arbeit zur Verfügung stehen, um dieser Reproduktion entgegenzuwirken.
2.4 Rassismustheoretische Ansätze
Es gibt vielfältige Begriffsdefinitionen und Erklärungsversuche für Rassismus. Rassismus-Theorien und Rassismus-Definitionen wurden insbesondere durch Robert Miles, Albert Memmi und Étienne Balibar geprägt. Robert Miles beschreibt Rassismus unter biologisch-genetischen Aspekten. Rassismus ist demnach eine Ideologie, in der Menschen in biologische Rassen mit genetisch bedingten Eigenschaften und Charakteristika eingeteilt werden. Die Einteilung der biologischen Rassen stammt aus der Zeit des Kolonialismus und setze sich im nationalsozialistischen Deutschland fort. Demnach werden Menschen bestimmter Bevölkerungsgruppen in unterschiedliche Rassen eingeteilt. Diesen Rassen werden unveränderbare und genetisch bedingte endgültige Eigenschaften zugeschrieben, die wiederum dazu dienten, die Handlungen des Kolonialismus und des Dritten Reiches zu legitimieren. Die Unterteilung und die angebliche Existenz unterschiedlicher Rassen wurde mit der Entstehung der Naturwissenschaften, als in der Wissenschaft bewiesen angesehen. Für diese Rasseunterteilungen existieren aber keinerlei wissenschaftliche Erklärungen.
„Race does not exist, but it does kill people“ (Guillaumin, 1995: S. 107).
Menschen bestimmter Bevölkerungsgruppen wird verminderte Intelligenz, übersteigerter Sexualtrieb oder besondere Aggressivität nachgesagt. Die Einteilung in Rassekonstruktionen lässt Hierarchien und Herrschaftshandlungen entstehen, die Exklusionspraktiken legitimieren (vgl. Scharathow in Blank/Gögercin/Sauer/Schramkowski, 2018: S. 269).
Die Einordnung in unterschiedliche Rassekategorien besteht bis heute, auch wenn der Rasse-Begriff aufgrund des Nationalsozialismus verpönt wird. Étienne Balibar beschrieb erstmals den sogenannten kulturellen Rassismus als Neo-Rassismus. Dabei verschwindet der Rasse-Begriff und wird durch den Kultur-Begriff ersetzt. Die Einteilung und Kategorisierung bestimmter Bevölkerungsgruppen in unterschiedliche Kulturen, und die daraus resultierenden und legitimierten Ausgrenzungsmethoden und Herrschaftshandlungen bestehen weiterhin (vgl. ebd.). „Zudem werden die gewöhnlichen rassistischen Argumentationen nicht mehr auf Diskurse der überlegenen und unterlegenen „Rassen“ bezogen, sie basieren vielmehr auf den unüberwindlichen kulturellen Differenzen zwischen dem „Eigenen“ und dem „Fremden“.“ (Çetin in Prasad, 2018: 84). Durch das Unterscheiden zwischen „Wir“ und die „Anderen“, durch ungleiche Ressourcenzugänge und strukturelle Benachteiligungen entstehen gesellschaftliche Machtverhältnisse.
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Relevanz der Thematik ein und beleuchtet aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen sowie Todesfälle durch rechtsextreme Gewalt, die den Handlungsbedarf für die Soziale Arbeit begründen.
2. Rassismus: Dieses Kapitel definiert Rassismus als komplexes, historisch gewachsenes gesellschaftliches Machtverhältnis und erläutert verschiedene theoretische Ansätze sowie Formen wie Kolonialismus und Alltagsrassismus.
3. Der Begriff der Flüchtlinge/der Geflüchteten: Der Abschnitt diskutiert die rechtliche Definition von Schutzsuchenden im Sinne der Genfer Flüchtlingskonvention und reflektiert kritisch die mediale und gesellschaftliche Begriffswahl.
4. Benachteiligungen geflüchteter Menschen: Hier werden strukturelle Barrieren wie das Asylbewerberleistungsgesetz, Einschränkungen in der Gesundheitsversorgung, Arbeitsmarktbeschränkungen und die belastende Unterbringung in Sammellagern detailliert dargelegt.
5. Auftrag der Sozialen Arbeit: Dieses Kapitel untersucht das Spannungsfeld zwischen den Anforderungen staatlicher Institutionen und dem ethischen Menschenrechtsmandat der Sozialen Arbeit.
6. Handlungsmöglichkeiten Sozialer Arbeit: Hier werden konkrete Anforderungen an Trägerschaften und Professionelle formuliert, wobei Ansätze wie Kritisches Weißsein, Empowerment und sozialraumorientiertes Arbeiten im Fokus stehen.
7. Fazit: Die Schlussbetrachtung fasst die Kernerkenntnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer reflexiven, rassismuskritischen Haltung in der täglichen Arbeitspraxis.
Soziale Arbeit, Rassismus, Geflüchtete, Gemeinschaftsunterkünfte, Empowerment, Diskriminierung, Menschenrechte, struktureller Rassismus, Alltagsrassismus, Migrationsgesellschaft, Kritisches Weißsein, institutionelle Diskriminierung, Flüchtlingspolitik.
Die Arbeit analysiert die institutionellen und strukturellen Rahmenbedingungen der Sozialen Arbeit in Gemeinschaftsunterkünften und beleuchtet, inwiefern rassistische Praxen und Diskriminierungen gegenüber geflüchteten Menschen innerhalb dieser Strukturen reproduziert werden.
Die Arbeit fokussiert sich auf die Themenbereiche Rassismustheorien, die Lebensrealität von Geflüchteten in Sammelunterkünften, staatliche Asylgesetzgebungen, berufsethische Anforderungen an Sozialarbeiter sowie moderne Interventionsansätze gegen Rassismus.
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen dem ethischen Anspruch der Sozialen Arbeit als Menschenrechtsprofession und der faktischen repressiven Praxis in Gemeinschaftsunterkünften aufzuzeigen und Handlungsstrategien für eine rassismuskritische Praxis zu entwickeln.
Die Arbeit nutzt die Literaturanalyse und stellt eine theoretische Auseinandersetzung dar, indem sie wissenschaftliche Diskurse und Studien zum Thema Rassismus und Soziale Arbeit in der Migrationsgesellschaft zusammenführt und kritisch bewertet.
Neben der Definition verschiedener Rassismusformen behandelt der Hauptteil ausgiebig die vielfältigen Benachteiligungen durch das Asylbewerberleistungsgesetz, die Auswirkungen von Gewalt und Pandemie-Maßnahmen in Unterkünften sowie die professionellen Reflexionsnotwendigkeiten der Fachkräfte.
Zentrale Begriffe sind neben Rassismus vor allem Empowerment, Soziale Arbeit als Menschenrechtsprofession, die Kritik am „Weißsein“, strukturelle Diskriminierung und der Prozess vom Objekt zum Subjekt unter den Bedingungen der Fluchtmigration.
Die Arbeit kritisiert, dass Sozialarbeiter oft unfreiwillig in die Rolle staatlicher Kontrollinstanzen gedrängt werden und betont die moralische Verpflichtung, sich von mandatswidrigen Aufgaben (wie etwa bei Abschiebungen) zu distanzieren.
Die Autorin hebt hervor, dass der Begriff aufgrund der Endung „-ling“ oft mit Verniedlichung oder Abwertung behaftet ist und bevorzugt daher Bezeichnungen wie „Geflüchtete“, um die Individualität und Würde der Menschen zu unterstreichen.
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