Masterarbeit, 2021
56 Seiten, Note: 1,0
Die vorliegende Masterarbeit untersucht, inwiefern Bilderbücher als Anlass für philosophische Gespräche im Deutschunterricht der Grundschule dienen können und wie eine solche Umsetzung im Unterricht erfolgen sollte. Das primäre Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Kinder durch Bilderbücher einen vielfältigen Zugang zu philosophischen Themen und Fragen erhalten, um ihre Reflexionsfähigkeit und Orientierung im Denken und Handeln zu fördern.
2.2 Philosophieren
Roeger beschreibt die Tätigkeit des Philosophierens folgendermaßen: Philosophieren diene dazu, um spezifisch zu argumentieren, zu urteilen und zu Einsichten zu gelangen (vgl. Roeger 2016, S. 15). Um dies zu können, erfordert die Philosophie die Bereitschaft, drei Regeln des Denkens zu berücksichtigen: über das Selbst nachzudenken, sich in die Stelle jedes Anderen einzudenken (Empathie) und mit sich selbst einstimmig zu denken. Kants Auffassung nach, muss das Denken-Lernen gefördert werden, damit ein autonomes bzw. selbstbestimmtes Handeln erlernt werden kann. Ausgehend von Kants Auffassung folgt, dass der Mensch entweder nur sozialisiert oder zum aufgeklärten Denken und Urteilen erzogen werden kann (vgl. Runtenberg 2016, S. 21 ff.): „[...] dass man keine Philosophie, sondern nur philosophieren lernen kann“ (Runtenberg 2016, S. 23). Kants Didaktik wird in den gegenwärtigen Konzepten verknüpft und erweitert.
Im Gegensatz zu dem Erwachsenen begegnen Kinder ihrer Umwelt mit Offenheit und Neugierde. Sie sind an vielen Vorgängen interessiert, die für Erwachsene wiederum belanglos erscheinen. Daurer hält fest, dass Kinder uns Erwachsenen diesbezüglich meist überlegen sind, und stützt sich auf die folgenden drei Pfeiler der Philosophie, auf denen der Prozess des Philosophierens gegründet wird, die auch im Laufe der Arbeit von Nutzen sein werden: das Staunen, den Zweifel und das Betroffensein. Diese werden wiederum von Brüning ausgebaut: das Staunen, das Fragen, das Nachdenken, das Zweifeln, das Weiterdenken und das Infragestellen (vgl. Daurer 2017, S. 17; vgl. Brüning 2010, S. 9).
Bevor das Bedürfnis aufkommt, etwas zu hinterfragen oder zu erforschen, muss man aufmerksam und neugierig bzw. erstaunt sein, so Daurer (vgl. Daurer 2017, S. 17). Die einflussreichsten Philosophen der Geschichte Platon (427 – 347 v. Chr.) und sein Schüler Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) heben hervor, dass das Staunen der Anfang der Philosophie ist und den Anstoß zur Erforschung des Großen und Ganzen ermöglicht. Der Drang, etwas wissen zu wollen, der Zustand des Nichtwissens, führt zu einem Zustand des Wissen-Wollens; der Mensch erfragt und hinterfragt das Warum und Wieso einer Sache. Das Betrachten der Sterne inspirierte zum Beispiel die Menschen, sich mit der Entstehung des Universums zu beschäftigen. Diese Inspiration fasst der griechische Philosoph Aristoteles im folgenden Zitat zusammen (vgl. Brüning 2010, S. 9 f.):
„Denn die Verwunderung ist es, die die Menschen zum Philosophieren trieb; sie wunderten sich zuerst über das ihnen aufstoßende Befremdliche, gingen dann allmählich weiter und fragten nach den Wandlungen des Mondes, der Sonne, der Gestirne und der Entstehung des Alls“ (Aristoteles: Metaphysik, 403a (geschrieben im 4. Jhd. v. Chr.), zitiert nach Jaspers 1971, S. 16).
Kapitel 1 Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Forschungsfrage der Arbeit vor, die sich damit befasst, wie Bilderbücher philosophische Gespräche im Deutschunterricht der Grundschule anregen und umgesetzt werden können.
Kapitel 2 Philosophische Gespräche in der Grundschule: Hier werden die Begriffe Philosophie und Philosophieren definiert, verschiedene Ansätze der Kinderphilosophie vorgestellt und die Relevanz des Philosophierens mit Kindern, insbesondere im Deutschunterricht, begründet.
Kapitel 3 Bilderbücher: Das Kapitel beleuchtet die Besonderheiten von Bilderbüchern und ihre Eignung als Medium, um philosophische Gespräche anzustoßen und die kindliche Entwicklung zu fördern.
Kapitel 4 Praxistheoretische Überlegungen für den Deutschunterricht: Anhand des Bilderbuches „Irgendwie Anders“ werden konkrete praxistheoretische Vorschläge für die didaktische Umsetzung philosophischer Gespräche im Deutschunterricht der Grundschule entwickelt.
Kapitel 5 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bestätigt die vielfältigen Potenziale von Bilderbüchern als Impulsgeber für philosophische Gespräche in der Grundschule.
Bilderbücher, philosophische Gespräche, Deutschunterricht, Grundschule, Philosophie, Philosophieren, Kinderphilosophie, Reflexionsfähigkeit, Identität, Selbstbewusstsein, Toleranz, Akzeptanz, Sinnfragen, Bildanalyse, Gesprächsführung.
Die Arbeit befasst sich mit der Fragestellung, wie Bilderbücher als Anlass für philosophische Gespräche im Deutschunterricht der Grundschule genutzt und methodisch umgesetzt werden können.
Die zentralen Themenfelder umfassen die Philosophie und das Philosophieren mit Kindern, die Rolle von Bilderbüchern als Medium hierfür sowie praxistheoretische Überlegungen zur Integration in den Deutschunterricht.
Das primäre Ziel ist es, die Frage zu beantworten, inwiefern und auf welche Weise Bilderbücher philosophische Gespräche im Deutschunterricht der Grundschule anregen und zur Umsetzung gebracht werden können.
Die Arbeit analysiert theoretische Konzepte der Philosophie und Kinderphilosophie und wendet diese praxistheoretisch auf das Medium Bilderbuch an, insbesondere durch eine detaillierte Analyse eines ausgewählten Bilderbuches.
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Philosophierens mit Kindern, die Besonderheiten von Bilderbüchern und deren Potenziale für philosophische Gespräche, sowie konkrete praxistheoretische Überlegungen für den Deutschunterricht anhand eines Fallbeispiels.
Charakteristische Schlüsselwörter sind Bilderbücher, philosophische Gespräche, Deutschunterricht, Grundschule, Kinderphilosophie, Reflexionsfähigkeit und Identität.
Bilderbücher ermöglichen ästhetische Erfahrungen und eröffnen Räume für ästhetisches Denken in Bildern, wobei sie emotionale Betroffenheit und individuelle Reflexion fördern und somit die Artikulation philosophischer Fragen unterstützen.
Das Bilderbuch „Irgendwie Anders“ eignet sich besonders gut, da es die Außenseiterproblematik thematisiert und Fragen zu Selbstbild, Ich-Identität, Toleranz und Akzeptanz aufwirft, die für Kinder in der Grundschule besonders relevant sind und zu tiefgehenden philosophischen Gesprächen anregen.
Die Lehrkraft agiert als Coach und Moderator, der eine offene und vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre schafft, in der die Kinder ihre Gedanken frei äußern und selbstständig nachdenken können, ohne dass es um die Vermittlung statischen Wissens geht.
Es werden Phasen des Entwickelns (freie Assoziation von Ideen), Erprobens (Vergleich und Überprüfung von Vorstellungen) und Prüfens (Urteilsbildung und Reflexion von Handlungsbezügen) vorgeschlagen, die einen strukturierten, aber ergebnisoffenen Denkprozess ermöglichen.
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