Examensarbeit, 2009
169 Seiten, Note: 1,0
1. EINLEITUNG
1.1 ZIEL DER ARBEIT
1.2 VORGEHEN
2. EXKURS: ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGIE
2.1 ENTWICKLUNG DER LÜGEN-DEFINITION
2.2 ENTWICKLUNG DER LÜGEN-BEWERTUNG
2.3 ENTWICKLUNG DER LÜGEN-MOTIVE
2.4 ENTWICKLUNG DER LÜGEN-FERTIGKEIT
3. DEFINITION DER LÜGE
3.1 VERSCHIEDENE DEFINITIONSVORSCHLÄGE
3.1.1 DER MORALISCHE ASPEKT: NEGATIVE WERTUNG VS. NEUTRALE WERTUNG
3.1.2 DAS PHILOSOPHISCH-THEOLOGISCHE MODELL: WAHRHEITSBEGRIFF VS. LÜGENBEGRIFF
3.2 ARBEITSDEFINITION
3.3 VERWANDTE PHÄNOMENE
3.3.1 VERSTELLUNG
3.3.2 KLATSCH
3.3.3 IRONIE
3.3.4 IRRTUM
3.3.5 SELBST-TÄUSCHUNG
4. MOTIVE DES LÜGENS
4.1 SENDER-ORIENTIERTE MOTIVE
4.2 EMPFÄNGER-ORIENTIERTE MOTIVE
4.3 BEZIEHUNGSORIENTIERTE MOTIVE
5. TECHNIKEN DES LÜGENS
5.1 ABLENKEN
5.2 ERFINDEN UND VERFÄLSCHEN
5.3 ÜBER- UND UNTERTREIBEN
5.4 VERHEIMLICHEN
5.4.1 WAS SIND GEHEIMNISSE?
5.4.2 GESCHICHTEN ÜBER GEHEIMNISSE
5.4.3 ARTEN UND MERKMALE VON GEHEIMNISSEN
5.4.3.1 Formen von Geheimhaltung nach van Manen/ Levering
5.4.3.1.1 Existentielle Geheimnisse
5.4.3.1.2 Kommunikative Geheimnisse
5.4.3.1.3 Persönliche Geheimnisse
5.4.3.2 Formen von Geheimhaltung nach Bellebaum
5.4.3.2.1 Behütete und offene Geheimnisse
5.4.3.2.2 Anvertraute und freie Geheimnisse
5.4.3.2.3 Einzel- und Gruppengeheimnisse
5.4.3.2.4 Einfache und reflexive Geheimnisse
5.4.4 WIE UND WO ERFÄHRT MAN GEHEIMNISSE?
5.4.4.1 Geheime Orte
5.4.4.2 Geheimnisinhalte
5.4.5 DIE MORALISCHE QUALITÄT VON GEHEIMNISSEN
5.4.5.1 Gute Geheimnisse
5.4.5.2 Schlechte Geheimnisse
5.4.6 GEHEIMNISSE UND IHRE EMOTIONALEN KORRELATE
5.4.6.1 Schuld
5.4.6.2 Scham
5.4.6.3 Verlegenheit
5.4.7 PRIVATHEIT UND GEHEIMNISSE
5.4.7.1 Begriffliche Klärung von Privatheit nach Rössler
5.4.7.1.1 Dezisionale Privatheit
5.4.7.1.2 Informationelle Privatheit
5.4.7.1.3 Lokale Privatheit
5.4.7.2 Geheimnisse als Unterkategorie von Privatheit
5.4.7.3 Privatheit am Beispiel STUDI-VZ
5.4.8 VERHEIMLICHEN AUF VERSCHIEDENEN ALTERSSTUFEN
5.4.8.1 Geheimnisse im Kindesalter
5.4.8.1.1 Kognitive Entwicklung: Entwicklungspsychologische und pädagogische Entwicklungsmodelle
5.4.8.1.2 Die Bedeutung von Phantasiewelten und Geheimnissen
5.4.8.2 Geheimnisse im Jugendalter
5.4.8.2.1 Tagebuchschreiben als gesellschaftlich anerkannte und verbreitete Geheimnisform
5.4.8.2.2 Geheimnisse als Freundschaftskriterium
5.4.8.2.3 Geheimnisse vor Eltern/ Erwachsenen
5.4.8.3 Geheimnisse im Erwachsenenalter
5.4.8.3.1 Geheimnisse vor den Kindern
5.4.8.3.1.1 Sexualität als gesellschaftlicher Tabu
5.4.8.3.1.2 Sucht
5.4.8.3.2 Geheimnisse in der Beziehung
5.4.8.3.3 Familiengeheimnisse
5.4.8.3.3.1 Individuelle Geheimnisse
5.4.8.3.3.2 Interne Geheimnisse
5.4.8.3.3.3 Geteilte Familiengeheimnisse
5.4.9 PÄDAGOGISCHER UMGANG MIT GEHEIMNISSEN
6. WARUM LÜGEN KINDER?
6.1 DIE ANGST VOR DER STRAFE
6.2 DER WUNSCH NACH ANERKENNUNG
6.3 VERWECHSLUNG VON PHANTASIE UND REALITÄT
6.4 ÜBERFORDERUNG
6.5 HÖFLICHKEIT ODER RÜCKSICHTSNAHME
6.7 SCHUTZ DER PRIVATSPHÄRE
6.8 MACHT
6.9 EXKURS: NOTLÜGE
7. GLAUBWÜRDIGKEITSURTEIL
7.1 OBJEKTIVE LÜGEN-INDIKATOREN
7.2 ALLTAGSTHEORIEN
7.2.1 SENDER-CHARAKTERISTIKA
7.2.2 BOTSCHAFTS-CHARAKTERISTIKA
7.2.2.1 Soziale Erwünschtheit
7.2.2.2 Plausibilität/ Häufigkeit
7.2.2.3 Emotionalität
7.2.2.4 Intimität
7.2.2.5 Verifizierbarkeit
7.2.3 DETEKTOREN-CHARAKTERISTIKA
8. LÜGEN UND IHRE EMOTIONALEN KORRELATE
8.1 VORAUSSETZUNG: VERTRAUEN
8.2 SCHULDGEFÜHL
8.3 ANGST
8.4 VERGNÜGEN
9. LÜGEN UND INTELLIGENZ
10. LÜGEN AUF VERSCHIEDENEN ALTERSTUFEN
10.1 LÜGEN IM KINDESALTER
10.1.1 ENTWICKLUNG KINDLICHEN DENKENS
10.1.1.1 Kinder als Welteroberer
10.1.1.2 Magisches Denken
10.1.1.3 Allmachtsfantasien und Egozentrik
10.1.1.4 Prälogisches Denken
10.1.1.5 Emotionales Denken
10.1.1.6 Übergang zum operationalen Denken
10.1.1.7 Traumwelt und Realität
10.1.1.8 Entwicklung der Abstraktionsfähigkeit
10.1.2 PERSONENBEZOGENE LÜGEN
10.1.2.1 Lügen unter Kindern
10.1.2.2 Lügen gegenüber Eltern/ Lehrern
10.2 ELTERLICHE LÜGEN
10.2.1 LÜGEN UNTER ERWACHSENEN
10.2.1.1 Lügen in der Beziehung
10.2.1.2 Geschlechtsunterschiede
10.2.2 LÜGEN GEGENÜBER KINDERN
10.3 PÄDAGOGISCHER UMGANG MIT LÜGEN
11. ZWISCHENRESÜMEE
12. DARSTELLUNG DER FORSCHUNGSMETHODE
12.1 QUANTITATIVE UMFRAGE
12.1.1 METHODISCHES VORGEHEN
12.1.2 DARSTELLUNG UND ANALYSE
12.1.2.1 Frage 1
12.1.2.2 Frage 2
12.1.2.3 Frage 3
12.1.2.4 Frage 4
12.1.2.5 Frage 5
12.1.2.6 Frage 6
12.1.2.7 Frage 7
12.1.2.8 Frage 8
12.1.2.9 Frage 9
12.1.2.10 Frage 10
12.1.2.11 Frage 11
12.1.2.12 Frage 12
12.1.2.13 Frage 13
10.1.2.14 Frage 14
12.1.2.15 Frage 15
12.1.2.16 Frage 16
12.1.2.17 Frage 17
12.1.2.18 Frage 18
12.2 QUALITATIVE UMFRAGE
12.2.1 METHODISCHES VORGEHEN
12.2.1.1 Das narrative Interview
12.2.1.1.1 Ablaufmodell des narrativen Interviews
12.2.1.1.2 Grenzen dieser Methode
12.2.1.2 Vorstellung der erhobenen Stichprobe
12.2.2 DARSTELLUNG UND ANALYSE
12.2.2.1 Interview 1
12.2.2.2 Interview 2
12.2.2.3 Interview 3
12.2.2.4 Interview 4
12.2.2.5 Reflexion der Interviews
13. SCHLUSSBETRACHTUNG
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Lügens sowie dessen enge Verbindung zum Geheimnis im Lebensverlauf. Ziel ist es, das Lügenverhalten von Kindern und Erwachsenen zu analysieren, Unterschiede herauszuarbeiten und die zentrale Bedeutung von Geheimnissen als Bestandteil menschlicher Lebensphasen zu belegen.
1.1 Ziel der Arbeit
Du sollst nicht lügen! Ein Gebot, alt und von nahezu allen Menschen gebrochen. Polizeibeamte, Staatsanwälte und Richter müssen täglich unterscheiden: Wer lügt? Und wer sagt die Wahrheit? Aber auch im Alltag, sowohl im privaten als auch im öffentlichen Bereich, wird tagtäglich viel gelogen, worüber bei allen Wissenschaftlern, die sich mit diesem Thema befassen, wenig Dissens besteht. Von einigen Seiten wird sogar die Vermutung geäußert, dass die Täuschungsbereitschaft mehr und mehr ansteigt. Damit zusammenhängend steigt jedoch kaum die Toleranz gegenüber Täuschungen, sodass der paradoxe Zustand in der Gesellschaft entsteht, in der Lügen einerseits verbreitet sind, andererseits diejenigen, die beim Lügen erwischt werden, mit Sanktionen zu rechnen haben.
Lügen gelten im Allgemeinen meist als niederträchtig, oft sogar als schwerer Verrat. Die Tatsache, dass jemand gelogen hat, wiegt in den Augen der anderen häufig schwerer als das Fehlverhalten, dass durch eine Lüge vertuscht werden soll. Doch warum haben Lügen einen solch schlechten Ruf? Warum gilt die Unterstellung einer Lüge als schwerwiegender moralischer Vorwurf? Die Antwort scheint einfach: da Vertrauen ein hohes Gut in unserer Gesellschaft darstellt und die Lüge das Vertrauen zwischen Menschen zerstört. Die Lüge wird als eine bewusste sprachliche Fälschung von Tatsachen, Emotionen und Meinungen eingesetzt, aber auch zur Unterstützung der reflexiven Geheimhaltung, wenn konkrete Nachforschungen oder unbedarfte Fragen des Ausgeschlossenen eine Reaktion erzwingen, wobei ein Ausweichen zu riskant oder unmöglich erscheint. An dieser Stelle wird deutlich, dass Lüge und Geheimnis eng miteinander in Verbindung stehen und nicht immer getrennt von einander betrachtet werden können.
1. EINLEITUNG: Definiert die Relevanz des Themas Lüge und Geheimnis und stellt die zentrale Forschungsthese auf, dass Geheimnisse einen notwendigen Bestandteil menschlicher Lebensphasen bilden.
2. EXKURS: ENTWICKLUNGSPSYCHOLOGIE: Beleuchtet die Entwicklung des Verständnisses, der Bewertung und der Fertigkeiten von Kindern hinsichtlich des Lügens.
3. DEFINITION DER LÜGE: Setzt sich mit verschiedenen philosophischen und moralischen Definitionen auseinander und erarbeitet eine Arbeitsdefinition für die Untersuchung.
4. MOTIVE DES LÜGENS: Klassifiziert Lügenmotive in sender-, empfänger- und beziehungsorientierte Kategorien.
5. TECHNIKEN DES LÜGENS: Beschreibt verschiedene Formen der Lüge mit einem Fokus auf das Verheimlichen und Geheimnistheorien.
6. WARUM LÜGEN KINDER?: Erläutert spezifische Gründe für kindliches Lügen wie Angst, Anerkennungswunsch oder Überforderung.
7. GLAUBWÜRDIGKEITSURTEIL: Analysiert, wie Menschen durch objektive Indikatoren und Alltagstheorien versuchen, die Wahrheit zu prüfen.
8. LÜGEN UND IHRE EMOTIONALEN KORRELATE: Untersucht die Rolle von Vertrauen, Schuld, Angst und Vergnügen im Kontext des Lügens.
9. LÜGEN UND INTELLIGENZ: Diskutiert den Zusammenhang zwischen kognitiven Fähigkeiten und der Fähigkeit zum Lügen.
10. LÜGEN AUF VERSCHIEDENEN ALTERSTUFEN: Vergleicht das Lügenverhalten und die Entwicklung von Geheimnissen von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter.
11. ZWISCHENRESÜMEE: Fasst die bisherigen theoretischen Überlegungen für den empirischen Teil zusammen.
12. DARSTELLUNG DER FORSCHUNGSMETHODE: Beschreibt das methodische Vorgehen der quantitativen Umfrage sowie der qualitativen narrativen Interviews.
13. SCHLUSSBETRACHTUNG: Führt die Ergebnisse der Untersuchungen zusammen und reflektiert die Ausgangsthesen.
Lüge, Geheimnis, Vertrauen, Privatheit, Kindheit, Entwicklungspsychologie, Motive, Verheimlichen, soziale Intelligenz, Schuldgefühl, Scham, Notlüge, Erziehung, empirische Studie, Alltagstheorien.
Die Arbeit untersucht das Zusammenspiel von Lüge und Geheimnis im menschlichen Leben und analysiert, warum Kinder und Erwachsene lügen, welche Funktionen Geheimnisse erfüllen und wie sich diese über verschiedene Lebensphasen entwickeln.
Die Themen umfassen die Definition und Techniken des Lügens, die psychologischen Motive, die Rolle von Privatheit und Geheimhaltung in zwischenmenschlichen Beziehungen sowie die spezifische Lügenentwicklung bei Kindern.
Das Ziel ist es, die These zu belegen, dass Geheimnisse ein notwendiger Bestandteil aller menschlichen Lebensphasen sind und eine wichtige Rolle für die Identitätsentwicklung spielen, sowie die Unterschiede im Lügenverhalten von Kindern und Erwachsenen aufzuzeigen.
Es wird eine Kombination aus einer theoretischen Literaturanalyse und einer zweigeteilten empirischen Forschung angewandt: einer quantitativen Umfrage mittels Fragebögen sowie einer qualitativen Analyse durch narrative Interviews.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Aufarbeitung der psychologischen Aspekte des Lügens und Geheimnisbewahrens sowie die detaillierte Darstellung und Auswertung der empirischen Studien.
Lüge, Geheimnis, Vertrauen, Privatheit, Entwicklung, Erziehung, soziale Kompetenz, Schuldgefühl, Scham.
Geheimnisse dienen Kindern als Instrument zur Abgrenzung von Erwachsenen und zur Entwicklung einer eigenen privaten Welt, was für die Autonomiebildung und die Festigung von Freundschaften essenziell ist.
Während bei Kindern Geheimnisse oft materiell oder spielerisch motiviert sind, sind Geheimnisse bei Erwachsenen meist komplexer, häufig emotional belastender und stärker mit Themen wie Sexualität, Beruf oder familiären Konflikten verknüpft.
Das Hauptmotiv ist primär die Angst vor negativen Sanktionen bzw. Strafen, gefolgt von dem Wunsch nach Anerkennung oder der Vermeidung von Konflikten durch Höflichkeitslügen.
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