Masterarbeit, 2023
69 Seiten
1 Einleitung
2 Darstellung der wichtigsten Punkte zur Beantwortung der Forschungsfrage
2.1 Die Naturteleologie Aristoteles‘
2.2 Die Bedeutung der Hausgemeinschaft (oikia) bei Aristoteles
2.3 Der aristotelische Tugendbegriff (areté), die Praktische Klugheit (phronêsis) und der Glückseligkeitsbegriff (eudaimonia)
2.4 Platons Politeia: Eine Einführung
2.5 Das Werk Timaios: Eine Einordnung
3 Hauptteil I
3.1 Aristoteles und das Verhältnis der Geschlechter in seinen Werken
3.1.1 Biologische Werke und die „deformierte“ Frau: Die Zeugung und Aristoteles‘ Naturteleologie - Das „Populationsproblem“ als unüberwindbares Hindernis?
3.1.2 Exkurs: Das Frauenbild Platons vs. Das Frauenbild Aristoteles‘
3.1.3 Die Psyche der Frau: Die „fehlende Entschiedenheit“ (akuron) der deliberativen Fähigkeit
3.1.3.1 Die „intrapersonelle Interpretation“
3.1.3.2 Die „interpersonelle Interpretation“
3.1.3.3 Praktische Klugheit und die Konsequenzen: Tugendhaftigkeit, Ausschluss der Frau von politischen Ämtern in der Polis und die unmögliche Teilhabe an Glückseligkeit (eudaimonia)?
3.2 Zwischenbilanz: Aristoteles und das Verhältnis der Geschlechter in seinen Werken
4 Hauptteil II
4.1 Platon und das Verhältnis der Geschlechter in seinen Werken
4.1.1 Das Verhältnis der Seelen und Geschlechter im Werk Timaios
4.1.1.1 Der erzählte Mythos im Timaios: Die Entstehung der Seele und der Menschheit
4.1.1.2 Das Verhältnis der Seelen und der Geschlechter im Timaios: Die Seele als Ursprung moralpsychologischer Differenzen?
4.1.2 Das Verhältnis von Mann und Frau in der Politeia
4.1.2.1 Das Verhältnis der Geschlechter: Widersprüchliche Textstellen in der Politeia
4.1.2.2 Die Frau im Wächterstand: Ein Bekenntnis Platons zur Gleichstellung von Frau und Mann?
4.1.2.3 Die Natur der Geschlechter und dasselbe Ausbildungs- und Erziehungsprogramm für Männer und Frauen
4.1.2.4 Die Wächterklasse und die Kinder- und Frauengemeinschaft
4.2 Zwischenbilanz: Platon und das Verhältnis der Geschlechter in seinen Werken
5 Abschließender Vergleich und Ausblick: Wie ist das Verhältnis der Geschlechter in den Werken Platons und Aristoteles'?
Die Arbeit untersucht das Geschlechterverhältnis in den Werken von Aristoteles und Platon, um zu klären, inwiefern die Frau in ihren jeweiligen Idealstaaten und ethisch-biologischen Systemen an der öffentlichen Sphäre teilhaben kann oder ob eine strukturelle Unterlegenheit gegenüber dem Mann postuliert wird.
3.1.1 Biologische Werke und die „deformierte“ Frau: Die Zeugung und Aristoteles‘ Naturteleologie - Das „Populationsproblem“ als unüberwindbares Hindernis?
Im Folgenden soll die Naturteleologie und das sogenannte „Populationsproblem“ behandelt werden, welche auf den ersten Blick in einem unüberwindbaren Gegensatz zueinanderstehen. Zuvor soll aufgezeigt und diskutiert werden, inwiefern auch in den biologischen Schriften Aristoteles‘ Stellen zu finden sind, die die Überlegenheit des Mannes über die Frau konstituieren. Die Stellen sind dahingehend von Relevanz für diese Arbeit, da auch sie aufzeigen, wie Aristoteles das Verhältnis zwischen den Geschlechtern bereits durch biologische bzw. physische Unterschiede und durch verschiedene Rollen im gemeinsamen Zeugungsakt bestimmt.
Allgemein kann gesagt werden, dass Aristoteles in seinen biologischen Werken ganz im Sinne eines Naturwissenschaftlers die Differenzen zwischen männlichen und weiblichen Lebewesen beschreibt und versucht, diese zu erklären. Bereits in seinem Werk Über die Entstehung der Tiere (De generatione animalium) findet man die Bemerkung, weibliche Lebewesen seien gleichsam „deformiert“, hätten in der Reproduktion nur die passive Rolle und allgemein ein empfindlicheres Gemüt gegenüber männlichen Lebewesen (vgl. De gen. anim. II 3, 737a22-29 zitiert nach Connell 2021: 243). Aus diesen Bemerkungen drängt sich, so Connell, dem Leser der voreilige Schluss auf, diese Beobachtungen seien bereits die unumstößliche Grundlage für das hierarchische Verhältnis zwischen Mann und Frau innerhalb der Polis, jedoch ließen sich hierfür erstmals bei erster Betrachtung von Aristoteles‘ Schriften keinerlei Begründungen finden (vgl. Connell 2021: 243). Der Grund für die Intransparenz und Unklarheit bezüglich der gemachten Aussagen über das Verhältnis von Mann und Frau ist auf die von Aristoteles nie angestellte Abhandlung über das Verhältnis der Geschlechter zurückzuführen, sodass es vonnöten ist, mühsam Kommentare und Erwähnungen bezüglich der Geschlechter in seinen verschiedenen Werken ausfindig zu machen und in einen sinnvollen Gesamtzusammenhang zu bringen.
1 Einleitung: Die Einleitung umreißt die Ambivalenz der Frauenbilder bei Aristoteles und Platon und legt die methodischen Grundlagen für den Vergleich vor dem Hintergrund des attischen Geschlechterverständnisses fest.
2 Darstellung der wichtigsten Punkte zur Beantwortung der Forschungsfrage: In diesem Kapitel werden aristotelische Grundbegriffe wie Naturteleologie, Hausgemeinschaft und Tugendethik sowie die platonische Politeia erläutert, um ein theoretisches Fundament für die anschließende Analyse zu schaffen.
3 Hauptteil I: Dieser Teil analysiert kritisch das Geschlechterverhältnis bei Aristoteles, wobei insbesondere der „Mangel an Entschiedenheit“ der Frau und ihre deliberativen Fähigkeiten untersucht werden.
4 Hauptteil II: Dieser Abschnitt widmet sich Platon, wobei der Fokus auf den Mythos des Timaios und die widersprüchlichen Aussagen zur Frauenrolle in der Politeia sowie der Wächterklasse liegt.
5 Abschließender Vergleich und Ausblick: Wie ist das Verhältnis der Geschlechter in den Werken Platons und Aristoteles'?: Das Fazit synthetisiert die Erkenntnisse und stellt fest, dass beide Philosophen in ihren Werken ein hierarchisches Geschlechtermodell stützen, wenngleich Platon theoretisch liberalere Ansätze verfolgt, die jedoch eugenischen Zwecken untergeordnet sind.
Aristoteles, Platon, Geschlechterverhältnis, Politeia, Naturteleologie, Deliberationsfähigkeit, akuron, Praktische Klugheit, Hausgemeinschaft, Wächterklasse, Tugendethik, Emanzipation, Subordination, Polis, Eudaimonia
Die Arbeit untersucht, wie das Verhältnis von Mann und Frau in den philosophischen Werken von Platon und Aristoteles beschrieben wird und ob sich darin Ansätze zur Gleichstellung oder Rechtfertigungen für eine Unterordnung finden lassen.
Die Arbeit fokussiert sich auf die moralpsychologischen, biologischen und politischen Voraussetzungen, die beide Philosophen für die Beurteilung der Geschlechter heranziehen.
Die leitende Forschungsfrage lautet, inwiefern das bei beiden Philosophen präsente hierarchische Geschlechterverständnis durch ihre jeweilige Naturphilosophie und Seelenlehre begründet wird und wie sich dies in den konkreten Idealstaaten (Politeia versus Politik) widerspiegelt.
Die Arbeit nutzt eine komparative Textanalyse, bei der primäre Textstellen der genannten Philosophen in Bezug zu den jeweiligen philosophischen Kontexten und unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur bewertet werden.
Im ersten Hauptteil werden die aristotelischen Werke biologisch und politisch untersucht. Der zweite Hauptteil befasst sich mit Platons Timaios und der Politeia.
Zentrale Begriffe sind Teleologie, Akuron (Mangel an Entschiedenheit), Praktische Klugheit (Phronesis), Seelenlehre, Wächterstand und das Spannungsfeld zwischen Hausgemeinschaft (Oikia) und dem öffentlichen Raum (Polis).
Aristoteles sieht die Frau durch biologische und physiologische Eigenschaften, die sie von Natur aus zur Unterordnung bestimmen, definiert. Platon hingegen verneint in der Politeia die geschlechtsspezifische Unterschiedlichkeit der Anlagen für die Aufgaben im Staat.
Er beschreibt einen Mangel an Entschiedenheit in der deliberativen Fähigkeit der Frau, was Aristoteles dazu nutzt, die Frau als dem Mann in politischen Entscheidungsfragen unterlegen darzustellen.
Platon erlaubt hier die Ausbildung von Frauen, primär um die Einheit des Staates und die Züchtung von optimalem Nachwuchs sicherzustellen, nicht primär aus Gründen der individuellen Freiheit der Frau.
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