Bachelorarbeit, 2023
30 Seiten, Note: 1,7
1 Einleitung
2 Das Politikverständnis von Jacques Rancière
2.1 Politik als Dissens
2.2 Politik ästhetisch denken – Ästhetik politisch denken
2.3 Zur politischen Ästhetik des Films
2.4 Der politische Modus nach Julia Zutavern
3 Der poetische Dokumentarfilm
3.1 Historischer Zugang: Poetik im (frühen) Dokumentarfilm
3.2 Der poetische Modus des Dokumentarischen nach Bill Nichols
4 Politische Ästhetik in KOYAANISQATSI und HALE COUNTY THIS MORNING, THIS EVENING - Ein Vergleich
4.1 Veränderte Wahrnehmung: Montage, Bildkomposition, Zeit
4.2 Ästhetische Gleichheit: Alltagsmomente und Non-Narrativität
4.3 Reflexivität: How do we not frame someone?
4.4 Intention und Rezeption: Nachweise einer Spaltung des Wirklichen
5 Fazit
Die Arbeit untersucht die bisher oft vernachlässigte politische Dimension des poetischen Dokumentarfilms. Dabei wird analysiert, wie diese Filme auf Grundlage ihrer spezifischen Ästhetik – jenseits rein narrativer oder inhaltlicher Botschaften – eine "Politik des Ästhetischen" im Sinne von Jacques Rancière realisieren können.
4.1 Veränderte Wahrnehmung: Montage, Bildkomposition, Zeit
In KOYAANISQATSI finden sich bereits in den ersten Einstellungen Momente einer potenziell politischen Ästhetik im Sinne Rancières wieder. Der Film beginnt mit der Ansicht einer altertümlich anmutenden Höhlenmalerei, auf der mehrere Personen zu sehen sind (TC 00.00.50-00.01.45). Wo sich diese Höhlenmalerei befindet und welcher Kultur sie entstammt, wird nicht ersichtlich. Die Kamera zoomt langsam von der Höhlenmalerei weg, während Gesang ertönt. Mystisch klingende, tiefe Stimmen singen den Titel des Films im Chor. Im nächsten Moment erscheinen Wolken und Feuer einer Explosion über der Höhlenmalerei und verdecken sie. Als sich der Rauch klärt ist die Höhlenmalerei aus dem Bild verschwunden. Stattdessen ist eine in sich zusammenbrechenden Industrieanlage zu sehen, die im gleichen orange-bräunlichen Farbton erscheint wie zuvor die Innenwände der Höhle (TC 00.02.10-00.03.35). Zur farblichen Verbindung der beiden Einstellungen kommt der Gesang, der den Einstellungswechsel überdauert und das Einstürzen der Anlage musikalisch untermalt. Ohne diese Verbindung sprachlich zu kommentieren, bringt der Film die beiden Einstellungen, die vorher in keinerlei Verbindung zueinanderstehen, mittels assoziativer Montage sowohl auf der Bild- als auch auf der Tonebene zusammen und lässt sie aufeinander wirken.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Trennung von Politik und Ästhetik im Dokumentarfilm ein und definiert das Ziel der Arbeit, eine politische Dimension des poetischen Dokumentarfilms mittels Rancières Theorie aufzuzeigen.
2 Das Politikverständnis von Jacques Rancière: Dieses Kapitel erläutert die zentralen Begriffe der Politik, des Dissenses und der Aufteilung des Sinnlichen, um die theoretische Grundlage für eine politisch verstandene Ästhetik zu schaffen.
3 Der poetische Dokumentarfilm: Hier wird die Gattung des poetischen Dokumentarfilms historisch hergeleitet und durch das Modell des poetischen Modus nach Bill Nichols systematisiert.
4 Politische Ästhetik in KOYAANISQATSI und HALE COUNTY THIS MORNING, THIS EVENING - Ein Vergleich: Anhand dieser beiden Filme werden formale Mittel wie assoziative Montage, Zeitlupe, Perspektivwechsel und reflexive Momente auf ihr politisches Potenzial hin untersucht.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass poetische Dokumentarfilme durch ihre formgebenden Verfahren eine Logik der Gleichheit etablieren können, die gesellschaftliche Wahrnehmungshierarchien infrage stellt.
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Die Arbeit untersucht, ob poetische Dokumentarfilme, denen oft eine politische Qualität abgesprochen wird, eine solche durch ihre spezifische ästhetische Form dennoch entfalten können.
Die zentralen Themen sind das Verständnis von Politik als „Aufteilung des Sinnlichen“ nach Jacques Rancière, die Geschichte des poetischen Dokumentarfilms und die formale Filmanalyse.
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, wie der poetische Dokumentarfilm auf der Grundlage seiner Ästhetik politisch sein und als Politik des Ästhetischen begriffen werden kann.
Es wird eine vergleichende Analyse der beiden Filme mittels eines „politischen Lektüremodus“ durchgeführt, der neben den filmimmanenten formalen Mitteln auch Produktions- und Rezeptionskontexte einbezieht.
Im Hauptteil werden theoretische Konzepte (Rancière, Zutavern, Nichols) eingeführt und anschließend in der Filmanalyse auf konkrete Stilmittel (Montage, Zeit, Reflexivität) angewandt.
Wichtige Begriffe sind Politische Ästhetik, Jacques Rancière, poetischer Modus, assoziative Montage und Dissens.
Die assoziative Montage verbindet Elemente, die logisch nicht zusammengehören, und bricht so mit konventionellen Sichtweisen, was Raum für eine dissensuelle Erfahrung beim Zuschauer schafft.
Der Film bietet neben ästhetischen Mitteln auch reflexive Momente und dient zudem als Beispiel für eine „Politik der Selbstbeschreibung“ einer afroamerikanischen Gemeinschaft.
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