Bachelorarbeit, 2009
32 Seiten, Note: 1,7
1. Einleitung
2. Bickertons Theorie des Bioprogramms
3. Merkmale von Gebärdensprache
3.1 Phonologie
3.2 Morphologie
3.3 Syntax
3.4 Nicht-manuelle Artikulatoren
3.5 Zusammenfassung
4. Die Idioma de Signos Nicaragüense
4.1 Zur Entstehung der Gebärdensprache in Nicaragua
4.2 Studien zur Untersuchung der qualitativen Unterschiede von LSN und ISN
4.2.1 Studie zur Untersuchung des Einflusses von sprachbegleitenden Gesten bei der Entstehung von Gebärden
4.2.1.1 Untersuchungsmethoden
4.2.1.2 Resultate
4.2.2 Studien zur Untersuchung des Gebrauchs von räumlichen Modulationen als grammatisches Element
4.2.2.1 Untersuchungsmethoden
4.2.2.2 Resultate
4.2.3 Studie zur Untersuchung des Gebrauchs von Klassifizierern als grammatische Elemente
4.2.3.1 Untersuchungsmethoden
4.2.3.2 Resultate
4.3 ISN als Nachweis genetisch bedingter sprachlicher Strukturen
4.4 Kritik
5. Auswertung
Die Arbeit untersucht, ob die Entstehung und Entwicklung der nicaraguanischen Gebärdensprache (Idioma de Signos Nicaragüense) als empirischer Beleg für die Theorie des Bioprogramms und damit für die Hypothese einer angeborenen, genetisch bedingten menschlichen Sprachfähigkeit herangezogen werden kann.
Die Theorie des Bioprogramms
Die Theorie des Bioprogramms liefert die Antwort auf diese Frage. Sie besagt, dass die menschliche Sprache in ihren Grundzügen angeboren ist und sich im Laufe des normalen Evolutionsprozesses zur heutigen Komplexität entwickelt hat (Bickerton 1981: 295). Ausgehend von dieser evolvierten sprachlichen Basis kann sich nach Bickertons Meinung jede natürliche Sprache entwickeln. Die natürlichen Sprachen entstehen im Rahmen der jeweiligen kulturellen Kontexte, wodurch die Eigenheiten und Unterschiede der verschiedenen Sprachen bestimmt werden. Bickerton legt hierzu Folgendes dar (Bickerton 1981: 296):
„Biological evolution […] hands out concrete features, concrete capacities for specific operations. What was passed on was precisely the capacity to produce a particular, highly-specified language, […]. This capacity had attained the level of contemporary creoles when the computational power it bestowed on its owners triggered the cultural explosion of the last ten millennia; and since cultural evolution works far faster than biological evolution, and since it operates at a far more abstract level, the effects of cultural evolution on language could not be transferred to the gene pool. Therefore, biological language remained right there where it was, while cultural language rode off in all directions.”
Die Richtigkeit von Bickertons Theorie des Bioprogramms, die die von Chomsky aufgestellte Hypothese der angeborenen menschlichen Sprachfähigkeit hätte beweisen können, wurde stark diskutiert. Kritiker bemängelten vor allem, dass die Argumente sich auf viel zu spezifische Details stützen.
1. Einleitung: Einführung in Noam Chomskys Hypothese der genetisch bedingten Sprachfähigkeit und Vorstellung des Untersuchungsgegenstands, der nicaraguanischen Gebärdensprache, als mögliches Beweismittel.
2. Bickertons Theorie des Bioprogramms: Darstellung der Theorie von Derek Bickerton, die auf der Entstehung von Kreolsprachen basiert und die angeborene menschliche Sprachstruktur erklären soll.
3. Merkmale von Gebärdensprache: Systematische Erläuterung der phonologischen, morphologischen und syntaktischen Eigenschaften von Gebärdensprachen, um deren Status als natürliche, voll entwickelte Sprachen zu belegen.
4. Die Idioma de Signos Nicaragüense: Analyse der Entstehung und Entwicklung der nicaraguanischen Gebärdensprache anhand verschiedener empirischer Studien sowie kritische Diskussion der Ergebnisse.
5. Auswertung: Synthese der Untersuchungsergebnisse, die Bickertons Theorie untermauert, unter Berücksichtigung der vorgebrachten Kritik und des aktuellen Forschungsstands.
Gebärdensprache, Idioma de Signos Nicaragüense, Sprachfähigkeit, Universalgrammatik, Bioprogramm, Kreolsprache, Spracherwerb, grammatische Innovation, linguistische Universalien, Sprachentstehung, kritische Phase, räumliche Modulation, Klassifizierer, Sprachgenetik, Chomsky.
Die Arbeit untersucht, ob die spezifische Sprachentwicklung der nicaraguanischen Gebärdensprache als Beweis für die Theorie dient, dass der Mensch über eine angeborene, genetisch verankerte Sprachfähigkeit verfügt.
Die Arbeit verknüpft Erkenntnisse der generativen Grammatik, insbesondere Chomskys Hypothese, mit Bickertons Theorie des Bioprogramms und wendet diese auf die empirische linguistische Forschung an Gebärdensprachen an.
Ziel ist es zu erörtern, ob die in der zweiten Generation der nicaraguanischen Gebärdensprachler beobachteten grammatischen Neuerungen spontan durch eine angeborene Sprachfähigkeit entstanden sind oder durch externe Imitation erklärt werden müssen.
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung bestehender empirischer Feldstudien basiert, um Argumente für und gegen die Theorie des Bioprogramms zu prüfen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung (Bioprogramm-Theorie), eine linguistische Beschreibung von Gebärdensprachen und eine detaillierte Analyse spezifischer Studien zur nicaraguanischen Gebärdensprache.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Sprachuniversalien, Bioprogramm, nicaraguanische Gebärdensprache, Spracherwerb und genetische Sprachgrundausstattung beschreiben.
Die "homesigns" bildeten das idiosynkratische Rohmaterial, das taube Individuen mit in die Schulen brachten; durch die Interaktion dieser Systeme entstand schließlich die komplexere nicaraguanische Gebärdensprache.
Die zweite Generation entwickelte signifikante grammatische Innovationen, wie die sequenzierte Darstellung von Bewegungen und eine systematische Nutzung räumlicher Modulationen, die in der ersten Generation so noch nicht vorhanden waren.
Stokoe bezweifelt die These der angeborenen Sprachfähigkeit und führt die Entwicklungen in der nicaraguanischen Gebärdensprache auf ein natürliches menschliches Streben nach Verbesserung und Effizienz zurück.
Die kritische Phase bezeichnet das Zeitfenster in der kindlichen Entwicklung, in dem der Spracherwerb optimal erfolgt und Kinder über die Fähigkeit verfügen, unvollständigen Input durch ihre angeborene Sprachfähigkeit zu reanalysieren und grammatisch zu strukturieren.
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