Magisterarbeit, 2003
112 Seiten, Note: 1,7
0. Kurzer Leitfaden durch die vorliegende Arbeit
1. Einleitung
1. 1. These, Problematik und methodische Vorgehensweise
1. 2. Forschungsleitende Fragestellungen und Zielsetzung
1. 3. ‚Denkrahmen’ und Erkenntnisinteresse
1. 4. Aktueller Forschungsstand
2. Versuch einer Annäherung an Subversion
2. 1. Begriffsdefinitionen: Subversion – subversiv
2. 2. Subversion – eine kurze Betrachtung
2. 3. Exkurs I: Das Filmische Werk Luis Buñuels
2. 3. 1. Filmbeispiel: L’Âge dór [dt. Das goldene Zeitalter]
2. 3. 2. Filmbeispiel: Las Hurdes / Tierra sin pan
2. 3. 3. Filmbeispiel: Viridiana
2. 4. Exkurs II: Zeitgenössische Kunst-Werke
2. 4. 1. Drei Video-Performances der Künstlerin Pilar Albarracín
2. 4. 2. Eine Video-Audio-Installation der Künstlerin Ana Laura Aláez
3. Das subversive Potential im filmischen Werk Pedro Almodóvars
3. 1. Deconstructing Gender: Geschlechter-Rollen in den Filmen Almodóvars
3. 1. 1. Weibliche Identität – zwischen Krise und Neubeginn
3. 1. 2. Männlichkeit im Zeichen der Gefühle: Melancholie, Todessehnsucht und Leidenschaft
3. 1. 3. Das „Andere“ Geschlecht: Transsexuelle Varianten und Travestie
3. 2. Familienbande
3. 2. 1. Gegenentwürfe zur traditionellen Familie: Neue familiäre Strukturen
3. 2. 2. Kontroverse Mutter-Rollen I: Nonkonformität moderner Mutterschaft
3. 2. 3. Kontroverse Mutter-Rollen II: Zerrbilder der traditionellen Matriarchin
3. 3. Beziehungsvarianten
3. 3. 1. Eine düstere Obsession: Liebe im Zeichen des Todes und der Ewigkeit
3. 3. 2. Das Gesetz der Sehnsucht: Glück ist erzwingbar
3. 3. 3. Auf der Suche nach der Ersatzfamilie: Die Bedeutung von Freundeskreis und Geistesverwandschaft
4. Conclusio
Die Arbeit untersucht das subversive Potenzial im filmischen Werk von Pedro Almodóvar. Dabei wird analysiert, wie Almodóvar soziokulturelle Normen, Geschlechterrollen und gesellschaftliche Werte in seinen Filmen hinterfragt, unterwandert und künstlerisch neu verhandelt.
Filmbeispiel: L’Âge dór [dt. Das goldene Zeitalter]
In der Eingangszene ist eine Dokumentarfilmaufnahme zu sehen, in der ein Skorpion eine Ratte tötet. Eine Sprecherstimme beschreibt dazu Lebensgewohnheiten von Skorpionen und betont ihre Gefährlichkeit. In der nächsten Bildsequenz wandeln Bischöfe in einer prozessionsähnlichen Zeremonie zu einer schroffen Felsküste und halten im Wind eine Messe ab. Nach einem Schnitt in die nächste Einstellung sehen wir Banditen, die sich bewaffnen und den Mallorcinern, die in der Bucht landen, entgegentreten. Aus den Booten entsteigen daraufhin eine Nonne, Geistliche, Minister und Bürger, die an die „Honoratioren aus dem Spanien des Jahres 1930“ erinnern. Sie ignorieren die Bischöfe, die nunmehr nur noch Skelette sind und legen feierlich den Grundstein der ‚ewigen’ Stadt Rom. Ein Paar stört die Feierlichkeiten, indem es sich in wilden Umarmungen und Küssen umschlingt und sich dabei ekstatisch im Schlamm wälzt. Daraufhin werden beide auseinandergezerrt und der Mann geschlagen und abgeführt. Der Mann tritt dabei erbost nach einem Hund.
In dieser exemplarischen Bilderfolge werden freie, assoziative Gedankenspiele visualisiert und aneinandergereiht. Es sind Bilder, die um ‚buñueleske’ Themen wie Religion, Klerus, Bourgoisie, „Pöbel“, Scheinheiligkeit, Ignoranz, Grausamkeit, Brutalität oder amour fou kreisen. Auch die typischen Bestandteile der filmischen Ikonographie Buñuels, wie Insekten, Hunde, Bischöfe oder Nonnen, sind hier zu erkennen.
Die Surrealisten lehnen eine bewusste Symbolik kategorisch ab, denn die symbolische Überhöhung bedeutet eine Abspaltung der Kunst von der Wirklichkeit. Der Surrealismus strebt hingegen eine Vereinigung von Kunst und Leben an. Allerdings kann den ‚Traumbildern’ in L’Âge d’or durchaus ein ‚symbolischer’ Wert zugesprochen werden:
Beispielsweise kann die Sequenz von einem Skorpion der die Ratte tötet als Bild für das darwinistische Prinzip des Überlebenskampfes betrachtet werden. Ein weiteres Beispiel ist das Bild des Mannes, der von der Geliebten getrennt und verprügelt wird und im Affekt kompensatorisch einen Hund traktiert. Buñuel zeigt hier exemplarisch die Verbindung von Frustration und Agression und „illustriert damit einen der Hauptaspekte der Freudschen Theorie“.
Kurzer Leitfaden durch die vorliegende Arbeit: Der Autor erläutert die Struktur der Magisterarbeit und gibt einen Überblick über die methodische Vorgehensweise sowie die inhaltliche Gestaltung der einzelnen Kapitel.
Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema ein, skizziert die methodische Vorgehensweise und den aktuellen Forschungsstand zu Pedro Almodóvar.
Versuch einer Annäherung an Subversion: Es erfolgt eine Begriffsklärung von „Subversion“, ergänzt durch Exkurse zur Filmkunst von Luis Buñuel und zeitgenössischer spanischer Kunst.
Das subversive Potential im filmischen Werk Pedro Almodóvars: Der Hauptteil analysiert die subversive Kraft in Almodóvars Filmen, insbesondere in Bezug auf Geschlechterrollen, Familienkonzepte und Beziehungsmodelle.
Conclusio: Das Fazit bewertet die subversive Kraft der Bilder bei Almodóvar und ordnet diese abschließend in den soziokulturellen Kontext Spaniens ein.
Subversion, Pedro Almodóvar, Luis Buñuel, Film, Postfranquismus, Geschlechterrollen, Feminismus, Familie, Identität, Körperinszenierung, spanische Kultur, Melodrama, Systemtheorie.
Die Arbeit untersucht, inwiefern das filmische Werk von Pedro Almodóvar eine subversive Kraft besitzt und wie dieses Potenzial genutzt wird, um gesellschaftliche Normen im post-franquistischen Spanien zu hinterfragen.
Zentrale Themen sind die Dekonstruktion von Gender-Rollen, die Auflösung traditioneller Familienstrukturen, die Inszenierung unkonventioneller Beziehungsmodelle sowie die Rolle des Kinos als subversive Kunstform.
Ziel ist es zu ergründen, wie Subversion in Almodóvars Filmen begründet liegt und ob bzw. wie diese das gesellschaftliche System Spaniens unterwandert.
Die Autorin wählt einen interdisziplinären Ansatz, der filmwissenschaftliche Analysen mit systemtheoretischen sowie soziologischen und sozialpsychologischen Theorien kombiniert.
Der Hauptteil analysiert spezifische Corpus-Filme hinsichtlich ihrer inhaltlichen und formalen Strategien, um gesellschaftlich konstruierte Wertvorstellungen (wie das „starke Spanien“ oder patriarchale Strukturen) zu demaskieren.
Schlüsselbegriffe sind Subversion, Identität, Geschlechterrollen, Postfranquismus, Familienbande und Filmästhetik.
Die Analyse betrachtet den Übergang vom Franquismus zur modernen Demokratie als essenziellen Rahmen, da Almodóvars subversive Ästhetik eine direkte Reaktion auf die veränderten gesellschaftlichen Gegebenheiten des „neuen Spaniens“ darstellt.
Die Exkurse dienen dazu, ein Verständnis für die Tradition des subversiven spanischen Films und für postmoderne künstlerische Strategien zu schaffen, um Almodóvars eigenes Potenzial besser einordnen zu können.
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