Masterarbeit, 2023
115 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung und Problemstellung
2. Forschungsstand
3. Theorie des interkulturellen Konflikts nach Huntington
3.1. Kulturkreise und Problematik interkultureller Konflikte
3.2. Ableitung der Hypothese und des empirischen Untersuchungsprogramms
4. Empirische Untersuchung: Einordnung und Erklärung des Ukrainekonflikts
4.1. Der Ukrainekonflikt als interkultureller Konflikt
4.1.1. Regionale Untersuchungsebene: Der Ukrainekonflikt als Bruchlinienkonflikt
4.1.1.1. Huntingtons Vorhersage des Ukrainekriegs
4.1.1.2. Überprüfung der interkulturellen Scheidung der Konfliktparteien
4.1.1.3. Der Ukrainekonflikt als identitätsbezogener Konflikt
4.1.2. Globale Untersuchungsebene: Der Ukrainekonflikt als Kernstaatenkonflikt
4.1.2.1. Verhalten der internationalen Staatenwelt
4.1.2.2. Konfliktbeteiligung von Kernstaaten
4.2. Der Ukrainekonflikt als toxischer Krieg
4.2.1. Intensität und Dauer
4.2.2. Eskalationsgefahr
4.3. Kausalität zwischen Interkulturalität und toxischer Ausprägung des Konflikts
4.3.1. Identitätsbezug
4.3.2. Kollektiver Hass
4.3.3. Rallying
4.3.4. Schwierigkeit der Verhandlungslösung
5. Fazit
5.1. Zusammenfassung der Ergebnisse
5.2. Kritik und Würdigung von Theorie, Hypothese und Quellen
5.3. Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht die Ursachen und die Dynamik des Ukrainekriegs unter Rückgriff auf Samuel P. Huntingtons Theorie des "Clash of Civilizations". Das primäre Forschungsziel besteht darin, zu erklären, warum sich der Ukrainekonflikt zu einem hochintensiven, lang andauernden und eskalationsanfälligen "toxischen" Krieg entwickelt hat. Hierbei wird die theoretische Hypothese geprüft, ob der Ukrainekonflikt als ein interkultureller Konflikt verstanden werden kann und inwiefern dieser Charakter für die Verschärfung des Konfliktgeschehens kausal ist.
4.1.1.1. Huntingtons Vorhersage des Ukrainekriegs
Der Ukraine-Konflikt hat schon seit 2014 ein gewaltsames Stadium erreicht, sodass ein gewaltsam gewordener Bruchlinienkonflikt in Form eines Bruchlinienkriegs vorliegen könnte. Treffen im Ukrainekrieg aber benachbarte Konfliktparteien aus unterschiedlichen Kulturkreisen an einer Kulturkreis-Bruchlinie aufeinander?
Dazu soll zunächst Huntingtons Analyse der Ukraine genau vorgestellt werden. Huntington rechnet die Ukraine zu den gespaltenen Ländern, damit meint er Länder, die gemäß seiner Theorie eine Bruchlinie, also Kulturkreisgrenze, überdecken und große Gruppen beherbergen, die verschiedenen Kulturkreisen angehören und daher auseinanderstreben (vgl. Huntington 2002: 214-217, 264). Die Gruppen in einem gespaltenen Land sagen quasi: „Wir sind verschiedene Völker und gehören zu verschiedenen Orten“ (Huntington 2002: 216). Huntingtons Argument bzgl. der Ukraine geht wie folgt:
„Die kulturelle Bruchlinie [civilizational fault line] zwischen dem Westen und der Orthodoxie verläuft seit Jahrhunderten durch das Herz des Landes. In der Vergangenheit war die westliche Ukraine abwechselnd ein Teil Polens, Litauens bzw. des österreichisch-ungarischen Kaiserreichs. Ein sehr großer Teil [large portion] ihrer Bevölkerung bekennt sich zu Unierten Kirche, welche zwar orthodoxe Riten praktiziert, aber die Autorität des Papstes anerkennt. Seit jeher haben die Westukrainer Ukrainisch gesprochen und sind stark nationalistisch eingestellt gewesen. Das Volk der Ostukraine war dagegen stets ganz überwiegend orthodox und sprach immer schon zu einem großen Teil Russisch.“ (Huntington 2002: 264; 2002b: 165)
Die Ostgrenze des westlichen Kulturkreises und damit Europas verläuft für Huntington (2002: 251 ff.) auch in weiteren Ausführungen und einer Karte von Norden nach Süden die Ukraine in einen westchristlichen Teil und einen orthodoxen Osten teilend (siehe Abb. 2). Er nennt sie die „große historische Scheidelinie, die seit Jahrhunderten westlich-christliche Völker von muslimischen und orthodoxen Völkern trennt“ (ebd. 251). In Abb. 2 fällt allerdings auf, dass diese Scheidelinie nur den äußersten Westen der Ukraine abtrennt, weit entfernt von den heute umkämpften Gebieten im Donbas oder der Krim.
1. Einleitung und Problemstellung: Vorstellung des Ukrainekonflikts als eskalierter zwischenstaatlicher Krieg und Definition der zentralen Forschungsfrage.
2. Forschungsstand: Überblick über existierende multifaktorielle, geopolitische, realistische und historische Erklärungsansätze zum Ukrainekrieg.
3. Theorie des interkulturellen Konflikts nach Huntington: Darlegung der theoretischen Konzepte Huntingtons wie Kulturkreise und Bruchlinienkonflikte sowie Herleitung der Hypothese für die Untersuchung.
4. Empirische Untersuchung: Einordnung und Erklärung des Ukrainekonflikts: Hauptteil, in dem der Konflikt empirisch auf regionaler und globaler Ebene analysiert, seine Toxizität bewertet und die kausale Rolle der Interkulturalität geprüft wird.
5. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Leitfrage, kritische Würdigung des theoretischen Ansatzes und ein kurzer Ausblick auf das Potenzial weiterer Konfliktentwicklungen.
Ukrainekrieg, Samuel P. Huntington, Clash of Civilizations, interkultureller Konflikt, Bruchlinienkonflikt, Kernstaatenkonflikt, Identitätspolitik, Eskalationsgefahr, geopolitische Rivalität, Russland, USA, Internationale Ordnung, Konfliktanalyse, Toxische Kriege, Sicherheitsinteressen
Die Arbeit untersucht den Ukrainekonflikt und den darauf folgenden Krieg unter dem theoretischen Blickwinkel von Samuel P. Huntingtons Konzept des "Clash of Civilizations". Es wird analysiert, inwieweit kulturelle Faktoren den Konflikt geprägt haben.
Zentrale Felder sind die kulturelle Geopolitik, die Rolle der Identität (Religion, Sprache, Geschichte), die Einflussnahme durch Kernstaaten wie die USA und Russland sowie die Eskalationsmechanismen in einem modernen, toxischen Konflikt.
Die Arbeit fragt, warum sich der Ukrainekonflikt zu einem toxischen Krieg von so hoher Intensität, langer Dauer und großer Eskalationsgefahr entwickelt hat, und ob dies mit seinem Charakter als interkultureller Konflikt erklärt werden kann.
Es handelt sich um eine Fallstudie, die qualitative Aussagen aus der Theorie Huntingtons mit empirischen Daten (u.a. HIIK-Reporte, Umfragedaten, politische Reden) abgleicht, um die Anwendbarkeit der Hypothese auf den Ukrainekrieg zu überprüfen.
Im Hauptteil erfolgt die empirische Einordnung. Hierbei werden die regionale Ebene (Bruchlinienkonflikt), die globale Ebene (Kernstaatenkonflikt), die toxischen Eigenschaften des Krieges (Intensität, Dauer) und die Kausalität der Interkulturalität detailliert untersucht.
Kritische Begriffe sind dabei Identitätsbezug, kollektiver Hass, Rallying, interkulturelle Bruchlinie, Toxizität, Geopolitik und interkulturelle Konfliktursachen.
Der Autor identifiziert Rallying als ein zentrales Element, bei dem externe Mächte – vor allem der Westen unter Führung der USA – Partei ergreifen und den Konflikt durch die Unterstützung der Ukraine kriegsverschärfend und verlängernd beeinflussen.
Der Autor diskutiert eine mögliche Teilung als Mittel, um politische und kulturelle Homogenität zu erreichen, merkt jedoch an, dass die ethnische Durchmischung und die gegensätzlichen nationalen Ansprüche eine solche Lösung äußerst schwierig und potenziell gewaltvoll machen.
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