Masterarbeit, 2021
101 Seiten, Note: 1,3
Geschichte Europas - Neueste Geschichte, Europäische Einigung
1 Einleitung
2 Europa und die Sozialdemokratie bis zum Zweiten Weltkrieg
2.1 Internationalität als Tradition?
2.2 Europa-Vorstellungen in der Sozialdemokratie bis zum Zweiten Weltkrieg
2.3 Europa-Konzepte im Exil während des Zweiten Weltkrieges
2.3.1 Der Weg zum sozialdemokratischen Exil in London
2.3.2 Die Parteitransformation im Exil
2.3.3 Die Idee eines kapitalistisch-liberalen Europas
2.3.4 Die Idee eines sozialistischen Europas
2.3.5 Die Idee eines Europas der „Dritten Kraft“
3 Von der Kapitulation 1945 zur Konstitution Deutschlands 1949 – was blieb vom sozialdemokratischen Exil?
3.1 Der neue sozialdemokratische Nationalismus
3.2 Kurt Schumacher als Totengräber der „Dritten Kraft“?
4 Die SPD-Blockade gegenüber der Westintegration Adenauers
4.1 Der Europarat
4.2 Schuman-Plan und Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS)
4.3 Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG), Europäische Politische Gemeinschaft (EPG) und der Führungswechsel der SPD
4.4 Die Pariser Verträge
4.5 Die Römischen Verträge
4.5 Gründe für die Blockadehaltung
5 Innerparteiliche Strömungen für eine Europäische Integration
5.1 Erste kritische Ansätze bis 1950
5.2 Sozialdemokratische Befürworter des Europarats
5.3 Schuman-Plan und Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS)
5.4 Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) und Europäische Politische Gemeinschaft (EPG)
5.5 Nach den Pariser Verträgen
6 Der Meinungsumschwung in der Europafrage 1957-1960
7 Diskussion: Die SPD-Europapolitik der Nachkriegszeit als Kontinuitätsbruch zur Parteitradition?
8 Fazit
Die Arbeit untersucht, ob die Europapolitik der SPD nach 1945 tatsächlich als Bruch mit der eigenen Parteitradition zu verstehen ist. Dabei analysiert sie das Spannungsfeld zwischen den im Exil entwickelten Europakonzepten, insbesondere der Idee einer "Dritten Kraft", und der tatsächlichen Blockadehaltung der Parteiführung in den Nachkriegsjahren sowie die innerparteiliche Willensbildung in der Bundestagsfraktion.
2.3 Europa-Konzepte im Exil während des Zweiten Weltkrieges
Wie bereits erwähnt, fanden deutsche Sozialdemokraten während ihrer Verfolgung in den Jahren des NS-Regimes Asyl in Ländern, wo relativ starke sozialdemokratische bzw. sozialistische Parteien, Gruppierungen und Strukturen vorhanden waren. Auch wenn ihr Einfluss auf die jeweiligen Schwesterparteien vor Ort sehr begrenzt war, so ist die Bedeutung eines politischen Exils als solches nicht zu unterschätzen. Gehler weist darauf hin, dass es in der europäischen Geschichte fast schon Tradition sei, dass religiöse Minderheiten, gesellschaftliche Randgruppen und politisch Verfolgte in anderen Ländern Europas Aufnahme finden konnten und sie darin ihre spezifischen Anschauungen beibehalten oder gar weiterentwickeln konnten. Dadurch konnte so manche Idee nicht unterdrückt werden und sich teilweise in der anderen Umgebung auch stärker entfalten. In jedem politischen Exil steckt demzufolge immer auch das Potenzial, die eigene Weltanschauung, Politik und Methodik zu überdenken und an ihr zu feilen. Ein Exil ist demnach keine bloße Verbannung aus dem jeweiligen Wirkungskreis. Vielmehr ist es eine Chance zur Neuausrichtung. Dies gilt umso mehr, wenn die Welt angesichts des größten Krieges der Menschheitsgeschichte sich in einem weit ausgreifenden Wandel befindet.
Der SPD-Vorstand im Exil hatte diese Erkenntnis vor allen Dingen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges und nutzte diese Chance nicht nur, um ihre grundsätzliche Parteiprogrammatik zu überdenken, sondern auch, um ein neues Europa-Konzept zu entwickeln: Das „Europa der Dritten Kraft“. Doch um dieses Konzept verstehen und einordnen zu können, ist es nicht nur notwendig, die alternativen Europa-Vorstellungen zu beleuchten, sondern auch das Umfeld, in dem dieser Gedanke einen Resonanzboden hatte. Im Anschluss daran lässt sich dann herausarbeiten, welchen Einfluss diese alternative Idee auf die sozialdemokratische Politik der Nachkriegsjahre hatte und vor allem inwieweit sie trotz ihrer unmöglichen Umsetzbarkeit weiterlebte.
1 Einleitung: Die Einleitung hinterfragt das SPD-Narrativ einer ungebrochenen europapolitischen Kontinuität und stellt die Forschungsfrage zur Blockadehaltung der Partei gegenüber der Westintegration.
2 Europa und die Sozialdemokratie bis zum Zweiten Weltkrieg: Dieses Kapitel skizziert die ideengeschichtliche Tradition des Internationalismus und die Entwicklung von Europa-Vorstellungen bis hin zum Exil.
3 Von der Kapitulation 1945 zur Konstitution Deutschlands 1949 – was blieb vom sozialdemokratischen Exil?: Hier wird der Einfluss der Exilerfahrungen auf die Akteure der Nachkriegs-SPD und die Spannungen innerhalb der Partei untersucht.
4 Die SPD-Blockade gegenüber der Westintegration Adenauers: Das Kapitel analysiert detailliert die ablehnende Haltung der Parteiführung bei zentralen Integrationsschritten wie Europarat, Montanunion und EVG.
5 Innerparteiliche Strömungen für eine Europäische Integration: Hier wird der Blick auf die innerparteiliche Opposition gegen den Kurs der Parteispitze und die Rolle einzelner Akteure gerichtet.
6 Der Meinungsumschwung in der Europafrage 1957-1960: Dieses Kapitel beschreibt die allmähliche Abkehr vom "Nein" zur Westintegration hin zu einer europafreundlicheren Politik unter Ollenhauer.
7 Diskussion: Die SPD-Europapolitik der Nachkriegszeit als Kontinuitätsbruch zur Parteitradition?: Eine kritische Auseinandersetzung mit der These, warum der vermeintliche Bruch in der Tradition der Partei dennoch möglich war.
8 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Europapolitik der SPD als einen zwar realen, aber in der Parteilogik verankerten Kontinuitätsbruch.
SPD, Europapolitik, Nachkriegszeit, Dritte Kraft, Westintegration, Kurt Schumacher, Erich Ollenhauer, Exil, Parteitradition, Internationalismus, Europäische Einigung, Deutschlandpolitik, Bundestagsfraktion, Montanunion, Godesberger Programm
Die Arbeit analysiert die europapolitische Ausrichtung der SPD in den ersten 15 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere ihre anfängliche Blockadehaltung gegenüber der Westintegration unter Adenauer.
Die Untersuchung konzentriert sich auf die Spannung zwischen sozialistischen Europa-Idealen, der "Dritte-Kraft"-Konzeption aus dem Londoner Exil und der realpolitischen Parteipraxis in der frühen Bundesrepublik.
Die Forschungsfrage lautet, inwieweit die europapolitische Blockadehaltung der SPD als Bruch mit der Tradition internationalistischer Parteipolitik zu interpretieren ist.
Die Arbeit nutzt eine geschichtswissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung von Fraktionsprotokollen, Parteiprogrammen, Archivmaterial und der etablierten Forschungsliteratur.
Der Hauptteil behandelt die Entwicklung der Europa-Konzepte während des Exils, die faktische Blockadepolitik der SPD-Spitze in den 1950er Jahren und die innerparteiliche Willensbildung.
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie SPD, Westintegration, Dritte Kraft, Schumacher, Ollenhauer, Exil und Europäische Gemeinschaft geprägt.
Der Exil-Vorstand entwickelte das „Dritte-Kraft“-Konzept, auf das sich führende SPD-Politiker wie Ollenhauer nach dem Krieg bezogen, um ihre eigenständige, aber teilweise utopische Außenpolitik zu begründen.
Schumacher wird als prinzipienfester Gegenspieler dargestellt, der die Europapolitik der SPD stark autoritär prägte, wobei seine "Magnet-Theorie" die Einheit Deutschlands als Voraussetzung für europäische Integration betrachtete.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

