Bachelorarbeit, 2023
80 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
1.1 Hinführung zum Thema
1.2 Forschungsstand
1.3 Problemdarstellung
1.4 Forschungsfrage
1.5 Methodisches Vorgehen
1.6 Aufbau der Arbeit
2. Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung
2.1 Behinderungsbegriff
2.2 Inklusion- ein Definitionsversuch
2.3 Geschichtlicher Exkurs
2.4 Aufteilung von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung im Rechtssystem
2.4.1 § 35a SGB VIII
2.4.2 § 99 SGB IX
3. Auf dem Weg zur inklusiven Kinder- und Jugendhilfe
3.1 Kinder- und Jugendstärkungsgesetz
3.2 Verfahrenslotse nach § 10b SGB VIII
3.3 Case Management- eine Methode der Sozialen Arbeit
3.4 Weitere zukünftige Herausforderungen
4. Qualitative Sozialforschung
4.1 Forschungsinteresse
4.2 Forschungsmethodik
4.3 Interpretation und Diskussion der Ergebnisse
4.3.1 Fachkräftemangel
4.3.2 Qualifikation des Verfahrenslotsen
4.3.3 Strukturelle Rahmenbedingungen in der öffentlichen Jugendhilfe
4.4 Zusammenfassung
5. Resümee und Ausblick
Die vorliegende Arbeit untersucht im Rahmen der Reform des SGB VIII durch das KJSG die Implementierung und Rolle des Verfahrenslotsen als neue Funktion innerhalb der öffentlichen Kinder- und Jugendhilfe. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei darauf, welche Aufgaben dieser Akteur bei der Zusammenführung verschiedener Leistungsträger übernimmt und welche Herausforderungen dies für die Praxis der Sozialen Arbeit mit sich bringt.
1.3 Problemdarstellung
Die Gesamtzuständigkeit unter dem Dach der Kinder- und Jugendhilfe zu verankern ist multidimensional und wird die öffentliche Jugendhilfe weiterführend vor komplexere Herausforderungen als bisher stellen.
Die aktuellen Fallzahlen lassen erkennen, dass immer mehr Kinder und Jugendliche mit einer seelischen Behinderung die Leistungen der Eingliederungshilfe in Anspruch nehmen, welche zukünftig über die öffentliche Jugendhilfe gesteuert werden sollen. Die Zahlen der Inanspruchnahme sind laut dem Statistischen Bundesamt im Zeitraum zwischen 2009 und 2019 um 156 % gestiegen (vgl. Statistisches Bundesamt 2021a, o.S.).
Der gesellschaftliche Wandel und die immer höheren Inanspruchnahmen mit erhöhter Fallkomplexität wirken sich auch auf die Arbeit in der öffentlichen Jugendhilfe aus. Sichtbar wird z.B. ein erheblicher Entwicklungsdruck, der auf den kommunalen Diensten, insbesondere denen der Kinder- und Jugendhilfe lastet (vgl. Geißel-Palkovich, I./ Schubert, H. 2015, S. 145).
Weitere Auswirkungen hat der demographische Wandel, was sich durch einen Mangel an erfahrenen Fachkräften in der Sozialen Arbeit abzeichnet. Immer mehr erfahrene Fachkräfte gehen in den Ruhestand, weshalb die freien Stellen mit Berufseinsteiger*innen besetzt werden. Dies stellt eine zunehmende qualitative und quantitative Arbeitsbelastung der Fachkräfte dar. Die fachlichen Standards und Anforderungen steigen und lassen erkennen, dass die Aufgaben, die im ASD erfüllt werden müssen, denen des Handlungskonzeptes vom ‘Case Management‘ gleichzustellen sind. Dieses Handlungskonzept wird in der folgenden Arbeit nochmals aufgegriffen, weshalb vorab auf eine Begriffserklärung verzichtet wird (vgl. Geißel-Palkovich, I./ Schubert, H. 2015, S. 122f.).
Der Entwicklungsprozess und die aktuelle Situation in der öffentlichen Jugendhilfe stellen zudem eine Paradoxie dar. Auf der einen Seite ergeben sich durch die steigenden Fallzahlen und multiplen Problemlagen immer höhere Anforderungen. Auf der anderen Seite führen knappe zeitliche Ressourcen, fehlendes Personal und eine nicht ausreichende Finanzstruktur, zu immer schlechteren Rahmenbedingungen (vgl. Geißel-Palkovich, I./ Schubert, H. 2015, S. 145f.).
1. Einleitung: Dieses Kapitel stellt das Thema der Bachelorarbeit vor, erläutert die Relevanz der Reform des SGB VIII sowie das methodische Vorgehen und den Aufbau der Arbeit.
2. Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung: Hier erfolgt eine Definition des Behinderungsbegriffs sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dem Inklusionsbegriff und der historischen Entwicklung, ergänzt durch eine juristische Einordnung.
3. Auf dem Weg zur inklusiven Kinder- und Jugendhilfe: Es wird das KJSG behandelt, der Verfahrenslotse als neue Funktion eingeführt sowie Case Management als Methode diskutiert, um die zukünftigen Herausforderungen der Gesamtzuständigkeit zu bewältigen.
4. Qualitative Sozialforschung: Dieser Teil widmet sich dem empirischen Ansatz, dem Forschungsinteresse, der methodischen Erhebung mittels Experteninterviews und der Interpretation der Ergebnisse bezüglich Fachkräftemangel, Qualifikationsprofilen und Rahmenbedingungen.
5. Resümee und Ausblick: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen, beantwortet die Forschungsfragen und reflektiert die Rolle der Sozialen Arbeit im Kontext einer inklusiven Zukunft.
Verfahrenslotse, SGB VIII, Kinder- und Jugendstärkungsgesetz, KJSG, Inklusion, Eingliederungshilfe, Soziale Arbeit, Case Management, öffentliche Jugendhilfe, Fachkräftemangel, Gesamtzuständigkeit, Behinderung, Personalbemessung, Qualitätsentwicklung, Partizipation.
Die Arbeit untersucht die tiefgreifende Reform der Kinder- und Jugendhilfe durch das KJSG, insbesondere den Übergang zu einer inklusiven Hilfe für Kinder und Jugendliche mit Behinderung und die Einführung der neuen Funktion des Verfahrenslotsen.
Zentral sind die rechtlichen Rahmenbedingungen des SGB VIII und SGB IX, das Konzept der Inklusion, die methodische Einordnung des Case Managements sowie die arbeitsmarktbezogenen Herausforderungen wie der Fachkräftemangel im Jugendamt.
Ziel ist es zu ermitteln, welche Aufgaben der Verfahrenslotse bei der Zusammenführung von Leistungsträgern übernimmt und wie die Praxis dieses neue Aufgabengebiet in den kommunalen Strukturen verortet und umsetzt.
Die Autorin wählt einen qualitativen Forschungsansatz. Es wurden leitfadengestützte Experteninterviews mit Fachkräften aus Jugendämtern in Niedersachsen durchgeführt und mittels qualitativer Inhaltsanalyse ausgewertet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der rechtlichen Grundlagen, eine Analyse der Aufgaben des Verfahrenslotsen im Vergleich zum Case Management und eine empirische Interpretation der gesammelten Expertenmeinungen.
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Inklusion, SGB VIII-Reform, Verfahrenslotse, professionelle Soziale Arbeit, strukturelle Transmissionsaufgaben und interdisziplinäre Zusammenarbeit.
Die Experten diskutieren verschiedene Ansätze, von einer Verortung als Stabsstelle bei der Amtsleitung bis hin zur Zuordnung im Besonderen Sozialen Dienst, wobei die genaue organisatorische Anbindung aufgrund kommunaler Gestaltungsfreiheit noch variiert.
Die Autorin stellt fest, dass die Aufgaben des Verfahrenslotsen strukturell und inhaltlich dem Case Management ähneln, da in beiden Fällen komplexe Prozesse koordiniert und Hilfen aus verschiedenen Leistungssystemen gesteuert werden müssen.
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