Bachelorarbeit, 2020
29 Seiten, Note: 1,3
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Existenz nihilistischer Tendenzen in F.M. Dostojevskijs „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ mit der These, dass Nihilismus in diesem Werk vorhanden ist. Das Hauptziel ist es, die Perspektive der Leser auf den russischen Nihilismus zu erweitern und das Werk im Kontext des frühen russischen Nihilismus zu analysieren.
6.2. Charakterisierung des Kellerlochmenschen anhand von Beispielen Bazarovs
An diesem Beispiel erkennt man die Idee der späteren Nihilismus-Philosophie von Nietzsche, die Normalmenschen (gewöhnliche Menschen) und Übermenschen (ungewöhnliche Menschen) in einer Gesellschaft voraussetzt. Zudem wird Nietzsche später über Dostojevskij äußern, dass er ihn für den glücklichsten Zufall seines Lebens und für den einzigen Psychologen halte, von dem er etwas habe lernen können. Mit dieser Aussage von Nietzsche ist mitunter die Passage in den Aufzeichnungen aus dem Kellerloch mit der Grundidee zum freien, unabhängigen Willen (chotenija) gemeint, die Nietzsche später den Willen zur Macht nennen wird. „[...] ich wolle ihm seinen Lohn nicht geben, ich wolle es nicht, wolle es einfach nicht, weil das nun einmal so mein Wille als Herr sei; “ Der Kellerlochbewohner wettert gegen die Vernunfttheorie von I. Kant und widerspricht der reinen Vernunft als der Hauptursache für menschliches Handeln.
„[...] aber die Vernunft ist nur Vernunft und befriedigt nur die vernunftmäßige Fähigkeit des Menschen; das Wollen aber ist eine Bekundung des gesamten Lebens, das heißt des gesamten menschlichen Lebens [...] Was weiß denn die Vernunft? Die Vernunft weiß nur das, was sie erfahren hat [...]" Seiner Auffassung zur Folge handelt der Mensch aufgrund von Trieben, die viel tiefer als die Vernunft verankert sind. Wenn nicht aufgrund von Launen und Gelüsten, dann weil die Menschen von Grund auf immoral sind. „Die Immoralität und infolgedessen auch die Unvernunft; denn es ist längst bekannt, dass die Unvernunft aus nichts anderem hervorgeht als aus der Immoralität." Der ablehnende Gedanke des Kellerlochmenschen gegenüber der reinen Vernunft und den Naturwissenschaften ist ein Unterschied im Vergleich zu Bazarovs Nihilismus und seiner Begeisterung für die deutschen Wissenschaftler und Naturwissenschaften. Der Kellerlochbewohner hetzt in einer satirischen Weise gegen die Naturgesetze.
Folglich braucht man diese Naturgesetze nur zu entdecken, und der Mensch wird für seine Handlungen nicht mehr verantwortlich sein und ein überaus leichtes Leben haben. Alle menschlichen Handlungen werden dann selbstverständlich nach diesen Gesetzten mathematisch in Form einer Logarithmentafel bis 108 000 ausgerechnet und in einen Kalender eingetragen werden [...] Weiterhin kommt bei dem Kellerlochmenschen die Abneigung gegen Naturgesetzte zum Vorschein, als er im ersten Teil des Buches über den Umgang mit Zahnschmerzen philosophiert. Die Auseinandersetzung mit den Zahnschmerzen ist ein Beispiel für eine direkte Polemik seitens Dostojevskij gegenüber Černyševskijs Werk Was tun? Aus Erzählungen vom neuen Menschen. Černyševskij findet in seinem Buch den kurzen Schmerz bei dem Ausreißen eines Zahnes vernünftig. Es ist besser, als sich lange mit den Schmerzen zu quälen. Der Kellerlochbewohner beschreibt in seinem Monolog, dass er bei dem Ertragen des Zahnschmerzes eine Art Lust empfindet und verzichtet deshalb auf die Entfernung des Zahnes. Diese Entscheidung ist insofern nihilistisch, als er sich in diesem Moment über die Naturgesetzte stellt, die das Ausreißen eines schmerzenden Zahnes vorsehen würden. „Gewiss! Auch im Zahnschmerz liegt ein Genuss!“ Er will eben nicht der Sklave der Natur und seiner Zähne sein, sondern will selber die Macht über seinen Schmerz behalten. Bazarov hingegen nimmt ausschließlich Naturgesetze und Vernunft orientiertes Denken ernst und für ihn haben diese beiden Aspekte die oberste Priorität. „[...] Woran was liegt ist, zu wissen, daß zweimal zwei vier ist; alles übrige will absolut nichts sagen. ,[...] Womit beschäftigt er sich? [Kirsanov] Hauptsächlich mit den Naturwissenschaften [Arkadij] [...]"
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik des Nihilismus in Dostojevskijs „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ ein und stellt die zentrale Forschungsfrage der Arbeit vor.
2. Russland in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (historischer Hintergrund): Hier werden die historischen, politischen und gesellschaftlichen Bedingungen in Russland beleuchtet, die zur Entstehung und Verbreitung nihilistischer Ideen beitrugen.
3. Nihilismus – Definition: Das Kapitel widmet sich der allgemeinen Definition des Nihilismus, seiner Begriffsgeschichte und nimmt Bezug auf die philosophischen Auffassungen von F. Nietzsche.
4. Russischer Nihilismus: Eine detaillierte Erläuterung der spezifischen Merkmale des russischen Nihilismus als soziales, politisches und oft radikal-terroristisches Phänomen wird hier dargelegt.
5. Bazarov als prototypischer Nihilist: Die Romanfigur Evgenij Bazarov aus Turgen'evs „Väter und Söhne“ wird als exemplarischer Vertreter des Nihilismus analysiert, der die öffentliche Debatte maßgeblich prägte.
6. Dostojevskijs Verhältnis gegenüber Nihilismus: In diesem Hauptkapitel wird Dostojevskijs kritische Haltung gegenüber nihilistischem Gedankengut untersucht, einschließlich der Darstellung nihilistischer Figuren in seinen Werken.
6.1. Aufzeichnungen aus dem Kellerloch: Dieser Unterpunkt behandelt die Struktur des Werkes und charakterisiert es als philosophischen Diskurs eines ehemaligen Petersburger Beamten.
6.2. Charakterisierung des Kellerlochmenschen anhand von Beispielen Bazarovs: Es wird ein direkter Vergleich zwischen dem Kellerlochbewohner und Bazarov gezogen, um die nihilistischen Tendenzen des Protagonisten zu verdeutlichen und die These zu untermauern.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Untersuchung zusammen, bestätigt die Hauptthese und gibt Ausblick auf zukünftige Forschungsmöglichkeiten bezüglich des Werkes im Kontext des Nihilismus und Existenzialismus.
Nihilismus, Dostojevskij, Aufzeichnungen aus dem Kellerloch, russischer Nihilismus, F. Nietzsche, Bazarov, Väter und Söhne, Kellerlochmensch, Philosophie, 19. Jahrhundert, Slavistik, Literaturwissenschaft, Russland, Übermensch, Rationalismus, Existenzialismus.
Die Arbeit untersucht die Präsenz und Ausprägung nihilistischer Tendenzen in Fjodor Dostojevskijs Werk „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ und vergleicht diese mit dem russischen Nihilismus des 19. Jahrhunderts.
Zentrale Themenfelder sind die Definition und Geschichte des Nihilismus, der spezifische russische Nihilismus, die Darstellung prototypischer Nihilisten wie Bazarov und der Kellerlochmensch sowie Dostojevskijs kritische Auseinandersetzung mit diesen Ideen.
Das primäre Ziel ist es, die Perspektive der Leser auf den russischen Nihilismus zu erweitern und die Forschungsfrage zu beantworten, ob nihilistische Tendenzen in Dostojevskijs „Aufzeichnungen aus dem Kellerloch“ vorhanden sind.
Die Arbeit verwendet eine vergleichende Analyse von Protagonisten (Kellerlochmensch und Bazarov) im Rahmen eines theoretischen Rahmens zur Nihilismus-Diskussion und Dostojevskijs Werk.
Im Hauptteil werden der historische Hintergrund Russlands, die Definitionen von Nihilismus (allgemein und russisch), die Figur Bazarov als prototypischer Nihilist sowie Dostojevskijs Verhältnis zum Nihilismus und die Charakterisierung des Kellerlochmenschen anhand von Beispielen Bazarovs behandelt.
Die Arbeit wird charakterisiert durch Schlüsselwörter wie Nihilismus, Dostojevskij, Aufzeichnungen aus dem Kellerloch, russischer Nihilismus, F. Nietzsche, Bazarov, Väter und Söhne, Kellerlochmensch, Philosophie, 19. Jahrhundert, Slavistik, Literaturwissenschaft, Russland, Übermensch, Rationalismus, Existenzialismus.
F. Nietzsches Auffassung des Nihilismus, insbesondere die Konzepte des passiven und aktiven Nihilismus sowie des Übermenschen, dienen als wichtige Grundlage, um die Charaktere des Kellerlochmenschen und Bazarov zu analysieren und ihre nihilistischen Tendenzen zu beleuchten.
Der russische Nihilismus zeichnet sich durch radikale, politische und terroristische Aspekte aus und impliziert eine Abwendung von der russischen Kultur und der orthodoxen Kirche, was ihn von der klassischen nihilistischen Idee abhebt.
Das Werk ist in zwei Teile gegliedert: „Das Dunkel“ als philosophischer Diskurs des Protagonisten mit einem imaginären Publikum und „Bei nassem Schnee“, der episodische Handlungen aus dem Leben des Helden und seine praktischen Einstellungen schildert.
Dostojevskij empfand nihilistisches Gedankengut als eine Abwendung von Gott, der russischen Kultur und dem russischen Volk, weshalb er in seinen Werken Nihilisten erschuf, um die potenziell zerstörerischen Folgen dieses Weges aufzuzeigen und die Notwendigkeit der Rückkehr zu religiösen Werten zu betonen.
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