Masterarbeit, 2023
87 Seiten, Note: 2
1. EINLEITUNG
2. DIMENSIONEN DER (SELBST-)ENTFREMDUNG
3. ENTFREMDUNGSASPEKTE IN DER LITERATUR
3.1 SCHREIBEN ALS BEWUSSTSEINSPATHOS BEI PETER HANDKE
3.2 HANDKES DIE STUNDE DER WAHREN EMPFINDUNG: GREGOR KEUSCHNIG
3.3 ENTFREMDUNG UND HEIMATVERLUST
3.4 KEUSCHNIGS WELTWAHRNEHMUNG
3.5 SELBSTBESPIEGELUNG UND NEUWERDUNG
3.6 DIE BEWUSSTWERDUNG VON GREGOR KEUSCHNIG
3.7 FAZIT
4. SCHREIBEN ALS ZEICHEN DER ENTFREMDUNG BEI ELFRIEDE JELINEK
5.1 DIE GESCHLECHTSLOSE IDENTITÄT KOHUTS
5.2 KUNST ALS DISTINKTIONSMERKMAL BEI DIE KLAVIERSPIELERIN
5.3 MÜTTERLICHE DOMINANZ UND SEXUELLE ENTFREMDUNG
5.4 SELBSTVERLETZENDES VERHALTEN IM ROMAN VON JELINEK
5.5 DIE INSZENIERTE PARODIE DER PSYCHOANALYSE BEI JELINEK
5.6 FAZIT
5. CONCLUSIO
Diese Masterarbeit untersucht den literarischen Entfremdungsbegriff durch einen theoretischen Vergleich der Romane "Die Stunde der wahren Empfindung" von Peter Handke und "Die Klavierspielerin" von Elfriede Jelinek, um deren spezifische Darstellungsweisen von Entfremdung, Identitätsverlust und der Rolle der Sprache zu analysieren.
Die Suche nach der wahren Empfindung
Er setzte sich am Carré Marigny auf eine Bank neben dem Kinderspielplatz und hoffte auf den Zufall, der ihm endlich eine Möglichkeit zeigen würde, über sich nachzudenken; denn sooft er absichtlich zu überlegen versuchte, glaubte er den eigenen Gedanken nicht mehr – es waren nicht seine eigenen. Wie meistens in Paris hatte der Regen bald aufgehört, und in der letzten Sonne blinkten die Pfützen im Sand. Die Tauben waren weggeflogen in die Bäume. Er saß auf der ausgebreiteten Zeitung und schaute geradeaus, um nichts Besonderes zu bemerken. Auf dem Laub der Kastanienalleen, dahinter noch die Dachspitze des Grand Palais und weiter rechts die Spitze des Eiffelturms: das beengte nicht. Die Sonne ging unter, und im nächsten Moment begannen die Gegenstände wie von sich aus zu scheinen, während es im Luftraum zwischen ihnen gleichzeitig dämmrig wurde. Eine Zeitlang leuchteten die Gegenstände so stark, als ob sie sich selber in Energie zerstrahlten. In dem flimmernden Zwielicht sah Keuschnig keine Einzelheiten mehr. Ein anderes System hatte sich herabsenkt. Dann verschwand das Leuchten, aber die Gegenstände blieben gleich hell, strahlten nur nichts mehr aus, und das Dämmerlicht zwischen ihnen wurde wieder zu Tageslicht. (SE, S. 77)
1. EINLEITUNG: Das Kapitel führt in die vielschichtige Thematik der Entfremdung ein, verortet sie in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen und stellt die zentrale Forschungsfrage der Arbeit.
2. DIMENSIONEN DER (SELBST-)ENTFREMDUNG: Hier werden theoretische Grundlagen zur Entfremdung von der Antike bis hin zur modernen Psychoanalyse und Soziologie dargelegt und miteinander in Beziehung gesetzt.
3. ENTFREMDUNGSASPEKTE IN DER LITERATUR: Es wird analysiert, wie die Literatur historische Entfremdungserfahrungen aufgreift, wobei der Fokus auf Handkes Darstellung der Subjektivität und Jelineks soziologischer Romanform liegt.
3.1 SCHREIBEN ALS BEWUSSTSEINSPATHOS BEI PETER HANDKE: Dieses Kapitel erläutert, wie Handke die Strömung der "Neuen Subjektivität" nutzt, um komplexe Wahrnehmungsprozesse und die Entfremdung des erzählenden Ichs abzubilden.
3.2 HANDKES DIE STUNDE DER WAHREN EMPFINDUNG: GREGOR KEUSCHNIG: Untersuchung der Protagonistenfigur Gregor Keuschnig, der nach einem traumatischen Traum an der Sinnhaftigkeit seiner bisherigen Existenz und Weltwahrnehmung zu zweifeln beginnt.
3.3 ENTFREMDUNG UND HEIMATVERLUST: Dieses Kapitel beleuchtet das Spannungsverhältnis zwischen dem Protagonisten und seiner Heimat Österreich sowie das Gefühl der Entfremdung in der Exilstadt Paris.
3.4 KEUSCHNIGS WELTWAHRNEHMUNG: Analyse der veränderten, reflektierten Weltwahrnehmung Keuschnigs, die ihn zur Distanzierung vom kollektiven System der "normalen" Verhaltensweisen führt.
3.5 SELBSTBESPIEGELUNG UND NEUWERDUNG: Fokus auf die Momente, in denen der Protagonist mit seinem eigenen Bild konfrontiert wird und neue, regelmäßige Wahrnehmungsmuster sucht, um Stabilität zu finden.
3.6 DIE BEWUSSTWERDUNG VON GREGOR KEUSCHNIG: Untersuchung des Prozesses, in dem Keuschnig seine existenzielle Lage erkennt und den Entschluss fasst, sich durch eine neue, selbstbestimmte Arbeit aus der Entfremdung zu befreien.
3.7 FAZIT: Das Kapitel resümiert die Entwicklungsschritte Keuschnigs vom Anti-Helden zu einem Individuum, das ansatzweise die Möglichkeit einer neuen Identität in der Fiktion erfährt.
4. SCHREIBEN ALS ZEICHEN DER ENTFREMDUNG BEI ELFRIEDE JELINEK: Einführung in Jelineks "soziologische Romanform" und die charakteristische, verstörende Sprache, die gesellschaftliche Zerstörungsprozesse spiegelt.
5.1 DIE GESCHLECHTSLOSE IDENTITÄT KOHUTS: Analyse der Protagonistin Erika Kohut, deren Identität durch die mütterliche Konditionierung gespalten und von ihrem eigenen Körper entfremdet ist.
5.2 KUNST ALS DISTINKTIONSMERKMAL BEI DIE KLAVIERSPIELERIN: Untersuchung der Rolle von Musik und Kunst, die hier weniger Ausdrucksmittel als vielmehr Instrumente der sozialen Abgrenzung und Distinktion darstellen.
5.3 MÜTTERLICHE DOMINANZ UND SEXUELLE ENTFREMDUNG: Dieses Kapitel beleuchtet das symbiotische, destruktive Verhältnis zur Mutter und wie dieses die sexuelle Entwicklung und Selbstwahrnehmung Erikas blockiert.
5.4 SELBSTVERLETZENDES VERHALTEN IM ROMAN VON JELINEK: Analyse der Selbstverletzungen als "Nottechnik" und Akt der Selbstversicherung einer Protagonistin, die sich in ihrem Körper unwohl und fremd fühlt.
5.5 DIE INSZENIERTE PARODIE DER PSYCHOANALYSE BEI JELINEK: Untersuchung der Art und Weise, wie Jelinek psychoanalytische Konzepte in ihrem Roman ironisiert und parodiert.
5.6 FAZIT: Zusammenfassung der Befunde zu Jelineks Roman, in dem die Entwicklung der Hauptfigur scheitert und eine poeitsche Sprachkonstruktion als Gegenentwurf zur Identitätsfindung übrig bleibt.
5. CONCLUSIO: Abschließender synthetischer Vergleich der Entfremdungsaspekte bei Handke und Jelinek, der die unterschiedlichen Wege der Protagonisten zur Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt und ihrem Selbst gegenüberstellt.
6. LITERATURVERZEICHNIS: Verzeichnis sämtlicher für die Arbeit herangezogener Primär- und Sekundärliteratur.
Entfremdung, Peter Handke, Elfriede Jelinek, Selbstentfremdung, Identität, Sprache, Psychoanalyse, Neue Subjektivität, Romananalyse, Gesellschaftskritik, Geschlechtsidentität, Körperempfinden, Distinktion, Existentialismus, Wahrnehmung
Die Arbeit untersucht das literarische Konzept der Entfremdung und vergleicht dazu die Romane "Die Stunde der wahren Empfindung" von Peter Handke und "Die Klavierspielerin" von Elfriede Jelinek hinsichtlich ihrer inhaltlichen und stilistischen Darstellung dieses Zustands.
Zentrale Themen sind die menschliche Selbstentfremdung, die gesellschaftliche Determination durch Sprache und Leistungsdruck, das gestörte Verhältnis zum eigenen Körper sowie die Identitätsfindung innerhalb rigider gesellschaftlicher Ordnungen.
Das Ziel ist es, einen Überblick über wissenschaftliche Ansätze zur Entfremdung zu geben und durch den Vergleich der beiden Romane aufzuzeigen, wie unterschiedliche literarische Konzepte – Handkes subjektivistische Prosa und Jelineks soziologische Romanform – Entfremdung in Text und Erzählweise abbilden.
Es handelt sich um einen literaturwissenschaftlichen Vergleich, der durch fachspezifische Theorien aus Philosophie, Soziologie und Psychoanalyse gestützt wird, um zentrale Motive und Erzähltechniken der beiden analysierten Autoren freizulegen.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Dimensionen der Entfremdung, gefolgt von der detaillierten Analyse der Handke-Figur Gregor Keuschnig und der Jelinek-Figur Erika Kohut, wobei Fokus auf ihre spezifischen Lebensumstände, Sprachverwendung und Bewusstwerdungsprozesse gelegt wird.
Die Arbeit ist charakterisiert durch Begriffe wie Entfremdung, Identität, Sprache, psychoanalytische Referenzsysteme, soziale Distinktion und die literarische Darstellung von Subjektivität.
Während Gregor Keuschnig durch Selbstreflexion einen Prozess der Bewusstwerdung durchläuft und Ansätze für ein neues Leben findet, bleibt Erika Kohut in ihrer symbiotischen Abhängigkeit verhaftet, ohne eine reale Entwicklung zur Selbstfindung zuzulassen.
Bei Handke dient Sprache dazu, eine subjektive Weltwahrnehmung zu konstruieren, während sie bei Jelinek als Herrschaftsinstrument kritisiert und durch bewusste Verfremdung parodiert wird, um die "Unmöglichkeit einer Identität" zu unterstreichen.
Die Psychoanalyse dient bei Handke als Kontext zur Erklärung der psychischen Zerrissenheit des Protagonisten, bei Jelinek wird sie jedoch parodistisch genutzt, um die Oberflächlichkeit und Fragmentierung ihrer Figuren zu entlarven.
Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Entfremdung in beiden Romanen auf einer Beziehungsebene vollzogen wird, die von Distanz und Getrenntheit geprägt ist, wobei die Autoren unterschiedliche ästhetische Strategien wählen, um diese isolierte Existenzform literarisch einzufangen.
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