Examensarbeit, 2009
27 Seiten, Note: 12,2
Jura - Zivilrecht / Handelsrecht, Gesellschaftsrecht, Kartellrecht, Wirtschaftsrecht
A. Einführung
B. Energiewirtschaft, § 29 GWB
I. Auslegung der Tatbestandsmerkmale des § 29 GWB durch das BKartA und deren kritische Betrachtung
1. Marktabgrenzung
a) Stromversorgung
b) Gasversorgung
aa) Sachlich relevanter Markt
(1) Einheitlicher Wärmemarkt
(2) Eigenständiger Gasmarkt
(3) Stellungnahme
bb) Räumlich relevanter Markt
2. Vergleichsmaßstab i.R.d. § 29 S. 1 Nr. 1 GWB
a) Vergleich mit anderen Versorgungsunternehmen, § 29 S. 1 Nr. 1 Alt. 1 GWB
b) Vergleich mit Unternehmen auf vergleichbaren Märkten, § 29 S. 1 Nr. 1 Alt. 2 GWB
3. Beweislastumkehr zugunsten der Kartellbehörden
4. Erheblichkeitszuschlag
5. Gewinnbegrenzungskonzept gem. § 29 S. 1 Nr. 2 GWB
a) Subsidiarität des Gewinnbegrenzungskonzepts
b) Kosten und deren unangemessene Überschreitung
c) Kritik am Gewinnbegrenzungskonzept und mögliche Auswirkungen bei dessen Anwendung
II. Erste aufgrund des § 29 GWB eingeleitete Verfahren
III. Kritik und (mögliche) Auswirkungen der ersten Verfahren und der Regelung des § 29 GWB allgemein
C. Schlussbetrachtung
Die Arbeit analysiert die Einführung und Anwendung des § 29 GWB zur verschärften Missbrauchsaufsicht im Energiesektor. Dabei untersucht sie, ob die neuen Tatbestandsmerkmale, wie das Gewinnbegrenzungskonzept und die Beweislastumkehr, tatsächlich zur Stärkung des Wettbewerbs beitragen oder lediglich die Preissetzungsfreiheit der Unternehmen unangemessen einschränken und neue Rechtsunsicherheiten schaffen.
1. Marktabgrenzung
In der Praxis wird zwischen Strom- und Gasmärkten unterschieden, wobei insbesondere die Marktabgrenzung auf den Gasmärkten, sowohl in sachlicher als auch teilweise in räumlicher Hinsicht, nicht unumstritten ist.
a) Stromversorgung
Im Rahmen der Stromversorgung ergeben sich bei der sachlichen sowie räumlichen Marktabgrenzung keine nennenswerten Schwierigkeiten. Trotzdem soll die Abgrenzung durch die Kartellbehörden der Vollständigkeit halber kurz dargestellt werden.
Bei der sachlichen Marktabgrenzung wendet das BKartA primär das Bedarfsmarktkonzept an, wonach diejenigen Leistungen dem sachlich relevanten Markt zuzuordnen sind, die aus Sicht der Nachfrager hinsichtlich ihrer Eigenschaften, Preise und ihres vorgesehenen Verwendungszwecks als austauschbar angesehen werden. Nach nahezu einstimmiger Auffassung der Kartellrechtsprechung und -verwaltungspraxis ist jedoch das Angebot von Strom, trotz Austauschbarkeit mit anderen Energieträgern bei einzelnen Verwendungszwecken, ein eigener sachlicher Marktbereich und nicht Teil eines größeren Gesamtmarktes. Das BKartA unterscheidet bei der Marktabgrenzung zunächst die drei vertikal verbundenen Marktstufen Erzeugung, Distribution und Endkunden, wobei die Erzeugerstufe neben den vier großen Verbundunternehmen EnBW, E.ON, RWE, Vattenfall Europe auch alle weiteren Unternehmen, die über eigene Energieversorgungskapazitäten verfügen, umfasst, die Distributionsstufe neben den traditionellen Weiterverteilern, wie den Stadtwerken und Regionalverteilern, auch unabhängige Händler und Verbundunternehmen, die selbst mit Elektrizität handeln und diese nicht nur zum eigenen Gebrauch kaufen. Auf der Endkundenstufe, auf der alle Nachfrager aktiv sind, die den Strom zum eigenen Verbrauch beziehen, differenziert das BKartA aufgrund unterschiedlichen Abnahmeverhaltens weiter nach nicht leistungsgemessenen Haushalts- und Kleinkunden und leistungsgemessenen gewerblichen oder industriellen Großkunden.
A. Einführung: Die Einleitung beleuchtet den Hintergrund und die Ziele der Einführung des § 29 GWB, welcher den Missbrauch von Energiepreisen durch eine verschärfte Aufsicht verhindern soll.
B. Energiewirtschaft, § 29 GWB: Dieses Kapitel bildet das Kernstück und analysiert detailliert die gesetzlichen Neuerungen, die Auslegung durch das Bundeskartellamt sowie die praktische Durchführung der ersten Missbrauchsverfahren.
C. Schlussbetrachtung: Das Fazit bewertet die Effektivität des § 29 GWB kritisch und diskutiert, ob eine Rückkehr zur regulären Missbrauchsaufsicht nach § 19 GWB bei gleichzeitiger Förderung des Markteintritts neuer Wettbewerber sinnvoller gewesen wäre.
§ 29 GWB, Energieversorgung, Missbrauchsaufsicht, Bundeskartellamt, Marktabgrenzung, Preismissbrauch, Gewinnbegrenzungskonzept, Beweislastumkehr, Strommarkt, Gasmarkt, Wettbewerb, Energiepreise, Kartellrecht, Regulierungsbehörde, Investitionsanreize.
Die Arbeit befasst sich mit der Wirksamkeit und den Auswirkungen der verschärften Missbrauchsaufsicht im Energiesektor, die durch die Einführung des § 29 GWB in das Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen (GWB) geschaffen wurde.
Zu den zentralen Themen gehören die marken- und energierechtliche Abgrenzung, die Prüfung von Preisen nach dem Gewinnbegrenzungskonzept sowie die rechtlichen Herausforderungen der Beweislastumkehr im Kartellverfahren.
Ziel ist es zu prüfen, ob die durch den Gesetzgeber angestrebten Ziele – Schutz der Endverbraucher vor überhöhten Preisen und Förderung des Wettbewerbs – durch das Instrument des § 29 GWB tatsächlich erreicht werden können.
Es handelt sich um eine juristische und ökonomische Analyse, die auf der Auswertung aktueller Gesetzgebung, Kommentaren, Fachliteratur sowie der Entscheidungspraxis des Bundeskartellamtes aus den Jahren 2008/2009 basiert.
Der Hauptteil analysiert die Auslegung der Tatbestandsmerkmale, das Gewinnbegrenzungskonzept, die Beweislastumkehr sowie die praktischen Erfahrungen aus den ersten durch das Bundeskartellamt eingeleiteten Verfahren gegen Gasversorger.
Die wichtigsten Begriffe sind § 29 GWB, Missbrauchsaufsicht, Strom- und Gasmärkte, Gewinnbegrenzung, Preiskontrolle und Wettbewerbsförderung.
Die Arbeit argumentiert, dass die Beweislastumkehr Versorgungsunternehmen vor unüberwindbare Schwierigkeiten stellt, da diese keinen Zugriff auf die unternehmensinternen Daten ihrer Wettbewerber haben, was zu erheblicher Rechtsunsicherheit führt.
Der Autor stellt fest, dass die Verfahren zwar finanzielle Zusagen in Millionenhöhe bewirkten, die Regelung jedoch langfristig eher negative Anreize für den Wettbewerb setzt und die Energiepreise eher stabilisieren als senken könnte.
Der GRIN Verlag hat sich seit 1998 auf die Veröffentlichung akademischer eBooks und Bücher spezialisiert. Der GRIN Verlag steht damit als erstes Unternehmen für User Generated Quality Content. Die Verlagsseiten GRIN.com, Hausarbeiten.de und Diplomarbeiten24 bieten für Hochschullehrer, Absolventen und Studenten die ideale Plattform, wissenschaftliche Texte wie Hausarbeiten, Referate, Bachelorarbeiten, Masterarbeiten, Diplomarbeiten, Dissertationen und wissenschaftliche Aufsätze einem breiten Publikum zu präsentieren.
Kostenfreie Veröffentlichung: Hausarbeit, Bachelorarbeit, Diplomarbeit, Dissertation, Masterarbeit, Interpretation oder Referat jetzt veröffentlichen!

