Examensarbeit, 2009
109 Seiten, Note: 1,0
1. Vorwort
2. Forschungslage
3. Theoretischer Rahmen
3.1. Konflikttheoretischer Ansatz
3.1.1. Kulturell-familiäre Ressourcen und implizite institutionelle Ressourcen
3.1.2. Das kulturelle Kapital bei Bourdieu
3.2. Der Sozialkapitalansatz
3.2.1. Sozialkapitalansatz nach Coleman
3.2.2. Intergenerationales soziales Kapital
3.2.2.1. Zusammenhang normativer Erwartungen der Eltern mit dem Bildungserfolg von Kindern mit Migrationshintergrund
3.2.2.2. Empirische Anwendung
3.2.3. Intragenerationales soziales Kapital
3.2.4. Soziales Kapital und Gatekeeper
3.3. Die drei Ebenen des Lebenslaufbegriffs
3.4. Theoretisches Modell zur Analyse von Aufstiegsbiografien
4. Wichtige Determinanten für einen Bildungsaufstieg bei Kindern mit Migrationshintergrund
4.1. Individuelle Merkmale
4.1.1. Sprachkenntnisse
4.1.1.1. Die Beherrschung der deutschen Sprache
4.1.1.2. Zweisprachigkeit
4.1.1.3. Zuwanderungsalter
4.1.2. Selbstkonzept
4.2. Kontextmerkmale
5. Zusammenfassung weiterer erfolgsgenerierender Faktoren
6. Typologie bildungserfolgreicher Migranten
6.1. Die Kollektivisten
6.2. Die Individualisten
6.3. Acht Fälle erfolgreicher Migranten
7. Migrationsspezifisches Kapital als entscheidender Aufstiegsfaktor
8. Bildungserfolg in Zahlen – Statistik
9. Narratives Interview
9.1. Methodisches Vorgehen
9.2. Ergebnisse
10. Fazit
Die Arbeit untersucht, mit welchen strukturellen Ressourcen und Faktoren Migranten ihren Bildungserfolg im deutschen Bildungssystem bewältigen, wie sie diesen Prozess biografisch deuten und welche Strategien sie dabei anwenden. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern ein spezifisches „migrationsspezifisches Kapital“ als Motor für sozialen Aufstieg dient.
3.1.1. Kulturell-familiäre Ressourcen und implizite institutionelle Erwartungen
Laut Randall Collins ist die Institution Schule ein Ort, an dem primär die Vermittlung kultureller Fertigkeiten, die die herrschenden Statusgruppen einer Gesellschaft für legitim erachten, stattfindet. Darunter sind beispielsweise Werte, soziale Umgangsformen, verbale Ausdrucksweisen oder eine bestimmte Art und Weise, sich zu kleiden, zu verstehen (vgl. Collins 1971, 1009). Die Schule als eine Instanz, in der Schüler eigentlich neutral sozialisiert werden sollten, ist demnach ein Ort, an dem die Durchsetzung der Klassifikationen und Deutungen der dominanten Schichten geschehen.
Dabei tritt eine „invisible pedagogy“ (Bernstein 1997, zitiert nach: Raiser 2007, 24) in Erscheinung, die für Nicht-Angehörige der herrschenden Statusgruppen nur schwer zu durchschauen ist und deren Leistungsbewertungskriterien implizit und diskret bleiben. Demzufolge bedarf es für Erfolg im Bildungssystem der intimen Kenntnis seiner enthaltenden Verhaltenserwartungen, wodurch die Rolle der familiären Sozialisation in den Vordergrund gerückt wird und für bildungssoziologische Analysen interessant wird. In Familien erleben Kinder und Jugendliche eine schichtspezifische Sozialisation, in der sie sich spezifische kulturelle Fertigkeiten aneignen, die ihren Umgang mit den Erwartungen des Bildungssystems beeinflussen (vgl. Raiser 2007, 24). Besonders für Schüler mit Migrationshintergrund, die nur in Ausnahmen der herrschenden Gruppe angehören und damit einhergehend selten bereits durch ihre Familien einen souveränen Umgang mit jenen Anforderungen erlernt haben, ist es umso wichtiger, die Selektionskriterien des Bildungssystems zu durchschauen und dieses Wissen strategisch einzusetzen, um erfolgreich sein zu können (vgl. Raiser, 25).
1. Vorwort: Es wird die Zielsetzung dargelegt, den Diskurs über Bildungsmisserfolge von Migranten aufzubrechen und die Potenziale sowie strukturelle Ressourcen erfolgreicher Bildungsaufsteiger zu beleuchten.
2. Forschungslage: Die Forschung wird als bislang „soziologische Erklärungslücke“ beschrieben, da sie sich primär auf Defizite konzentriert und die Bedeutung familiärer Ressourcen für den Erfolg vernachlässigt hat.
3. Theoretischer Rahmen: Es werden kapitaltheoretische Ansätze (Bourdieu, Coleman) sowie lebenslauftheoretische Konzepte verknüpft, um zu erklären, wie Migranten ihre Startbedingungen kompensieren.
4. Wichtige Determinanten für einen Bildungsaufstieg bei Kindern mit Migrationshintergrund: Individuelle Merkmale, insbesondere Sprache, sowie Kontextmerkmale werden als entscheidende Einflussfaktoren für schulischen Erfolg analysiert.
5. Zusammenfassung weiterer erfolgsgenerierender Faktoren: Es werden ergänzende Erkenntnisse über den Bildungsaufstieg zusammengeführt, wobei der Fokus auf dem effizienten Einsatz von sozialem Kapital liegt.
6. Typologie bildungserfolgreicher Migranten: Es werden zwei Haupttypen – Kollektivisten und Individualisten – sowie acht spezifische Handlungsmuster vorgestellt, die unterschiedliche Strategien des sozialen Aufstiegs widerspiegeln.
7. Migrationsspezifisches Kapital als entscheidender Aufstiegsfaktor: Das Kapitel führt den Begriff des „migrationsspezifischen Kapitals“ ein, welches aus den spezifischen Erfahrungen und der Deutung der Migration resultiert.
8. Bildungserfolg in Zahlen – Statistik: Anhand statistischer Daten wird die Entwicklung des Bildungserfolgs von Migranten und die zunehmende Bedeutung integrierter Schulformen verdeutlicht.
9. Narratives Interview: Die methodische Vorgehensweise und die Ergebnisse eines qualitativen Interviews mit einer Schülerin werden präsentiert, um die theoretischen Thesen empirisch zu stützen.
10. Fazit: Die Arbeit fasst zusammen, dass Bildungserfolg bei Migranten durch das komplexe Zusammenspiel von sozialem Kapital, familiären Normen und der Fähigkeit zur Selbstplatzierung in institutionellen Kontexten erreicht wird.
Bildungserfolg, Migrationshintergrund, Sozialkapital, kulturelles Kapital, Bildungsaufstieg, Lebenslaufregime, Akkulturation, Sprachkenntnisse, Mehrsprachigkeit, Integration, Migration, Selektionskriterien, Typologie, Bildungsaspirationen, Aufstiegsbiografien.
Die Arbeit befasst sich mit den Voraussetzungen und Ressourcen, die es Migranten ermöglichen, erfolgreich das deutsche Bildungssystem zu durchlaufen und Bildungsaufstiege zu bewältigen.
Die Arbeit analysiert die Rollen von sozialem und kulturellem Kapital, die Bedeutung von Sprache und Mehrsprachigkeit sowie den Einfluss familiärer Erwartungen auf den Schulerfolg.
Das Ziel ist es, den Fokus von einer rein defizitorientierten Betrachtung von Migranten hin zu einer Analyse ihrer Erfolgspotenziale und Ressourcen zu verschieben.
Die Arbeit nutzt eine theoretische Aufarbeitung bildungssoziologischer Ansätze sowie eine ergänzende empirische Komponente mittels eines narrativen Interviews zur Einzelfallanalyse.
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung, die Analyse determinierender Merkmale, eine Typenbildung von Bildungsaufsteigern und eine statistische Auswertung sowie eine Fallstudie.
Begriffe wie „migrationsspezifisches Kapital“, „Sozialkapitalansatz nach Coleman“, „Kollektivisten“, „Individualisten“ und „kulturelles Lebenslaufprogramm“ stehen im Zentrum.
Es erklärt, warum Migranten trotz oft schwieriger Ausgangslage Erfolge erzielen können, indem sie die Erfahrung der Migration selbst in eine handlungsleitende Ressource umdeuten.
Die Arbeit zeigt, dass ältere Geschwister als "Pioniere" und "Coaches" fungieren, die wertvolles Wissen über das Bildungssystem an jüngere Geschwister weitergeben.
Die Arbeit diskutiert dies kritisch als eine Maßnahme, die zwar die Integration fördern soll, aber die Wertschätzung der Muttersprache und damit die Identitätsbildung potenziell behindert.
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