Magisterarbeit, 2009
104 Seiten, Note: 1,1
Philosophie - Praktische (Ethik, Ästhetik, Kultur, Natur, Recht, ...)
1. Einleitung und Vorgehensweise
2. Ausgangspunkte der Philosophie der frühen Stoa
2.1 Geschichtlicher Ausgangspunkt
2.2 Politischer und ökonomischer Ausgangspunkt
2.3 Philosophischer Ausgangspunkt
3. Die Philosophie der frühen Stoa
3.1 Logik
3.2 Physik
3.3 Ethik
4. Die Politeia Zenon von Kitions und die Philosophie der frühen Stoa
4.1 Fragmente der Politeia Zenons und der Philosophie der frühen Stoa
4.2 Zentrale Begriffe und Gedanken der Politeia Zenon von Kitions
4.2.1 Befreiung von Herrschaft
4.2.2 Bezugspunkte, Verfassung und Recht
4.2.3 Weise, ‚Tüchtige’ und ‚Untüchtige’
4.2.4 Pathos, Apathie und Unbeirrbarkeit
4.3 Zentrale Begriffe und Gedanken der Philosophie der frühen Stoa
4.3.1 Logos
4.3.2 Physis
4.3.3 Schlechtigkeit und Arete
5. Begründung von Herrschaft
5.1 Werturteile und Kathekonta
5.2 Menschen, Frauen und Männer
5.3 Gottheit und christliche Theologie
6. Ergebnisse
6.1 Resümee
6.2 Ausblick
Die vorliegende Magisterarbeit verfolgt das Ziel, die stoische Philosophie des frühen Hellenismus als politische Philosophie zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern die ursprünglichen Gedanken der stoischen Philosophie, die auf eine Befreiung von Herrschaftsstrukturen abzielten, in der Konsequenz in eine Begründung von Herrschaft umschlagen und welche ‚Traditionslinien’ dieser Herrschaftsbegründung bis heute wirksam sind.
4.2.1 Befreiung von Herrschaft
Für Zenon und die Philosophie der frühen Stoa sind die Menschen
„…von Natur aus auf Gemeinschaft und Handeln angelegte[s] Lebewesen.“ (D.L.)
Zenon betont die enge Beziehung, die zwischen Denken, Urteilen und Handeln besteht. >Das Handeln des Menschen geht auf die menschliche Gemeinschaft. Alles andere ist um der Menschen und Götter willen geworden, der Mensch aber um der Gemeinschaft willen< Ueberweg, Friedrich: Grundriß der Geschichte der Philosophie. S.425. Im Unterschied zur Politeia Platons und Aristoteles, die ihre Politeia vor dem Hintergrund ihrer bereits bestehenden Philosophie geschrieben haben, ist die Politeia Zenons Ausgangspunkt der Philosophie der Stoa. Die Politeia Zenons ist eine politische Schrift die über praktische Philosophie handelt. Es geht Zenon explizit um politische Praxis, die Politeia ist Grundlage der Ethik und der Lehren zur Begründung eines handlungsfähigen politischen Gemeinwesens. Die Politeia ist in ihrem Ansatz egalitaristisch: sie verkündet in der Tradition der Sophisten des 5.Jahrhunderts v.u.Z. die gleiche Freiheit aller Menschen:
„Von Natur (physei) aus sind wir alle in allen Beziehungen gleich geschaffen…“ (Antiphon)
und bei Alkidamas heißt es:
„Freigelassen hat Gott alle, keinen hat die Natur zum Sklaven gemacht.“ (Alkidamas)
1. Einleitung und Vorgehensweise: Definition des Forschungsziels, die stoische Philosophie als politische Philosophie zu untersuchen und den Umschlag von Befreiungsgedanken in Begründungsstrukturen von Herrschaft aufzuzeigen.
2. Ausgangspunkte der Philosophie der frühen Stoa: Darstellung des hellenistischen Zeitkontextes sowie der geschichtlichen, ökonomischen und philosophischen Rahmenbedingungen, unter denen die stoische Philosophie entstand.
3. Die Philosophie der frühen Stoa: Explikation der drei Teildisziplinen Logik, Physik und Ethik, wobei der praktisch-politische Anspruch und die Bedeutung des ‚richtigen‘ Handelns herausgearbeitet werden.
4. Die Politeia Zenon von Kitions und die Philosophie der frühen Stoa: Analyse der Fragmente der Politeia sowie der zentralen Begriffe und Gedanken der frühen Stoa, um Herrschaftsstrukturen in den stoischen Lehren freizulegen.
5. Begründung von Herrschaft: Vertiefende Untersuchung der Herrschaftsstrukturen durch Analyse von Werturteilen, Geschlechterverhältnissen und Parallelen zur christlichen Theologie.
6. Ergebnisse: Zusammenfassung der Resultate über die Wirksamkeit der stoischen Begründungsstrukturen von Herrschaft und der Fortführung dieser Linien bis in die Gegenwart.
Frühe Stoa, Zenon von Kition, Politeia, Herrschaftsbegründung, Kynismus, Logos, Physis, Ethik, Eudämonie, Meritokratie, Androzentrismus, Naturrecht, Kathekonta, Apathie, politische Philosophie.
Die Arbeit untersucht die Philosophie der frühen Stoa, insbesondere das Werk von Zenon von Kition, als eine politische Philosophie und analysiert, wie diese scheinbar befreienden Lehren in der Konsequenz Herrschaft legitimieren.
Im Fokus stehen das Naturrecht, die Rolle des Logos und der Vernunft, die Konzepte von Freiheit und Knechtschaft sowie die Analyse historischer Herrschaftsverhältnisse im Kontext der stoischen Lehre.
Das Ziel ist es, den Widerspruch zwischen dem stoischen Ideal einer egalitären Gemeinschaft und den tatsächlichen Begründungsstrukturen von Herrschaft innerhalb dieser Philosophie aufzudecken.
Die Untersuchung basiert auf einer textkritischen Analyse erhaltener Fragmente der frühen Stoa sowie der Einbettung in die historische und philosophiegeschichtliche Forschung.
Der Hauptteil analysiert detailliert die stoischen Teildisziplinen (Logik, Physik, Ethik) und expliziert, wie Begriffe wie Logos und Physis zur philosophischen Rechtfertigung von Herrschaft instrumentalisiert werden.
Schlüsselwörter sind unter anderem: Frühe Stoa, Herrschaftsbegründung, Politeia, Naturrecht, Meritokratie, Androzentrismus und Eudämonie.
Während Zenon in seiner Politeia eine radikale Frauen- und Kindergemeinschaft forderte, zeichnen spätere Vertreter wie Antipater ein Bild der Ehe, das die Frau in eine untergeordnete Rolle zur Reproduktion der Herrschaft ‚der Besten‘ zwingt.
Die Arbeit zeigt, dass die christliche Theologie zahlreiche stoische Konzepte, wie den Logos oder das Naturrecht (lex aeterna), rezipierte, um eigene moralische Ordnungen und Herrschaftsstrukturen zu begründen.
Apathie ist bei den Stoikern nicht als Teilnahmslosigkeit zu verstehen, sondern als ein Zustand der Leidenschaftslosigkeit, der den Weisen dazu befähigt, stets gemäß der Vernunft und unbeirrt zu handeln.
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