Diplomarbeit, 2009
55 Seiten, Note: 1.3
I. Beschreibung der Total Furnishing Unit
1. Aufbau der Total Furnishing Unit
1.1. Das Bed-and-Privacy-Modul
1.1.1. Die zentrale Steuerungseinheit
1.1.2. Zugänge zum Privacy-Bereich: Tür 1 und Tür 2
1.1.3. Die Bed-Einheit
1.2. Das Cupboard-Modul
1.3. Das Bathroom-Modul
1.3.1. Das Innere des Bathroom-Moduls
1.4. Das Kitchen-Modul
2. Microenvironment + Microevent: der Film zur Total Furnishing Unit
II. Joe Colombos Gestaltungsphilosophie
1. Gestaltung nach Farbe, Form und Materialität
2. Die Dynamisierung des Wohnraums und die Konzeption des Open Space
3. Die Philosophie der Ausstattung (l’arredamneto) und die Konzeption eines modularen Systems
3.1. Die Ausstattung als Überwindung des traditionellen Möbels
3.2. Der Entwurf multifunktionaler Systeme als universelle Lösung
4. Maschinenästhetik und Technikmotive
4.1. Audiovisuelle Medien als technisches Leitmotiv
4.2. Der Computer als Technikmotiv und das „programmierbare“ Möbel
4.3. SPACE AGE IS HERE – Das Spaceshuttle und der Satellit als führende Technikmotive
4.4. Inszenierte Technikwelten – James Bond und 2001: Odyssee im Weltraum
III. Joe Colombos Weiterentwicklung von Le Corbusiers Wohnkonzepten
1. Die Neudefinition der „Wohnmaschine“
2. Die Konzeption eines neuen Möbels gemäß Typisierung und Standardisierung, Funktionalität, Reduktion und Materialität
IV. Italienisches Nachkriegsdesign (1945 – 1972)- die Einordnung der Total Furnishing Unit in den designhistorischen Kontext
1. Die Anfänge des Nachkriegsdesigns – Vom Unikat zur Serie
1.1. Kulturelle Ereignisse vor 1945
1.2. Wiederaufbau: Der Bedarf an industriellen Fertigungsmethoden und die Etablierung des Bel Design (1945 – 1950)
1.3. Die Methodische Nähe zur Architektur
1.4. Die Hauptströmungen
2. Industrie und Produktion in den Fünfzigerjahren – La Linea Italiana und das Bel Design
2.1. Der Stile Olivetti
2.1.2. Arflex, Kartell: Design zwischen Industrie und Handwerk
3. Die Sechziger Jahre
3.1. Pop Design. Kultur und Menschenbild
3.2. Space Age is here
3.3. Anti-und Radical-Design
3.3.1. Die Kultur des Sitzens in den Sechzigerjahren
3.3.2. Kunststoff als die neuen Materialien
3.4. Radical Design: Archizoom, Superstudio, UFO, Gruppo 9999 und Sturm
6. Anti-Design für das Design: Joe Colombo im Kontext der Designgeschichte: ein Fazit
Diese Diplomarbeit untersucht Joe Colombos „Total Furnishing Unit“ (1971–1972) als wegweisendes, futuristisches Wohnkonzept und analysiert dessen Rolle bei der Neudefinition der „Wohnmaschine“ im Kontext der italienischen Designgeschichte und der technologischen Euphorie der 1960er Jahre.
1. Aufbau der Total Furnishing Unit
Die Total Furnishing Unit ist primär in vier Zellen oder Module unterteilt, die Colombo Kitchen, Cupboard, Bed and Privacy und Bathroom nennt.
Im Zentrum steht das Bed-and-Privacy-Modul, das in seinem Inneren durch eine eingezogene, von beiden Seiten nutzbare Regalwand in zwei separate „Denkerzellen“ unterteilt ist. Jeweils rechts und links an das Bed-and-Privacy-Modul angeschlossen finden wir das Bathroom-, das Cupboard- und Kitchen-Modul vor.
Bathroom und Kitchen sind von Colombo sowohl als eigenständige als auch als bewegliche Module geplant worden. Sie sind jederzeit aus dem zentralen Block lösbar und können beliebig im Raum positioniert werden. Sie besitzen vier Außenwände sowie einen Eingang und sind somit abschließbar. In der architektonischen Gesamtkonzeption sind sie gegenüber dem zentralen Bed-and-Privacy-Block leicht erhöht und werden diesem in der Grundformation vorgesetzt.
Im Gegensatz zum Bed-and-Privacy-, Bathroom- und Kitchen-Block ist das Cupboard-Modul nicht als eigenständiger Raum zu verstehen. Es agiert lediglich im Rahmen der Umgestaltung des Blockes als zusätzliches raumdefinierendes Element. In der Grundeinstellung des Blockes verschwindet es zwischen Bed- and– Privacy und Kitchen und kommt erst zum Vorschein, wenn sich seitens der Bewohner Bedarf und Anspruch an den Raum geändert haben. Wird zum Beispiel der Bedarfsmodus von LIVING in NIGHT geändert, können die Betten aus der Nische unterhalb des Bed-and-Privacy-Bereichs hervorgezogen werden, und das Cupboard wird aus dem Block gelöst. Aus dem Wohnblock tritt somit ein neues Raumkonzept hervor.
Insgesamt funktioniert die Total Furnishing Unit gemäß dem Prinzip eines Schweizer Taschenmessers, indem der vom Bewohner benötigte Raum und dessen Funktion einfach aus dem Block gelöst werden kann.
I. Beschreibung der Total Furnishing Unit: Detaillierte Darstellung des modularen Aufbaus des Wohnblocks und der filmischen Inszenierung seiner Wohnfunktionen.
II. Joe Colombos Gestaltungsphilosophie: Untersuchung der ästhetischen Prinzipien, der Dynamisierung durch „Open Space“-Konzepte und der Bedeutung technischer Motive für die Produktgestaltung.
III. Joe Colombos Weiterentwicklung von Le Corbusiers Wohnkonzepten: Vergleich der historischen „Wohnmaschine“ mit Colombos moderner, programmierbarer Interpretation des Begriffs.
IV. Italienisches Nachkriegsdesign (1945 – 1972)- die Einordnung der Total Furnishing Unit in den designhistorischen Kontext: Historische Kontextualisierung von den Anfängen des Nachkriegsdesigns über die Sechziger Jahre bis hin zum Anti- und Radical Design.
Total Furnishing Unit, Joe Colombo, Wohnmaschine, Designgeschichte, Italienisches Design, Modularität, Raumfahrt-Ästhetik, Open Space, Industriedesign, Wohnkonzept, Maschinenästhetik, Sechzigerjahre, Kunststoffdesign, Multifunktionalität, Avantgarde.
Die Arbeit analysiert Joe Colombos multifunktionalen Entwurf „Total Furnishing Unit“ als Schnittstelle zwischen Architektur, Möbeldesign und industrieller Produktion.
Zu den Schwerpunkten zählen die gestalterische Philosophie Colombos, die technologische Euphorie der Raumfahrtdekade und die Evolution des Konzepts der „Wohnmaschine“.
Das Ziel ist die theoretische Einordnung und detaillierte materielle sowie konzeptionelle Beschreibung der „Total Furnishing Unit“ innerhalb der italienischen Designhistorie.
Die Arbeit basiert auf einer designhistorischen Analyse, die primäre Quellen, zeitgenössische theoretische Entwürfe und eine vergleichende Untersuchung zur Architekturtheorie (Le Corbusier) heranzieht.
Der Hauptteil beleuchtet die technische Konstruktion des Wohnblocks, Colombos Vision von Dynamik und „Open Space“ sowie die technisierungsorientierte Ästhetik des Entwurfs.
Die zentralen Begriffe sind: Total Furnishing Unit, Wohnmaschine, Modularität, Industriedesign, Raumfahrt-Ästhetik und italienisches Design.
Colombo sieht „Ausstattung“ nicht mehr als isoliertes Einzelobjekt, sondern als dynamisches, mit dem Menschen und dem Raum symbiotisch lebendes Instrument, das auf die Bedürfnisse des modernen Lebens reagiert.
Medien wie Fernseher und Radio dienen Colombo als zentrale Kommunikationselemente und als Sinnbild einer technisierten Zukunft, in der sie die natürliche Fenstersicht ersetzen können.
Aufgrund ihrer blockartigen Gliederung, der Verwendung von Kunststoffgehäusen und der programmierbaren Anordnung ihrer Komponenten erinnert die Einheit in Form und Ästhetik stark an frühe Großrechner der 1960er Jahre.
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