Masterarbeit, 2008
34 Seiten, Note: 2,0
1. Einleitung
1.1. Tradition und Weiterentwicklung der Literaturübersetzung in Deutschland
1.2. Übersetzen und Literaturwissenschaft
1.3. Zur aktuellen Stellung der literarischen Übersetzung im deutschen Verlagsgeschäft
2. Quasi dasselbe mit anderen Worten – Umberto Ecos angewandte Übersetzungslehre
2.1. Übersetzen als Verhandlung
2.2. Reversibilität als Schlüsselbegriffe in Ecos Translatologie
3. Sekundäre Kreativität
3.1. Schöpfungshöhe
3.2. Literarisches Übersetzen und Sekundäre Kreativität
4. Kultur und Buch
4.1. Die Stimme im Text
4.2. Literatur und Kulturvermittlung: Kulturtransfer und Buch
4.3. Schlussbemerkungen
Die vorliegende Arbeit untersucht das literarische Übersetzen als einen komplexen, kreativen Prozess, der wesentlich durch das Konzept der "Verhandlung" geprägt ist. Basierend auf Umberto Ecos Translatologie wird analysiert, wie Übersetzer als Vermittler zwischen den Polen von Ausgangstext und Zielsprachenkultur agieren, wobei der Fokus auf der Erhaltung der Textwirkung und der Anwendung sekundärer Kreativität liegt.
2.1. Übersetzen als Verhandlung
Der Gedanke ist alt, neu ist das Gewand, in das Eco ihn kleidet. Bereits Jacob Grimm urteilte wie folgt in der Diskussion um Treue zum Text und die Grenzen der Übersetzung: Wir übertragen treu, weil wir uns in alle Eigenheiten der fremden Zunge einsaugen und uns das Herz fassen, sie nachzuahmen, aber allzu treu, weil sich Form und Gehalt der Wörter in zwei Sprachen niemals genau decken können und was jene gewinnt, dieser einbüßt.21
Übersetzen als Verhandlung ist also „geleitet vom goldenen Prinzip, daß man nicht alles haben kann“22. Die Einfluss nehmenden Parteien bei diesem Verhandlungsprozess sollen mit folgendem Schema deutlich gemacht werden: [Grafik 2]
Wer sind nun die Parteien, in diesem Verhandlungsprozeß? Es sind viele, auch wenn nicht alle gleichermaßen aktiv sein können: Da ist auf der einen Seite der Ausgangstext mit seinen autonomen Rechten und manchmal die Figur des empirischen Autors – wenn er noch lebt – mit seinen eventuellen Ansprüchen auf Kontrolle, dazu die ganze Kultur, in welcher der Text entstanden ist; auf der anderen der Zieltext und die Kultur, in die er sich einfügt, mit dem System der Erwartungen seiner vermutlichen Leser, und manchmal auch die Verlagsindustrie, die verschiedene Übersetzungskriterien vorsieht, je nachdem, ob der Zieltext für eine strenge philologische Reihe oder für ein Programm mit Unterhaltungsliteratur bestimmt ist.23
Im Vergleich zur ersten Grafik mit den Beispielen aus der älteren deutschen Übersetzungstradition lässt sich in diesem Zusammenhang festhalten, dass beispielsweise für Luther und Bode die Sache, also der Kern des Textes und nicht die Form, im Vordergrund stand: Da Bode nie philologisch argumentierte und es ihm in der Regel mehr um Kern als die Schale ankam, leistete er der deutschen Intelligenz seiner Zeit den nicht zu unterschätzenden Dienst, daß er einen mitunter schwer verständlichen (…) Korpus von Texten seinen deutschsprechenden Zeitgenossen auf eine Weise nahebrachte, die den geistigen Kern wieder freilegte und zugänglich machte24.
1. Einleitung: Die Einleitung etabliert die Metapher des Übersetzers als Fährmann und führt in die Thematik des literarischen Übersetzens im Kontext von Kulturtransfer und Literaturwissenschaft ein.
1.1. Tradition und Weiterentwicklung der Literaturübersetzung in Deutschland: Dieses Kapitel stellt historische Leitfiguren der Übersetzung vor und zeigt an ihrem Beispiel grundlegende Aspekte der literarischen Vermittlung auf.
1.2. Übersetzen und Literaturwissenschaft: Hier werden die philologischen und systemischen Ansätze der Übersetzungsforschung sowie die historische Bedeutung von Anthologien und Buchreihen beleuchtet.
1.3. Zur aktuellen Stellung der literarischen Übersetzung im deutschen Verlagsgeschäft: Es wird die wirtschaftliche Realität der Übersetzer, der Einfluss des Marktes und die rechtliche Situation bezüglich Vergütung diskutiert.
2. Quasi dasselbe mit anderen Worten – Umberto Ecos angewandte Übersetzungslehre: Die theoretischen Grundlagen von Umberto Eco, insbesondere die Definition von Übersetzung als "Double des Textsystems", werden zentral analysiert.
2.1. Übersetzen als Verhandlung: Dieses Kapitel vertieft Ecos Prinzip der Verhandlung zwischen den verschiedenen am Übersetzungsprozess beteiligten Parteien und Interessen.
2.2. Reversibilität als Schlüsselbegriffe in Ecos Translatologie: Es wird erörtert, wie optimale Reversibilität auf verschiedenen Textebenen bei komplexen literarischen Werken erreicht werden kann.
3. Sekundäre Kreativität: Dieses Kapitel definiert die spezifische Form der Kreativität, die Literaturübersetzer als "Nachschöpfer" auszeichnet.
3.1. Schöpfungshöhe: Es wird diskutiert, inwiefern der Übersetzer durch die Notwendigkeit, ein Werk erneut zu erschaffen, selbst eine persönliche geistige Schöpfung vollbringt.
3.2. Literarisches Übersetzen und Sekundäre Kreativität: Die Notwendigkeit von sprachlicher Technik und differenziertem Ausdruck als Basis der sekundären Kreativität steht hier im Mittelpunkt.
4. Kultur und Buch: Dieses Kapitel untersucht die Rolle des kulturellen Gepäcks und den reziproken Prozess des Kulturtransfers durch Übersetzungen.
4.1. Die Stimme im Text: Es wird erörtert, wie der Übersetzer die Stimme des Autors substituieren kann, wenn dieser nicht als Verhandlungspartner zur Verfügung steht.
4.2. Literatur und Kulturvermittlung: Kulturtransfer und Buch: Die Diskussion befasst sich mit den Anforderungen an den Übersetzer im Spannungsfeld zwischen Einbürgerung und Verfremdung.
4.3. Schlussbemerkungen: Die Arbeit schließt mit einer Würdigung von Ecos Theorie und einem Plädoyer für die stärkere Berücksichtigung der Literaturübersetzung in der Literaturwissenschaft.
Literaturübersetzung, Umberto Eco, Sekundäre Kreativität, Kulturtransfer, Verhandlung, Reversibilität, Schöpfungshöhe, Translatologie, Literaturwissenschaft, Buchmarkt, Stimme im Text, Einbürgerung, Verfremdung, Übersetzungspraxis, Literaturgeschichte
Die Arbeit untersucht das literarische Übersetzen als eine eigenständige, kreative Kunstform, die weit über das bloße Ersetzen von Wörtern hinausgeht.
Im Fokus stehen Umberto Ecos Theorie des "Verhandelns" beim Übersetzen, das Konzept der sekundären Kreativität, die Rolle des Übersetzers als "Nachschöpfer" und der Kulturtransfer im modernen Buchmarkt.
Das Ziel ist es, durch die Analyse der Ecoschen Theoreme aufzuzeigen, dass Übersetzen ein kreativer Akt ist, der eine "Verhandlung" zwischen verschiedenen kulturellen und textuellen Ebenen erfordert.
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Auseinandersetzung mit Fachliteratur (insbesondere von Umberto Eco), verknüpft mit praktischen Beispielen aus der Übersetzungsgeschichte und dem modernen Verlagsgeschäft.
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Ecos Übersetzungslehre, die Definition sekundärer Kreativität, rechtliche Aspekte der Schöpfungshöhe und die Rolle der Stimme des Textes im Kulturtransfer.
Die wesentlichen Begriffe sind "Verhandlung", "sekundäre Kreativität", "Reversibilität", "Kulturtransfer" und die "Stimme im Text".
Umberto Eco liefert mit seinem Werk "Quasi dasselbe mit anderen Worten" den theoretischen Rahmen, um das Übersetzen als einen verhandelbaren und zugleich künstlerischen Prozess zu begreifen.
Während primäre Kreativität das Original erschafft, leistet der Literaturübersetzer als "Nachschöpfer" sekundäre Kreativität, indem er die Wirkungskraft des Originals in einer anderen Sprache unter Berücksichtigung kultureller Gegebenheiten rekonstruiert.
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