Diplomarbeit, 2008
199 Seiten, Note: 2
Einleitung mit Fragestellung
Teil A Theoretische Grundlagen
1 AD(H)S – Eine Störung mit vielen Erscheinungsbildern
1.1 Klassifikation – Begriffsklärung
1.1.1 Hyperkinetisches Syndrom
1.1.2 Minimale Cerebrale Dysfunktion
1.1.3 Psycho-Organisches Syndrom
1.1.4 Attention Deficit Disorder oder
Attention Deficit Hyperactivity Disorder
1.1.5 Aufmerksamkeits-Defizit-(Hyperaktivitäts)-Syndrom
1.2 Allgemeines Erscheinungsbild von Kindern mit AD(H)S
1.3 Häufigkeit
1.4 Störungsverlauf von AD(H)S
1.4.1 Verlauf im Säuglings- und Kleinkindalter
1.4.2 Verlauf im Kindergarten und Vorschulalter
1.4.3 Verlauf im Grundschulalter
1.4.4 Verlauf im Jugendalter
1.4.5 Verlauf im Erwachsenenalter
1.5 Ursachen von AD(H)S)
1.6 AD(H)S und die Besonderheiten der Informationsverarbeitung
1.7 Diagnostik
1.7.1 Heilpädagogisches Institut
1.7.2 Heilstättenschule
1.8 Behandlung und Therapie
1.9 Schulische Situation
1.10 Schulische Maßnahmen
1.10.1 Schulorganisatorische Maßnahmen
1.10.2 Information über AD(H)S
1.10.3 Unterstützung der Therapie durch den Lehrer
1.10.4 Prozessorientierte Hilfestellung
1.10.5 Förderung positiver Lehrer-Kind-Beziehungen
1.11 Zusammenfassung
2 Pädagogische Verhaltensmodifikation
2.1 Theorie der Pädagogischen Verhaltensmodifikation
2.2 Lerntheoretische Grundlagen
2.2.1 Klassische Konditionierung
2.2.2 Instrumentelle/Operante Konditionierung
(Verstärkungslernen)
2.2.3 Modelllernen
2.2.4 Kognitive Ansätze
2.3 Vorgehensweisen einer PVM
2.3.1 Verhaltensanalyse
2.3.2 Methoden der PVM
2.3.3 Notwendigkeit einer Pädagogischen Verhaltensmodifikation
2.4 Fehler beim Einsatz der Pädagogischen Verhaltensmodifikation
2.5 Kritische Bemerkungen zur Verhaltensmodifikation
3 Pädagogischer Takt
3.1 Der Begriff Pädagogischer Takt
3.2 Merkmale taktvollen Handelns
3.3 Bezug zwischen Theorie und Praxis
3.3.1 Pädagogischer Takt als Bindeglied zwischen
subjektiven Theorien und praktischem Handeln
3.3.2 Die „Übersetzung“ und die Rolle des Pädagogischen Taktes
3.3.3 Theorie – Schulpraxis und die Rolle des Pädagogischen Taktes
3.4 Zusammenfassung
4 Zusammenhang von AD(H)S, PVM und
Pädagogischem Takt
4.1 Zusammenhang von AD(H)S und Pädagogischem Takt
4.2 Zusammenhang von PVM und AD(H)S
4.3 Zusammenhang von Pädagogischem Takt und PVM
5 Hypothesen
Teil B Empirische Untersuchungen
6 Begründung für die Wahl der Datenerhebungsmethoden
6.1 Die Einzelfallanalyse
6.1.1 Objektivität
6.1.2 Reliabilität
6.1.3 Validität
6.2 Der Fragebogen
7 Studie 1 – Analyse von drei Einzelfällen
7.1 Einzelfallanalyse von Lukas
7.1.1 Exploration – qualitative Analyse
7.1.1.1 Vorgeschichte
7.1.1.2 Problemsicht von Lukas
7.1.1.3 Problemsicht der Mutter
7.1.1.4 Problemsicht der Erzieherin im Internat
7.1.1.5 Problemsicht der schulpsychologischen Beratungslehrerin
7.1.1.6 Problemsicht des Klassenvorstandes
7.1.1.7 Lebensbedingungen, aktuelle Familiensituation
7.1.2 Freie Beobachtung des Klassenvorstandes
7.1.2.1 Hypothetisches Bedingungsmodell
7.1.2.2 Kategoriensystem
7.1.2.3 Zielverhalten
7.1.3 Hypothese
7.1.4 Untersuchungsdurchführung
7.1.4.1 Baselinebeobachtung
7.1.4.2 Durchführung der Modifikation
7.1.4.3 Ergebnisdarstellung
7.1.5 Zusammenfassung
7.2 Einzelfallanalyse von Tobias – Verhaltensanalyse
7.2.1 Rahmenbedingungen
7.2.2 Familiäre Situation
7.2.3 Problemsicht der Lehrerin
7.2.4 Problemsicht der Mutter
7.2.5 Problemsicht der Psychologin
7.2.6 Problemsicht von Tobias
7.2.7 Freie Bobachtung – Baselinephase – A
7.2.8 Gütekriterien
7.2.9 Hypothesen
7.2.10 Systematische Beobachtung
7.2.11 Erste Treatmentphase – B
7.2.12 Zweite Treatmentphase – BC
7.2.13 Dritte Treatmentphase – A
7.2.14 Vierte Treatmentphase – BD
7.2.15 Fünfte Treatmentphase – BE
7.2.16 Ergebnisdarstellung
7.2.17 Verhaltensanalyse
7.2.18 Abschließende Bemerkungen
7.3 Fallbeschreibung von Matthias
7.3.1 Rahmenbedingungen
7.3.2 Familiäre Situation
7.3.3 Problemsicht der Lehrerin
7.3.4 Problemsicht der Erziehungsberechtigten
7.3.5 Problemsicht des Psychologen
7.3.6 Problemsicht von Matthias
7.3.7 Freie Beobachtung – Baselinephase – A
7.3.8 Gütekriterien
7.3.9 Hypothesen
7.3.10 Systematische Beobachtung
7.3.11 Erste Treatmentphase – B
7.3.12 Zweite Treatmentphase – BC
7.3.13 Stationärer Aufenthalt im Landeskrankenhaus Salzburg
7.3.14 Dritte Treatmentphase – A
7.3.15 Ergebnisdarstellung
7.3.16 Verhaltensanalyse
7.3.17 Abschließende Bemerkungen
7.4 Zusammenfassung
8 Studie 2 – Die schriftliche Befragung
8.1 Vor- und Nachteile der gewählten Methode
8.2 Fragebogenkonstruktion
8.2.1 Items
8.2.2 Subskalen
8.2.3 Pretest
8.3 Untersuchungsdurchführung
8.4 Ergebnisse
8.4.1 Deskriptive Statistiken für die Fragebogen-Items
8.4.2 Itemanalyse und Skalenstruktur
8.5 Hypothesenprüfung
8.6 Zusammenfassung
9 Gesamtüberblick über die Hypothesenprüfung
10 Zusammenfassung und Diskussion
Die vorliegende Arbeit untersucht den Theorie-Praxis-Bezug im schulischen Umgang mit AD(H)S-Kindern, mit besonderem Fokus auf die Wirksamkeit pädagogischer Verhaltensmodifikation (PVM) unter Einbeziehung des Pädagogischen Taktes als vermittelndes Bindeglied.
3.1 Der Begriff „Pädagogischer Takt“
Im Jahre 1802 führte Johann Friedrich Herbart erstmals den Begriff „Pädagogischer Takt“ als Mittelglied zwischen Theorie und Praxis in der Pädagogik ein. Schon Herbart war der Überzeugung, dass man zwischen einer Pädagogik als Wissenschaft (Theorie) und einer Pädagogik als Kunst der Erziehung (Praxis) unterscheiden muss.
Unter Pädagogik als Wissenschaft versteht Herbart (1802, zitiert nach Asmus, 1964) eine „…Zusammenordnung von Lehrsätzen, die ein Gedankenganzes ausmachen, die womöglich auseinander als Folgen aus Grundsätzen und als Grundsätze aus Prinzipien hervorgehen“.
Mit Kunst der Erziehung meint Herbart „…eine Summe von Fertigkeiten, die sich vereinigen müssen, um einen gewissen Zweck hervorzubringen“. (Herbart, 1802, zitiert nach Asmus, 1964, S. 124)
In unserer langjährigen Berufstätigkeit (Praxis) und während unseres Studiums (Theorie) haben wir die Erfahrung gemacht, dass die Verbindung von Theorie und Praxis, von Herbart als Pädagogischer Takt bezeichnet, wesentlich für unsere Arbeit mit AD(H)S-Kindern im Klassenverband sein kann.
AD(H)S – Eine Störung mit vielen Erscheinungsbildern: Dieses Kapitel erläutert das Störungsbild, dessen Klassifikation, Verlauf, Ursachen sowie die diagnostischen und schulischen Herausforderungen im Umgang mit betroffenen Kindern.
Pädagogische Verhaltensmodifikation: Hier werden die theoretischen Grundlagen der PVM sowie spezifische Methoden wie Tokensysteme und Verhaltensverträge und deren Anwendungsmöglichkeiten in der Schulpraxis vorgestellt.
Pädagogischer Takt: Das Kapitel definiert den Begriff des Pädagogischen Taktes als Bindeglied zwischen pädagogischer Theorie und konkretem Handeln und beschreibt dessen Merkmale für die Schulpraxis.
Zusammenhang von AD(H)S, PVM und Pädagogischem Takt: Dieses Kapitel verknüpft die zuvor erörterten theoretischen Konzepte und bereitet die Hypothesen für die empirische Untersuchung vor.
Studie 1 – Analyse von drei Einzelfällen: Der empirische Teil dokumentiert und analysiert die Verhaltensmodifikation von drei AD(H)S-Schülern mittels Einzelfallanalysen in verschiedenen Treatmentphasen.
Studie 2 – Die schriftliche Befragung: Dieses Kapitel beschreibt die Konzeption und Auswertung einer Fragebogenstudie unter Lehrkräften, um den Zusammenhang zwischen Methodeneinsatz, Erfolg und Pädagogischem Takt zu evaluieren.
AD(H)S, Pädagogische Verhaltensmodifikation, Pädagogischer Takt, Einzelfallanalyse, Lehrerverhalten, Verhaltensstörung, Schulpraxis, Inklusion, Stimulanzientherapie, Fragebogenstudie, Theorie-Praxis-Bezug, Erziehungswissenschaft.
Die Arbeit analysiert den schwierigen Theorie-Praxis-Bezug bei der Arbeit mit AD(H)S-Kindern im Schulalltag und untersucht, wie verhaltenstheoretische Methoden (PVM) durch taktvolles pädagogisches Handeln erfolgreich in die Praxis übersetzt werden können.
Die Schwerpunkte liegen auf dem Störungsbild AD(H)S, den Grundlagen der Pädagogischen Verhaltensmodifikation (PVM), der Bedeutung des Pädagogischen Taktes sowie der empirischen Überprüfung dieser Konzepte durch Einzelfallstudien und Befragungen.
Das Ziel ist es zu erfassen, ob und unter welchen Bedingungen der Einsatz der PVM unter besonderer Berücksichtigung des Pädagogischen Taktes in der täglichen Schulpraxis zu einer Verhaltensänderung bei AD(H)S-Schülern führt.
Die Arbeit nutzt einen kombinierten methodischen Ansatz: Einerseits eine qualitative Einzelfallanalyse an drei Schülern, andererseits eine quantitative Fragebogenuntersuchung unter Volksschul- und Hauptschullehrern.
Im Hauptteil werden nach einer theoretischen Einleitung die Einzelfallanalysen von Lukas, Tobias und Matthias detailliert dargestellt, gefolgt von einer schriftlichen Befragung zur Erhebung des Methodeneinsatzes und Erfolgs bei Lehrkräften.
Die wesentlichen Konzepte sind AD(H)S, die Pädagogische Verhaltensmodifikation (PVM) als lerntheoretischer Ansatz und der Pädagogische Takt, der als situatives Bindeglied zwischen Theorie und konkretem Handeln fungiert.
Er dient als kreatives Bindeglied, das es Lehrkräften ermöglicht, abstraktes Theoriewissen spontan an die Einzigartigkeit der jeweiligen Situation und des einzelnen AD(H)S-Kindes anzupassen.
Die Arbeit schließt, dass Methoden wie Tokensysteme oder Verhaltensverträge allein oft nicht ausreichen; für eine erfolgreiche Intervention ist stets die Verbindung von Fachwissen mit pädagogischem Feingefühl und einer intensiven Zusammenarbeit mit dem sozialen Umfeld des Kindes notwendig.
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