Diplomarbeit, 1991
115 Seiten, Note: 1
I. EINLEITUNG
1.Einführung in die Thematik
2. Die zugrunde liegende These
3. Kurzer Überblick über die Vorgehensweise
II. VOM WANDERVOGEL BIS ZUR MACHTERGREIFUNG - JUGENDLICHES PROTESTPOTENTIAL ZWISCHEN JUGENDBEWEGUNG UND ANPASSUNG
1. Die Genese des Wandervogels bis 1914
2. Der Wandervogel- eine Protestbewegung?
3. Die weitere Entwicklung der deutschen Jugendbewegung bis 1933
III. JUGEND UND PROTEST IM DRITTEN REICH
1. Jugendbewegung und Nationalsozialismus
2. Jugend im NS-Staat
3. Jugendprotest im Dritten Reich
4. Die Gegenmaßnahmen des NS-Staates
IV. JUGENDKULTUREN IN DER NACHKRIEGSZEIT
1. Jugendnot- und Jugendschutzkultur
2. Die 'Halbstarken'- Kultur
3. Rocker und Existentialisten
V. DIE 'ANTI-AUTORITÄRE' JUGEND- UND STUDENTENBEWEGUNG
1. Die Vorboten einer neuen Zeit
2. Jugend und Gesellschaft Mitte der 60er Jahre
3. Entwicklung und Verlauf der Studentenbewegung
4. Die sozio - kulturellen Auswirkungen der68er Bewegung
VI. DIE WEITERE ENTWICKLUNG IN DEN SPÄTEN 70ER UND FRÜHEN 80ER JAHREN - JUGENDKULTUREN IM ZEICHEN VON DIVERSIFIKATION, HETEROGENITAT UND INKONSISTENZ
1. Der Weg in den 'Deutschen Herbst'- Von der Utopie zur Frustration
2. Jugendunruhen und Alternativkultur zu Beginn der 80er Jahre – ein Zwischenspiel
3. Jugendkulturen gegen Mitte der 80er Jahre bis heute
VII. ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN
1. Zusammenfassung
2. Schlussfolgerungen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, eine sozialgeschichtliche Analyse von Jugend und Protest in Deutschland im 20. Jahrhundert durchzuführen. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie sich jugendliches Protestpotential in verschiedenen historischen Epochen manifestiert hat und welche gesellschaftlichen Strategien zur Protestvermeidung oder -eindämmung eingesetzt wurden.
1. Einführung in die Thematik
Die Vorstellung, dass jede neue Jugendgeneration wie ein Karma das Potential zur Rebellion in sich trage, besteht in der Öffentlichkeit wie in der Wissenschaft. Nun hat ein solches Charakteristikum des Jugendalters eine lange, wenn auch keineswegs widerspruchsfreie Tradition. So wird diese Einschätzung der Lebensphase Jugend quer durch die Jahrtausende durch Aussprüche von Hesiod, Plato, Aristoteles, Cicero, Melanchton und vielen anderen mehr (vgl. Hohmann, 1982, S.9) sowie durch mannigfache historische und literarische Abhandlungen untermauert.
Spätestens mit dem zu Beginn des Jahrhunderts vorgelegten ersten großen Entwurf der Jugendpsychologie, Hall's Adolescence, its psychology and its relations to physiology, sociology, sex, crime, religion and education findet die Annahme, Jugend als Phase des 'Sturm und Drang' zu verstehen, auch in der Forschung vermehrt ihre Entsprechung (vgl. Schurian /ter Horst, 1976, S.96).
„Mit Sturm und Drang und Kraft und Feuer", so Linne (1970, S.7f), „ist die Jugend eine Wandlerin der Welt. Sie ist noch nicht niedergedrückt vom Ballast der Tradition und Historie, noch nicht niedergeknüppelt von Erfahrungen oder vom täglichen Existenzkampf, noch nicht unsicher gemacht durch die Kategorien der Kritik. Unbeschränkt greift sie aus in ihrer Phantasie, in ihren Träumen, Plänen und Zielen. (...) Jugend ist Unruhe und Veränderung, ist Herd anarchischer Gefahren und zugleich das Reservoir unerschöpflicher Kräfte für neues Beginnen.“
I. EINLEITUNG: Hinführung zum Thema Jugend und Protest sowie Darlegung der zugrunde liegenden Thesen und der methodischen Vorgehensweise.
II. VOM WANDERVOGEL BIS ZUR MACHTERGREIFUNG - JUGENDLICHES PROTESTPOTENTIAL ZWISCHEN JUGENDBEWEGUNG UND ANPASSUNG: Analyse der Entstehung und Entwicklung der Jugendbewegung im Kontext gesellschaftlicher Umbrüche bis 1933.
III. JUGEND UND PROTEST IM DRITTEN REICH: Untersuchung der Rolle der Jugend unter dem NS-Regime sowie die verschiedenen Formen des Widerstands.
IV. JUGENDKULTUREN IN DER NACHKRIEGSZEIT: Darstellung der Jugendkultur von der Notzeit bis hin zu den Halbstarken und Existentialisten.
V. DIE 'ANTI-AUTORITÄRE' JUGEND- UND STUDENTENBEWEGUNG: Fokus auf die 68er-Bewegung, deren Hintergründe und die sozio-kulturellen Auswirkungen.
VI. DIE WEITERE ENTWICKLUNG IN DEN SPÄTEN 70ER UND FRÜHEN 80ER JAHREN - JUGENDKULTUREN IM ZEICHEN VON DIVERSIFIKATION, HETEROGENITAT UND INKONSISTENZ: Exploration der pluraleren Strukturen und der zunehmenden Individualisierung der Jugendkulturen.
VII. ZUSAMMENFASSUNG UND SCHLUSSFOLGERUNGEN: Fazit der historischen Analyse und Reflexion über das jugendliche Protestpotential im Kontext gesellschaftlicher Einflüsse.
Jugend, Protest, Jugendbewegung, Wandervogel, Nationalsozialismus, Halbstarkenbewegung, Studentenbewegung, 68er, Jugendkulturen, Alternativkultur, Politisierung, Identität, Sozialisation, Widerstand, Konsumgesellschaft
Die Arbeit bietet eine historische Analyse des jugendlichen Protestpotentials in Deutschland über den gesamten Verlauf des 20. Jahrhunderts hinweg.
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Jugendbewegung, dem Protest unter totalitären Systemen, der Nachkriegskultur, der 68er-Revolte sowie der Diversifizierung jugendlicher Lebensstile bis in die 80er Jahre.
Ziel ist es zu untersuchen, wie sich jugendliches Protestverhalten im Wandel der Zeiten zeigt und wie Gesellschaft und Staat auf dieses Potential reagieren.
Die Arbeit nutzt eine genetisch-chronologische Untersuchungsform, um Entwicklungslinien nachzuvollziehen und in ihrem historischen Kontext zu interpretieren.
Der Hauptteil gliedert sich in chronologische Abschnitte, die vom Wandervogel über die NS-Zeit und die Nachkriegsjahre bis hin zu den studentischen und alternativen Bewegungen der 70er und 80er Jahre reichen.
Zentrale Begriffe sind Protestpotential, Jugendkulturen, Autonomie, Gesellschaftskritik, soziale Bewegungen und die Interaktion zwischen Jugend und gesellschaftlichen Strukturen.
Die 68er-Bewegung war stärker politisch-ideologisch motiviert und zielte auf eine Umgestaltung der gesamten Gesellschaft, während die frühe Jugendbewegung eher eine lebenssinnsuchende Reaktion auf die Industrialisierung darstellte.
Die Kommerzialisierung wird als ein Mechanismus beschrieben, der subkulturelle Protestimpulse oft in das Warenangebot integriert, sie dadurch "entpolitisieren" kann und so als Domestikationsinstrument fungiert.
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