Bachelorarbeit, 2023
48 Seiten, Note: 1,9
1. Rechtliche Grundlagen
1.1 Rechte von Menschen mit Behinderung
1.2 Rechtliche Grundlagen des Strafvollzugs
2. Strukturelle Diskriminierung gegenüber tauben Menschen
2.1 Diskriminierungen im Alltag tauber Menschen
2.2 Audismus
3. Strafvollzug und Isolation in Deutschland
3.1 Isolation als Grundsatz des Strafvollzugs
3.2 Isolation als Mittel im Strafvollzug
3.2 Kritik am Strafvollzug
4. Taube straffällige Personen im Justizvollzug
4.1 Lebensbedingungen behinderter und tauber Menschen im Justizvollzug
4.1.1 Aktueller Stand der Problemerhebung in Deutschland
4.1.2 Geschichtlicher Blick
4.1.3 Barrieren bei der Annahme von Hilfsangeboten
4.1.4 Barrieren beim Zugang zu Informationen
4.1.5 Besondere soziale Isolation
4.2 Gebärdensprachdolmetscher*innen im Strafjustizsystem
5. Diskussion
6. Fazit und Ausblick
Diese Arbeit befasst sich mit der Lebensrealität inhaftierter tauber Menschen und untersucht, inwiefern sie durch bestehende Diskriminierungsstrukturen eine doppelte Isolation erfahren. Ziel ist es, ein Verständnis für die spezifischen Barrieren dieser marginalisierten Minderheit zu schaffen und Handlungsansätze für die Soziale Arbeit zu liefern, um Inklusion im Strafvollzug zu fördern.
4.1.2 Geschichtlicher Blick
In der Biografie namens „Der Schrei der Möwe“ von 1995 beschreibt die taube französische Schauspielerin Emmanuelle Laborit (geb. 1971) ihre Erfahrungen als taube 13-Jährige im Gefängnis. Sie berichtet, im Alter von 13 Jahren mit drei gehörlosen Freunden im Alter von 15 und 16 Jahren festgenommen und in einem Gefängnis festgehalten worden zu sein. Dies ereignete sich, nachdem ein Mitglied der Gruppe auf dem Heimweg nach einer Party, an der Alkohol konsumiert wurde, ein Werbeplakat von einer Scheibe eines Zuges entfernen und entwenden wollte. Wer ein Plakat rechtswidrig beschädiget oder zu zerstört, begeht laut Gesetz eine Sachbeschädigung (§ 303 Abs. 1 StGB). Der Kontrolleur, der dies beobachtete, rief daraufhin die Polizei. Aufgrund von Missverständnissen durch sprachliche Barrieren kam es zur Eskalation. Laborit berichtet davon, dass sie in diesem Moment eine große Wut gegen die Ungerechtigkeit und Demütigung durch die Polizisten spürte. Gleichzeitig war sie unfähig, ihre Unschuld und ihren Unmut zu kommunizieren und war damit machtlos. Nach der Festnahme mussten die Jugendlichen aus irgendeinem Grund, der mit den Formularen zusammenhing, vier bis fünfmal das Revier wechseln (vgl. Laborit 1995, S. 86). Für junge taube Menschen sind Fragebögen in Schriftsprache häufig nur sehr schwer zu verstehen, da diese erstens durch ihre Schulbildung Schwierigkeiten mit damit haben und zweitens juristische Fragebögen häufig in komplizierter Form geschrieben sind (auch vgl. Ebbinghaus et al. 1989, S. 24; Cobb 2016, S. 6; Guthmann et al. 2021, S. 23f.). Eric Eckes zeigt die Sprachinkompetenz von Gehörlosen auf und präsentiert damit einen der wenigen Berichte zu diesem Thema im juristischen Bereich. Auch hier wird deutlich, dass die Kompetenzen vieler tauber Menschen kaum ausreichen, um die juristische Sprache zu rezipieren oder angemessen zu verwenden (vgl. Eckes, 2007, zit. n. Guthmann et. al. 2021: 26).
1. Rechtliche Grundlagen: Überblick über Gesetze und Konventionen, die Menschen mit Behinderung schützen sowie Vorstellung der rechtlichen Basis des Strafvollzugs.
2. Strukturelle Diskriminierung gegenüber tauben Menschen: Einführung in die Diskriminierungserfahrungen der Gebärdensprachgemeinschaft und Erläuterung des Begriffs Audismus.
3. Strafvollzug und Isolation in Deutschland: Vorstellung von Isolation als Grundsatz und Mittel im Strafvollzug sowie kritische Auseinandersetzung mit dieser Praxis.
4. Taube straffällige Personen im Justizvollzug: Analyse der Lebensbedingungen, Barrieren bei Hilfsangeboten und Informationen, sowie Rolle von Gebärdensprachdolmetschenden.
5. Diskussion: Ethische Reflexion der Sozialen Arbeit und Entwicklung von Lösungsansätzen für mehr Inklusion und Empowerment tauber Inhaftierter.
6. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Appell zur Stärkung der Inklusionspolitik und Forschung im Bereich der tauben Inhaftierten.
Taube Menschen, Gebärdensprachgemeinschaft, Strafvollzug, Isolation, Diskriminierung, Audismus, Inklusion, Soziale Arbeit, Gebärdensprachdolmetschende, Menschenrechte, Resozialisierung, Kommunikationsbarrieren, Empowerment, Justizvollzugsanstalt, Teilhabe
Die Arbeit untersucht die spezielle Lebenssituation von tauben Menschen innerhalb des deutschen Strafvollzugs unter besonderer Berücksichtigung der Diskriminierung und der Folgen von Isolation.
Zentrale Themen sind die Auswirkungen von Kommunikationsbarrieren, die Konzepte von Audismus und struktureller Diskriminierung, die Rolle von Gebärdensprachdolmetschenden sowie die Möglichkeiten der Sozialen Arbeit zur Förderung von Inklusion.
Ziel ist es, die doppelte Isolation tauber Inhaftierter aufzuzeigen, forschungsbedingte Lücken zu identifizieren und sozialarbeiterische Handlungsempfehlungen zum Abbau von Barrieren zu formulieren.
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Quellenrecherche, die internationale Erkenntnisse und wissenschaftliche Berichte nutzt, um die bisher unzureichend untersuchte Situation in Deutschland zu kontextualisieren.
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung rechtlicher Rahmenbedingungen, die Analyse der Diskriminierung im Alltag, die Folgen von Isolation im Strafvollzug sowie eine detaillierte Untersuchung der spezifischen Barrieren für taube Insassen und die Bedeutung professioneller Dolmetschung.
Wichtige Begriffe sind Taube Menschen, Audismus, soziale Isolation, Strafvollzug, Inklusion und Sozialarbeit.
Sie erfahren Isolation nicht nur durch die räumliche Trennung im Gefängnis, sondern zusätzlich durch die sprachliche und gesellschaftliche Barriere, die sie von Informationen und Teilhabe innerhalb des Systems ausschließt.
Durch gezielte Schulungen in Gebärdensprache, Kenntnis der Gehörlosenkultur und das Erlernen angemessener Kommunikationsstrategien (wie Blickkontakt oder visuelle Signale anstelle akustischer Alarme).
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