Doktorarbeit / Dissertation, 2018
255 Seiten, Note: 1
1 Einleitung
2 Stand der Forschung
3 Quellen
4 Methode
5 Anfänge der wissenschaftlichen Sonnenbeobachtung und -forschung
5.1 Moderne Sonnenforschung
5.2 Die Sonne unter regelmäßiger Beobachtung
5.3 Entstehung von Astrophysik bzw. Sonnenphysik
5.3.1 Sonnenfleckenbeobachtung
5.3.2 Koronabeobachtung
5.3.3 Spektroskopie
5.3.4 Fotografie
5.4 Etablierung von Sonnenphysik und Astrophysik
5.5 Beobachtungs- und Forschungsnetzwerke
6 Funkberatung der deutschen Luftwaffe
6.1 Entwicklung von Funksendern und -empfängern
6.2 Kurzwellenfunk
6.3 Sonnenforschung für das Militär
6.3.1 Die Errichtung von Observatorien
6.4 Kooperationen
6.4.1 Sternwarte Göttingen
6.4.2 Astrophysikalisches Observatorium Potsdam
6.4.3 Weitere deutsche Beobachtungsstationen
6.4.4 Eidgenössische Sternwarte Zürich
6.5 Mobilisierung von Ressourcen in okkupierten Gebieten
6.5.1 Observatorium Paris-Meudon – Frankreich
6.5.2 Observatorium Pic du Midi – Frankreich
6.5.3 Observatorium Tromsø – Norwegen
6.5.4 Observatorium Belgrad – Jugoslawien
6.5.5 Sternwarte Simejis – UdSSR
6.5.6 Sternwarte Frascati – Italien
6.5.7 Sternwarte Ondřejov – Reichsprotektorat Böhmen und Mähren
6.6 Das Fraunhofer-Institut in den letzten Kriegsmonaten
7 Bau des Observatoriums Kanzelhöhe
7.1 Bau von Hauptgebäude und Turm II
7.2 Bau von Turm III auf der Gerlitzen
7.3 Exkurs: Gab es Zwangsarbeit beim Bau der Beobachtungsanlagen?
8 Organisatorische Entwicklung nach Kriegsende
8.1 Gründung des Kuratoriums für das Observatorium
8.2 Weitere Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut
8.3 Kooperation mit dem Royal Greenwich Observatory
8.4 Kooperation mit der Eidgenössischen Sternwarte Zürich
8.5 Endgültige Angliederung des Observatoriums an die Universität Graz
9 Lebens- und Arbeitsbedingungen
9.1 Personal
9.1.1 Personalstruktur vor dem Kriegsende
9.1.2 Personalstruktur nach dem Kriegsende
9.2 Lebensbedingungen
9.3 Arbeitsbedingungen
9.3.1 Mangel
9.3.2 Arbeiten an den Instrumenten
10 Gewinnung zuverlässiger Daten aus der Koronabeobachtung
10.1 Beobachtung in der Wissenschaft
10.2 Begriffsbestimmung
10.3 Theoriebeladenheit der Beobachtung
10.3.1 Kritik an der Theorie der Theoriebeladenheit
10.3.2 Kohärenz als Ausweg
11 Stand der Koronaforschung in den 1930er und 1940er Jahren
11.1 Aufbau der Korona
11.2 Solar-terrestrische Beziehungen
11.3 Theoriegeleitete Fragestellungen
11.4 Erdgebundene Koronabeobachtung mittels Koronografen
12 Koronabeobachtung auf der Kanzelhöhe
12.1 Tätigkeitsberichte des Observatoriums
12.2 Arbeitspraxis am Observatorium
12.2.1 Ausstattung und Beobachtungsprogramm
12.2.2 Dokumentation und Kommunikation
12.3 Methoden der Koronabeobachtung
12.3.1 Beobachtung der Beobachtungsbedingungen
12.3.2 Durchmusterung nach Protuberanzen und Protuberanzenaufnahmen
12.3.3 Intensitätsschätzung der Koronahelligkeit
13 Gewinnung zuverlässiger Daten
13.1 Befähigung der Beobachterinnen und Beobachter
13.2 Instrumentelle Weiterentwicklungen
13.3 Überführung subjektiver Schätzungen in quantifizierbares Datenmaterial
13.4 Absicherung der gewonnenen Daten
13.4.1 Konsistenz: Abstimmung mit anderen Stationen
13.4.2 Kohärenz: Zusammenführung von Daten
13.4.3 Unabhängigkeit des Beobachtungsprozesses
14 Zusammenfassung
15 Schlussfolgerung
Die vorliegende Dissertation rekonstruiert die Geschichte des Observatoriums Kanzelhöhe für Sonnen- und Umweltforschung von seiner Gründung während des Zweiten Weltkriegs bis in die 1950er Jahre. Dabei fokussiert die Arbeit auf die Entwicklung der Koronabeobachtung und analysiert, wie trotz der "Theoriebeladenheit" von Beobachtungen durch wissenschaftliche Methoden – wie Konsistenz, Kohärenz und Unabhängigkeit der Beobachtungsprozesse – zuverlässige und für die weitere astronomische Forschung verwertbare Daten generiert werden konnten.
3 Quellen
In einer ersten Annäherung an das Thema wurden mit der ehemaligen Mitarbeiterin Elfriede Ludescher und den ehemaligen Mitarbeitern Thomas Pettauer und Hermann Haupt sowie dem privaten Fotosammler und Anrainer des Observatoriums, Heiner Ludescher narrative Interviews geführt. Für die vorliegende Arbeit wurden jedoch in erster Linie historische Dokumente herangezogen. Als Quellen dienen Materialien der Universität Graz sowie Unterlagen aus weiteren in- und ausländischen Archiven. Es handelt sich hauptsächlich um (sich zu einem großen Teil ergänzende) Korrespondenzen der beteiligten Personen sowie um interne Berichte der einzelnen Institutionen. Aus dem Material lassen sich die wesentlichen Daten und Fakten sehr gut rekonstruieren.
Universität Graz
Die verwendeten Quellen der Universität Graz bestehen aus Unterlagen des Observatoriums Kanzelhöhe, Unterlagen aus der Sammlung von Hermann Haupt und dem Nachlass von Hans Benndorf sowie die Personalakten von Karl Stumpff und Oskar Mathias im Archiv der Universität Graz. Diese Dokumente beinhalten umfangreiche Schriftwechsel über Ausstattung, Reparaturarbeiten, Personalagenden, Administration und selbstverständlich Material zu den laufenden Beobachtungen. Teilweise fehlen Teile von Korrespondenzen, wenn keine Abschrift oder Kopie von ausgehenden Schreiben vorhanden ist. Daraus ergeben sich Lücken und Unklarheiten. Wenn sich allerdings in einem anderen Archiv der komplementäre Teil eines bestimmten Schriftverkehrs befindet, wie z. B. die Korrespondenz zwischen Robert d’Escourt Atkinson (Royal Greenwich Observatory Archives, Cambridge University Library) und Hans Benndorf (Archiv der Universität Graz), lassen sich Zusammenhänge sehr gut rekonstruieren.
In den Unterlagen des Observatoriums bzw. der Universität befinden sich viele Dokumente aus den ersten Nachkriegsjahren, welche die Ereignisse seit 1941 wiedergeben. Um die Fäden nach Kriegsende wieder zusammenzufügen und die Arbeit wieder aufzunehmen, wurden häufig Erkundigungen bei ehemaligen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern oder anderen Beteiligten eingeholt. Diese retrospektiven Zusammenfassungen und Wiedergaben aus dem Gedächtnis, die mehrere Jahre nach den tatsächlichen Ereignissen aufgezeichnet wurden, stellen andere Anforderungen in Bezug auf ihre Interpretation. Im wissenschaftlichen Umgang mit Erinnerungen müssen, wie schon in Zusammenhang mit den Interviews erwähnt, einige Besonderheiten beachtet werden. Außerdem wurden vom Observatorium Kanzelhöhe Digitalisate der Tätigkeitsberichte von 1946 bis 2000 bereitgestellt.
1 Einleitung: Diese Einleitung skizziert die Gründung des Observatoriums Kanzelhöhe im Zweiten Weltkrieg und seine Rolle im Netzwerk des Fraunhofer-Instituts sowie die strukturellen Anpassungen nach 1945.
2 Stand der Forschung: Das Kapitel bietet einen Überblick über bestehende Literatur zur Sonnenforschung, zur Geschichte des Observatoriums Kanzelhöhe sowie zum wissenschaftstheoretischen Verhältnis von Theorie und Beobachtung.
3 Quellen: Hier werden die verwendeten historischen Datenquellen, darunter Korrespondenzen, Berichte von Institutionen und narrative Interviews, detailliert aufgelistet und auf ihre Aussagekraft geprüft.
4 Methode: Dieses Kapitel beschreibt den methodischen Ansatz, der die historische Rekonstruktion mit einer wissenschaftstheoretischen Analyse der in den Tätigkeitsberichten dokumentierten Beobachtungspraxis verbindet.
5 Anfänge der wissenschaftlichen Sonnenbeobachtung und -forschung: Das Kapitel behandelt die historische Evolution der Sonnenbeobachtung von den frühen Anfängen bis zur Institutionalisierung der modernen Astrophysik und Sonnenphysik.
6 Funkberatung der deutschen Luftwaffe: Hier wird der militärische Kontext der Sonnenforschung während des Zweiten Weltkriegs beleuchtet, insbesondere die Nutzung von Sonnenbeobachtungsdaten zur Vorhersage von Funkstörungen.
7 Bau des Observatoriums Kanzelhöhe: Dieses Kapitel konzentriert sich auf die bauliche Errichtung des Observatoriums sowie die Planung und Umsetzung der Beobachtungsstationen.
8 Organisatorische Entwicklung nach Kriegsende: Hier wird der organisatorische Übergang des Observatoriums in die Verwaltung der Universität Graz und die damit verbundenen kuratorischen Herausforderungen analysiert.
9 Lebens- und Arbeitsbedingungen: Dieses Kapitel schildert die herausfordernden Lebens- und Arbeitsumstände der Beobachter vor Ort, insbesondere unter den prekären Bedingungen der Nachkriegszeit.
10 Gewinnung zuverlässiger Daten aus der Koronabeobachtung: Das Kapitel behandelt die epistemologischen Voraussetzungen der Beobachtung und diskutiert die "Theoriebeladenheit" im Kontext der Datengewinnung aus der Koronaforschung.
11 Stand der Koronaforschung in den 1930er und 1940er Jahren: Hier wird der theoretische Forschungsstand zur Sonnenkorona und zu den solar-terrestrischen Beziehungen in den 30ern und 40ern zusammengefasst.
12 Koronabeobachtung auf der Kanzelhöhe: Dieses Kapitel analysiert die konkrete Arbeitspraxis, Beobachtungsmethoden und die Dokumentationsprozesse des Observatoriums Kanzelhöhe.
13 Gewinnung zuverlässiger Daten: Hier werden die Maßnahmen zur Qualitätssicherung, die Instrumentierung und die Methoden geschildert, mit denen die Beobachtungsergebnisse in verwertbares Datenmaterial überführt wurden.
14 Zusammenfassung: Dieses Kapitel bietet eine komprimierte Synthese der wesentlichen Ergebnisse der Arbeit hinsichtlich der historischen und wissenschaftstheoretischen Analyse des Observatoriums.
15 Schlussfolgerung: Die Schlussfolgerung führt die Ergebnisse zusammen und bewertet die Eignung der Koronabeobachtungen für die wissenschaftliche Forschung unter Berücksichtigung der Theoriebeladenheit.
Sonnenbeobachtung, Koronabeobachtung, Observatorium Kanzelhöhe, Theoriebeladenheit, Astrophysik, Sonnenphysik, Wissenschaftsgeschichte, Forschungsdaten, Datenmaterial, Datenabsicherung, Funkberatung, solare Aktivität, Wissenschaftstheorie, Wissenschaftsphilosophie, Sonnenkorona
Die Arbeit befasst sich mit der Geschichte des Observatoriums Kanzelhöhe bei Villach, das während des Zweiten Weltkriegs für die Sonnenbeobachtung errichtet wurde, und analysiert die dabei gewonnenen Daten aus wissenschaftstheoretischer Perspektive.
Zentrale Themen sind die Geschichte der Sonnenbeobachtung und Astrophysik, die Bedeutung dieser Forschung für militärische Vorhersagen des Funkverkehrs sowie die wissenschaftstheoretische Problematik, wie aus Beobachtungen verlässliche Forschungsdaten gewonnen werden können.
Das Ziel ist es, die Gründungsgeschichte des Observatoriums zu rekonstruieren und zu untersuchen, inwieweit die damalige Koronabeobachtung trotz ihrer theoretischen Vorbelastung und subjektiven Komponenten als valide wissenschaftliche Praxis zur Datengewinnung betrachtet werden kann.
Methodisch stützt sich die Arbeit auf eine detaillierte Rekonstruktion historischer Ereignisse mittels Originaldokumenten aus Archiven sowie auf eine wissenschaftstheoretische Analyse der Tätigkeitsberichte des Observatoriums, wobei Ansätze wie die Theoriebeladenheit von Beobachtung auf die Praxis angewandt werden.
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung der Sonnenphysik, die Errichtung und Organisation des Observatoriums Kanzelhöhe, die Arbeitsbedingungen des Personals sowie – als wissenschaftstheoretischer Schwerpunkt – die Praxis der Datengewinnung und deren Absicherung durch Konsistenz und Kohärenz innerhalb des wissenschaftlichen Systems.
Die Charakterisierung erfolgt vor allem durch Begriffe wie Koronabeobachtung, Theoriebeladenheit, Kanzelhöhe, solare Datenreihen und Wissenschaftsphilosophie.
Die Beobachtung der Sonne war entscheidend für die Vorhersage von Störungen im Kurzwellenfunk, die durch Sonnenaktivität, wie Flares oder koronalen Massenauswurf, verursacht wurden, was für die Kommunikation der Wehrmacht militärisch von hoher Bedeutung war.
Es wurde versucht, die subjektiven Schätzungen der Koronahelligkeit durch die Einführung genauer 50-stufiger Gedächtnisskalen, eine kontinuierliche Abstimmung mit anderen internationalen Stationen sowie durch den methodischen Vergleich der Ergebnisse zu normieren und so in quantifizierbares Datenmaterial zu übersetzen.
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