Magisterarbeit, 2008
122 Seiten, Note: 1,3
1. Einleitung
1.1. Überblick
1.2. Forschungsfrage
1.3. Fokus Bildungssystem
1.4. Vorgehen
2. Forschungsgegenstand Rassismus
2.1. ‚Rasse‘
2.1.1. Entstehung des Rassenbegriffs
2.1.2. ‚Rasse‘ heute
2.2. Dimensionen von Rassismus
2.2.1. Rassismus als individuelles Vorurteil
2.2.2. Rassismus als Ideologie
2.2.3. Institutioneller Rassismus
2.2.4. Kultureller Rassismus
2.3. Fazit
3. Assimilation
3.1. Missionsschulen
3.1.1. Staatliches Eingreifen
3.2. Treaty of Waitangi
3.3. Land Wars
3.4. Native Schools System
3.5. Native vs. Board Schools
3.6. Schultransfers
3.7. Konfessionelle Internate
3.7.1. Staatliches Eingreifen
3.8. Fazit
4. Adaption
4.1. Einfluss der Maori-Gemeinden
4.2. Besorgnis der Politik
4.3. Politik der Adaption
4.4. Fazit
5. Integration
5.1. Folgen der Urbanisierung
5.2. Aufgabe des Native School System
5.3. Politik der Integration
5.4. Fazit
6. Bikulturelle Gesellschaft
6.1. Politisierung
6.2. Multi- vs. Bikulturelle Ausrichtung der Schulen
6.2.1. Taha Maori
6.3. ‚New Right‘
6.4. Bikulturelle Politik
6.5. Fazit
7. Tino Rangatiratanga / Selbstbestimmung
7.1. Kaupapa Maori
7.2. Kohanga Reo
7.3. Kura Kaupapa Maori
7.4. Whare Wananga
7.5. Fazit
8. Schluss
8.1. Zusammenfassung
8.2. Ergebnis
8.3. Lösungsansätze
8.3.1. Sozioökonomischer Status
8.3.2. Ideologische Ebene
8.4. Ausblick
Die Arbeit analysiert die Geschichte des neuseeländischen Bildungssystems hinsichtlich rassistisch motivierter Praktiken und Machtstrukturen, welche systematisch zur Benachteiligung der indigenen Maori geführt haben. Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Bildungssystem als Instrument kolonialer Herrschaft und sozialer Kontrolle fungierte, um eine kritische Auseinandersetzung mit der institutionellen Diskriminierung zu ermöglichen.
2.1. ‚Rasse‘
Die Einteilung von Menschen in ‚Rassen‘ ist, laut Miles, von gesamtgesellschaftlicher Relevanz, indem sich dies „auch auf die Prozesse aus[wirkt], an denen sie teilnehmen, sowie auf die daraus sich ergebenden Strukturen und Institutionen“ (Miles 1991: 102). Dieser Prozess, den er als ‚Rassenkonstruktion‘ bezeichnet, formt die politischen Institutionen und Strukturen einer Gesellschaft, indem sich diese der Regelung der Verhältnisse zwischen, den nach physischen Merkmalen eingeteilten Gruppen, annehmen (vgl. ebd.: 102). Diese Einteilung muss laut Miles nicht unbedingt auf der Idee einer Hierarchie von tatsächlich angenommenen ‚Rassen‘ aufbauen, sondern bezeichnet für ihn den Prozess der „Zuweisung von Bedeutungen zu somatischen Eigenschaften“ (vgl. ebd.: 101). Indem auf diese Weise ‚der Andere‘ definiert wird, definiert man im selben Moment sich selbst (vgl. ebd.: 101). Die Selbst- und Fremdeinteilung der Gesellschaft in Maori und Europäer ist entsprechend das Resultat des Prozesses der Rassenkonstruktion.
Dieser Prozess der Rassenkonstruktion, besonders in der Anfangszeit des modernen Neuseelands im 19. Jahrhundert, ist insofern entscheidend für die vorliegende Arbeit, als sich das Verhältnis zwischen Briten bzw. Europäern und Maori auf der Grundlage eines hierarchisch gedachten Verständnisses von ‚Rassen’ entwickelt hat. Dieses Verständnis bildet den Ursprung eines diskriminierenden Höherwertigkeitsgedankens der Europäer und war maßgeblich für die Entstehung des modernen neuseeländischen Staates unter der Kolonialmacht Großbritannien verantwortlich.
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik rassistischer Strukturen im Bildungssystem ein und benennt die Forschungsfrage sowie das methodische Vorgehen.
2. Forschungsgegenstand Rassismus: Dieses Kapitel definiert Rassismus als mehrdimensionales Konzept und untersucht dessen historische Verwurzelung sowie verschiedene Ausprägungen wie individuelles Vorurteil, Ideologie und institutionellen Rassismus.
3. Assimilation: Hier wird die koloniale Phase der Schulerziehung analysiert, in der durch Zwang zur europäischen Lebensweise die indigene Kultur der Maori aktiv verdrängt werden sollte.
4. Adaption: Dieses Kapitel beschreibt den historischen Übergang zu einer scheinbaren Anerkennung maorischer Elemente im Lehrplan, die jedoch primär der effektiveren Assimilation diente.
5. Integration: Der Fokus liegt auf dem Abbau des getrennten Schulsystems in den 1960er Jahren, welches als politische Reaktion auf Rassismus-Debatten, aber unter Beibehaltung der europäischen Dominanz, umgesetzt wurde.
6. Bikulturelle Gesellschaft: Das Kapitel thematisiert die Politisierung der Maori-Bewegung ab den 1970er Jahren und die Einführung einer oberflächlichen "bikulturellen" Politik durch den Staat.
7. Tino Rangatiratanga / Selbstbestimmung: Es wird die autonome Bewegung der Maori zur Schaffung eigener, auf Kaupapa Maori Prinzipien basierender Bildungseinrichtungen als Antwort auf staatliche Diskriminierung dargestellt.
8. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen, diskutiert Lösungsansätze und gibt einen Ausblick auf künftige Forschungsbedarfe.
Rassismus, Bildungssystem, Neuseeland, Maori, Pakeha, Assimilation, Kolonialismus, Tino Rangatiratanga, Kaupapa Maori, Institutionelle Diskriminierung, Integration, Bikulturalität, Selbstbestimmung, Machtstrukturen, Sozialisation.
Die Arbeit untersucht die Ursachen, Erscheinungsformen und Wirkungsweisen von Rassismus im neuseeländischen Bildungssystem aus einer sozialwissenschaftlichen Perspektive mit Fokus auf die koloniale Geschichte.
Die zentralen Themen sind die historische Analyse der bildungspolitischen Leitlinien, die Rolle rassistischer Ideologien bei der Unterdrückung indigener Lebenswelten und die Entwicklung maorischer Gegenstrategien zur Selbstbestimmung.
Ziel ist es aufzuzeigen, wie das Bildungssystem als Instrument zur Durchsetzung europäischer Herrschaftsinteressen genutzt wurde und wie die marginalisierte Gruppe der Maori auf diese strukturelle Diskriminierung reagierte.
Es handelt sich um eine geschichtliche und sozialwissenschaftliche Analyse, die auf einer kritischen Literaturrecherche basiert und den Fokus explizit auf den Blickwinkel indigener Autoren und Betroffener legt.
Der Hauptteil gliedert sich in verschiedene Phasen: von der frühen Assimilation über die Adaption und Integration bis hin zur modernen Ära der Selbstbestimmung durch maorisch geleitete Bildungseinrichtungen.
Wichtige Begriffe sind Rassismus, Bildungssystem, Maori, Kolonialismus, Tino Rangatiratanga und institutionelle Diskriminierung.
Der Vertrag von Waitangi wird als Gründungskontext des modernen Neuseelands und als zentraler Bezugspunkt der maorischen Ansprüche auf Selbstbestimmung und den Schutz ihrer Kultur analysiert.
Tino Rangatiratanga wird im Kontext der Arbeit als das Recht auf Selbstbestimmung verstanden, das den Maori im Vertrag von Waitangi zugesichert wurde und heute die Basis für ihre eigenen, autonomen Bildungseinrichtungen bildet.
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