Masterarbeit, 2010
77 Seiten, Note: 1,85
1. Einleitung
2. Der Risikobegriff
2.1 Ursprung des Begriffs Risiko
2.2. Von Devianz zum Risikoverhalten
2.3. Normativität in den Gesundheitswissenschaften
2.4. Das Konstrukt Risiko
2.4.1 Karrieren sozialer Probleme
3. Formen von riskanten Verhaltensweisen im Jugendalter
4. Krankheits- und Gesundheitsmodelle
4.1 Das biomedizinische Krankheitsmodell
4.1.1 Das Risikofaktorenmodell
4.2. Das salutogenetische Gesundheitsmodell
4.3. Resilienz
5. Erklärungsmodelle für jugendliches Risikoverhalten
5.1. Das sozialisationstheoretische Belastungs-Bewältigungs-Modell
5.2 Funktionen von Risiko
5.3. Risikofaktoren als Schutzfaktoren?
6. Hilfsmaßnahmen für Jugendliche
6.1 Prävention oder Gesundheitsförderung?
6.2 Risikokompetenzen
7. Diskussion und Fazit
8. Literatur
Die Arbeit untersucht kritisch die gesellschaftliche Wahrnehmung und medizinische Stigmatisierung von riskanten Verhaltensweisen bei Jugendlichen. Ziel ist es, aufzuzeigen, dass derartige Verhaltensweisen nicht nur als defizitäres Kompensationsverhalten zu werten sind, sondern Funktionen der Identitätsbildung, sozialen Integration und persönlichen Entwicklung erfüllen und somit einen positiven Beitrag zur Gesundheit von Jugendlichen leisten können.
2.1 Ursprung des Begriffs Risiko
Der Ursprung des Begriffes Risiko ist zeitlich nicht eindeutig festzulegen. Nach Luhmann (1991:19) findet der Begriff im späten 14 Jahrhundert in Italien und Spanien den Eingang in den Sprachgebrauch, vor allem in Bereichen der Seefahrt und des Handels. Das der Begriff ausgerechnet in der Seefahrt seinen Ursprung findet, erscheint bei Betrachtung des Wesens der Schifffahrt nur logisch. Auf langen Reisen konnte an Schiffen eines Reeders immer etwas kaputt gehen, sie konnten von Freibeutern überfallen werden, die Fracht konnte ungenießbar werden oder schlechtes Wetter gar zum Untergang des Schiffes führen. Es ging also nicht direkt um Gefahren, sondern um etwas, wessen sich der verantwortliche Reeder bewusst war und er es trotz dieser Gefahren „riskierte“ (Bonß 1995:50). So wurden erstmals Versicherungen im Seehandel abgeschlossen, um eventuelle Schadensfälle zu regulieren.
Möglich wurde dieser Schutz vor allem durch die damals neu erlangten Erkenntnisse in Mathematik und Stochastik, die es möglich machten, verschiedene Unsicherheiten und Gefahren qualitativ ähnlicher Gruppierungen zusammenzufassen. Somit konnten durchschnittliche Werte kalkuliert werden, die die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Schadenfalls beschrieben und zum anderen die zu erstattende Schadendhöhe. Somit ist Risiko das Produkt aus Schadenshöhe und Schadenwahrscheinlichkeit. (vgl. Schmidt-Semisch 2004). Diese Bedrohungs- und verlustorientierte Risikodetermination findet sich auch in der heutigen medialen Risikoberichterstattung oder in den Gebrauchsanweisungen von Lebensmitteln und Medikamenten („Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker“) (Bonß 1995:32). Da der damalige Sprachgebrauch bereits Wörter wie Wagnis, Gefahr, Zufall, Glück, Angst oder Mut enthielt, scheint der Grund für die neue Wortkreation allerdings auch in der Einsicht zu liegen, „daß manche Vorteile nur zu erreichen sind, wenn man etwas aufs Spiel setzt.“ (Luhmann 1991:19). Dies mag auch der genannte Reeder gewusst haben, als er sein Schiff auf die Reise schickte.
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die einseitig negative öffentliche Bewertung jugendlicher Risikoverhaltensweisen und formuliert die These, dass diese Verhaltensweisen sinnvoll für die gesunde Entwicklung sein können.
2. Der Risikobegriff: Dieses Kapitel analysiert die historische Entstehung des Risikobegriffs, den soziologischen Wandel von Devianz zum Risiko sowie die Normativität innerhalb der Gesundheitswissenschaften.
3. Formen von riskanten Verhaltensweisen im Jugendalter: Hier werden unterschiedliche Kategorien von Risikoverhalten definiert, unterteilt in substanzmittelbezogene, explizit risiko-konnotative, delinquente und finanzielle Verhaltensweisen.
4. Krankheits- und Gesundheitsmodelle: Das Kapitel kontrastiert das mechanistische, biomedizinische Krankheitsmodell mit salutogenetischen Modellen und dem Resilienzkonzept, um neue Analyseperspektiven auf Jugendgesundheit zu eröffnen.
5. Erklärungsmodelle für jugendliches Risikoverhalten: Das Kapitel diskutiert das sozialisationstheoretische Belastungs-Bewältigungs-Modell und erörtert verschiedene Funktionen von Risikoverhalten, wie den Spaßfaktor, die soziale Integration und die Autonomieentwicklung.
6. Hilfsmaßnahmen für Jugendliche: Dieses Kapitel plädiert für einen Paradigmenwechsel weg von rein verbotssorientierter Suchtprävention hin zur Förderung von Risikokompetenzen im Sinne der Gesundheitsförderung.
7. Diskussion und Fazit: Das Fazit fasst die zentrale These zusammen und fordert Erwachsene dazu auf, Jugendliche als Partner auf Augenhöhe auf ihrem abenteuerlichen Weg ins Erwachsenenalter zu begleiten.
8. Literatur: Verzeichnis der wissenschaftlichen Quellen und Internetressourcen.
Adoleszenz, Risikoverhalten, Gesundheitsförderung, Salutogenese, Resilienz, Prävention, Sozialisation, Identitätsbildung, Risikokompetenz, Jugendgesundheit, Risiko, Devianz, Schutzfaktoren, Bedürfnisbefriedigung, Lebensgestaltung
Die Arbeit befasst sich mit der Bewertung von Risikoverhalten im Jugendalter. Sie hinterfragt die einseitig negative Sichtweise der Präventionspolitik und zeigt auf, dass dieses Verhalten eine wichtige Funktion in der Identitätsentwicklung einnehmen kann.
Die zentralen Felder sind die Soziologie des Risikos, die Kritik am biomedizinischen Krankheitsmodell, das salutogenetische Modell der Gesundheit sowie die Rolle von Schutzfaktoren und Resilienz im Jugendalter.
Das primäre Ziel ist es, ein Verständnis dafür zu schaffen, dass jugendliches Risikoverhalten nicht per se als krankhaft oder rein negativ anzusehen ist, sondern als ein notwendiger Bestandteil auf dem Weg zur autonomen Persönlichkeitsbildung fungieren kann.
Die Arbeit nutzt eine theoretische, diskursanalytische Herangehensweise, indem sie verschiedene sozialwissenschaftliche und gesundheitswissenschaftliche Theorien vergleicht und kritisch auf die aktuelle Praxis der Prävention anwendet.
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Fundierung (Risiko/Devianz), eine Analyse von Gesundheitsmodellen (biomedizinisch vs. salutogenetisch) und die Diskussion der Funktionen von Risikoverhalten wie Spaß, Autonomie und soziale Anerkennung.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Adoleszenz, Risikoverhalten, Salutogenese, Resilienz, Gesundheitsförderung, Sozialisation und Identitätsbildung.
Das Modell wird als zu mechanistisch und reduktionistisch kritisiert, da es den Menschen als „Maschine“ betrachtet, Krankheit nur als Defizit wertet und somit den Einfluss individueller Lebensbezüge und psychosozialer Faktoren ausblendet.
Das Risikoverhalten bietet Jugendlichen Möglichkeiten zur sozialen Integration, dient als Instrument der Autonomieabgrenzung gegenüber Erwachsenen und hilft bei der Identitätsfindung sowie der Bewältigung von Entwicklungsaufgaben.
Klassische Prävention ist oft defizitorientiert und versucht Verhalten zu verbieten. Gesundheitsförderung hingegen ist ressourcenorientiert und zielt darauf ab, die Kompetenzen der Jugendlichen zu stärken, damit diese verantwortungsvoll mit Risiken umgehen können.
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