Diplomarbeit, 2009
78 Seiten, Note: 1,8
1.) Flüchtigkeit der Stimme
a) Flüchtigkeit bannen – sich erinnern (Beaune-la-Rolande)
Romaninhalt in Bezug zur Fragestellung
Zunehmende Vergänglichkeit von Stimme
Drei Stufen der Erinnerung
Wiederholung und Verschriftlichung
b) Leerstelle überbrücken – Erinnerung und Stimmen suchen/ Vergangenes imaginieren (Mémorial)
Romaninhalt in Bezug zur Fragestellung
Suche nach Stimmen und nach Vergangenem
Imagination als Mittel zur Erinnerung
Individuelle und kollektive Erinnerung
2. Verdrängung und Aufarbeitung von Stimmen (La Trahison; Conversations avec le maître)
a) La Trahison
Romaninhalt
Radio und Flüchtigkeit
Die Stimme als Auslöser zur Erinnerung
Ähnlichkeitsrelation als Auslöser
Scheitern und nötige Aufarbeitung
Ariane und Louis im Vergleich
b) Conversations avec le maître
Romaninhalt
Der lautlich-klangliche Effekt von Stimmen
Das Scheitern als Parallele zu La Trahison
Die Erzählerin im Vergleich zum Maître
3. Vergegenwärtigung von Vergangenem und Gegenwärtigkeit (L'île aux musées im Vergleich zu den vorherigen Romanen)
Romaninhalt von L'Île aux musées
Erinnerung an Stimme als ständige Vergegenwärtigung der sprechenden Person
Bezug der Stimme zum sichtbaren Körper
Körperlose Stimmen
Statuen – Unbelebte Körper mit Stimmen
Bezug der Stimme zur Befindlichkeit
Gegenwärtigkeit und Vergegenwärtigung
Die vorliegende Diplomarbeit untersucht das komplexe Wechselspiel zwischen den Phänomenen ‚Stimme‘ und ‚Erinnerung‘ in ausgewählten Werken von Cécile Wajsbrot. Das zentrale Ziel ist es, zu analysieren, wie Erinnerung durch Stimme geprägt, ausgelöst und weitergeführt wird und welche Rolle die ‚Stimme‘ als Medium für die Identitätsfindung der Protagonisten auf der fiktionalen Ebene spielt.
Die Stimme als Auslöser zur Erinnerung
Louis hatte Sarah versprochen, sie niemals vergessen zu wollen, aber nach mehr als 50 Jahren bemerkt er, wie wenig er dieses Versprechen hat halten können. Wie andere Versprechen auch, ist es irgendwo zwischen der Erinnerung und dem Vergessen im Hinterkopf geblieben: „elles [les promesses] étaient restées en suspens quelque part entre le souvenir et l'oubli“124. Bereits zu Beginn der Handlung, als Mérian erstmalig durch die Frage von Desprats nach seiner Vergangenheit erschüttert wird, aber noch nichts von der wiederkehrenden Erinnerung an Sarah ahnt, hatte er in einem allgemeinen Gedankenspiel etwas Vergleichbares zum Thema Vergessen und Erinnern erwähnt, ohne diese Feststellung auf sich zu beziehen: „[…], preuve que les choses les plus infimes, les plus légères, demeuraient quelque part en suspens, en attendant le moment de se déposer ou de disparaître.“125
Allein dem aufmerksamen Leser erschließt sich diese Parallele zwischen seiner anfangs spielerischen und der reflektierten Bemerkung, aus der sich schließen lässt, dass die Erinnerung an Ereignisse auch nach einer Zeit des (scheinbaren) Vergessens wieder kommen kann, wenn eine Situation, die eine Wiederholung darstellt, als Auslöser tätig wird. Dieser Auslöser kann ein Gegenstand, eine Situation, ein bestimmtes Wort oder ein ganz bestimmter Tonfall der Stimme sein. Es kann etwas sein, was einem vergangenen Ereignis oder eben einer Person ähnelt oder eine exakte Reproduktion darstellt. Durch eine Wiederholung, im Sinne von Wiedersehen oder -hören und erneutem Erleben wird etwas Vergangenes wieder hervorgehoben. Hierdurch wird die Erinnerung wieder in Gang gesetzt und die Flüchtigkeit kann durch die Erinnerung aufgehalten werden. Im Sinne der mémoire involontaire von Proust heftet sich die Wahrnehmung an einen Erinnerungsträger, der ganz zufällig die unwillkürliche Erinnerung auslöst. Die Erinnerung als Prozess folgt diesem Augenblick des unwillkürlichen Erinnerns und vermag mittels mühsamer Erinnerungsarbeit die Vergangenheit wiederherzustellen.126
1.) Flüchtigkeit der Stimme: Dieses Kapitel thematisiert die Flüchtigkeit der Stimme und wie durch verschiedene Stufen der Erinnerung – von der bloßen Erzählung bis zur Verschriftlichung – versucht wird, dieser Vergänglichkeit entgegenzuwirken.
2. Verdrängung und Aufarbeitung von Stimmen (La Trahison; Conversations avec le maître): Der Fokus liegt auf der willentlichen Verdrängung von Vergangenheit und den Konsequenzen, wenn eine Auseinandersetzung mit Stimmen und Erinnerungen ausbleibt oder erst durch Krisen erzwungen wird.
3. Vergegenwärtigung von Vergangenem und Gegenwärtigkeit (L'île aux musées im Vergleich zu den vorherigen Romanen): Hier steht die Verbindung zwischen Stimme und sprechender Person im Vordergrund, wobei untersucht wird, wie Stimme als Identitätsmerkmal dient und trotz ihrer Vergänglichkeit eine Vergegenwärtigung des Vergangenen ermöglichen kann.
Cécile Wajsbrot, Stimme, Erinnerung, Vergänglichkeit, Flüchtigkeit, Identität, Verschriftlichung, Aufarbeitung, Körperlichkeit, Imagination, Gedächtnis, Literatur, Erzählstimme, Verdrängung, Zeitzeuge.
Die Diplomarbeit untersucht das literarische Werk der französisch-jüdischen Autorin Cécile Wajsbrot unter dem Aspekt des Wechselspiels von ‚Stimme‘ und ‚Erinnerung‘ und wie diese die Identität ihrer Romanfiguren beeinflussen.
Die Arbeit fokussiert sich auf die Flüchtigkeit von Stimmen, die Möglichkeiten des Erinnerns durch diese Stimmen, die Bedeutung der Verschriftlichung für die Gedächtniskultur und den Prozess der Vergangenheitsbewältigung.
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Wajsbrot durch eine „rhythmisierte Klang-Prosa“ Stimmen in ihre Texte integriert und damit zeigt, dass Erinnerung an Stimmen essenziell für die Vervollständigung der Identität von Menschen ist.
Die Arbeit nutzt literaturwissenschaftliche Analyseansätze, ergänzt durch kulturwissenschaftliche Theorien zum Gedächtnis, unter anderem basierend auf den Ansätzen von Jan Assmann und der theaterwissenschaftlichen Definition von ‚Stimmlichkeit‘ nach Doris Kolesch.
Der Hauptteil gliedert sich in drei Kapitel, die an ausgewählten Romanen (u.a. Beaune-la-Rolande, Mémorial, La Trahison) analysieren, wie Erinnerung trotz Flüchtigkeit möglich ist, wie Verdrängung funktioniert und wie Stimmen eine Vergegenwärtigung von Vergangenem leisten können.
Wesentliche Begriffe sind Flüchtigkeit, Vergänglichkeit, ‚Stimme‘ (als lautliche und metaphorische Ebene), ‚Stimmlichkeit‘, ‚Erinnerungsprozess‘ sowie das kommunikative und kulturelle Gedächtnis.
Das Radio wird als ein Medium der reinen Gegenwart dargestellt, das durch seine Flüchtigkeit – also den schnellen Wechsel von Inhalten – die Aufarbeitung von Erinnerungen bewusst oder unbewusst verhindern kann, womit sich der Protagonist Louis Mérian konfrontiert sieht.
Die Stille wird als eine Form der Leerstelle betrachtet, die für die Literatur notwendig ist, da sie dem Autor Freiräume gibt, um über das Verschwiegene nachzudenken und eine Imagination anzuregen, die über die bloße Realität hinausgeht.
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