Bachelorarbeit, 2021
44 Seiten, Note: 2,0
1 Einführung
1.1 Einführung in die Thematik der Arbeit
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Theoretische Grundlagen zur Arbeit
2.1 Grundlagen zur Bildungspolitik
2.1.1 Die Enkulturationsfunktion zur Vermittlung der Umwelt
2.1.2 Die Integrationsfunktion zur Teilhabe an der Bildung
2.1.3 Die Allokationsfunktion zur Verteilung von Bildungszertifikaten
2.2 Grundlagen zum Bildungssystem
2.2.1 Der Aufbau des Bildungssystems und der Zugang zur höheren Bildung
2.2.2 Die schichtspezifischen Diversitäten im Bildungssystem
2.3 Grundlagen zur Bildungssoziologie
2.3.1 Der aktuelle Forschungsstand von herkunftsspezifischen Bildungsungleichheiten
2.3.2 Die Theorie der Herkunftseffekte nach Boudon (1974)
2.3.3 Die Habitus- und Kapitaltheorie nach Bourdieu (1970)
3 Untersuchung von Auswirkungen der elterlichen Herkunft auf den Zugang zur höheren Bildung
3.1 Hürde I: Schichtspezifische Leistungsdisparitäten im Elementar- und Primarbereich
3.1.1 Die Kapitalausstattung der Eltern als Entscheidungsträger für den schulischen Erfolg
3.1.2 Die schichtspezifischen Kompetenzunterschiede
3.1.3 Der schichtspezifische Habitus
3.2 Hürde II: Die Auswirkungen der elterlichen Schulformwahl nach der Primarzeit für den Besuch der Sekundarstufe I
3.2.1 Die schichtspezifischen Diversitäten in der Schulformwahl
3.2.2 Die Kosten- und Nutzenabwägung zur Bildungslaufbahnentscheidung
3.2.3 Der Gedanke des Statuserhalts
3.3 Hürde III: Die konkrete Entscheidung für oder gegen ein Studium während des Besuchs der Sekundarstufe II
3.3.1 Das Ergebnis der selektiven Mechanismen des Bildungssystems
3.3.2 Die schichtspezifischen Gründe für und wider ein Studium trotz Abitur
3.3.3 Die Auswirkungen der elterlichen Herkunft im Studium
4 Zusammenführung der Auswirkungen der elterlichen Herkunft auf den Zugang zur höheren Bildung
4.1 Bewertung der Erklärungsversuche hinsichtlich herkunftsspezifischer Bildungsungleichheiten
4.2 Bewertung der Untersuchung
4.3 Bewertung der Chancengleichheit
5 Bildungspolitische Implikationen zur Abschaffung von Bildungsungerechtigkeiten
5.1 Bedarfsgerechte Fördermaßnahmen
5.2 Einstellung des Numerus Clausus
5.3 Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems
5.4 Sensibilisierung der Lehrkräfte
5.5 Ausbau der Forschung
5.6 Attraktivere Finanzierungsmöglichkeiten
5.7 Neuausrichtung der bildungspolitischen Funktionen und Ziele
5.8 Effizientere Ressourcenverteilung
5.9 Gezielte Aufklärung der Arbeiterkinder
5.10 Umdenken der Institution Hochschule
6 Zusammenfassung und Resümee
Die Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen der elterlichen Herkunft und dem Bildungserfolg von Kindern mit Fokus auf den Zugang zur höheren Bildung. Zentrale Forschungsfrage ist dabei, wie soziale Ursprungseffekte die Bildungsbiografie determinieren und welche Mechanismen zu Bildungsungleichheit führen.
Einführung in die Thematik der Arbeit
„Jeder ist seines Glückes Schmied!“ – ein Spruch, durch den in der Schule, der Hochschule wie auch in der Gesellschaft suggeriert wird, dass jedes Individuum in Deutschland die gleiche Möglichkeit und die freie Entscheidung besitzt, Bildungsangebote wie ein Studium wahrzunehmen. Der Erfolg im Bildungssystem und die erreichten Bildungsqualifikationen beeinflussen Berufs- und Lebenschancen enorm. Die höchsten Bildungsabschlüsse werden über den Besuch der Hochschule generiert. Folglich ist ein Studium die formelle wie auch informelle Grundvoraussetzung für Spitzenpositionen in der Wirtschaft und einer damit verbundenen privilegierten Lebensführung (vgl. Müller/ Pollak 2010: 309f). Ebenso kann die höhere Bildung als Sprungbrett zur Realisierung des sozialen Aufstiegs gesehen werden. Ein Entschluss daraus wäre, dass Kinder aus der Unterschicht besonders häufig ein Studium aufnehmen, um ihre soziale Situation zu verbessern und einen gesellschaftlichen Aufstieg zu erlangen.
Die 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes zeigt im Jahre 2016, dass von rund 2,8 Mio. Studierenden ca. 52% dieser aus einem Akademikerhaushalt kommen und ca. 48% der Studierenden aus einem Arbeiterhaushalt stammen (vgl. Middendorf et al. 2017: 9ff). Was zunächst nach einem tendenziell ausgeglichenen Verhältnis der Zusammensetzung von Studierenden klingt, trügt. Mit dem Wissen, dass die Akademikerquote in Deutschland bei etwa einem Fünftel der Bevölkerung liegt, fällt ein Ungleichgewicht der Beteiligungsquote an deutschen Hochschulen hinsichtlich der elterlichen Bildungsherkunft auf (vgl. IAB 2017). Kinder aus Arbeiterfamilien sind an deutschen Hochschulen stark unterrepräsentiert.
1 Einführung: Die Einleitung umreißt die Relevanz des Themas soziale Herkunft für den Bildungserfolg und stellt den Aufbau der Arbeit vor.
2 Theoretische Grundlagen zur Arbeit: In diesem Kapitel werden grundlegende bildungssoziologische und bildungspolitische Theorien und Funktionen erläutert.
3 Untersuchung von Auswirkungen der elterlichen Herkunft auf den Zugang zur höheren Bildung: Dieser Hauptteil analysiert schichtspezifische Barrieren und Bildungsentscheidungen entlang chronologischer Hürden.
4 Zusammenführung der Auswirkungen der elterlichen Herkunft auf den Zugang zur höheren Bildung: Hier erfolgt eine kritische Bewertung der untersuchten Mechanismen und der Wirksamkeit der Chancengleichheit.
5 Bildungspolitische Implikationen zur Abschaffung von Bildungsungerechtigkeiten: Es werden konkrete Reformvorschläge unterbreitet, um benachteiligte Kinder gezielter im Bildungssystem zu fördern.
6 Zusammenfassung und Resümee: Das Abschlusskapitel bietet eine Synthese der Erkenntnisse und einen Ausblick auf notwendige politische Maßnahmen.
Bildungsungleichheit, Soziale Herkunft, Arbeiterkinder, Akademikerhaushalt, Habitus, Bourdieu, Boudon, Bildungssystem, Chancengleichheit, Bildungsbiografie, Sozialer Aufstieg, Bildungsentscheidungen, Kapitaltheorie.
Die Arbeit analysiert, wie die soziale Herkunft von Kindern deren Bildungschancen und den Zugang zu Hochschulen in Deutschland beeinflusst.
Besonders die Mechanismen der sozialen Selektion, die Bedeutung des elterlichen Kapitals und bildungspolitische Implikationen zur Herstellung von Chancengleichheit.
Das Ziel ist es, die schichtspezifischen Hürden im Bildungssystem zu identifizieren und zu hinterfragen, inwiefern die Bildungsbiografie elternabhängig geprägt ist.
Die Arbeit stützt sich primär auf die Rational-Choice-Theorie von Boudon sowie auf die Habitus- und Kapitaltheorie von Pierre Bourdieu.
Der Hauptteil gliedert sich in drei Hürden, die von der Primarstufe über die Schulformwahl bis zur Entscheidung für ein Studium nach dem Abitur reichen.
Begriffe wie Bildungsungleichheit, Habitus, ökonomisches und kulturelles Kapital sowie die Unterscheidung zwischen primären und sekundären Herkunftseffekten stehen im Zentrum.
Dieser Effekt bezieht sich auf schichtspezifische Leistungsunterschiede im Schulalltag, die bereits früh im Elementar- und Primarbereich durch die Kapitalausstattung der Eltern entstehen.
Die Schulformwahl gilt als „Weichenstellung“ für die weitere akademische Laufbahn; Kinder aus Arbeiterhaushalten landen seltener auf dem Gymnasium, was ihre Chancen auf das Abitur maßgeblich einschränkt.
Da das Bildungssystem weitgehend auf den Werten der akademischen Mittelschicht basiert, profitieren Kinder, deren Habitus dazu passt, von einer impliziten Anerkennung bei Notengebung und Empfehlungen.
Sie plädiert u.a. für bedarfsgerechte Fördermaßnahmen, eine Abkehr vom "Akademisierungswahn" im Diskurs und eine stärkere Sensibilisierung der Lehrkräfte für soziale Diskriminierungsmechanismen.
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