Masterarbeit, 2014
51 Seiten, Note: 1,0
1. Einleitung
2. Grundlagen und Voraussetzungen
2.1. Inexplizitheit als Herausforderung
2.2. Das Prinzip der vollständigen Artikuliertheit
2.3. John Perry als Ausgangspunkt
3. Darstellung der Konzepte
3.1. Recanatis Konzept der unartikulierten Konstituenten
3.1.1. Definition unartikulierter Konstituenten
3.1.2. Identifizierung unartikulierter Konstituenten
3.1.3. Variadische Funktionen
3.1.4. Zusammenfassung
3.2. Stanleys Konzept der versteckten indexikalischen Ausdrücke
3.2.1. Definition versteckter indexikalischer Ausdrücke
3.2.2. Identifizierung versteckter indexikalischer Ausdrücke
3.2.3. Beispielanalyse
3.2.4. Zusammenfassung
3.3. Liedtkes Konzept der pragmatischen Muster
3.3.1. Definition pragmatischer Muster
3.3.2. Identifizierung pragmatischer Muster
3.3.3. Beispielanalyse
3.3.4. Zusammenfassung
3.4. Vergleichende Betrachtung der verschiedenen Konzepte
4. Kritische Betrachtung der Konzepte
4.1. Kritische Betrachtung des Konzeptes von Recanati
4.2. Kritische Betrachtung des Konzeptes von Stanley
4.3. Kritische Betrachtung des Konzeptes von Liedtke
4.4. Schlussfolgerungen
5. Neo-Griceanische Lösungen
5.1. Grice als Ausgangspunkt
5.2. Konversationale Implizituren
5.3. Standardisierung von Implizituren
5.4. Experimentelle Belege für das Neo-Griceanische Paradigma
6. Unartikulierte Konstituenten: Eine Neubestimmung
7. Pragmatische Muster und Standardisierung: Eine Synthese
8. Zentrale Ergebnisse
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Inexplizitheit in der Kommunikation und analysiert, wie nicht explizit artikulierte Informationen in einem theoretischen Modell repräsentiert werden sollten. Dabei wird kritisch hinterfragt, ob diese Informationen als semantische Bestandteile des Gesagten oder als pragmatische Kontextfaktoren zu betrachten sind.
3.1. Recanatis Konzept der unartikulierten Konstituenten
Gemäß einer traditionellen Sichtweise sind Semantik und Pragmatik klar voneinander isoliert. Auf der einen Seite können Sprachbenutzer aufgrund ihrer semantischen Kompetenz beliebigen Sätzen ihrer Sprache Wahrheitsbedingungen zuschreiben. Auf der anderen Seite können sie kraft ihrer pragmatischen Kompetenz die kommunikative Intention des Sprechers erkennen und verstehen, was er mit einer Äußerung meint (Recanati 2012: 135). Durch das Phänomen der Inexplizitheit wird diese Sichtweise allerdings von Grund auf in Frage gestellt. Schließlich reicht in diesem Fall semantische Kompetenz nicht mehr aus, um den jeweiligen Sätzen entsprechende Wahrheitsbedingungen zuzuschreiben. Während sich für die einen Sätze nicht die korrekten Wahrheitsbedingungen aufstellen lassen, können für die anderen Sätze überhaupt keine Wahrheitsbedingungen aufgestellt werden. Einen potentiellen Ausweg sieht Recanati in der Sichtweise der wahrheits-konditionalen Pragmatik [truth-conditional pragmatics], zu deren Hauptvertretern er zählt. Demnach werden die Wahrheitsbedingungen in Fällen inexpliziter Äußerungen auch mithilfe pragmatischer Kompetenz bestimmt. Damit einher geht, dass die Wahrheitsbedingungen nicht mehr Sätzen, sondern Äußerungen zugeschrieben werden. In diesem Zusammenhang wird angenommen, dass Äußerungen über eigene wahrheits-konditionale Inhalte verfügen, zu denen insbesondere auch unartikulierte Konstituenten zählen. Dies hat zur Folge, dass Semantik und Pragmatik nicht länger voneinander isoliert sind. Stattdessen dringt die Pragmatik weitreichend in traditionelle Bereiche der Semantik ein, was mit dem Begriff der pragmatischen Intrusion umschrieben wird (Recanati 2010: 3).
1. Einleitung: Einführung in das Phänomen der Inexplizitheit und Vorstellung der im Fokus stehenden theoretischen Konzepte.
2. Grundlagen und Voraussetzungen: Theoretische Herleitung der Problematik durch Begriffe wie Inexplizitheit und das Prinzip der vollständigen Artikuliertheit.
3. Darstellung der Konzepte: Detaillierte Erläuterung der Ansätze von Recanati, Stanley und Liedtke sowie deren Herangehensweise an unartikulierte Informationen.
4. Kritische Betrachtung der Konzepte: Analyse der theoretischen Schwachstellen der drei Konzepte und Vorstellung alternativer Erklärungsansätze.
5. Neo-Griceanische Lösungen: Untersuchung von Kent Bachs Konzept der konversationalen Implizituren und Belegen aus der experimentellen Pragmatik.
6. Unartikulierte Konstituenten: Eine Neubestimmung: Vorschlag einer präzisierten Definition unartikulierter Konstituenten im Rahmen einer pragmatischen Theorie.
7. Pragmatische Muster und Standardisierung: Eine Synthese: Zusammenführende Betrachtung der Korrelationen zwischen Liedtkes Mustern und Bachs Standardisierungsansatz.
8. Zentrale Ergebnisse: Zusammenfassendes Fazit der Untersuchung und Beantwortung der zentralen Forschungsfrage.
Inexplizitheit, unartikulierte Konstituenten, Semantik, Pragmatik, wahrheits-konditionale Pragmatik, Indexikalismus, pragmatische Muster, konversationale Implizituren, Sinnerweiterung, Sinnvervollständigung, Satzsemantik, Sprecherbedeutung, experimentelle Pragmatik, Proposition, logische Form
Die Arbeit untersucht, wie in der Kommunikation nicht explizit geäußerte, aber dennoch verstandene Informationen theoretisch in linguistischen Modellen abgebildet werden können.
Die Untersuchung konzentriert sich auf das Spannungsfeld zwischen Semantik und Pragmatik sowie die verschiedenen Ansätze zur Erklärung inexpliziter Äußerungen.
Ziel ist es zu klären, ob nicht artikulierte Informationen als semantisch relevante Bestandteile, als versteckte logische Variablen oder als rein pragmatische Kontextmerkmale zu verstehen sind.
Die Arbeit nutzt eine theoretisch-analytische Methode, welche die Konzepte führender Sprachphilosophen vergleicht, kritisch bewertet und durch Erkenntnisse der experimentellen Pragmatik ergänzt.
Es werden drei Hauptströmungen (Recanati, Stanley, Liedtke) ausführlich dargestellt und einer kritischen Begutachtung hinsichtlich ihrer theoretischen Konsistenz unterzogen.
Wesentliche Begriffe sind Inexplizitheit, unartikulierte Konstituenten, wahrheits-konditionale Pragmatik und konversationale Implizituren.
Recanati ordnet unartikulierte Konstituenten dem pragmatisch angereicherten Gesagten zu, während Stanley sie als versteckte semantische Variablen in der logischen Form des Satzes betrachtet.
Liedtke bietet einen Erklärungsansatz, der ohne eine Verletzung der Semantik-Pragmatik-Grenzen auskommt, indem er Äußerungen mit stereotypischen Situationen verknüpft.
Die Arbeit weist nach, dass das Bindungsargument zu unpräzise ist und fälschlicherweise versteckte Variablen auch dort postuliert, wo sie empirisch nicht nachweisbar sind.
Die Arbeit plädiert für Bachs Modell der konversationalen Implizituren, da es die traditionelle Arbeitsteilung zwischen Semantik und Pragmatik am überzeugendsten bewahrt.
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