Bachelorarbeit, 2008
34 Seiten, Note: 1,3
I. Einleitung
II. Kindheit und erste Ehejahre
1. Familie de Lemos
2. Marcus Herz
III. Tugendbund und Salon
1. Gesellschaftliche Stellung Henriettes
2. Wichtige jüdische Persönlichkeiten ihres Bekanntenkreises
a. Rahel Varnhagen
b. Familie Mendelssohn
c. Ludwig Börne
d. Sarah Levy
e. Mariane und Sarah Meyer
IV. Das Leben als Witwe
1. Gesellschaftliche Stellung nach dem Tod Marcus Herz‘
2. Protestantische Taufe
3. Die letzten Jahrzehnte ihres Lebens und der Tod Henriettes
V. Bedeutung und Besonderheit Henriettes in deutsch-jüdischer Perspektive
Die Arbeit untersucht die besondere Rolle von Henriette Herz in der deutsch-jüdischen Gesellschaft um 1800. Ziel ist es, ihre Entwicklung von der Kindheit über ihre Zeit als zentrale Figur des ersten Berliner literarischen Salons bis hin zu ihrer Witwenzeit nachzuzeichnen, um ihre Bedeutung und Wirkung in einem gesellschaftlichen Umfeld zu erfassen, das durch Aufklärung, Emanzipationswünsche und bestehende Vorurteile gegenüber Juden geprägt war.
1. Familie de Lemos
Henriette kam am 5. September 1764 als Tochter der Esther de Lemos, geborene Charlesville, (1742-1817) und des jüdischen Arztes Benjamin de Lemos (1711-1789) zur Welt. In Berlin existierte kein Ghetto. Dennoch wohnte die Familie in einem Haus, in dem nur Juden lebten. Henriette selbst bezeichnet ihre Wohngegend als „jüdische[…] Kolonie“ [HHE, S.12].
Über ihre Familiengeschichte schreibt Henriette in ihren „Erinnerungen“, der Vater sei als sephardischer Jude in Hamburg aufgewachsen und nach seinem Studium der Arzneiwissenschaft in Halle als Arzt nach Berlin gekommen, wo er zunächst kein hohes Einkommen hatte, da die meisten Berliner Juden zu dieser Zeit nicht sehr reich gewesen seien. Benjamin de Lemos war ein sehr religiöser Mann, der die jüdischen Gesetze befolgte und oft und viel in der Heiligen Schrift las. An ihm hing Henriette sehr, die Beziehung zur Mutter war bedeutend schlechter. So vermutet Henriette, die Mutter habe sie nicht besonders geliebt, während ihr Vater nachsichtiger mit ihr gewesen sei und sich lediglich manchmal durch die Mutter habe gegen sie aufhetzen lassen.
Die Eltern ließen ihrer ältesten Tochter eine gute Bildung zuteil werden, neben dem Erlernen von Schreiben und Rechnen erhielt sie auch Unterricht in Französisch, Hebräisch und Geographie sowie Musikstunden. Über ihre religiöse Erziehung beklagt sie sich allerdings, wenn auch mit dem Hinweis, es sei zu dieser Zeit in jüdischen Familien üblich gewesen, dass ein „Mädchen […] gar nicht […] im Glauben ihrer Eltern unterrichtet [wurde]“, aber „die Formen desselben […] beobachten [musste]“, ja sogar „in hebräischer Sprache beten [musste], ohne daß es verstand, was es betete“ [HHE, S. 11].
I. Einleitung: Diese Einleitung erläutert die Zielsetzung der Arbeit, die Besonderheit der Henriette Herz in deutsch-jüdischer Perspektive zu erarbeiten, und stellt die wichtigsten verwendeten Quellen vor.
II. Kindheit und erste Ehejahre: Das Kapitel beleuchtet den familiären Hintergrund von Henriette Herz, ihre Bildung sowie die prägende Heirat mit dem Arzt und Philosophen Marcus Herz.
III. Tugendbund und Salon: Hier wird die Etablierung von Henriettes gesellschaftlicher Stellung, ihr Salon und ihr Netzwerk zu einflussreichen Zeitgenossen detailliert untersucht.
IV. Das Leben als Witwe: Dieser Abschnitt behandelt die finanzielle und gesellschaftliche Neuorientierung von Henriette Herz nach dem Tod ihres Mannes sowie ihre Konversion zum Protestantismus.
V. Bedeutung und Besonderheit Henriettes in deutsch-jüdischer Perspektive: Das Fazit fasst die Rolle von Henriette Herz als Vermittlerin zwischen jüdischen und christlichen Kreisen sowie ihre Bedeutung für den deutsch-jüdischen Dialog zusammen.
Henriette Herz, Berliner Salon, deutsch-jüdische Geschichte, Emanzipation, Judentum, Protestantismus, Aufklärung, Tugendbund, Gesellschaft, Assimilation, Literaturgeschichte, Marcus Herz, Rahel Varnhagen, Moses Mendelssohn, Ludwig Börne.
Die Bachelorarbeit setzt sich mit dem Leben und Wirken von Henriette Herz auseinander und analysiert ihre Position innerhalb der deutsch-jüdischen Gesellschaft um 1800.
Im Zentrum stehen die Entwicklung des ersten Berliner literarischen Salons, die Bedeutung von Bildungsnetzwerken und die Ambivalenz zwischen jüdischer Herkunft und angestrebter gesellschaftlicher Integration.
Das Ziel ist es, Henriette Herz als eine prägende Figur zu würdigen, die trotz der bestehenden Vorurteile ihrer Zeit einen interkulturellen Dialog förderte.
Die Arbeit basiert primär auf der Auswertung historischer Quellen, insbesondere Briefen, Zeugnissen und den „Erinnerungen“ der Henriette Herz sowie ergänzender wissenschaftlicher Sekundärliteratur.
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch in die Phasen ihrer Kindheit und frühen Ehejahre, ihre Zeit als Salondame im Tugendbund und ihr späteres Leben als Witwe, einschließlich ihres Glaubensübertritts.
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Berliner Salon, Emanzipation, deutsch-jüdische Identität und Aufklärung charakterisieren.
Der Tod ihres Mannes führte zu einer finanziellen Verschlechterung, die ihren gesellschaftlichen Rückzug einleitete und sie schließlich zur Aufgabe ihres Salons zwang.
Ihre Konversion erfolgte vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Barrieren für Juden und ihrem Wunsch nach besserer Assimilation, wobei sie diese Entscheidung aus Rücksicht auf ihre orthodoxe Mutter erst nach deren Tod umsetzte.
Diese Freundschaften zeigen, dass Henriette trotz gesellschaftlicher Vorurteile in der Lage war, sich ein hochkarätiges intellektuelles Netzwerk aufzubauen, das über konfessionelle Grenzen hinweg bestand.
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