Diplomarbeit, 2008
94 Seiten, Note: 1,3
1 Einleitung
2 Theoretische Grundlagen und Rahmenbedingungen
2.1 Die Rollentheorie
2.2 Demokratiedefizit und Wertorientierung in der Außenpolitik
2.3 Anwendung der Rollentheorie in der Außenpolitik
2.3.1 Vorstellung der Makroebene
2.3.2 Vorstellung der Mikroebene
2.3.3 Zusammenführung von Makro- und Mikroebene
3 Die Prägung der postkolonialen französischen Afrikapolitik (bis 1995)
3.1 Gaullistische Einflüsse und Grundprinzipien
3.1.1 Grandeur und indépendance
3.1.2 Die domaine réservé des Präsidenten
3.2 Entkolonialisierung versus Neokolonialismus
3.2.1 Françafrique
3.2.1.1 Praxis der réseaux
3.2.1.2 Politische und verwaltende Strukturen
3.2.1.3 Finanzpolitische Zusammenarbeit
3.2.2 Wirtschaftliche Entwicklung und Demokratisierung
3.2.3 Schutzmacht und Stabilisierung
3.3 Zwischenfazit
4 Chiracs politischer Werdegang und Persönlichkeit
4.1 Politischer Werdegang
4.1.1 Frühe Einführung in die réseaux
4.1.2 Persönlicher politischer Stil
4.1.2.1 Politische Überzeugungen
4.1.2.2 Präferenz der Außenpolitik gegenüber der Innenpolitik
4.1.2.3 Zwischenmenschlicher Stil
4.2 Wahrnehmung, Einstellungen, Werte und Interessen
4.2.1 Kenner der arts premiers
4.2.2 Freund der Kulturen
4.3 Zwischenfazit
5 Chiracs ambivalente Afrikapolitik
5.1 Chirac l’Africain: Wie bewertet man die Bezeichnung?
5.2 Zwischen gaullistischer Prägung und eigener Interpretation
5.3 Allianz der Eliten oder Volksnähe?
5.4 Kritisierter Sippenchef und anerkannter Anwalt Afrikas
5.5 Ein umstrittener Mediator
5.6 Militärisches désengagement mit Einflusswahrung
5.7 Zielkonflikt: Demokratie versus Stabilität
5.8 Entwicklungshilfe: Reform oder réseaux?
6 Fazit und Ausblick
Die Arbeit analysiert das außenpolitische Handeln des ehemaligen französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac in Bezug auf das subsaharische Afrika. Ziel ist es, das ambivalente Verhältnis zwischen Chiracs persönlicher Motivation, geprägt durch seine Persönlichkeit und Werthaltungen, und der traditionell neokolonialistisch geprägten Struktur der französischen Afrikapolitik zu untersuchen und kritisch zu bilanzieren.
3.2.1 Françafrique
„Françafrique“, dieser Terminus wurde erstmals 1955 von dem ivorischen Staatspräsidenten Houphouët Boigny gebraucht, um die engen Beziehungen und die gute Zusammenarbeit zu definieren, die sein Land mit der Kolonialmacht pflegte. Inzwischen wird der Terminus tendenziell eher negativ konnotiert, spätestens seit den Werken Verschaves. In diesen geht er es an, die „mafiösen“ Strukturen der franko-afrikanischen Beziehungen zu enthüllen. Seine Beschreibungen dieser „partie immergée, hors la loi, de l’iceberg des relations franco-africaines“ sind skandalös und stehen im krassen Gegensatz zur grandeur de la France: Vorsätzlich erzeugte Abhängigkeit der afrikanischen Länder von französischen Geldern, Plünderung der Rohstoffe durch französische Firmen, Korruption und Veruntreuung von Entwicklungshilfegeldern zugunsten französischer und afrikanischer Eliten, militärische Unterstützung ausgesuchter Diktatoren als „Platzhalter“ Frankreichs und Unterdrückung der Unabhängigkeitsbewegungen durch gefälschte Wahlen und Mord - die Liste scheint endlos und wird noch durch die darauffolgenden Publikationen Verschaves noch erweitert.
Doch längst nicht nur Verschave ordnet Françafrique als ein mafiöses System mit zweifelhaften Strukturen ein, das aufgrund politischer, wirtschaftlicher und finanzieller Bedürfnisse französischer und afrikanischer Eliten aufrechterhalten wurde; auch Glaser, Smith, Clapham, Hugeux und weitere Afrikaexperten sind dieser Meinung. Man findet den Terminus Françafrique bis heute in der französischen Presse vertreten sowie in zahlreichen Buchpublikationen und Aufsätzen zu den franko-afrikanischen Beziehungen.
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Ambivalenz von Chiracs Afrikapolitik ein und stellt die theoretische Basis der Rollentheorie zur Verknüpfung von Makro- und Mikroebene vor.
2 Theoretische Grundlagen und Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel erläutert die Rollentheorie und das Demokratiedefizit in der Außenpolitik als methodisches Werkzeug für die Analyse des Akteurs.
3 Die Prägung der postkolonialen französischen Afrikapolitik (bis 1995): Hier werden die historischen und strukturellen Bedingungen der französischen Afrikapolitik, insbesondere der Begriff Françafrique, dargelegt.
4 Chiracs politischer Werdegang und Persönlichkeit: Dieses Kapitel analysiert Chiracs politische Sozialisation, seinen persönlichen Stil und seine Werte, die seine außenpolitische Haltung prägten.
5 Chiracs ambivalente Afrikapolitik: Der Hauptteil untersucht Chiracs Rollenperformance in der Praxis, seine Rolle als Mediator sowie das Spannungsfeld zwischen Demokratieförderung und Stabilität.
6 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet Chiracs zwiespältiges Vermächtnis sowie den Einfluss von Strukturen auf die Handlungsspielräume eines Präsidenten.
Jacques Chirac, Afrikapolitik, Françafrique, Rollentheorie, Neokolonialismus, Außenpolitik, Frankreich, Entwicklungshilfe, Postkolonialismus, Staatspräsident, Demokratiedefizit, réseaux, politische Kultur, Diplomatie, Internationale Beziehungen.
Die Diplomarbeit untersucht die Afrikapolitik des französischen Präsidenten Jacques Chirac und analysiert, inwieweit seine persönlichen Überzeugungen mit den etablierten neokolonialistischen Strukturen der französischen Außenpolitik kollidierten oder korrespondierten.
Die Arbeit fokussiert sich auf die Verknüpfung von nationalen, historisch gewachsenen Strukturen (Makroebene) und dem individuellen politischen Handeln sowie der Persönlichkeit Chiracs (Mikroebene).
Ziel ist eine ausgewogene Bilanzierung von Chiracs Motivation und den tatsächlichen Ergebnissen seiner zwölfjährigen Amtszeit in Bezug auf Demokratie, Frieden und Entwicklung in den afrikanischen Partnerländern.
Die Arbeit nutzt als theoretisches Gerüst die Rollentheorie (Role Theory), um das ambivalente Verhalten Chiracs im internationalen System und die Komplexität seiner außenpolitischen Rolle zu erklären.
Im Hauptteil werden Chiracs Handlungen in verschiedenen Bereichen wie Entwicklungspolitik, Mediation bei afrikanischen Krisen und militärischem Engagement analysiert, unter besonderer Berücksichtigung seiner informellen Beziehungen (réseaux).
Die Arbeit wird vor allem durch Begriffe wie Françafrique, Rollenperformance, Neokolonialismus, politische Kultur und das Spannungsfeld zwischen Demokratie und Stabilität charakterisiert.
Die Bezeichnung spiegelt sein außerordentliches Interesse an Afrika, seine häufigen Reisen und seine persönlichen, teils sehr engen Beziehungen zu afrikanischen Staatschefs wider, auch wenn diese Bezeichnung in der Literatur unterschiedlich bewertet wird.
Die Netzwerke (réseaux) bildeten ein undemokratisches, oft undurchsichtiges System, das es Chirac ermöglichte, persönlichen Einfluss auszuüben, das jedoch gleichzeitig Reformen im Sinne von Transparenz und Demokratie erschwerte.
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Chirac zwar demokratische Rhetorik nutzte, in der Praxis jedoch oft formelle Kriterien über reale demokratische Prozesse stellte und Stabilität oft dem demokratischen Wandel vorzog.
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