Masterarbeit, 2023
95 Seiten, Note: 1,1
Jura - Zivilrecht / Handelsrecht, Gesellschaftsrecht, Kartellrecht, Wirtschaftsrecht
I. Einführung
II. Leerverkäufe am Kapitalmarkt
1. Definition des Leerverkaufs
2. Typus des Leerverkaufs
2.1 Gedeckter Leerverkauf
2.2 Ungedeckter Leerverkauf
3. Rechtsdogmatische Einordnung des Leerverkaufs
3.1 Kaufvertrag
3.2 Aktienleihe
3.3 Kriterium des Leerverkaufs
4. Leerverkäufe mittels Put-Optionen
5. Hedgefonds als Akteure des Leerverkaufs
6. Positiver Einfluss von Leerverkäufen auf den Kapitalmarkt
6.1. Erhöhung der Liquidität am Kapitalmarkt
6.2 Auswirkung auf die Preisbildung
7. Negativer Einfluss von Leerverkäufen auf dem Kapitalmarkt
7.1 Short Squeeze
7.2 Missbrauch des Marktes
8. Handelsstrategien von Leerverkäufen und deren Analysemethoden
8.1 Fundamentale Leerverkäufer
8.2 Taktische Leerverkäufer
III. Die Anatomie eines Leerverkaufs
1. Identifizierung überbewerteter Unternehmen
2. Eingehen der Short-Position
3. Schließen der Short-Position
IV. Wirecard und GameStop: Eine Historie
1. Wirecard AG
2. GameStop Corp.
V. Wirecard und GameStop: Im Visier der Hedgefonds
1. Identifizierung der Überbewertung: Wirecard und GameStop
1.1 Außenwirkung
1.2 Fundamentale Unternehmenskennzahlen
1.3 Branchenvergleich
1.4 Gegenüberstellung
2. Eingehen der Short-Positionen
2.1 Zeitpunkt der Eröffnung
2.2 Gegenüberstellung
3. Schließen der Short-Position
3.1 Entwicklung im Verlauf bis zur Schließung
3.2 Zeitpunkt der Schließung
3.3 Gegenüberstellung
VI. Vorwürfe der Marktmanipulation
1. Wirecard
2. GameStop
VII. Maßnahmen der nationalen Aufsichtsbehörden
1. BaFin
2. SEC
VIII. Fazit
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine vergleichende Analyse der Leerverkaufspraktiken der Hedgefonds bei den Unternehmen Wirecard AG und GameStop Corp. durchzuführen. Dabei werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den jeweiligen Fallbeispielen untersucht, um die Auswirkungen von Short-Positionen auf Unternehmen und Kapitalmarkt besser zu verstehen sowie Vorwürfe der Marktmanipulation und die Reaktionen der Aufsichtsbehörden kritisch zu beleuchten.
3.2 Aktienleihe
Zur Erfüllung seines Verpflichtungsgeschäfts kann sich der Leerverkäufer durch eine Leihe mit den Aktien eindecken. Der Begriff „Leihe“ ist hier jedoch irreführend.
Nach § 598 BGB wird bei einer Leihe die unentgeltliche Überlassung einer Sache verstanden, wobei die Rückgabe der identischen Sache geschuldet wird. Charakteristisch für die Leihe nach § 598 BGB ist ein unentgeltlicher Vorgang in Form einer Gebrauchsüberlassung. Dies liegt bei einer Aktienleihe eben nicht vor, da der Verleiher vom Leerverkäufer eine Sicherheitseinlage erhält, und somit von der Leihgabe selbst Gewinn erzielt. Ferner erfolgt die Leihgabe ohne Eigentumsübertragung und der Entleiher verpflichtet sich, die Sache nicht zu verbrauchen und dem Verleiher die identische Sache nach Ende der Leihgabe zurückzuübertragen.
Eine Aktienleihe ist schuldrechtlich nicht, entgegen der Bezeichnung des § 598 BGB als Leihvertrag zu verstehen, sondern als Sachdarlehen bzw. Aktiendarlehen worauf die Vorschriften der §§ 607 ff. BGB Anwendung finden. Bei einem Aktiendarlehen gem. §§ 607 ff. BGB wird nicht die Rückgabe der identischen Sache, sondern einer Sache gleicher Art, Güte und Menge geschuldet. Entgegen § 598 BGB erfolgt bei einem Aktiendarlehen auch die Verfügung der Aktie durch eine Eigentumsübertragung gegen Zahlung einer Sicherheitseinlage an den Aktienverleiher gem. § 607 i.V.m § 929 BGB. Ursprung des Begriffs ist der amerikanische Begriff „securities lending“. Da sich in Literatur und Praxis jedoch der Begriff Aktienleihe (oder auch Wertpapierleihe) etabliert hat, wird der Begriff im Rahmen der Thesis auch weiterhin Verwendung finden.
I. Einführung: Diese Einleitung stellt die zentralen Fallbeispiele Wirecard und GameStop vor und erläutert die Relevanz des Themas Short-Selling in der aktuellen Finanzwelt.
II. Leerverkäufe am Kapitalmarkt: Kapitaleinordnung der Anlagestrategie, Definitionen, rechtliche Grundlagen sowie eine Differenzierung zwischen gedeckten und ungedeckten Leergeschäften.
III. Die Anatomie eines Leerverkaufs: Erläuterung der praktischen Vorgehensweise, von der Identifikation überbewerteter Unternehmen bis hin zur Eröffnung und Schließung von Short-Positionen.
IV. Wirecard und GameStop: Eine Historie: Detaillierte Darstellung der Unternehmensentwicklungen, die zu den jeweiligen Spekulationen bzw. Skandalen führten.
V. Wirecard und GameStop: Im Visier der Hedgefonds: Eine direkte vergleichende Analyse der Aktionen von Hedgefonds bei beiden Unternehmen, basierend auf realen Transaktionsdaten.
VI. Vorwürfe der Marktmanipulation: Untersuchung der bei beiden Fällen erhobenen Vorwürfe bezüglich unzulässiger Marktbeeinflussung durch Leerverkäufer und Journalisten.
VII. Maßnahmen der nationalen Aufsichtsbehörden: Darstellung der Rolle und Reaktionen der BaFin in Deutschland sowie der SEC in den USA als regulatorische Instanzen.
VIII. Fazit: Zusammenfassende Würdigung der Analyseergebnisse und Ausblick auf die Ambivalenz von Leerverkäufen auf den Finanzmärkten.
Leerverkauf, Short-Selling, Short Squeeze, Hedgefonds, Wirecard AG, GameStop Corp., Marktmanipulation, BaFin, SEC, Kapitalmarkt, Aktienleihe, Put-Optionen, Finanzmarktregulierung, Börse, Wertpapierleihe.
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle des Leerverkaufs am Kapitalmarkt, analysiert an den prominenten und gegensätzlichen Beispielen der Wirecard AG und der GameStop Corp.
Thematisiert werden die Funktionsweise von Leerverkäufen, die angewandten Handelsstrategien von Hedgefonds, die regulatorischen Aspekte sowie Vorwürfe der Marktmanipulation.
Das Ziel ist eine vergleichende Analyse der Strategien, die von Hedgefonds bei der Leerverkaufung der genannten Unternehmen angewendet wurden, sowie die Aufarbeitung unterschiedlicher Krisenszenarien.
Die Thesis nutzt einen methodischen Ansatz, der sowohl theoretische Grundlagen aus der Literatur als auch eine empirisch orientierte Analyse realer Marktdaten und Transaktionshistorien kombiniert.
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Anatomie des Leerverkaufs, die historische Aufarbeitung der Fallbeispiele und eine detaillierte, datengestützte Analyse der Positionseingänge und -ausgänge der involvierten Fonds.
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Leerverkauf, Short Squeeze, Hedgefonds, Wirecard, GameStop, Marktmanipulation, Finanzmarktregulierung und Kapitalmarkteffizienz.
Im Gegensatz zu Wirecard, wo fundamentale Zweifel an der Bilanz die Hauptrolle spielten, wurde GameStop durch eine kollektive Mobilisierung von Kleinanlegern via Social Media in einen extremen Short Squeeze getrieben.
Die Arbeit analysiert, wie diese Behörden auf die Marktverwerfungen reagierten, ihre Kompetenzen anpassten und welche regulatorischen Maßnahmen zur Überwachung von Short-Positionen diskutiert wurden.
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